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Gegenwind für die Jahresendrally Nasdaq: Korrektur durch steuerlich bedingte Verkäufe?

Vor allem Tech-Aktien dürften verkauft werden

Nasdaq Tax Loss Selling

Werden steuerlich bedingte Verkäufe in den USA vor allem den Technologie-Index Nasdaq unter Druck bringen?

Derzeit geistert der englische Begriff des Tax Loss Sellings durch manche Medien. Was gerade den deutschen Steuersparer doch sehr interessieren dürfte, allerdings geht es aktuell um das amerikanische Steuerrecht, welches ein 30-Tages-Fenster öffnet, um Verluste eines Jahres ins nächste Jahr zu übertragen. Was umso bedeutsamer sein kann, desto größer sich die Verluste innerhalb des Jahres aufgetürmt haben. 2022 speziell im Hightech-Sektor, wo einige billionenschwere FAANG-Titel im Nasdaq mächtig unter dem monetären Klimawandel so gelitten haben. Könnte dies die überfällige Korrektur bei den heißgelaufenen Indizes auslösen?

Die Effekte des Tax Loss Sellings

Das amerikanische Steuerrecht gibt den Anlegern die Möglichkeit, Aktien die im Minus stehen, zu verkaufen, um dann die Verluste mit Gewinnen zu verrechnen. Oder aber diese ins nächste Jahr zu übertragen, wenn es zu wenig gegenzurechnen gibt. Aber um den sogenannten Gestaltungsmissbrauch zu verhindern, existiert in Übersee etwas, was man als „Wash Sale Rule“ bezeichnet. Was zur Folge hat, dass man diese Papiere nicht binnen 30 Tagen zurückkaufen darf, um es steuerlich relevant zu machen.

Mögliche Folgen:

Ein Großreinemachen der Depots zum Zwecke der Steueroptimierung könnte in Kürze Druck auf Aktienindizes wie den Nasdaq auslösen, da man diese Aktien nicht mehr im Jahre 2022 zurückkaufen darf. Allerdings wäre dies schon wieder so etwas wie eine kleine Garantie für einen guten Jahresauftakt, wenn die Titel mit guter Unternehmensstory zu Beginn des neuen Jahres zurückgekauft würden.

Nasdaq: 2022, das Jahr des Wechsels von Growth zu Value

Der aus finanzmathematischen Gründen schon mehrfach dargelegte Aspekt der Rückkehr zum Mittelwert (Mean Reversion) bei Growth hat ab November 2021 so richtig Fahrt aufgenommen. Was bedeutet, dass der monetäre Klimawandel dazu geführt hatte, dass infolge des Zinsanstiegs die sogenannten Wachstumstitel stark unter die Räder kamen. Weil eben deren Gewinne anhand des Zinsniveaus abdiskontiert werden und damit entstand großer Druck, speziell auf Titel mit hohen Kurs/Gewinn-Verhältnissen. Das Kapital floss in Value, also den „behäbigen“ Titeln, die teilweise über Jahre vernachlässigt wurden.

Daher verlor der Nasdaq 100 in diesem Jahr auch mehr als der marktbreite S&P 500, wie dieser Jahreschart aufzeigt:

Jahreschart Nasdaq 100

Für die USA bedeutete dies konkret: raus aus den Sektoren Telekommunikation, zyklische Kommunikationsgüter und Hochtechnologie und rein in Energie, Versorger und Konsumgüter des täglichen Bedarfs. Sehr anschaulich dargestellt an der Jahresübersicht der Sektoren im S&P 500:

Sektorenbilanz S&P 500

Auf welche Titel könnte sich das Tax Loss Selling auswirken?

Ausgerechnet auf diejenigen, die über einen ganzen Zyklus die Lieblinge der Anleger gewesen sind: Hightech-Aktien aus dem Nasdaq, für die sogar mehrfach Akronyme konstruiert wurden, um ihre Ausnahmestellung hervorzuheben – FAANG, GAFA oder FANGMA, sind nur einige Abkürzungen.

Die Jahres-Heatmap des S&P 500 zeigt in tiefem Rot genau die eben genannten Sektoren und auch die Aktien, die es 2022 so richtig betroffen hat. Die Größe der Rechtecke steht für die Marktkapitalisierung. Meta Platforms (Facebook) ist durch seine Verluste mittlerweile so klein geworden, dass man nicht einmal mehr die Prozentangaben einpflegen kann. Kommt von Apple und Co noch einmal Druck auf die Märkte?

Jahres-Heatmap S&P 500 und Nasdaq Heatmap

Schlussfolgerung

Derzeit suchen Analysten und Investoren heftig nach Signalen, die für eine Abkühlung der Aktienhausse seit 6-8 Wochen Anlass geben könnten – aus technischen, fundamentalen oder geldpolitischen Gründen. Aber ein Effekt dürfte ziemlich sicher kommen, weil er im kapitalistischen Amerika finanzielle Vorteile bringt, das Tax Loss Selling. Weil man Gewinne steuerlich neutralisieren und zeitlich verschieben kann, dieser Effekt wird in der Anlageszene auch „Compounding“ genannt.

Die Frage ist nur der Zeitpunkt und das Ausmaß der Depotbereinigungen.

Damit bekäme man die lange erwarteten Gewinnmitnahmen, Kurse von Indizes wachsen sowieso nicht in den Himmel, was man bei Einzelaktien manchmal glauben könnte. Bei den Zuwächsen der letzten Zeit müsste man sich ansonsten mit baldigen Höchstkursen beschäftigen – wovon nicht einmal Superoptimisten ausgehen. Nasdaq Composite oder der Nasdaq 100 aber sind die Indizes, die unter den steuerbedingten Verkäufen am Meisten leiden dürften..

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