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Nasdaq: Tech-Werte im Korrekturmodus, ist es nur der Zinsanstieg?

Wieder fällt der Technologieindex Nasdaq, in ähnlichen Größenordnungen, wie in der ersten Hälfte des Septembers 2020, wieder befand man sich mit den Abschlägen im Korrekturmodus (> 10 Prozent), nur ist die Ursache dieses Mal eine andere.

Nasdaq: Korrektur der Super-Hausse

Der Technologie-Index Nasdaq ist gerade ein zweites Mal nach September 2020 in eine 10-Prozent-Korrektur – von 13.807 auf 12.464 Punkte – abgerutscht. Im letzten Herbst hatte es bereits ein ähnliches Abtauchen gegeben (von 12.420 auf 10.883 Punkte). Damals waren die Gründe aber im Wesentlichen andere: Die Über-Euphorie der Anleger nach den Aktiensplits von Apple und Tesla, der Fear&Greed-Index beim S&P 500 in großen (Gier-)Höhen, die RobinHooder mit voller Call-Spekulation auf die Hightech-Werte und ein Abstand des Nasdaq von seinem 200-Tage-Durchschnitt, wie bei der Internet-Bubble im Jahr 2000.

Und im Februar/März 2021? Ganz eindeutig ist es der Anstieg der Kapitalmarktzinsen, der den Wachstumswerten in diesem Index zu schaffen macht, von denen viele überhaupt keine Gewinne abwerfen und fremdfinanziert sind. Die Zinsen für die Firmenkredite können bei einem Wachstumsschub in 2021 unmöglich in die Regionen des Coronajahres zurückkehren. Damit könnte sich etwas fortsetzen, was ich schon in mehreren Beiträgen thematisiert habe: Der Superzyklus des Nasdaq und des Nasdaq 100 kann sich schwerlich ohne heftige Korrektur über Jahre fortsetzen – die Mean Reversion muss einsetzen. Der Nasdaq 100 ist von seinem Tief in der Finanzkrise (2008) von 1036 Punkten auf 13.807 Punkte gestiegen, was für eine Vervielfachung! Ein Index, der vom Lockdown noch einmal riesig profitiert hat. Aber selbst Apple dürfte es schwer haben, seine Kursverdoppelung von 2019 bis 2021 mit Gewinnen zu rechtfertigen. Und da gibt es auch große Werte, die noch auf ganz andere Fundamentalbewertungen kommen.

Der Ausgleich, die Branchenrotation

Wer hätte geglaubt, dass es bei zweistelligen Korrekturen der FAANG-Aktien nicht zu riesigen Abschlägen in den US-Indizes kommen würde? Schließlich hatten diese großen Werte eine Marktkapitalisierung von gut einem Viertel des Leitindex ausgemacht. Ich habe keine Vorhersage gelesen, die so etwas prognostiziert hätte. Der 9. November 2020, mit seiner Impfstoffüberraschung, war ein Gamechanger, der „Freund und Feind“ überrascht hatte. War vorher nicht sogar die Rede davon, dass die Impfstoffhoffnungen pure Fantasie seien, weil es in hundert Jahren Medizinforschung nicht gelungen war, einen Impfstoff gegen ein Virus und in so kurzer Zeit zu entwickeln? Damit haben die Value-Aktuen einen Schub bekommen, der aufgrund der Underperformance in der letzten Dekade sowieso schon anstand, Nebenwerte im Russel 2000, Energiewerte, Finanztitel, Chemie, Rohstoffe, und, und, und.

Die Zahl der IPOs (Neuemissionen) schoss in weitere Höhen, genau wie die Zahl der SPACs (Börsenmäntel), aber jetzt ist ein mächtiger Gegner aufgetaucht: der Anstieg der Kapitalmarktzinsen.

Eine doppelte Konkurrenz für die Aktienmärkte. Desto niedriger der Zins, desto wertvoller die Aktienrenditen, aufgrund der Abdiskontierung künftiger Aktienerträge. Umso niedriger der Zins für Staatsanleihen, desto höher das KGV der Rentenmärkte und umso mächtiger TINA. Das hat sich gerade bereits ein Stück geändert.

Erst gar nicht zu reden von den höheren Finanzierungskosten, die für alle Wirtschaftssubjekte (zumindest in Teilbereichen) auftreten.

Daher könnte auch die Branchenrotation eingebremst werden, sollte sich der Zinsanstieg weiter fortsetzen – vor allem, wenn dies rasch gehen sollte.

Über die Höhe des kritischen Zinssatzes, der Reaktion der Notenbanken und dem großen Anteil, den hier der Faktor allgemeine Preissteigerungen einnimmt, über all das wurde in der letzten Woche schon sehr viel auf FMW geschrieben und gesprochen. Allerdings muss man einfach noch feststellen, dass der Anstieg der Renditen Ausdruck für die starke antizipierte konjunkturelle Erholung ist. 0,5 Prozent bei den 10-jährigen US-Treasuries passen in keinster Weise zu einem Wirtschaftswachstum von über fünf Prozent. Bei einem Level von 1,5 Prozent dürfte es für die Aktien kein Problem darstellen, auch vergangene Wendepunkte haben zunächst keine negativen Auswirkungen auf die Dividendentitel gehabt.

Aber: Ohne zu sehr weissagen zu wollen – es bleibt das Thema der nächsten Wochen und Monate.

Covid-19 und die Angst vor der dritten Welle

Derzeit warnen viele Institute vor der Ausbreitung der dritten Welle, besonders das RKI in Deutschland. Dürfte bei uns auch noch ein Problem bleiben durch die geringe Zahl der offiziell Infizierten und die Probleme mit der Organisation der Impfungen. Aber in den USA? Die Zahl der registrierten Fälle steht kurz vor der 30 Millionen-Marke (9 Prozent der Bevölkerung), in Verbindung mit einer moderaten Dunkelziffer dürfte man die 100 Millionen-Grenze an Immunisierten aber schon locker überschritten haben. Darauf lässt auch schon die Zahl der an oder mit Corona Gestorbenen schließen – 537.000, bei einer Letalitätsrate von etwa 0,5 Prozent. Die USA „schwimmen“ im Impfstoff, es wurden bereits über 85 Millionen Impfdosen verimpft, Joe Biden hat bis Ende Mai eine Total-Vakzination in Aussicht gestellt. Das Reopening der Wirtschaft dürfte in wenigen Wochen möglich sein.

Und die dritte Welle? Wenn man sich die Infektionsübersichten der beiden „verursachenden“ Länder wie Großbritannien und Südafrika ansieht, könnte man schon ein paar Zweifel bekommen.

Corona in UK

Soll in diesen Ländern die Mutation nicht voll verbreitet sein?

Das saisonale Muster, fast zu schön, um wahr zu sein

Hier ein langfristiger Chart über den typischen Verlauf, wenn es einen Präsidentenwechsel in den USA gegeben hat. Würde bedeuten, die Märkte korrigieren noch bis zur endgültigen Verabschiedung des Stimuluspakets und bis zum Verfallstag am dritten Freitag des Monats. Nachdem im letzten Jahr nahezu kein Muster gepasst hat, könnte es doch sein, dass…

Der saisonale Verlauf beim S&P 500 - wichtig auch für den Nasdaq

In jedem Fall ist das große Konjunkturpaket in Höhe von 1,9 Billionen Dollar ein weiterer Unsicherheitsfaktor für die Börsen. Kommt es wie bei den Schecks von 1200 Dollar (März 2020) und 600 Dollar (Dezember 2020) bei den neuen 1400 Dollar Schecks wieder zu einem Push für die Märkte – und hier besonders für den Nasdaq, wie bei den vorherigen Stimuli – oder bekommt die Sorge für Inflationsantrieb neue Nahrung?

Fazit

Der Technologie-Index Nasdaq gilt seit Jahrzehnten als Frühindikator für die allgemeinen Indizes, allein schon wegen seiner Zusammensetzung. Das könnte bedeuten, dass dies ein kleines Licht auf die anderen Börsenindizes wirft. Denn, und das habe ich schon in einem anderen Artikel zu thematisieren versucht: 2021 wird an den Börsen vermutlich total anders ablaufen, als 2020, deshalb halte ich den Chartvergleich von Februar/März 2020 mit 2021 als zufällige Kongruenz in den Anfängen.

Sollte es mit der US-Wirtschaft tatsächlich so weiter gehen, wie es die Frühindikatoren ankündigen und vor allem die Arbeitslosigkeit zurückgehen, so dürfte uns ein sehr ruppiges Börsenjahr bevorstehen. Dafür gibt es einen großen Faktor, der nicht ignoriert werden kann: die monetäre Unterstützung durch die Federal Reserve. Sollte die Inflation im Jahresverlauf über drei Prozent steigen und die Arbeitslosenrate von aktuell 6,2 Prozent in Richtung Vollbeschäftigung zurückgehen, bekommt Jerome Powell ein Problem. Seine Notmaßnahmen hatten immer eine große Begründung, der ständig betonte gesetzliche Auftrag der US-Notenbank: „Price Stability and Maximum Employment“! Auch wenn alles nicht so schnell gehen sollte, wird daraus nicht ständig Unsicherheit und Erklärungsnotstand entstehen? In den vergangenen Zyklen hatte die Situation am Arbeitsmarkt zumeist eine größere Bedeutung für die US-Notenbank gehabt als der Anstieg der Inflation.

Deshalb: Waren die großen Arbeitsmarktdaten in den USA im vergangenen Katastrophenjahr nicht von untergeordneter Bedeutung, oder bedeutete eine schlechte Zahl bis dato nicht sogar eine ständige Hoffnung für weitere Stimuli an den Märkten? Ganz anders 2021: Jede weitere positive Zahl vom US-Arbeitsmarkt könnte Ungemach an den Börsen auslösen.

Mit dem Anstieg der Kapitalmarktzinsen geraten die Tech-Werte im Nasdaq unter Druck



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