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Negativzinsen: Laut BoE-Chef ein Nullsummenspiel, bei dem alle verlieren

FMW-Redaktion

Eine bemerkenswerte Aussage vom Chef der britischen Notenbank „Bank of England“ Mark Carney. Er sprach heute Nacht zur Eröffnung des G20-Gipfels in Shanghai über die globale Notenbankpolitik und den aktuellsten Trend, dass immer mehr Notenbanken dazu übergingen Negativzinsen einzuführen. Das Ziel dieser Politik sei es seine Währung abzuwerten.

Mark Carney Negativzinsen
Mark Carney, Chef der Bank of England. Foto: Jolanda Flubacher / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Carney sagte in Richtung seiner Notenbank-Kollegen, sie sollten im Zuge des gerade laufenden Währungskrieges ihre Zinsen nicht zu weit absenken (Negativzinsen). Das würde nur Probleme für die Weltwirtschaft mit sich bringen. Die globalen Finanzmärkte haben zunehmend Zweifel, dass die Notenbanken die Nachfrageseite über ihre aktuellen Maßnahmen wirklich ankurbeln können, denn wo stehen die weltweiten Inflationsraten in den entwickelten Ländern gerade?

Auf globaler Ebene könne es laut Carney nicht so laufen, dass man mit Negativzinsen seine Inlandsnachfrage ankurbele und quasi „Schwache Nachfrage“ von einem Land in ein anderes rüberschiebe. Für die Welt als Ganzes sei dieser Export von übermäßigem Sparen und Nachfrageschwäche ein ultimatives Nullsummen-Spiel. Nationen könnten ihre Probleme nicht durch die Abwertung ihrer Währung exportieren. Bei einem globalen Zinsumfeld von 0% gäbe es keine „Gratismahlzeit“, so Carney. Diese Art der Geldpolitik müsse durch etwas Anderes ersetzt werden. Wir meinen: Wie wäre es mit einer Wirtschaftspolitik weg von den Notenbanken, und wieder zurück zu den dafür zuständigen Politikern, die Geld tatsächlich direkt in die Wirtschaft pumpen können?

Die Argumentation von Carney ist nachvollziehbar. Wenn die Notenbanken der großen Währungsräume (Euro / Franken / USD / Pfund / Yen) geschlossen ihre Leitzinsen ins Negative senken, was ja zu Teilen schon geschehen ist, ergibt das letztlich ein Nullsummen-Spiel. Wenn es darum geht die eigene Währung gegen eine andere große Währung abzuwerten, wie soll das gehen, wenn die Notenbank des anderen Währungsraums genau so Negativzinsen einführt? Warum am Ende alle verlieren? Das ist auch nachvollziehbar, denn in den jeweiligen Ländern sinken die Zinsmargen der Banken, die immer mehr Probleme bekommen – auch die Geldanlagen der Sparer verlieren an Wert, und irgendwann müssen sie sogar Zinsen auf ihre Sparbücher zahlen.

Das Problem für Carney wird aber sein: Dieses Jahr könnte seine eigene Notenbankpolitik ebenfalls Richtung Negativzinsen gehen, wenn es auch erst einmal bei einer weiteren Absenkung Richtung 0% bleiben könnte – denn mit aktuell 0,5% Leitzins ist ja (noch) ein wenig Luft nach unten. Am 17. März findet die nächste Zinsentscheidung der Bank of England statt. Tut Carney demnächst das, wovor er jetzt noch gewarnt hat?



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