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Negativzinsen – Olaf Scholz beruhigt Sparer

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Nachdem die EZB letzten Donnerstag den Einlagezins von -0,4% auf -0,5% gesenkt hat, stellen sich viele die Frage, ob nun bald Negativzinsen auf Girokonten von den deutschen Banken erhoben werden könnten. Für die Politik wäre das ein Horror-Szenario, schließlich wäre das faktisch ein Einegständnis, dass die Enteignung durch Null- oder Negativzins nun immer neue Eskalationsstufen erreicht. Noch wichtiger aber: wenn auf breiter Front jedes Girokonto mit Negativzinsen belegt würde, droht ein bank-run, würden also wohl Millionen Menschen ihr Geld von den etablierten Banken abheben!

Das weiß natürlich auch der deutsche Finanzminister Olaf Scholz – und das wissen auch die deutschen Banken. Nun hat Scholz heute in dieser Frage einen groß angelegten Beruhigungsversuch gestartet mit Aussagen gegenüber der „Bild“:

„Ich habe den Bank-Vorständen sehr klar gesagt, dass ich glaube, dass es ein ziemlich schlechter Einfall wäre, jetzt für die Millionen Sparerinnen und Sparer mit Negativ-Zinsen zu arbeiten und ich glaube, das wird auch nicht passieren.“

Negativzinsen auf Girokonten würden schon aus vertragsrechtlichen Gründen derzeit unmöglich sein, so Scholz weiter:

„Wir haben uns das angeguckt, aber die erste Auskunft ist, dass das rechtlich gegenwärtig gar nicht möglich ist für die allermeisten Banken, weil die Verträge, die sie geschlossen haben, das nicht zulassen.“

Er sei selbst Leidtragender der Nullzinsenn, weil er sein eigenes Geld nur auf das Sparbuch oder das Girokonto parke., so Scholz gegenüber „Bild“ weiter:

„Ich mache das, was einem kein Anlageberater empfiehlt: Ich lege mein Geld nur auf einem Sparbuch, also sogar auf dem Girokonto an und da kriege ich, wie bei allen anderen, keine Zinsen. Ich bin selber Leidtragender, wie sollte das anders sein.“

Ungemein beruhigend zu wissen, dass der deutsche Finanzminister so typisch deutsch ist mit diesem Verhalten..

Aber kommen wir zurück zu den Beschlüssen der EZB: trotz der Senkung der Einlagezinsen wird sich die Situation der großen deutschen Banken verbessern! Denn mit dem von der Notenbank beschlossenen tiering „soll das Sechsfache der sog. „Mindestreserve“ (also des Geldes, das die Banken obligatorisch bei der Notenbank lagern müssen und das auch heute schon von Strafzinsen ausgenommen ist) von Negativzinsen verschont bleiben. Das heißt für deutsche Banken, dass rund 180 Mrd. Euro Überschussliquidität künftig nicht mit Negativzinsen belegt werden.“, wie finanz-szene.de errechnet hat.

Schlechter gestellt sind jedoch jene Banken wie Sparkassen und Volksbanken, die von den Kundeneinlagen leben und sich die Liquidität nicht vorwiegend über den Kapitalmarkt besorgen.

Insgesamt also gibt es für die Banken-Branche zwar Grund zum Jammern, aber eben auch keinen Grund für Panik: schließlich hat die EZB dafür gesorgt mit ihrer Geldpolitik, dass die Vermögenspreise regelrecht explodiert sind – was wiederum die Aktiva in den Bilanzen der deutschen Banken aufgewertet hat. Darüber spricht man aber hierzulande nicht so gerne..

Und wenn der „Scholzomat“ uns verspricht, dass es auf Girokonten keine Negativzinsen geben wird, dann ist das auch so. Unbedingt..

 

Olaf Scholz verspricht, dass es keine Negativzinsen auf Girokonten geben werde

Olaf Scholz und Angela Merkel. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

3 Kommentare

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Allgemein

Pfund springt auf höchsten Stand seit Juni 2018 – Johnson mit Erdrutschsieg, Brexit voraus

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Symbolfoto für den Brexit

Das britische Pfund schießt in die Höhe! Und für Jeremy Corbyn ist der heutige Morgen eine Mega-Katastrophe! Boris Johnson erringt mit den Konservativen einen so nicht vorhergesehenen Erdrutschsieg bei den britischen Parlamentswahlen. Bei 650 Wahlkreisen liegt die Mehrheit bei 326 Stimmen. Johnson holt nach aktuellster Auszählung mit 363 Parlamentssitzen eine klare absolute Mehrheit. Corbyn bekommt nur 203 Sitze. Damit sind die politischen Verhältnisse in Großbritannien endgültig geklärt, und auch zementiert! Unklarheiten zur britischen Brexit-Politik wird es nun nicht mehr geben.

Wie Boris Johnson vorhin sagte, werde Großbritannien die EU am 31. Januar 2020 „ohne Wenn und Aber“ verlassen. Ein zweites Referendum zum Brexit sei ausgeschlossen. Aber, was man nicht vergessen darf: Die Schottische Nationalpartei ist bei dieser Wahl in Schottland noch stärker geworden. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es in Schottland ein zweites Referendum über einen Austritts Schottlands aus dem Staatengebilde namens Großbritannien geben wird, nimmt deutlich zu. Und dieses Mal könnte eine Mehrheit der Schotten für einen Austritt stimmen, da die Schotten auf jeden Fall in der EU verbleiben möchten! Das könnte noch echte Probleme geben!

Das Pfund haussiert

Aber erst einmal ist die Lage glasklar. Boris Johnson wird die Insel in Kürze aus der EU führen, mit dem von ihm jüngst ausgehandelten Kompromiss mit Brüssel. Das britische Pfund freut sich. Es haussierte schon seit Tagen, aber was jetzt geschah, war dennoch nicht für die Devisen-Trader vorauszusehen. Das Pfund steigt aktuell auf den höchsten Stand seit Sommer 2018 gegen den US-Dollar. Ab gestern Abend 23:00 Uhr deutscher Zeit, als die Wahllokale schlossen und die ersten Nachwahl-Befragungen veröffentlicht wurden, war klar, dass Boris Johnson haushoch gewinnen würde. Von 1,3172 sprang Pfund vs USD heute Nacht sofort auf 1,3513 in der Spitze. Aktuell notiert das Währungspaar bei 1,3420. Immer noch gut 250 Pips höher als gestern Abend! Wow, was für eine Euphorie.

Dabei vergisst man vielleicht: Ab Februar hat Boris Johnson dann in einer elfmonatigen Übergangsphase bis Ende 2020 Zeit, als ausgetretenes Land mit der EU erst mal einen Handelsdeal auszuhandeln und abzuschließen! Das kann noch heiter werden. Aber wenigstens, so möchte man sagen, hat er eine ganz klare politische Rückendeckung. Das Theater in London ist vorbei, und es herrschen klare Verhältnisse. Dass es endlich voran geht, fast schon egal wie – darüber freut sich der Devisenmarkt wohl aktuell. Wenn man sich da nicht zu früh gefreut hat?

Pfund vs USD in den letzten zehn Tagen
Pfund vs USD in den letzten zehn Tagen.

Pfund vs USD in den letzten zwei Jahren
Pfund vs USD in den letzten zwei Jahren.

Genau so wie der US-Dollar verliert aktuell auch der Euro deutlich gegen das Pfund. EURGBP verliert über Nacht von 0,8450 auf jetzt 0,8320. Es ist der tiefste Stand von EURGBP seit April 2017. Im folgenden Chart sieht man Euro vs Pfund im Verlauf der letzten vier Jahre.

EURGBP im Verlauf der letzten vier Jahre

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Yen-Aufwertung: Wie lange währt sie noch?

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Das Symbol für den japanischen Yen

Japan versucht es wieder einmal mit einem Konjunkturprogramm (lesen Sie dazu auch gerne hier unseren gestrigen Artikel). Das wievielte es ist, seitdem vor drei Jahrzehnten die Immobilienblase in Japan platzte, habe ich aufgrund der großen Anzahl nicht mehr gezählt. Fakt ist: Bis jetzt war jedes Konjunkturprogramm in Japan zu knapp bemessen, um die Wirtschaft nachhaltig zu beleben. Außer einem Anstieg der Staatsschulden passierte bisher wenig. Doch die vielen verpufften Programme im Umfang hunderter Milliarden Euro (bzw. Billionen Yen) werden langfristig Folgen für die Stabilität des japanischen Yen und damit des Landes selbst haben.

Die Japaner haben es wahrlich nicht leicht. Als Anfang der 90er Jahre die Immobilienblase platzte, sprang die Regierung ein und verhinderte zahlreiche den Markt bereinigende Pleiten. Entstanden sind Zombie-Unternehmen, die an sich nicht überlebensfähig wären, aber des sozialen Friedens wegen von der Regierung bzw. von dazu gedrängten Banken am Leben erhalten werden. Das Vorhandensein der unproduktiven Unternehmen kombiniert mit einer überalternden Bevölkerung schafft ein denkbar wachstumsunfreundliches Klima. Wer sollte in Japan investieren, wenn die Bevölkerung absehbar schrumpft und mit von der Regierung und Banken künstlich am Leben erhaltenen Unternehmen konkurriert werden muss, die nicht zwingend Gewinne erwirtschaften müssen?

Mangel an Anlage-Möglichkeiten in Japan und ein starker Yen führen zu Fehlinvestitionen

Der Mangel an Anlage-Möglichkeiten in Japan führt zu Verwerfungen wie Softbanks Vision Fund, die ohne tiefgreifendes Research dutzende Milliarden US-Dollar aus Japan in windige US-Startups wie WeWork pumpen. Dass das ohne ausreichende Überprüfung der Startups geschieht, sage nicht ich, sondern Softbanks CEO Masayoshi Son. Von den 10,3 Milliarden US-Dollar, die Softbank in WeWork pumpte, wurden am 6. November 9,2 Milliarden US-Dollar als Verlust abgeschrieben. Und das ist beileibe nicht das einzige aufsehenerregende Investment des japanischen Vision Funds.

Im Zuge der weltweiten Finanzkrise und den daraufhin in vielen Ländern stark gesunkenen Zinsen musste auch die Bank of Japan als Zentralbank die Zinsen auf Null absenken. Er lag schon Ende 2007 bei nur 0,5%, so dass nicht viel Spielraum nach unten bestand. Lag der Leitzins zunächst jahrelang bei 0,1%, wurde er 2016 schließlich auf -0,1% abgesenkt. Da zu diesem Zinssatz kaum noch jemand Interesse hat, dem ohnehin mit mehr als 200% der jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldeten japanischen Staat neue Staatsanleihen abzukaufen, sprang wieder die Zentralbank ein, die inzwischen Besitzer von 43% aller japanischen Staatsanleihen ist.

Die japanische Zentralbank ist auf dem Weg in die Währungs-Hyperinflation

Lassen Sie uns diese Zahl einmal einordnen. Japan ist mit 238,2% des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. 43% davon sind 102,4% des Bruttoinlandsprodukts. Die US-amerikanischen Staatsschulden betragen 106,1% des Bruttoinlandsprodukts. Würde die US-amerikanische Fed so viele Staatsschulden wie die Bank of Japan besitzen, dann wären fast sämtliche Staatsschulden der USA mit frisch gedrucktem Notenbankgeld „gekauft“ worden. Das letzte Mal, als das auch nur annähernd in Deutschland geschah, gab es Hyperinflation.

Seit 2010 hat sich die Bilanzsumme der Bank of Japan fast versechsfacht. Nach Jahren der Kredit-Kontraktion gelang es wenigstens endlich, die japanischen Verbraucher wieder zur Neukreditaufnahme zu bewegen, was den Konsum anheizt. Die an Verbraucher ausgereichte Kreditsumme bewegt sich endlich wieder in einem stabilen Aufwärtstrend. Die Geldmenge stieg um rund 1/3. Aufgrund der stagnierenden Nachfrage sieht sich Japan trotzdem ständig mit Deflationsgefahren konfrontiert.

Aufgeblähte Notenbankbilanz, steigende Geldmenge, trotzdem stagnierende Wirtschaft, es grenzt an ein Wunder, dass sich der Yen trotzdem noch so stabil hält. Denn eines ist klar: Sollten all die jemals erschaffenen Yen genutzt werden, um Güter und Dienstleistungen nachzufragen, dann sieht sich Japan mit einer galoppierenden Inflation konfrontiert.

Dank aufgelöster Carry Trades wertet der Yen derzeit auf

Bis dahin wird der Yen jedoch nicht zum Kauf von Waren und Dienstleistungen genutzt, sondern für sogenannte Carry Trades. Dabei leihen sich Investoren eine niedrig verzinste Währung und tauschen sie in eine höher verzinste Währung bzw. investieren das Geld in einem Währungsraum mit besseren Wachstums- und damit Rendite-Aussichten. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit werden diese Carry Trades vermehrt aufgelöst. Das erhöht temporär die Nachfrage nach Yen und lässt die japanische Währung aufwerten. So bekommen US-Anleger derzeit nur noch 108 Yen pro US-Dollar. Vor zwei Jahren waren es noch 118 Yen.

Japanischen Exporteuren schmeckt das gar nicht. Sie sehen sich nun einer doppelten Belastung ausgesetzt. Erst schwächt sich die Nachfrage nach ihren Produkten ab und dann steigt auch noch der Preis ihrer Exportprodukte aus Sicht des Auslands. Ein kreditfinanziertes Konjunkturprogramm ist mithin auch eine Möglichkeit, die eigene Währung wieder etwas zu schwächen, um den Exporteuren bessere Chancen auf dem Weltmarkt zu bieten.

Der Aufwertungsdruck wird jedoch nicht ewig währen. Antizyklisch zu handeln und den Yen gerade jetzt zu verkaufen, kann sich daher mittel- und langfristig als eine profitable Anlagemöglichkeit herausstellen.

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Christine Lagarde ist mehr Politikerin als Zentralbankerin

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Ein Kurzkommentar zum ersten Auftritt von Christine Lagarde bei einer EZB-Pressekonferenz von Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

Große geldpolitische Entscheidungen konnte die EZB unter ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde heute nicht treffen. Dafür hatte der Altpräsident Draghi im September das Korsett mit seinem Zinslockerungsbeschluss und der Neuauflage breiter Anleihekäufe zu eng geknüpft. Ein Ausbrechen aus diesem Rahmen scheint auch für lange Zeit – möglicherweise bis übernächstes Jahr – ­nicht möglich zu sein.

Dennoch brodelt es innerhalb der EZB. Frau Lagarde hat in ihrer noch jungen Amtszeit bereits zwei große Themen angestoßen:

Zum einen plant sie eine Überprüfung der EZB-Strategie. Dabei geht es um die mögliche Neudefinition des Inflationsziels und ob in diesem Zusammenhang die zweite Säule der geldpolitischen Strategie – die monetäre Analyse – aufgegeben werden soll.

Letzteres wäre allerdings ein heftiger Affront, weil die monetäre Analyse gerade in den ehemaligen DM-Block-Ländern noch viele Anhänger hat.

Zum anderen möchte Frau Lagarde den Klimawandel als Thema in der EZB-Politik verankern.

Mit einer impliziten oder auch expliziten Ausrichtung der EZB-Geldpolitik am Klimawandel (z.B. beim Ankauf von Anleihen im Rahmen des aktuellen QE-Programms) würde sie bei vielen Ökonomen auf heftigen Widerstand stoßen. Und das, obwohl niemand widersprechen würde, dass Klimaveränderungen in die wirtschaftlichen Prognosen einfließen müssten.

Es wird bereits jetzt ersichtlich, dass Frau Lagarde ihre Rolle als EZB-Präsidentin wahrscheinlich mehr als Politikerin und weniger als Zentralbankerin ausfüllen wird. Sie ist bei ihrer grünen Offensive in den letzten Wochen ruhiger geworden und hat auch richtig erkannt, dass die EZB eine immense Verantwortung hat. Es bleibt zu wünschen, dass sie die von ihr kürzlich zitierte Redensart: „Das Vertrauen kommt zu Fuß, aber verschwindet bisweilen auf Pferden“ selbst beherzigt.

Zentralbankpolitik ist kein schnelllebiges politisches Geschäft, das Modetrends folgt, sondern bedarf einer großen Gelassenheit und einer stabilen Verankerung in langfristig festgelegten Regeln. Wenn sie sich daran hält, wäre sie als Politikerin an der Spitze einer Zentralbankbehörde sicherlich eine willkommene Bereicherung. Die Premiere der neuen EZB-Präsidentin ist schon mal gelungen.

Christine Lagarde mit ihrem Vorgänger Mario Draghi

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