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Netflix-Aktie: Wieso es Zeit sein könnte von der Story Abschied zu nehmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Netflix Beispielfoto eines Konsumenten

Wird die Netflix-Aktie den Bach runtergehen? War es das jetzt mit der großen Wachstumsstory? Bevor ich darauf näher eingehe, möchte ich an die Worte von Amazon-Chef Jeff Bezos erinnern. Der sagte grundsätzlich zum Thema Unternehmenspleiten, dass auch große schillernde Unternehmen der jeweiligen Zeit irgendwann vom Markt verschwinden. Auch Amazon werde früher oder später dieses Schicksal erleiden. Unternehmen würden kommen und gehen. Meint er damit eine grundsätzliche natürliche Fluktuation beziehungsweise Veränderung, die gesund ist? Alte Angebote, die nicht mehr vom Konsument nachgefragt werden, können durch neue Angebote ersetzt werden. Mir fällt da zum Beispiel das Medium Internet ein, dass die Zeitungsbranche nach und nach pulverisiert. Im Fall Netflix trifft dieser Vergleich nicht so ganz zu – hier geht es mehr darum, dass der erste Anbieter am Markt nun Probleme bekommt, weil andere Anbieter mitbekommen haben, dass da Geld zu verdienen ist. Bloße Verdrängung statt Disruption!

Konkurrenz macht ernsthafte Probleme

Aso, wo ist jetzt das Problem für die Netflix-Aktie? Nun, Netflix als Unternehmen ist sozusagen der Pionier der Streaming-Industrie. Man war als erster am Markt. Und nun kommen große Konkurrenten, die wie zum Beispiel Walt Disney einen riesigen Berg an eigenen Medieninhalten mitbringen, den sie in ihre eigenen Angebote packen können. „Disney+“ gewann schon ziemlich schnell nach dem Start des eigenen Angebots im November viele Kunden. Das Problem für Netflix: Die großen Konzerne wie Apple und Disney graben nun Kunden ab. Und noch wichtiger: Diese Konkurrenz ist unendlich finanzkräftiger als Netflix, kann also mit jeder Menge Cash die eigenen Produkte günstig anbieten, und notfalls immer weiter nachlegen mit mehr Inhalten, Preissenkungen etc. Die Frage ist, ob Netflix diesen „Streaming War“ dauerhaft überleben kann.

Schon jetzt kurz nach dem Start von Disney+ sieht man, dass Netflix im Heimatmarkt USA Probleme hat. Die gestrigen Quartalszahlen zeigen das deutlich. Das Nutzerwachstum in Nordamerika ist auf 0,55 Millionen in drei Monaten geschrumpft. Das insgesamt tolle Nutzerwachstum von insgesamt 8,76 Millionen neuen Abonnenten verdankt man dem Wachstum im Ausland. Das ist kurzfristig vielleicht eine Rettung für Netflix. Aber man darf ja wohl annehmen, dass die großen Konzerne ihre Angebote nach und nach auch im Ausland anbieten werden. Wie man sieht… Disney bietet seinen Streaming-Dienst ab März schon in Deutschland an.

Von daher dürften die guten Finanzdaten und Abo-Wachstumsraten, die Netflix gestern präsentiert hat, nur kurzfristig die gute Laune am Leben halten. Bisher geht die Wachstumsstory weiter. Aber die Daten für die USA zeigen schon, wie es auch in ausländischen Märkten bald aussehen könnte. Und nochmal… Apple, Disney und Co haben in Sachen Finanzkraft den viel längeren Atem als Netflix. Der Finanzvorstand des Unternehmens Spencer Neumann sagte gestern zur Präsentation der Quartalszahlen, dass es in den USA einen verschärften Konkurrenzkampf gebe. Im Vergleich zur Konkurrenz habe Netflix hohe Preise, und es gebe bereits eine leicht erhöhte Abwanderungsrate von Kunden.

Die Party in der Netflix-Aktie ist vorbei?

Die aktuellen Daten wie Gewinn und Abo-Wachstum waren gestern richtig, richtig, richtig gut! Auf den ersten Blick durfte man sich wundern, warum die Netflix-Aktie gestern nachbörslich nicht kräftig nach oben schoss, sondern 1,5% verlor. Aber die Beobachter sahen, dass das Unternehmen für das laufende 1. Quartal „nur“ ein Abo-Wachstum von 7 Millionen anpeilt, bei bisherigen Erwartungen von +7,8 Mio. Das Wachstum dürfte sich mehr und mehr aufs Ausland verlagern.

Meine These: Zuerst in den USA (neben Apple und Disney gibt es da ja noch Anbieter wie Amazon, Viacom, Hulu und Comcast) wird die Verdrängung einsetzen. Alle Anbieter können dauerhaft nicht parallel überleben. Ob Netflix die Preise senken oder noch mehr in Eigenproduktionen pumpen muss? Vermuten darf man, dass die Gewinne leiden werden, dass die Abo-Zahlen sogar schrumpfen usw. Wird damit das Ende der Erfolgsstory für Netflix eingeläutet? Ist die große tolle Wachstumsstory für die Netflix-Aktie damit nun so langsam zu Ende? Möglich ist das. Das Ausland könnte kurzfristig die Laune oben halten. Aber die Glaskugel habe ich ja auch nicht. Wissen kann man es vorher nie, wie dieser Streaming-Krieg ausgehen wird. Vielleicht wird Netflix von einem der großen Konzerne vielleicht aufgekauft? Oder es passiert sonst irgendetwas Unvorhersehbares? Als Anleger sollte man sich zumindest Gedanken darüber machen, dass die ganz rosigen Zeiten für Netflix vorbei sind, wo man fast alleine am Markt war.

Im Chart sieht man die Netflix-Aktie seit dem Jahr 2007. Die große Wachstumsstory lief jahrelang wie geschmiert. Die Aktie stieg von nur 4 Dollar (!) auf 422 Dollar im Jahr 2018. Gigantische Gewinne! Aber seitdem stagniert die Entwicklung. Sieht der Markt seit zwei Jahren, dass dank der Konkurrenz die Party vorbei ist?

Netflix-Aktie im Verlauf seit 2007

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Scheer

    22. Januar 2020 16:03 at 16:03

    Absoluter Wahnsinn was derzeit an den amerikanischen Börsen passiert.
    Erinnert mich an die Fahne von Bitcoin Ende 2017.

  2. Avatar

    Prognosti

    22. Januar 2020 21:36 at 21:36

    Ein Fingerzeig an die Gläubigen der Aktien als Langfristanlage..Das war einmal, als Firmen über Generationen langsam organisch wuchsen u.Gewinne investiert wurden.Bezos sagte wörtlich ,dass die Halbwertszeit grosser Firmen kaum mehr als 30 Jahre beträgt. Heute ist doch das Motto , möglichst schnell hohe Börsenkurse u.Kapitalisierung mit hohen Schulden, dann füllen sich die Manager die Taschen mit bekannten Mitteln,hinterlassen ein Desaster , u.werden dann mit einer hohen Abfindung vom Hof gejagt.
    Darum können Aktiengewinne der Vergangenheit nicht in die Zukunft geschrieben werden.
    Ohne Ein und Ausstige u.ohne Umschichtungen wird es langfristig keine gute Performace geben können.

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Verschärfung der Coronakrise belastet heute die Aktienmärkte.

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Volkswagen meldet 10 Milliarden Euro Gewinn – dazu noch ein interessanter Vergleich

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Volkswagen hat vor wenigen Minuten per Ad Hoc-Meldung vorab Daten für das Gesamtjahr 2020 veröffentlicht. Trotz der beispiellosen andauernden Covid 19-Herausforderungen habe Volkswagen im 2. Halbjahr 2020 seine Robustheit bewiesen. Die Auslieferungen an Kunden des Volkswagen-Konzerns erholten sich im 4. Quartal weiter stark, überstiegen sogar die Auslieferungen des 3. Quartals 2020. Die Umsatzerlöse stiegen entsprechend ebenfalls erheblich. Auch der ausgewiesene Netto-Cash-flow im Automobilgeschäft entwickelte sich sehr positiv, so das Unternehmen in seiner Mitteilung.

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Interessant zum Thema Autohersteller ist folgende Grafik. Sie zeigt den gigantischen Börsenwert von Tesla (links) in Relation zu den anderen großen Autobauern, die natürlich weitaus größere Mengen produzieren. Tesla hat derzeit mehr Börsenwert als die folgenden acht größten Autobauer zusammen. Sind das noch gesunde Dimensionen bei Tesla? Da muss Elon Musk noch ganz schön viele Autos verkaufen, um mit realen Umsätzen zur Börsenbewertung aufzuschließen.

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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