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Netflix-Story als Parallele zur US-Immobilienblase vor zehn Jahren?

Redaktion

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Was geschah bis zum großen Zusammenbruch der US-Immobilienblase, also bis zum Jahr 2007? Amerikaner, die es sich gar nicht leisten konnten, bekamen von Banken und dubiosen Hypothekenbanken Vollfinanzierungen für teure Häuser. Die völlig überhöhten Schulden der Bürger waren kein Problem für die Banken, denn ihre Häuser stiegen stetig im Wert, und dienten damit als „werthaltige Sicherheit“.

Und nicht nur das. Der Amerikaner kaufte nicht nur Häuser auf Pump, sondern auch Autos, Fernseher und und und. Warum auch nicht, denn als zentrale Sicherheit hatte er immer sein Haus, das immer mehr wert wurde. Nur als die Zinsen stiegen, platzte dieses Kartenhaus. Parallel dazu war eh der Punkt erreicht, wo der Luftballon nicht mehr weiter aufgepumpt werden konnte. Und so kam es zur Katastrophe. By the way… heute sind die Gesamtschulden der Amerikaner höher als vor dem Platzen der Blase vor zehn Jahren.

Netflix als Parallele?

Aber egal… eine Frage: Kann man grundsätzlich und exemplarisch die aktuelle Lage bei Netflix mit dem vergleichen, was da vor zehn Jahren am US-Immobilienmarkt geschah? Es geht wie gesagt lediglich um einen einfachen grundsätzlichen Vergleich. Der Aktienkurs von Netflix steigt und steigt und steigt. Warum auch nicht, denn die Werthaltigkeit des Unternehmens nimmt ja immer weiter zu. In diesem Fall besteht sie aus der Zahl der zahlenden Abonnenten. Und die wird von Quartal zu Quartal immer größer. Damit die Story weiter läuft, bedarf es immer mehr neuer Nutzer, und die Wachstumsrate muss auf extrem hohem Niveau aufrechterhalten werden.

Das gerade erst verkündete Wachstum von 5,2 Millionen neuen Abonnenten in nur 3 Monaten (von April bis Juni) ist gigantisch hoch. Doch es lag eben 1 Million unter der Erwartung von Netflix selbst. Ist das enorm hohe Wachstum nicht mehr zu halten, könnte dem ein oder anderen Beobachter auffallen, dass dieses Wachstum irgendwie finanziert werden musste. In der folgenden Grafik wird der Aktienkurs-Zuwachs von Netflix in Relation gesetzt zu den langfristigen Verbindlichkeiten von Netflix, die parallel massiv ansteigen.

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Vor zehn Jahren lag der Aktienkurs von Netflix bei 4 Dollar, heute bei 375 Dollar. Der Chart vergleicht ab 2012 einen Aktienkurs von immerhin 10  Dollar zu heute 375 Dollar. Die Langfristschulden der Firma stiegen seitdem von unter 500 Millionen auf jetzt 8,3 Milliarden Dollar. Im ganz frischen Geschäftsbericht von Montag, wo „operative Gewinne“ ausgewiesen werden, findet man auch die folgende Grafik zu den langfristigen Schulden (rot umrandet). Nur von Ende 2017 bis Ende Juni 2018 stiegen sie von 6,5 auf 8,3 Milliarden Dollar.

Nachvollziehbar ist das, denn wie gesagt – um großen TV-Konzernen und Kabelnetzbetreibern die Kunden wegzunehmen, ist Netflix gezwungen hochwertige eigene Inhalte zu produzieren, die man nur auf Netflix sehen kann. Bislang ging dieser Plan richtig gut auf, und die „alte“ Konkurrenz hat massive Schwierigkeiten. Doch je länger man den Reaktor auf Voll-Last fährt, desto höher wird das Risiko.

Auch der freie Cash Flow ist negativ, und wird größer. Im letzten Quartal waren es -559 Millionen Dollar, davor -287, und im Weihnachtsquartal 2017 waren es -524 Millionen Dollar. Auch in den Quartalen davor waren es Minus-Werte. In einem sehr interessanten Artikel werden die aktuellen 124 Millionen Abonnenten erwähnt und in Zusammenhang gebracht mit dem eigentlichen Ziel von 250 Millionen Nutzern, welches mit enormem Wachstum erreicht werden solle. Erst dann sei das Konzept der Firma strukturell tragbar, so möchten wir es verkürzt ausdrücken (ganzen Artikel hier lesen).

Die Grundidee der Märkte lautet: Lasst sie mal machen. Sie werden auch in Zukunft so viel Wachstum haben, dass sie irgendwann kräftig Gewinne machen und somit ihre Schulden abbauen können. Anderen Tech-Unternehmen gelang dies – das heißt aber nicht zwangsläufig, dass es auch bei Netflix oder beispielsweise Tesla funktioniert. Die Wachstumsraten der verkauften Autos bei Tesla sind enorm, aber genau so das Volumen der Schulden. Was lernen wir daraus? Der Tanz auf dem Vulkan kann funktionieren. Aber das Risiko wird größer. Man unterschätze nie die Finanzkraft der „alten großen“ Konzerne wie Disney, Comcast und AT&T, die gerade mit Fusionen und neuen Konzepten volle Kanne gegen Netflix schießen. Wer diesen Wirtschaftskrimi gewinnt, steht noch nicht fest.

Netflix-Chef Reed Hastings
Netflix-CEO Reed Hastings. Foto: Guety (CC BY 2.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Beobachter

    19. Juli 2018 19:30 at 19:30

    Langfristig konkurrenzlose Produkte hat es noch nie gegeben.Irgendwann wird es aus irgendwelchen Gründen Nachahmer / Konkurrenten geben, u. dann ist der Hype vorbei.DIE FRAGE IST NICH OB,
    SONDERN NUR WANN ?
    Tragisch wird dann sein, dass viele Vorsorgegelder aus bekannten Gründen, ( siehe Artikel von E.Wolff )
    von solchen Hochrisikoanlagen abhängen.

  2. Avatar

    Michael

    19. Juli 2018 23:07 at 23:07

    Siehe Sky, früher Premiere, Stagnation an allen Fronten, immer mehr Werbung (die ursprünglich als Verkaufsargument kaum vorhanden sein sollte und war), technisch inzwischen extrem rückschrittlich, immer weniger Vertragspartner mit hoher Zuschauerquote (wie kürzlich RTL Crime), immer höhere Preise.

  3. Avatar

    Stocksen

    20. Juli 2018 09:09 at 09:09

    Also wenn man ca. 5% Abo-Wachstum (5Mio neu von 124Mio) mit 30% (6,5 zu 8,5) mehr Schulden bezahlen muss, dann Frage ich mich ob ich hier einen Denkfehler habe oder das ganze tatsächlich ein riesen Witz sein soll? Denn folglich müssen in Zukunft die Schulden ja noch extremer steigen um auch noch die letzen Deppen, die sich bisher vor Netflix verstecken konnten, noch zu überzeugen. o.O

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Tesla, Zoom, Salesforce

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Tech steht heute im Fokus der Börsianer, darunter, die Aktien von Tesla, Zoom, und Salesforce.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

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IHS Markit-Kauf für 44 Milliarden Dollar – wie man gigantisch wächst ohne neue Schulden

Claudio Kummerfeld

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New York Downtown bei Nacht

In der Branche für Finanzdaten, Börsendaten und ökonomischen Analysedaten nimmt die Konzentration auf wenige große Anbieter immer mehr zu. Es gibt Bloomberg, Reuters, große Börsenanbieter wie die Deutsche Börse oder Euronext, und es gibt gerade den Versuch der London Stock Exchange den Datenanbieter Refinitiv für 27 Milliarden Euro zu übernehmen. Jetzt legt S&P Global (gehört zur Standard & Poors-Gruppe) nach und kauft den Datenanbieter IHS Markit. Und das für satte 44 Milliarden Dollar.

IHS Markit war Ende letzter Woche an der Börse noch 37 Milliarden Dollar wert. S&P Global lag bei 82 Milliarden Dollar. Wie schafft man es so viel Geld auszugeben, mal eben 44 Milliarden Dollar? Nun, in diesem Fall ist das gar kein Problem. Man „kauft“ per Aktientausch. Ein richtiger Kauf ist es dann gar nicht. Man fusioniert, und der „Käufer“ erhält an der neuen Firma die Aktienmehrheit. Oder besser gesagt, die bisherigen Aktionäre des größeren Fusionspartners halten dann später auch die Mehrheit am neuen Unternehmen.

So kommt es, dass die bisherigen Aktionäre von S&P Global an der neuen Firma 67,75 Prozent der Anteile halten werden, und die bisherigen Aktionäre von IHS Markit 32,25 Prozent. So haben alle was davon, und die Firma hat keine gestiegene Verschuldung durch diese Transaktion. So können große Konzerne schnell weiter wachsen, ohne sich zu verschulden.

Ganz anders lief es vor vier Jahren bei Bayer, wir erinnern uns alle mit Grausen an die Zeit danach. Die Leverkusener kauften Monsanto für 66 Milliarden Dollar in Cash. Dafür musste man damals eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar aufnehmen, also Kredite. So brockt man sich jede Menge Probleme ein, wenn man seine bisherige Aktionärsstruktur beibehalten will.

Will man extern kräftig zukaufen, muss man sich dann wie Bayer massiv verschulden. Um die Last zu reduzieren, muss man dann brutal einsparen, einzelne Sparten verkaufen usw. Gerade große Konzerne mit stark steigenden Aktienkursen können sich über den Weg des Kaufs mit eigenen Aktien (Fusion) andere Unternehmen einfach und bequem einverleiben. Dann werden die Aktionäre der bisherigen Konkurrenzfirma einfach zu Miteigentümern des eigenen Unternehmens gemacht. Und zack, der Konzern wächst kräftig, ohne dabei neue Schulden machen zu müssen. Natürlich hat der einzelne Altaktionär nach der Transaktion weniger Eigentum am Konzern. Aber dafür ist der Konzern an sich ja auch spürbar gewachsen, wodurch eine Kompensation stattfindet. Langfristig können über diese Methode die ganz großen Konglomerate entstehen.

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