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Neue Ausgabe zweijähriger Bundesschatzanweisungen: Der beste Deal für Wolfgang Schäuble

FMW-Redaktion

Man sieht es mal wieder. Die zweijährige Bundesschatzanweisung ist für den deutschen Staat und damit für Wolfgang Schäuble derzeit der beste Deal. Warum steigt Deutschland eigentlich nicht komplett um auf diese Kurzläufer? Denn, so sieht man es beim heutigen Angebot von 4 Milliarden Euro neuer deutscher Staatsschuld mit Laufzeit bis März 2019: Die Rendite liegt bei -0,69%. Ein phantastisches Geschäft für den Bundeshaushalt. Man verdient gutes Geld mit dem Aufnehmen neuer Schulden.

Die aktuelle Emissionsserie dieser Kurzläufer begann im Februar mit einen Angebot von 5 Milliarden Euro, für das Investoren im Volumen von 7,3 Milliarden Euro Gebote abgaben. Da gab es eine Rendite von -0,92%. Dann im März war es ein Angebot von 4 Milliarden Euro, aber nur noch eine Nachfrage im Volumen von 3,2 Milliarden Euro bei einer Rendite von -0,71%. Da lag also der Zeitpunkt, so um Februar/März herum, also der Markt begann auch bei den Kurzläufern so langsam nach mehr Rendite zu rufen.

Aber auch jetzt noch bei der zweiten Aufstockung dieser Serie am heutigen Dienstag gab es bei 4 Milliarden Euro Angebot eine Nachfrage für nur 3,77 Milliarden Euro. Oder besser gesagt „immer noch“ 3,77 Milliarden Euro, weil die Rendite der neu ausgegebenen Papiere tief unten bleibt mit -0,69%. Die ganze Emissionsserie ist mit einem Zinskupon von 0,00% ausgestattet. Der Ausgabekurs lag heute bei 101,30% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten).

Da der Anleihekäufer die Anleihe im Jahr 2019 exakt zu 100,00% zurückgezahlt bekommt, und jetzt aber mehr als 100,00% dafür zahlen muss (nämlich die 101,30%), hat er bei einer Nullverzinsung effektiv eine Negativrendite. Immer noch, das ist das richtige Wort. Immer noch finden sich institutionelle Investoren, die Deutschland Geld dafür zahlen Anleihen ohne Zinsen kaufen zu dürfen. Es ist und bleibt unbegreiflich, warum es nicht einfach einen Investoren-Streik gibt. Aber es herrscht nun mal Anlagenotstand, dann verschenkt man das Geld der Kleinsparer, die hinter den Pensionskassen und Versicherungen stecken, eben an Wolfgang Schäuble.

So wird quasi die Altersvorsorge in kleinen aber unbemerkten Schritten umgeschichtet in den Steuerhaushalt. Effektiv verkauft hat die Finanzagentur Deutschland GmbH heute für Wolfgang Schäuble Kurzläufer für 3,222 Milliarden Euro. Rechnet man den Kursaufschlag über dem Nomialwert der Anleihe (1,303% Gewinn über 100,00%), so ergibt sich für den deutschen Bundeshaushalt nur durch diese Emission ein Gewinngeschäft in Höhe von 41,98 Millionen Euro. Nicht schlecht Wolfang, so macht man Kohle! Da kommen wir doch gleich zurück auf unsere Anfangsfrage: Warum stellt Deutschland in diesen Zeiten (genannt „EZB-Geldpolitik“) nicht komplett um auf Kurzläufer?

Quelle: Finanzagentur Deutschland GmbH



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4 Kommentare

  1. Warum finanziert Herr Scheuble nicht ausschließlich über Zweijährige? Gute Frage.
    Vielleicht weil er auch noch was anderes zu tun hat als zu denken und sinnvolle Überlegungen anzustellen?

    „Es ist und bleibt unbegreiflich, warum es nicht einfach einen Investoren-Streik gibt.“
    Wenn die Investoren stattdessen das Geld aber in hochrentierliche Aktien oder Aktienfonds anlegen würden, wäre uns das ja auch wieder suspekt – zumindest den Bären.

  2. Zum „Investoren-Streik“: Ich dachte bisher immer, dass Pensionskassen und Versicherungen nur einen bestimmten Anteil in risikobehaftete spekulative Anlageformen wie Aktion(fonds) etc. investieren dürfen und im Gegenzug einen Großteil in „sichere“ Anlageformen investieren müssen?
    Vielleicht täusche ich mich dahingehend aber auch.
    Sollte dem allerdings doch so sein, was bleibt ihnen denn derzeit übrig? Ein ständiger Wechsel in französische, amerikanische und Was-auch-immer-Anleihen, deren Rendite sich bei jedem Gerücht, jeder Rede, jeder Vorwahl schlagartig ändert?

    1. So wird es sein, wie Sie sagen.
      Unsereiner hätte es ohne Volumenbegrenzung tun dürfen, und ich habs leider auch nicht.

      Nun könnten die Kapitalsammelstellen zwar noch ihren Bestand an Zehnjährigen aufstocken, wo es statt -0,70 +0,30 gibt, aber sie rechnen wahrscheinlich mit steigenden Zinsen und nehmen lieber zwei Jahre lang Minuszinsen in Kauf, statt 1o Jahre nur Minizinsen.

      1. Hinterher ist man immer schlauer ;) Das haben weder Sie, noch ich oder sonst jemand vorhersehen können. An den Aktienmärkten ist auch viel Glück und Zufall im Spiel. Hätte Le Pen 2% mehr Stimmen erhalten und Macron 2% weniger, stünde der DAX jetzt vielleicht bei 11.700 oder tiefer.
        So betrachtet ist es sogar gut, dass nicht ein Großteil der Altersvorsorge von deutschen Bürgern in risikoreiche Anlageformen investiert werden darf, denn bei negativen Entwicklungen oder schlimmstenfalls Totalabstürzen wäre dann ein Großteil der Gelder komplett verbrannt.
        Dass sich allerdings der schwäbische Gierschlund neben den utopischen Steuereinnahmen und Steuer-Repressalien gegenüber den unteren und mittleren Einkommensschichten nun auch noch an neuen Schulden bereichern kann und gleichzeitig keinerlei Altschulden tilgt, kann so auch nicht angehen.

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