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Neue Regeln im Zahlungsverkehr ab Januar 2018: Was bedeutet das für den Verbraucher ?

Ab dem 13. Januar 2018 tritt die zweite erweiterte PSD (Payment Service Directive) Zahlungsdienste-Richtlinie der EU in Kraft. Um Kontodaten einsehen und Zahlungen initiieren zu können, werden Banken dazu verpflichtet Schnittstellen für Drittanbieter…

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Von Heba Traboulsi

Ab dem 13. Januar 2018 tritt die zweite erweiterte PSD (Payment Service Directive) Zahlungsdienste-Richtlinie der EU in Kraft. Um Kontodaten einsehen und Zahlungen initiieren zu können, werden Banken dazu verpflichtet Schnittstellen für Drittanbieter wie Finanz-Start-ups („Fintechs“) offen zu legen und zur Verfügung zu stellen. Das Ziel der neuen Richtlinie ist es, Innovation, Wettbewerb, Sicherheit und Verbraucherschutz zu fördern und die Kosten im Zahlungsverkehr zu senken. Geldtransfers sollen dann einfacher, billiger und sicherer werden.


Foto: Lotus Head/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Experten zufolge würde damit ein grundlegender Wandel für Bankkunden entstehen, wenn sie sich komplett auf die Digitalisierung einlassen wollen. Was aber bedeutet das für uns Verbraucher und welche Vor- bzw. Nachteile hat das für Banken und Anbieter? Technisch gesehen müssen die Banken Schnittstellen (sogenannte APIs) zur Verfügung stellen, welche Drittanbieter verwenden können. Für Drittanbieter dürfte sich vor allem die Abwicklung von E-Commerce-Transaktionen deutlich vereinfachen. Die Transaktionskosten würden sinken und der Händler kommt schneller zu seinem Geld. In der Praxis würde es so aussehen, dass der Drittanbieter sich zwischen Händler und Bank in den Zahlvorgang einklinkt, und der Kunde dem Drittanbieter seine Zugangsdaten zur Verfügung stellt, damit er in seinem Namen eine Überweisung tätigt.

Durch all diese Faktoren wird Innovation begünstigt. Neue Geschäftsmodelle und interessante Produkte werden möglich, die bis dahin nicht möglich waren. Derzeit noch in Arbeit sind die regulatorisch-technischen Spezifikationen (RTS = Regulatory Technical Standards), welche die Sicherheitsvorgaben dafür beschreiben. Eine Schnittstelle für PSD II muss technisch und organisatorisch in der Lage sein große Transaktionsvolumen sicher und transparent abzuwickeln. Je billiger und je kleiner die Transaktionen werden, umso mehr sind zu erwarten. Geldwäscherei und Betrug müssen aber auch dann noch verlässlich überwacht und unterbunden werden können.

Wenn man die Sorgen der Banken total außen vorlässt, bietet die Richtlinie durchaus Vorteile. Sie verschafft Nutzern von Drittanbieter deutlich mehr Rechtssicherheit. Dafür sorgt alleine schon die Zulassungspflicht durch die BaFin. Zwar bewegen sich die Dienste derzeit nicht im komplett rechtsfreien Raum, allerdings unterliegen nur wenige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Das ändert sich – und damit erhalten Anbieter, die sich an die Regeln halten, ein neues Qualitätsmerkmal.

Die Verbraucher profitieren künftig zudem von einer größeren Auswahl an Zahlungsoptionen. Ob sie auch aktiv genutzt werden, kann man zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wissen. Ausschlaggebend wird sein, wie einfach die Handhabung der Dienste ist und welchen Service sie bieten. Das gilt ebenso für Händler. Denn Sie können ihren Kunden mehr Alternativen zur schnellen und unkomplizierten Bezahlung in Onlineshops anbieten. Dazu zählen dann zweifelsohne auch die Gebühren für den Zahlungsvorgang. Bieten Drittanbieter ihren Service günstiger an als herkömmliche Zahlungsdienste, steigen die Chancen, sich am Markt zu etablieren.

Die Frage inwiefern der Datenschutz weiter gewährleistet werden kann, ist noch nicht ganz geklärt. Denn eins steht fest: Die einfacheren und schnelleren Bezahlmöglichkeiten sollen auf keinen Fall zu Lasten des Datenschutzes gehen. Hierzu erklärte die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Andrea Voßhoff in einer Pressekonferenz vom 27.02.2015 :

„Gegen die beabsichtigte Ausgestaltung bestehen datenschutzrechtlich erhebliche Bedenken, insbesondere weil ein Dritter – der Dienstleister – umfassenden Einblick in die Kunden-Kontoinformationen erhält. Hierbei handelt es sich um besonders sensible Finanzdaten, die auch zur Erstellung von Persönlichkeitsprofilen genutzt werden könnten. Daneben ist vorgesehen, dass der Kunde dem Zahlungsdienstleister seine personalisierten Sicherheitsmerkmale (zum Beispiel PIN und TAN) mitzuteilen hat. Dies birgt erhebliche Risiken für die Datensicherheit und eröffnet erhebliche Missbrauchsmöglichkeiten. Bei einer Datenspeicherung der Zahlungsdienste auf Servern in Staaten außerhalb der Europäischen Union könnten auch ausländische Geheimdienste einen Zugriff auf vertrauliche und sensible Kontoinformationen erhalten. Es muss daher sichergestellt werden, dass auch diesbezüglich hinreichende datenschutzrechtliche und datensicherheitsrechtliche Vorkehrungen getroffen werden.“

Durch die neue Richtlinie kann das gesamte Zahlungsverhalten von Kunden analysiert werden, daraus lassen sich dann Rückschlüsse auf persönliche Lebens- und Kaufgewohnheiten ziehen. Außerdem kann das Einkommen eingesehen werden, was natürlich nicht jeder Verbraucher möchte. Wenn ein Drittanbieter einmal die gültige PIN zu einem Konto hat, können Kontoumsätze über einen längeren Zeitraum eingesehen werden. Beim Thema Datenschutz müsste die EU also noch ein wenig nachbessern. Denn letztendlich entscheidet der Verbraucher wohin die Reise geht, in die schöne neue Bezahlwelt oder hin zu bekannten Ufern und altbewährten Zahlungsmethoden.




Quelle: BFDI / Konto.org

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    stefan

    14. März 2017 16:26 at 16:26

    der “gläserne” Kunde!

  2. Avatar

    asyoulike

    14. März 2017 16:59 at 16:59

    Moin, moin,
    vom Wähler so gewählt und von den “Volksvertretern” umgesetzt. Mein Ausweg zur Zeit, mehrere Konten und soweit möglich Barzahlungen. Datenschutz? Wer daran glauben mag.

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EZB-Geldmenge wächst spürbar – und die Kreditvergabe? US-Sparquote explodiert!

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Die EZB hat heute ihre Daten zum Wachstum der Geldmenge für den Monat April bekanntgegeben. Dies ist derzeit ja besonders interessant aufgrund der gigantischen Gelddruck-Orgien der Notenbanken, um die Coronakrise mit Geld zuzuschmeißen. Kurz vorab: Die Geldmenge “M3” ist laut offizieller Definition der Bundesbank das “weit gefasste Geldmengenaggregat” des Eurosystems, und umfasst neben der Geldmenge M2 auch Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Die Geldmenge M3 ist ein wichtiger Indikator für die monetäre Analyse, die den geldpolitischen Entscheidungen des Eurosystems zugrunde liegt, so die Erläuterung der Bundesbank.

Die heutigen Daten der EZB zur Geldmenge M3 zeigen für die Eurozone ein Wachstum im Jahresvergleich um 8,3 Prozent auf 13,64 Billionen Euro. Die Geldmenge M1 steigt um 11,9 Prozent auf 9,51 Billionen Euro. Sie zeigt den Bargeldumlauf außerhalb des Bankensystems und täglich fällige Einlagen von Nichtbanken bei Monetären Finanzinstituten in der Eurozone. Und, kommt diese monströse Geldschwemme da an, wo sie hin soll? Im April stieg das Volumen der Kredite an Haushalte im Jahresvergleich um 3 Prozent. Kredite an Unternehmen (ohne Finanzbranche) stiegen um 6,6 Prozent. Hier sehen wir die Entwicklung der Geldmenge M3 als Chart im Verlauf der letzten 25 Jahre:


source: tradingeconomics.com

Hier das Datenblatt der EZB aus der heutigen Veröffentlichung:

Geldmenge M3 Daten der EZB von heute

Sparquote in den USA

Die Sparquote in den USA ist im April auf ein Rekordhoch explodiert! In der totalen Krise entdeckt der Amerikaner (derjenige, der überhaupt Geld übrig hat) den Europäer in sich? Nicht mehr konsumieren wie ein Wahnsinniger, sondern erstmal Geld auf die hohe Kante packen, für den Fall dass alles noch viel schlimmer kommt? Die staatlichen Statistiker der Behörde “Bureau of Economic Analysis” (BEA) haben vor wenigen Minuten bekanntgegeben, dass die Sparquote der Amerikaner (von 12,7 Prozent im März) im April auf sagenhafte 33 Prozent gestiegen ist. Das ist der höchste jemals gemessene Wert seit 1960, wo man mit der Erfassung dieses Parameters begonnen hatte. Mit der Sparquote wird angezeigt, welchen Prozentsatz des verfügbaren Einkommens die Bürger bei Seite legen.

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Klamotten und Flughäfen: So schlimm ist der totale Corona-Kollaps

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Der gesamte Einzelhandel ist nur minimal betroffen durch die Coronakrise. Schaut man auf die heutige Headline-Aussage des Statistischen Bundesamtes, dann sieht man einen Rückgang von 6,5 Prozent bei den Einzelhandelsumsätzen im April im Vergleich zu April 2019. Wow, dann ist ja alles halb so wild? Aber halt. Man schaue auf die Details. Der Lebensmitteleinzelhandel kann um 6,2 Prozent zulegen. Klar, da werden die Hamsterkäufe mit inkludiert sein, wo die breite Masse der Bevölkerung sich jetzt zusätzlich zum Alltagseinkauf Notvorräte angelegt hat. Und der Onlinehandel, der profitiert natürlich von diesem Shutdown, und zwar mit einem Plus von 24,2 Prozent.

Regelrecht vernichtet (so darf man es sagen) wurden natürlich die Umsätze im stationären Einzelhandel bei Klamotten. Klar, in den Wochen des totalen Shut Down, wo nur die wichtigsten Geschäfte wie Supermärkte und Apotheken öffnen durften, waren Bekleidungsgeschäfte geschlossen. Und so sinken die Umsätze im Segment “Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren” im Jahresvergleich um 70,7 Prozent! Wir haben dies in der folgenden Grafik in rot markiert. Der gesamte Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel verliert “nur” 14,5 Prozent.

Umsätze bei Klamotten brechen brutal ein

Flughäfen mit totalem Corona-Kollaps

Tja, wie sollte es auch anders sein, wenn Flugreisen verboten sind, sich Länder abschotten, globale Reisewarnungen ausgesprochen werden usw? Die deutschen Flughäfen erlebten im März und April beim Transport von Passagieren den Voll-Absturz. Im März waren es laut Aussagen des deutschen Flughafen-Verbandes ADV im Jahresvergleich -63 Prozent. Im April kam dann mit -98,6 Prozent der völlige Kollaps. Die gesamten Flugzeugbewegungen sanken im März um 41,3 Prozent, und im April um 85,5 Prozent. Mehr Details finden Sie hier.

A380 am Frankfurter Flughafen
Gibt es diese Bilder überhaupt nochmal? Ein A380 landet in Frankfurt. Foto: Wo st 01 CC BY-SA 3.0 de

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Leonhard Fischer: “Die Märkte sind abgeschafft”! Interview mit Markus Fugmann

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Leonhard Fischer war Vorstand bei der Dresdner Bank und bei der Allianz – derzeit ist er Vorsitzender des Anlageausschusses beim “Zukunftsfonds“. Fischer ist ein Freund klarer Worte – und das stellt er in dem folgendem Interview mit Markus Fugmann eindrucksvoll unter Beweis!

“Es gibt keine Märkte mehr”, sagt Leonhard Fischer – eine Preisfindung über Angebot und Nachfrage finde auch an den Aktienmärkten nicht mehr statt. Da alle anderen Mätkte durch die Notenbanken manipuliert seien, würden die Investoren geradezu in die Aktienmärkte gezwungen. Aufgrund dieses Zwangs wiederum spielten Bewertungen an den Aktienmärkten im Grunde gar keine Rolle mehr.

Die Zinsen sind nun unter der Inflation – wodurch sich die Kreditaufnahme rentiere. Priveligiert sei, so Fischer, wer Zugang zu Krediten habe, ob auf staatlicher Ebene (Deutschland mit unbegrenztem Kreditzugang), oder auf persönlicher Ebene (Beamte, Vermögende etc.). Die anderen, die diesen Zugang nicht hätten (kleine Unternehmen; Geringverdiener), würden dagegen die Zeche bezahlen. Das habe aber nichts mit Leistung zu tun, so Leonhard Fischer.

Leonhard Fischer sagt: wir haben einen Paradigmenwechsel, der sich durch folgende Punkte definiere:

1. Cash ist Trash

2. Es gibt keinen Markt mehr (Angebot und Nachfrage), auch die Börse ist das nicht mehr

3. Pleite gehen ist nur noch für kleine Unternehmen und Normalbürger erlaubt, nicht aber für große Investoren (die Fed zuckte und reagierte schon nach zwei Wochen fallender Märkte – statt Investoren, die überhebelt waren, eben pleite gehen zu lassen)

4. Die arbeitende Mittelschicht sei der große Verlierer, die Vermögenden die Gewinner, die von Transferleistung Lebenden dagegen würden sogar eher leicht profitieren

Leonhard Fischer spricht in folgendem Video auch über die Strategie des “Zukunftsfonds”, der sich nach eher schwachem Start in der Coronakrise sehr gut geschlagen hat. Fischer glaubt nicht an die klassischen Risikomodelle  der Banken (die Algorithmen stammten, so Fischer, aus dem 20.Jahrhundert) – und hat in Sachen Risikomanagement einen ganz eigenen, hochinteressanten Ansatz.

Sehen Sie hier die extrem dichten Aussagen eines der besten Denkers im deutschen Finanzspektrum:

Leonhard Fischer über die Abschaffung der Märkte

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