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Neue Verhaltensregeln bei der EZB

FMW-Redaktion

Die EZB hat für ihre Direktoren einen Verhaltenskodex erlassen. Danach müssen die Mitglieder des EZB-Direktoriums künftig streng darauf achten, dass vertrauliche Informationen nicht an die Öffentlichkeit gelangen (ist das nicht eigentlich eine Selbstverständlichkeit?). Wenn es um Informationen geht, die Kurse beeinflussen könnten (Aktien, Anleihen, Devisen etc), muss eine veröffentlichte Information einem möglichst breiten Publikum zugänglich gemacht werden, damit nicht einer oder wenige Insider von einer exklusiven Info profitieren können. Um das zu vermeiden, sollen bei Reden, wo solch sensitive Infos präsentiert werden, in Zukunft z.B. immer Journalisten anwesend sein, oder das Redemanuskript vorab veröffentlicht werden, damit die Teilnehmer z.B. an einer Konferenz keine exklusiven Infos erhalten, aus denen sie Vorteile gegenüber allen Marktteilnehmern außerhalb der Konferenz ziehen können.

Bei Veranstaltungen aller Art, die nicht öffentlich stattfinden, dürfen zukünftig von den Direktoren keine Infos mehr preisgegeben werden, die Kurse beeinflussen könnten (eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit). Bei solchen geschlossenen Meetings soll zur Kontrolle ein EZB-Aufpasser (offiziell nennt die EZB das „Zeuge“) mit anwesend sein, der darauf achten soll, dass die Direktoren sich auch an die Vorschrift halten. Was für eine peinliche Ohrfeige, meinen wir. Einen Kindergärtner mit an die Hand zu bekommen, als Direktor der Europäischen Zentralbank…

In den letzten sieben Tagen vor einer EZB-Ratssitzung sollen die EZB-Direktoren zukünftig gar nicht mehr über Inhalte öffentlich reden, die Rückschlüsse auf die Entscheidung des EZB-Rats zulassen (QE, Zinsen etc). Warum das alles, mag man sich fragen, warum so ein peinlicher Verhaltenskodex wie für kleine Kinder, mit Aufpasser, mit Vorgaben, die eigentlich für jemanden in so einer Position selbstverständlich sein sollten? Nun, Auslöser hierfür war EZB-Direktor Benoit Coeure, der am 18. Mai angeblich zu tief ins Sektglas schaute und auf einer geschlossenen Investorenkonferenz über die kurzzeitige Anhebung der EZB-Anleiheaufkäufe vor der Sommerpause informierte. Mit dieser Info waren die Anwesenden theoretisch wie auch praktisch in der Lage schnell Anleihen zu kaufen und somit einen Vorteil gegenüber allen Nichtanwesenden zu erzielen, denn diese Info präsentierte die EZB der breiten Öffentlichkeit erst am nächsten Tag. Offiziell sagte die EZB damals dies wäre ein Kommunikationsfehler gewesen, das Redemanuskript wurde der Öffentlichkeit angeblich nur zu spät zugänglich gemacht – aber das glaubte kaum jemand.

Verwundert kann man vor allem sein, dass die EZB 6 Monate braucht um für ihre Führungskräfte diesen Kodex zu erlassen. Normalerweise kann man sowas am nächsten Tag nach dem Vorfall mit Coeure einführen, keine große Sache. Wozu brauchte man 6 Monate?



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