Dreame Technology aus China plant Luxus-E-Autos in Brandenburg – nahe Teslas Gigafactory. Prestige, Risiken und Kritik begleiten den ambitionierten Einstieg.
Neuer Hersteller plant Luxus-E-Autos: China wählt Brandenburg
Ein Hersteller von Staubsaugern steigt ins Geschäft mit Luxusautos ein. Dreame Technology, in China bislang für smarte Haushaltsgeräte bekannt, will sich in Europa neu erfinden und hat Brandenburg als möglichen Standort für ein Werk im Blick. Der Schritt ist strategisch. Wer Autos für Europa baut, spart nicht nur Transportwege und Zölle, sondern bindet sich direkt in ein Netz aus Zulieferern ein, das in Deutschland seit Jahrzehnten gewachsen ist.
Zuliefernetz in Brandenburg lockt chinesischen Hersteller
Für Dreame ist Brandenburg doppelt attraktiv. In unmittelbarer Nähe steht Teslas Gigafactory, die bereits Hunderte von Zulieferern anzieht. Die Region zählt mehr als 1.000 spezialisierte Betriebe, von Präzisionsfertigung bis Elektronik. Dreame verspricht sich davon kurze Entwicklungszyklen, geringere Kosten und eine Produktion, die sich ohne Umwege am europäischen Markt ausrichtet. Geplant ist ein Werk auf etwa 430 Hektar Fläche, also größer als Teslas Anlage in Grünheide.
Das erste Modell soll sich optisch am Bugatti Veyron orientieren. Premiere ist für Anfang 2026 in Las Vegas vorgesehen, die Serienproduktion ab 2027. Finanziert wird das Vorhaben nach Angaben chinesischer Medien mit Hilfe der BNP Paribas, innerhalb weniger Tage sei bereits eine erste Kapitalrunde abgeschlossen worden. Ein Team von rund 1.000 Mitarbeitern arbeitet in China schon an der neuen Autosparte.
Ministerpräsident Dietmar Woidke bestätigte erste Gespräche mit dem Unternehmen. Vor Ort melden sich jedoch sofort Kritiker. Umweltverbände warnen vor Rodungen, Bürgerinitiativen befürchten einen Ausverkauf der Region. Auch Fachleute zeigen Skepsis. Sie verweisen auf hohe Löhne und Energiekosten, die Deutschland im globalen Wettbewerb belasten. In den chinesischen Medien erzielt das Projekt große Aufmerksamkeit. Doch die Euphorie mischt sich mit Zweifeln. Der heimische Markt ist bereits übersättigt, Hunderte Hersteller kämpfen um Käufer. Der Staat hat dem Preiskrieg inzwischen offiziell den Kampf angesagt, die Konsolidierung läuft.
Neo-Heritage: Geliehenes Erbe statt eigener Tradition
Ein Blick zurück zeigt, wie schnell Prestige und Realität auseinanderfallen. Ebenso groß war der Hype, als Foton die deutsche Traditionsmarke Borgward übernahm. Das Rezept war einfach: deutscher Name, deutscher Hauptsitz und das Versprechen einer Fabrik am alten Standort in Bremen. Damit sollte Glaubwürdigkeit erzeugt werden. In Wahrheit liefen alle Fahrzeuge in China vom Band. Das erste Modell, der SUV BX7, startete 2015, flankiert von aggressiven Preisen und staatlichen Subventionen. Kurzzeitig schien die Strategie aufzugehen, mehr als 100.000 verkaufte Fahrzeuge 2017 wirkten wie ein Durchbruch. Doch die Basis war schwach. Weitere Modelle wie der BX5 oder eine elektrische Version blieben Randerscheinungen, die Marke rutschte in Verluste. 2019 wurde ein Großteil an das Startup Ucar Auto weitergereicht, die deutsche Präsenz löste sich in Luft auf. Das Werk in Bremen war nie mehr als eine Ankündigung. 2020 zog sich Borgward vollständig aus Europa zurück, zwei Jahre später war die Insolvenz in Peking besiegelt.
Dreame setzt nun auf eine Variante dieses Prinzips, die sich als ‚Neo-Heritage Marketing‘-Strategie beschreiben lässt. Nur gibt es keine echte Historie, die sich vermarkten lässt. Stattdessen wird der Standort Brandenburg selbst zum Gütesiegel erhoben. Die Nähe zu Tesla, die Dichte der Zulieferer und die Tradition deutscher Ingenieurskunst sollen eine Aura von Glaubwürdigkeit erzeugen. Dazu kommt das Design, das sich am Bugatti Veyron orientiert und bewusst europäische Luxus-Symbole aufgreift. Eine Strategie, die sich als „importiertes Erbe“ beschreiben lässt, ein Marketing mit geliehenem Prestige.
Genau solche Ansätze haben schon andere versucht. Borgward mit seiner deutschen Fassade, Qoros mit westlichem Management und Markenauftritt, Weltmeister mit dem Anspruch, deutsche Qualität „Made in China“ zu etablieren. Alle sind gescheitert. Die Gefahr, dass sich Dreame in diese Tradition einreihen wird, ist groß.
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