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Neues vom Ölmarkt: Fracker werden immer besser

Gestern hatten wir noch über vermeintlich gute Nachrichten für die Öl-Bullen berichtet. Denn wie es aussieht, planen die Golfstaaten sowie einige OPEC- und Nicht-OPEC-Förderer die Kürzung von 1,8 Mio...

FMW-Redaktion

Gestern hatten wir noch über vermeintlich gute Nachrichten für die Öl-Bullen berichtet. Denn wie es aussieht, planen die Golfstaaten sowie einige OPEC- und Nicht-OPEC-Förderer die Kürzung von 1,8 Mio Barrels pro Tag über Mai hinaus zu verlängern. Nun kommen aber neue weniger gute Nachrichten. Die New Yorker Federal Reserve-Filiale hat gestern in einem aktuellen Report verkündet, dass die Ölpreise schwach sind aufgrund einer schwachen Öl-Nachfrage. Es gehe hierbei auch um die Aussichten für eine zukünftige schwache Nachfrage.

Das ist schon mal ein Dämpfer. Auch wird immer deutlicher, dass die Fracker in den USA ihren Break Even (Gewinnschwelle) immer weiter absenken können. Hinzu kommt hierbei noch, dass die großen extrem kapitalstarken Ölkonzerne wie Exxon, Chevron und Shell immer stärker in das Fracking-Geschäft vorstoßen. In Branchenkreisen ist es kein Geheimnis mehr, dass alleine in 2017 von diesen drei Großen 10 Milliarden Dollar Investments in die Fracking-Förderung fließen werden.

Anscheinend konzentriert man sich zunehmend auf das Permian-Becken, das laut US-Energiebehörde EIA so viel Öl fördern könnte wie das Bakken-Feld und das Eagle Ford-Feld zusammen. In Finanzkreisen kursiert die gigantische Zahl von 30 Milliarden Dollar, die von der gesamten Öl-Industrie in den letzten zwölf Monaten ausgegeben worden sein soll um nur im Permian-Becken Land aufzukaufen für die Einrichtung neuer Fracking-Felder. Aber diese Zahl ist natürlich schwer nachzuprüfen.

Besonders von Shell hört man Aussagen, die die OPEC in Angst versetzen dürften. Denn laut Firmenaussagen hat sich der Kostenaufwand pro Ölquelle in den letzten vier Jahren um 60% auf 5,5 Millionen Dollar reduziert. Im Permian-Becken könne man Geld ab 40 Dollar pro Barrel verdienen (Break Even). Die neuen Öl-Felder, die man in die Förderung bringt, seien schon um Ölpreise von 20 Dollar pro Barrel profitabel. Auch aus den weiteren Aussagen kann man entnehmen, dass der technische Fortschritt die Produktivität und damit den Break Even weiter runterbringt, was auch die bestehenden Felder wohl unter 40 Dollar bringen dürfte.

Das und vor allem auch die Kapitalkraft der großen Ölkonzerne lässt vermuten, dass das Fracking in den USA so schnell doch nicht totzukriegen ist wie auch wir es dachten. Glaubt man diversen kursierenden Zahlen, sind seit 2014 ungefähr 100 kleine und mittelgroße Fracking-Buden vom Markt verschwunden, weil sie pleite gingen. Zu klein, zu hohe Kapitalkosten, zu schwach. Große Kreditsummen gingen bei Banken verloren, aber im Großen und Ganzen, das muss man neidlos anerkennen, haben die Fracker den „Ölpreis-Krieg“ der Golfstaaten überlebt durch billiges Geld, Fusionen usw.

Und jetzt stoßen noch die Großen dazu. Exxon plant dieses Jahr 1/3 seines Förder-Budgets ins Fracking zu stecken. Chevron sagt sogar, dass das Volumen der eigenen Fracking-Förderung in den nächsten 10 Jahren jedes Jahr um gut 30% steigen werde. Goldman Sachs schätzt, dass in 2017 die Ölförderung in den USA um gut 1 Mio Barrels pro Tag steigen wird. Dazu kommen noch Steigerungen aus Kanada, Brasilien. Libyen usw. Das sind weniger gute Aussichten für die OPEC. Will man höhere Preise, muss man die eigene Fördermenge eben noch stärker reduzieren, als sie von der „bösen Gegenseite“ gesteigert wird. Wie gestern schon beschrieben: Das bringt eventuell höhere Ölpreise, kostet die Golfstaaten aber Marktanteile. Und genau das wollte man ja mit seinem Ölpreis-Krieg gegen die Fracker seit Ende 2014 verhindern. Aber bei Break Even´s von 20 Dollar im US-Fracking, was will man da noch machen…



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1 Kommentar

  1. Die Fracker liefern derzeit 100.000 Barell pro Tag. Die Opec kürzt aber um
    2.000.000 Barell pro Tag. Wie sollen die Fracker mit der Opec da konkurrieren?

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