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Neues von Varoufakis: Tonmitschnitte, 2Face und „Goebbels-Vergleich“

Von Claudio Kummerfeld

Der griechische Finanzminister Varoufakis bietet mal wieder eine bunte Show seines Könnens. In einem aktuellen Interview mit der „New York Times“ geht es u.a. um angebliche Tonmitschnitte vom Rigatreffen und um einen Goebbels-Vergleich…

Yanis Varoufakis in seiner Lieblingsrolle
Griechenlands Finanzminister in seiner Lieblingspose. Reden und allen anderen die Welt erklären. Foto: Robert Crc/Wikipedia (FAL)

Im Interview mit der „NYT“ redet Varoufakis wie immer nicht über die konkrete Pleitegefahr seines Landes, sondern über „das große Ganze“, wie man Europa umgestalten sollte bla bla bla. Alles schön und gut und er mag auch viele kluge Ideen haben, nur solche Umgestaltungspläne dauern Jahre, und hier und heute geht es darum ein ganz akutes Problem sofort zu lösen, und dazu gibt es von ihm mal wieder wenig Konkretes. Kein Plan, keine Idee. Es wäre wirklich mal schön konkrete Dinge zu hören – viele Menschen, die von der „Mainstream“-Politik enttäuscht sind, warten schon lange auf endlich mal handfeste Alternativen, die er hätte bringen können – aber leider Pustekuchen.

Tonmitschnitte vom Eurogruppen-Treffen?

Hat Yanis Varoufakis Tonmitschnitte vom Eurogruppen-Treffen in Riga gemacht, auf dem er laut übereinstimmenden Aussagen der Anwesenden als „Spieler und Amateur“ bezeichnet und damit lächerlich gemacht wurde? Die NYT schreibt, dass er gesagt hat er hat das Treffen auf Tonband aufgenommen, kann es aber nicht veröffentlichen wg. Vertraulichkeitsregeln. Zitat Varoufakis:

„All these reports that I was abused, that I was called names, that I was called a time-waster and all that: Let me say that I deny this with every fiber of my body.” (He says he taped the meeting but cannot release the tape because of confidentiality rules.)“

Dazu meinen wir: wenn er es eh nicht veröffentlichen kann, warum erwähnt er dann überhaupt, dass er solche Aufnahmen hat? Und außerdem klingt diese Erwähnung von Tonbändern so, als hätte er eine Art „Riga-Gate“-Skandal in der Tasche – damit kann man sich natürlich wichtig machen und mit einer mysteriösen Aura umgeben. Wir glauben, wir vermuten einfach mal, dass es diese Aufnahme gar nicht gibt. Heiße Luft muss her!

Varoufakis sieht sich „Goebbels-artiger Propaganda“ ausgesetzt

Nochmal zum Vorwurf seine Eurogruppen-„Partner“ er sei ein „Spieler und Amateur“, und in Athen hätte man ihn „sanft“ entmachtet. Zu diesen Vorwürfen sagte Varoufakis in der NYT Zitat:

“It’s completely disconnected from reality, but it’s a parallel reality, a Goebbels-like propaganda style that has a wonderful capacity to change the atmosphere.”
(Das ist ein Goebbels-artiger Propaganda-Stil)

Die Tatsache, dass nun wirklich diverse Pressevertreter von vielen Eurogruppen– Mitgliedern unabhängig voneinander die selben Worte durchgesteckt bekommen haben (Amateur, Spieler), versucht Varoufakis mit der „Nazi-Keule“ plattzumachen. Ein bewährtes Mittel…

2Face Varoufakis

Yanis Varoufakis hat im Interview mit der NYT mal wieder seine 2Face-Maske aufgesetzt. Wenn er Eurogruppen-Finanzminister trifft, redet er stets von Lösungen, von der Verlässlichkeit Griechenlands usw. Dass er gar nicht vor hat Schulden zurückzuzahlen oder sich an Abmachungen zu halten, erwähnt er immer erst nach den Treffen gegenüber der Presse – so auch jetzt wieder im NYT-Interview.

„I’ll be damned if I will accept another package of economic policies that perpetuate this same crisis.“

Was lernen wir daraus?

Eine Frage stellt sich dann doch noch am Ende: Woher nimmt Yanis Varoufakis all die Zeit für seine Interviews, TV-Auftritte, Kolumnen auf Ökonomie-Portalen uvm? Was er da macht, ist ein Vollzeit-Job für einen Vortragsredner und Buchautor. Eigentlich müsste er mit seinen Reden und Interviews täglich 10 Stunden ausgelastet sein. Unproblematisch, wenn da nicht sein anscheinend lästiger Hauptjob als Finanzminister in Griechenland wäre. Müsste er nicht eigentlich in seinem Büro sitzen und mit seinem Ministerialbeamten an der Rettung seines Landes arbeiten?

Was lernen wir daraus? All das, was Herr Varoufakis veranstaltet (Tonbänder, Goebbels-Vergleiche, Schuldige suchen, Verschwörungen konstruieren etc), hat mit dem Job eines Finanzministers nichts zu tun, und auch nicht mit der Rettung einer Volkswirtschaft. Schade, denn wir würden gerne konkrete alternative Lösungsansätze für eine derartige Staatskrise hören!



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4 Kommentare

  1. Nyt: Begin des zweiten Abschnitts:

    “ Varoufakis has been Greece’s finance minister for only four months, but the story of how he ( !! ) has thrown Europe into turmoil is one many years in the making. “

    Anm. ( !! ) wurde von mir, KK, eingefügt, um auf diese bemerkenswete Stelle hinzuweisen;

    he … übersetzt

    er (Varoufakis

    soll also Europa seit Jahren in den Schlamassel getrieben haben. Wenn eine Zeitung sowas schreibt und unkorrigiert bis anhin stehen lässt, stehen lässt,

    und man einen solchen Artikel, ebenflalls diesbezüglich unkorrigiert zitiert,

    ja, das lässt doch grosse Fragezeichen zum Wissen und den tatsächlichen Absichten dieser Autoren.

    Einfach noch mehr zündeln oder was ?? Erklären Sie Sich bitte, Herr Kummerfeld. Danke. KK.

    Lieber Herr Kummerfeld: dass Sie so eine Zeitung unkritisch

  2. danke für den artikel. jetzt weiß ich, dass ich diese seite in zukunft meiden sollte. gl

    1. Man muss nicht immer eines jeden seiner Meinung sein, sollte sie aber dennoch hören und hören wollen. Ihr Kommentar suggeriert hingegen unterschwellig jedoch eher eine Aufforderung zur Unterdrückung. Falscher Weg.

      Im Übrigen sind diese Informationen frei, wie die eigene Entscheidung diese zu lesen oder nicht.

  3. Wenn man angesichts der Situation Griechenlands finanziell sowie auch wirtschaftlich mit deren Möglichkeiten gegenüberstellt, so wird man eines festellen: die Erwartungshaltung fast aller Fremdbetrachter dieser Situation ist deutlich überzogen. (Schönreden will ich dennoch nichts.)

    Man mutet ihm zu (= stachelt ihn an) übermenschliches zu leisten, soll aber keiner Wirtschaft oder Menschensele dabei schaden. Rückzahlen soll er, kann er aber nicht (von was? woher?), außer noch mit Gold – das wäre aber vielleicht taktisch unklug, wenn er sich bei einer Währungsneuausgabe nicht doch noch etwas werthaltiges zur Deckung zurückbehalten möge. Andernfalls wäre nachher auch wieder nur vorher: „Ramsch“-Wärung mit heftigeren Folgen. Ebenfalls nicht unbedingt besser ist die zukünftige Gewinneinnahmenverlagerung zu fördernder Ressourcen in die Jetztzeit, da es zukünftig fehlen wird und Fördermengen eigentlich unklar sind.

    Es steht schlecht, zu lösen geht meiner Meinung nach nicht, aber irgendwie drängt sich mir noch ein anderer Verdacht auf: es scheint eher so zu sein, das die EZB eine „Schuldensau“ und später eine „Schuldsau“ braucht. Vermutlich spielt Hr. V. (etwas zu sehr) mit dieser Situation.

    Hat jemand andere Gedanken?

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