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Budget pro Person schrumpft Neujahrsfest in China: Reisen steigen, Konsum sinkt

Konsum bleibt abhängig von Subventionen

Neujahrsfest in China Reisen steigen Konsum sinkt
Foto: evening_tao - Freepik.com

Rekordzahlen im Reiseverkehr, aber sinkende Ausgaben pro Kopf: Das Neujahrsfest in China zeigt, dass Mobilität wächst, während der Konsum weiter an Schwung verliert.

Neujahrsfest in China: Reisen steigen, Konsum sinkt

Beim Neujahrsfest in China steigen die Reisebewegungen deutlich, doch die Konsumausgaben pro Kopf gehen weiter zurück. Die ersten Zahlen zum Frühlingsfest bestätigen damit einen Trend seit der Pandemie: Die Menschen reisen weiterhin gern, aber die Aufenthalte verändern sich und das Budget pro Person schrumpft.

Mobilität steigt, Ausgaben sinken

Das chinesische Neujahr ist das wichtigste Fest in China. Es ist sowas wie Weihnachten und Ostern zusammen und für Millionen von Chinesen die einzige Möglichkeit, im Laufe des Jahres nach Hause zu fahren. Dieses Jahr dauerten die offiziellen Ferien sogar zwei Tage länger als in den vergangenen Tagen. Satte neun Tage ruhte die Arbeit in den Büros des Landes. Für die Fabriken änderte sich kaum etwas, denn sie schließen gewöhnlicherweise für etwa einen Monat. Es ist auch die Zeit, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer trennen und neue Mitarbeiter bzw. Arbeitgeber suchen. Insofern werden die nächsten Wochen interessant, wie sich die Beschäftigungsverhältnisse verändern.

Durch die verlängerten Feiertage brachte das chinesische Frühlingsfest neue Rekordzahlen im Reiseverkehr. Insgesamt zählte das Transportministerium 596 Millionen Inlandsreisen, was einer Steigerung um 95 Millionen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Parallel dazu bezifferte das Kultur- und Tourismusministerium die Einnahmen auf 803,5 Milliarden Yuan (ca. 105,03 Milliarden Euro), rund 126 Milliarden Yuan (ca. 16,47 Milliarden Euro) mehr als 2025.

Die durchschnittlichen Ausgaben pro Trip beliefen sich in diesem Jahr auf 1.348 Yuan (ca. 176 Euro) gegenüber im letzten Jahr. Dies ergibt einen Betrag von 150 Yuan (ca. 19 Euro) pro Tag und Person, die die Reisenden aufwendeten, während es im Vorjahr noch etwa 169 Yuan (ca. 22 Euro) waren. Die zusätzliche Ferienzeit erhöht das Gesamtvolumen, senkt jedoch die tägliche Intensität der Ausgaben.

Der Zuwachs speist sich damit nahezu vollständig aus der höheren Zahl an Reisen und der längeren Dauer. Eine stärkere Konsumneigung pro Kopf lässt sich aus diesen Daten nicht ableiten. Genau hier liegt der Trend der vergangenen Jahre. Die Haushalte verlängern ihre Aufenthalte und verteilen ihr Budget über mehr Tage, ohne es substanziell auszuweiten.
Die großen Reiseportale bestätigen diese Verschiebung. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer erreichte 6,4 Tage und lag damit leicht über dem Vorjahr. Rund 60 Prozent der Buchungen entfielen auf Reisen von mehr als fünf Tagen. Viele kombinierten Familienbesuche mit touristischen Stationen in weiteren Städten, wodurch sich die Gesamtdauer erhöht, während die täglichen Ausgaben sinken.

Auch die Struktur der Mobilität passt in dieses Bild. Rund 80 Prozent der Reisen entfielen auf den Straßenverkehr. Die Zahl der Fahrten mit Fahrzeugen alternativer Antriebe stieg um 34 Prozent auf über elf Millionen pro Tag. Hier zeigt sich das Ergebnis der deutlich verbesserten Ladeinfrastruktur entlang der Autobahne sowie die Mautbefreiungen für Elektrische und Hybride. Wer mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, bleibt flexibler bei Unterkunft und Verpflegung und kann Ausgaben besser kontrollieren.

Konsum in China bleibt abhängig von Subventionen

Der direkteste Gradmesser für den Konsum, der Einzelhandel, meldete ein moderates Plus. Die großen Handels- und Gastronomiebetriebe erzielten in den ersten vier Feiertagen ein Umsatzwachstum von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schlechter sah es in den großen Einkaufsstraßen, wie der Nanjing Road in Shanghai aus. Dort stiegen die Besucherzahlen um 4,5 Prozent, die Umsätze um 4,8 Prozent, was unter dem Wirtschaftswachstum des letzten Jahres liegt. Hier stützten die staatlichen Programme die Entwicklung. Die landesweite Verschrottungsprämie für Autos und Haushaltsgeräte generierte bislang rund 196 Milliarden Yuan Umsatz, davon etwa 100 Milliarden im Automobilsektor. Selbst also mit den Konsumanreizen gelingt es nicht, ein substanzielles Umsatzplus zu erzielen.

Weniger robust entwickelte sich die Filmbranche. Die Kinoeinnahmen sanken auf 5,75 Milliarden Yuan und lagen damit fast 40 Prozent unter dem Vorjahr. Zwar wurden erneut über 100 Millionen Tickets verkauft, doch nahezu die Hälfte der Erlöse entfiel auf einen einzigen Film. Die Marktbreite blieb begrenzt, die Zahlungsbereitschaft pro Kopf gedämpft.

Asien dominiert bei Auslandszielen

Im Gegensatz dazu erholt sich der grenzüberschreitende Reiseverkehr. Die Behörden registrierten rund 17,8 Millionen Ein und Ausreisen während der Feiertage, was einem Plus von etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders stark wuchsen visafreie Einreisen mit einem Anstieg von knapp 30 Prozent. Täglich reisten im Schnitt über 1,3 Millionen internationale Besucher ein, ein Zuwachs von mehr als 20 Prozent.
Bei den Auslandsreisen stehen weiterhin die nahen Ziele, wie Thailand, Vietnam oder Singapur hoch im Kurs. Überraschend groß war in Angesicht der Spannungen auch die Nachfragen nach Reisen nach Japan. Ebenso nutzten mehr Chinesen die Möglichkeit, visafrei Russland zu besuchen. Nach wie vor erreichen die Trips nach Europa nicht das Vor-Krisen-Niveau. Wenn nach Europa reisen die Besucher aus dem Land der Mitte die Türkei oder Griechenland.

Insgesamt setzt sich der Trend der letzten Jahre fort: Die Menschen wollen zwar reisen, aber sie geben dafür weniger Geld aus. Ebenso bevorzugen sie es, mehr ihre Umgebung zu erkunden, als Tage lang unterwegs zu sein, bevor sie an ihr Ziel gelangen. Denn auch wenn China mittlerweile über ein 5,000 Kilometer langes Hochgeschwindgkeitszugnetz verfügt: Dieses ist weder darauf ausgelegt, solche Menschenmassen zu bewältigen, noch können sich viele Menschen diese aus ihrer Sicht relativ teuren Züge leisen.

Weiterhin bleibt der Konsum schwach und muss durch staatliche Subventionen gestützt werden. Dies lässt für die folgenden Monate erwarten, dass sich an der grundsätzlichen Situation des „inneren Kreislaufes“ nichts ändert. Und das ist die eigentlich schlechte Nachricht.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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