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Nichts für Donald´s Ohren: Deutschland drittes Jahr in Folge einsame Weltspitze in der Leistungsbilanz

Im Warenhandel ist Deutschland schon richtig gut im Rennen in Sachen Überschüsse, wo man mit den Chinesen konkurriert. Aber die Leistungsbilanz sagt mehr darüber aus, wie der Geldfluss und der Vermögensstatus einer Volkswirtschaft wirklich aussieht. Denn die Leistungsbilanz berücksichtigt auch, dass Volkswirtschaften mit großen Außenhandelsüberschüssen diese Gelder irgendwo anlegen müssen.

Das tun sie oft im Ausland, wodurch sie gegen das Ausland Zahlungsansprüche entwickeln (Renditen aus Kapitalanlagen). Und wenn Deutschland immer mehr überschüssige Gelder im Ausland anlegt, wachsen auch die Zahlungsansprüche. Dadurch wird der deutsche Überschuss gegen das Ausland (Leistungsbilanzüberschuss) immer größer. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland im Jahr 2018 das dritte Jahr in Folge mit weitem Abstand die Nummer 1 sein wird beim Leistungsbilanzüberschuss.

Der soll laut ifo-Institut voraussichtlich bei 299 Milliarden Dollar liegen, wovon ein Großteil aus dem Überschuss im Warenhandel stammt. Danach soll Japan folgen mit einem Leistungsbilanzüberschuss von 200 Milliarden Dollar und die Niederlande auf Platz 3 mit 110 Milliarden Dollar. Dabei ist deren Wert wohl am Beeindruckendsten mit einer Relation von 12% zum BIP! Auch wenn Deutschland das dritte Jahr in Folge diese Betrachtungsweise der Außenhandels-Statistik anführt, so soll der Überschuss minimal geringer ausfallen als 2017. Zitat ifo-Institut:

Deutschlands Überschuss in der Leistungsbilanz sinkt leicht. Er dürfte im laufenden Jahr zurückgehen auf 7,8 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung, nach 7,9 Prozent im Jahr 2017, wie Berechnungen des ifo Instituts für das Forschungsnetz EconPol ergeben haben. Die EU hält höchstens sechs Prozent für langfristig tragfähig. „Der Rückgang ist auf drei Ursachen zurückzuführen: Der Überschuss beim Warenexport dürfte nicht mehr zulegen. Die Einkommen aus dem Auslandsvermögen werden wohl leicht rückläufig sein. Außerdem wird die Jahreswirtschaftsleistung einschließlich Inflation recht kräftig um 3,7 Prozent steigen“, sagt ifo-Forscher Christian Grimme.

Zum Hintergrund des deutschen Erfolgs, und warum China in Sachen Leistungsbilanz nicht ganz vorne auftaucht, sagt ifo folgendes:

Der Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz von erwarteten 264 Milliarden Euro lässt sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen; ausgehend von den Zahlen für das erste Halbjahr 2018 dürfte sich ein Überschuss von rund 265 Milliarden Euro für das Gesamtjahr ergeben. Haupttreiber für die Ausfuhr an Waren im ersten Halbjahr war die Nachfrage aus den anderen Ländern des Euroraums, den anderen EU-Ländern und aus den USA. Zum Überschuss tragen auch die Erträge aus Auslandsvermögen von rund 63 Milliarden Euro bei. Zahlungen an das Ausland, z.B. bei der internationalen Zusammenarbeit, dürften den Überschuss um rund 45 Milliarden Euro dämpfen. Das Defizit bei den Dienstleistungen wird wohl rund 18 Milliarden Euro betragen.

China ist in diesem Jahr nicht mehr unter den ersten drei Ländern mit den höchsten Überschüssen zu finden. Aufgrund sehr starker Einfuhren und schwächerer Ausfuhren ist der Warenüberschuss deutlich niedriger im ersten Halbjahr 2018; dabei wurde vor allem weniger in die USA und nach Europa exportiert. Außerdem sind die Einnahmen aus dem Auslandsvermögen kleiner im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017.


Containerschiff im Hamburger Hafen. Foto: Huhu Uet (CC BY 3.0)



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2 Kommentare

  1. Ja, die bösen Deutschen, erdichten, erdenken, erfinden, erforschen und entwickeln die schon wieder Waren und Dienstleistungen, die gefragter, weil besser sind als der eigene Output?!

    Donnie Dumb hat doch die perfekte Antwort: Back to the past Century:
    – Klimawandel leugnen, Stein(zeit)kohle statt regenerative Energien
    – Strafzölle auf alles, was nicht amerikanisch ist
    – Keine Antwort auf nationale Preissteigerungen, die sich aus den Strafzöllen ergeben
    – Kein weiteres Interesse an seinen Wahlaussagen, seinen Stammwählern
    – Aufrechterhaltung eines neuen, wirtschaftlichen kalten Krieges
    – Populistische Schürung von real nicht vorhandenen Feindbildern
    – jedoch nicht mehr gegen seinen Freund und Wahlhelfer Russland, aber gegenüber dem Rest der Welt
    – Steigerung des eigenen, familiären Profites
    – Protektionismus, Rassismus und Abschottung anstelle von Innovation und Anpassung

  2. Deutsche Firmen sollen in großen Ausmaße Wertschöpfung, die in Ausländische Produktionsstätten praktisch erarbeitet wird, auf den Papier nach Deutschland verschieben. Dieses Vorgehen dürfte sicher auch dazu führen, dass Deutschlands Leistungsüberschüsse auf Dauer sehr hoch bleiben werden. Im Gegensatz dazu haben viele US Konzerne viel Wertschöpfung auf den Papier in die Niederlande oder nach Irland verlagert, obwohl die Wertschöpfung praktisch in den USA erarbeitet wird. So welche Effekte sorgen sicher dafür, dass gewisse Euro Länder massive Überschüsse anhäufen und vergrößert sicher die Defizite der USA und anderen Ländern in hohen Masse. Das Thema ist sehr komplex geworden. Vor allem für den einfach gestrickten Trump.

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