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Niedrigzinsen: Was Anleger und Kreditnehmer jetzt tun können

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Minuszinsen – als zum ersten Mal von einem so radikalen Zinsschritt der EZB die Rede war, hat es einen Aufschrei gegeben. Inzwischen haben sich die Gemüter anscheinend beruhigt. Niemand fordert von der neuen EZB-Chefin, den Leitzins in Rekordzeit wieder anzuheben. Dass die Inflation bei vielen Haushalten Geld vernichtet, scheint an dieser Stelle nicht zu interessieren. Und es sieht aller Voraussicht auch nicht nach einer Entspannung der Lage aus.

Im Gegenteil: Die letzte Ratssitzung hat gezeigt, dass in der Zentralbank alle Zeichen auf Stillstand stehen. Zumindest, wenn es um die Leitzinsen geht. Seitens der EZB sollen die Maßnahmen überprüft werden. In einer solchen Phase sind Anhebungen der Leitzinsen eher unwahrscheinlich. Was bedeutet dies für Haushalte? Und warum greift die EZB gerade jetzt zu dieser Strategie?

Zinsen im Keller: EZB bastelt an neuer Strategie

Bereits seit Jahren wird mit Spannung erwartet, wann die EZB endlich wieder ihre Zinsen anhebt. Besonders Sparer und institutionelle Anleger, die einen vorgeschriebenen Anlagemix einhalten müssen, stehen schließlich schon etwas länger unter Druck. Allerdings zeigt die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank zum Jahresanfang, dass diese Hoffnung sich 2020 wohl vorerst nicht erfüllen.

Der Grund: Unter der neuen EZB-Chefin Christine Lagarde verordnet sich die Zentralbank eine Denkpause. Man will die Zeit bis zum Jahresende 2020/2021 nutzen, um die bisher in Angriff genommen Maßnahmen zu überprüfen und die noch verfügbaren Optionen in Augenschein zu nehmen. Im Rahmen dieser Prüfungsphase ist nicht damit zu rechnen, dass die EZB zu regulatorischen Mitteln greift.

Viel wahrscheinlicher ist, dass sich erst einmal gar nichts ändern wird – und damit auch die Leitzinsen der Zentralbank auf dem historisch niedrigen Niveau verbleiben. Einige Experten spekulieren inzwischen sogar über noch weitere Zinsschritte. Mit einer noch stärkeren Verschiebung Richtung Minuszinsen seitens der EZB würden natürlich auch die Dämme für Privatkunden brechen, die schon jetzt mit negativen Sparzinsen belastet werden.

Neue Rahmenbedingungen brauchen Anpassung

Notwendig wird eine Überarbeitung der Strategie durch das veränderte Umfeld. Inzwischen ist die Situation, derer sich die EZB stellen muss, eine vollkommen andere als zum Ausbruch der Krisen um faule Kredite und Staatsschulden. Zu den Themen gehören:

– eine niedrige Inflation
– Umweltprobleme
– Überalterung
– Digitalisierung.

Inzwischen herrscht in der EZB ein reger Diskurs darüber, wie mit diesen Faktoren umzugehen ist. Und ob es nicht noch andere Mittel als nur Zinssenkungen und Anleihekäufe gibt. Gerade eine auf Dauer zu niedrige Inflation schürt Ängste, dass die Konsumentenpreise abrutschen und der Konjunkturmotor ins Stottern gerät.

Was können Anleger tun?

Politiker und Presse vertreten in Deutschland fast unisono die Meinung, dass die EZB mit ihrer Zinspolitik den Sparer enteignet und damit die sicher geglaubte Altersvorsorge zu Fall bringt. Dabei eines vergessen: Teilweise waren die Maßnahmen der Zentralbank in den Augen vieler Ökonomen wichtig, um einen stärkeren „Schleudergang“ der Wirtschaft zu verhindern. Trotzdem stellt sich die Frage, wie mit dem Niedrigzinsniveau im besten Fall umzugehen ist?

Klassische Spareinlagen sind passe

Sparer, die immer noch an klassischen Bankeinlagen festgehalten haben, müssen sich nach Alternativen umsehen. Der Blick auf die Wertpapierbörsen ist aber nicht die einzige Option. Prinzipiell bietet es sich an:

– Aktien
– Anleihen
– Fonds
– Sachwerte

als mögliche Option unter die Lupe zu nehmen. Bei Sachwerten geht es natürlich um Immobilien. Der Bausektor hat aufgrund der niedrigen Zinsen einen Nachfrageboom erlebt, was sich auf die Preise massiv ausgewirkt hat.

Aktien als interessante Alternative

Aktien werden oft immer noch kritisch gesehen. Vielen unerfahrenen Anlegern ist einfach das Risiko zu hoch. In der Praxis zeigt allerdings das DAI Renditedreieck für den DAX auch, wie renditestark die Unternehmen im wichtigsten deutschen Aktienindex sein können. Wer sich nicht an Direktinvestments herantraut, kann auch zu Fonds greifen. Speziell Indexfonds/ETFs sind seit einigen Jahren immer wieder im Gespräch, wenn es um:

Risikostreuung
Anlagekosten
Sparplanfähigkeit

geht.

In Unternehmensanleihen investieren: Die Zinsen sinken auch hier

Staatsanleihen sind ein bekanntes Produkt – auch als Gradmesser dafür, wie gut oder schlecht ein Staat an den Geldmärkten dasteht. Aber auch viele Unternehmen greifen zu dieser Möglichkeit, um sich mit Kapital zu versorgen. Unternehmensanleihen haben für den Emittenten den Vorteil, nicht auf Kredite von Banken angewiesen zu sein. Sicher ein Grund fürs starke Ansteigen der Anleiheemissionen. Waren es in Deutschland 2007 und 2008 unter 100 Neuemissionen im Jahr, ist inzwischen deren Anzahl auf knapp 300 Emissionen geklettert.

Anleger auf der anderen Seite profitieren davon, dass sie eine Rendite einfahren, die deutlich über dem Niveau der Zinsen auf Spareinlagen liegt. Das Problem: Auch bei den Unternehmensanleihen folgt die Rendite dem allgemeinen Zinsniveau.

Über welche Zinsspanne sich Unternehmensanleihen erstrecken, zeigt beispielsweise der Blick Richtung Deutsche Börse. Etliche Anleihen liegen beim Zinskupon zwischen einem bis zwei Prozent. Andere Anleihepapiere kommen auf mehr als 10 Prozent. Generell muss klar sein, dass eine hohe Verzinsung der Anleihe ein höheres Risiko bedeutet.

Dass Unternehmen verstärkt auch international zu diesem Finanzierungsinstrument greifen, hat in den letzten Jahren die Sorge wachsen lassen, dass hier neue Finanzkrisen entstehen können. Beispielsweise sieht Onvista im hohen Anteil von mehr als 50 Prozent der BBB Bonds eines der Risiken. Angesichts solcher Rahmenbedingungen muss jeder Anleger sehr genau hinschauen, wenn Anleihen gezeichnet werden. Das Ausfallrisiko tragen die Inhaber der Anleihe. Und dass selbst augenscheinlich renommierte Unternehmen krachend scheitern können, haben in den letzten Jahren Investoren und Privatanleger immer wieder erfahren müssen.

Kreditnehmer können sich auf niedrige Zinsen freuen

Zu den Gewinnern der niedrigen Zinsen gehören ganz klar Kreditnehmer. Eine Gruppe, die besonders von dieser Entwicklung in der Vergangenheit profitiert hat, sind Bauherren und Immobilienkäufer. Durch die Minizinsen ist Baugeld in den letzten Jahren vergleichsweise billig gewesen. Das Zinsniveau bei den Immobilienfinanzierungen lag vor der Krise bei mehr als vier Prozent. Heute können Darlehen bei den Banken bereits für unter zwei Prozent nachgefragt werden.

Laut Deutscher Bundesbank lag das Zinsniveau beispielsweise für den Januar 2011 bei 3,85 Prozent p. a. für Darlehen ab 5 Jahren Sollzinsbindung. Im gleichen Monat 2019 hat ein vergleichbares Darlehen nur noch 1,70 Prozent gekostet.

Diese Entwicklung wirkt sich nicht nur auf den Zins bei Privatkunden-Banken aus. Auch Förderprodukte – etwa die Kredite der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sind in den zurückliegenden Jahren billiger geworden. Diese haben zudem Vorteile durch Tilgungszuschüsse. Erreichen Bauherren gewisse Standards bei der Energieeffizienz, muss weniger vom ursprünglichen Kredit getilgt werden.

Nicht nur Baukredite: Auch Konsumentendarlehen werden günstiger

Niedrige Kreditzinsen sind heute aber auch für:

Ratenkredite und
Konsumfinanzierungen

zu finden. Gerade in jüngster Vergangenheit haben einige Aktionen mit negativem Kreditzins für Aufmerksamkeit gesorgt. Dabei handelt es sich allerdings um keinen Dammbruch bei den Banken. Hierbei handelt es sich eher um Aktionen von Kreditvermittlern und Banken, nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen vergeben werden. Darüber hinaus waren bisher auch wichtige Parameter wie Laufzeit und Kreditsumme auf bestimmte Werte festgelegt.

Ob angesichts möglicher weiterer Zinssenkungen in den Minusbereich solche Offerten doch häufiger auftauchen, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass Kreditnehmer durch die niedrigen Zinsen in erheblichem Maße profitieren.

Fazit: Es geht beim Zinssatz so schnell nicht aufwärts

Die EZB ist in den letzten Jahren zur Zielscheibe geworden. Durch die Senkung der Leitzinsen und die Anleihekäufe hat sich die Zentralbank in Deutschland nicht gerade beliebt gemacht. Auch unter der neuen Chefin scheint sich erst einmal nichts an dieser Situation zu ändern. Bis Jahresende will die EZB ihre bisherigen Maßnahmen auf den Prüfstand stellen. Und solange wird nicht davon ausgegangen, dass die Zentralbank die Zinsschraube wieder fester anzieht. Leiden müssen unter dieser Entwicklung weiterhin Sparer und Anleger, die auf Zinserträge setzen. Auf der anderen Seite heißt der anhaltende Trend, dass Kredite günstig bleiben. Damit dürfen sich angehende Eigenheimbesitzer auf niedrige Zinsen für ihr Baugeld freuen.

Bildquellen:
Bild 1: Adobe Stock – v.poth / 144203864
Bild 2: Adobe Stock – m.mphoto / 203878831
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Coronavirus: Trumps Leichtsinn schwächt die USA, Vorteil China

Das Coronavirus als „Schwarzer Schwan“ und Donald Trump dürften den Wirtschaftsaufschwung Chinas zur Nummer eins der Welt ungewollt befördert haben. .

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Das Coronavirus hat die USA mit aller Macht erreicht: Die Infektionszahlen schießen derartig in die Höhe, dass der Ausbruch in anderen Ländern (Ausnahme Italien, Spanien) vergleichsweise harmlos erscheint. Wie auch von US-Wissenschaftlern festgestellt, trägt daran auch Donald Trump, der anfängliche Totalverharmloser, ein gerüttelt Maß an Mitschuld.

Doch auch andere Folgen werden für die Wirtschaftsmacht USA deutlich spürbar werden. Der dauerhafte und absolut undiplomatische Handelskrieg mit China führt mit dem längeren Ausfall Amerikas als Handelspartner zu einer Entwicklung, die Donald Trump ungewollt mitbefeuert hat. Das Bestreben Asiens von den USA wirtschaftlich unabhängig zu werden und eigene Lieferketten aufzubauen, innerhalb der Asean-Staaten.

Das Versäumnis Trumps und die exponentielle Ausbreitung des Coronavirus

Die Aussage von Donald Trump am Mittwoch, dass man mit 100.000 bis 240.000 Toten infolge des Coronavirus rechnen müsse, hätte bei einem Eintreffen für die Führungsnation der Welt schockierende Konsequenzen. Denn das würde bei einer Letalitätsrate von 1 bis 5 Prozent bedeuten, dass sich zwischen zwei und 24 Millionen US-Bürger mit dem Virus infizieren müssten. Ein Mehrfaches aller Infektionen, wie sie aktuell in den fast 200 betroffenen Ländern der Welt aufgetreten sind. Und ein totaler Zusammenbruch der US-Gesundheitsystems, denn die Vereinigten Staaten haben keine 100.000 Beatmungsgeräte – eine Zahl, die fast der gesamten jährlichen Weltproduktion dieser Notfallgeräte entspricht. Deshalb haben die Berater die von ihm gemachten Angaben gleich etwas relativiert. So kann man auch maximale Panik schüren.

Der exponentielle Anstieg von Infektionen und Krankheitsopfer ist tatsächlich eine schreckliche Kurve. Hierzu nur die Zahlen der letzten zehn Tage:

22.März: 38757 Infizierte, 400 Verstorbene, 178 Genesene

29.März: 133.094 (I), 2363 (V), 4378 (G)

2.April: 240.064 (I), 5800 (V), 10.360 (G)

Da kann man nur hoffen, dass die Verdoppelungszeit von 5,5 Tagen rasch ansteigt, ansonsten hätte man schon vor Ende April die Millionengrenze überschritten.

Unglaublich sind insbesondere die Zahlen aus dem Staat New York. Die Region um die Finanzmetropole hatte bereits gestern mehr mit dem Coronavierus Infizierte als man (offiziell) aus dem 1,4 Milliarden-Land China insgesamt gemeldet hat. Und dabei ist man in der Stadt der „Skyscraper“ noch nicht über dem Berg. Gerade in dieser Stadt, die niemals schläft, ist „Social Distancing“ auf Dauer kaum zu realisieren. Hier zeigt es sich besonders, wie brutal eine nicht beachtete Infektionswelle in dicht besiedelten Großstädten zuschlägt.

Die Patienten Null in Südkorea und den USA

Es ist tatsächlich ein Zufall, aber einer mit sehr unterschiedlichen Folgen: Am 19.Januar landeten in Südkorea (Flughafen Incheon) und in den USA (Seattle) zwei Personen, die aus Chinas Wuhan kommend, Grippesymptome aufwiesen. Die chinesische Frau in Südkorea und der Amerikaner im Staat Washington waren die ersten mit dem Coronavirus Infizierten in ihren Ländern. Man reagierte unterschiedlich auf die Patienten Null. In Südkorea, mit Erfahrungen aus der Sars-Epidemie, begann man sofort mit Testungen und all den beschriebenen Maßnahmen und hat zwei Monate später den Ausbruch der Lungenkrankheit weitgehend unter Kontrolle. Obwohl eine 61-jährige Frau aus einer kirchlichen Sekte als Superspreader 1000 Menschen infiziert hatte. Bisherige Bilanz Südkoreas:

10.062 Infizierte, 174 Verstorbene und derzeit noch 3867 aktive Fälle.

In den USA wurde erst zwei Monate später mit den Tests in größerem Umfang begonnen. Eine kleine Ewigkeit, in der sich das Virus im ganzen Land ausbreiten konnte, mittlerweile gibt es fast keinen Bundesstaat ohne Fälle von Coronavirus.

Zwar hatte Präsident Trump ab dem 31. Januar ein Flugverbot für China erteilt, aber das Virus war schon im Lande und die Folgen bekommt ganz besonders New York zu spüren. Eine extrem pulsierende, dicht bewohnte Stadt, in der eine solche Infektion unglaublichen Nährboden findet. Am 1.März wurde der erste Fall in New York festgestellt, ausgerechnet eine Flugreisende aus dem Iran. Der zweite Fall, ein Anwalt aus Winchester, war ein Inländer, der das Land nicht verlassen hatte.

Mittlerweile sind neben New York die Regionen um Detroit, Chicago, Los Angeles, New Orleans, Boston und Miami die größten Hotspots in Sachen Coronavirus.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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Heiko Thieme und der Tiefpunkt im Dax bei 8.250 Punkten

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Das Coronavirus schüttelt die Börsen durcheinander - Dax Tief bei 8.250?

Über 10 Millionen Amerikaner haben sich binnen 2 Wochen arbeitslos gemeldet! Das ist eine extrem schnelle Entwicklung, die gestern sogar die schlimmsten Analystenerwartungen übertroffen hat. Manuel Koch hat im folgenden Video auch mit Marcel Fratzscher vom DIW gesprochen. Man müsse ehrlich sagen, dass die Wirtschaftsforscher Szenarien vorrechnen und keine verlässlichen Prognosen abgeben könnten, so Fratzscher. Drei Varianten für den Verlauf der aktuelle Krise gäbe es.

Auch interviewt Manuel Koch im Video den als gnadenlosen Optimisten bekannten Börsianer Heike Thieme. 8.250 Punkte sei der Tiefpunkt im Dax in diesem Crash, so Thieme. Beim Dow läge das Tief bei 18.200 Punkten. Gehe man nach dem Buchwert, dann sei der Dax jetzt sehr preiswert. Setze nicht Mitte des Jahres ein Erholungstrend ein, dann müsse man umdenken – so lässt Heiko Thieme sich also noch eine Option offen, falls es doch noch tiefere Tiefs gibt? Denn, so sagt er auch, dies sei derzeit eine völlig neue und unbekannte Phase in der Börsenwelt.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei konkrete Tradingideen. Es sind die Top-Empfehlungen der trading-house Börsenakademie. So wird die Aktie von Adidas zum Kauf empfohlen mit dem Instrument einer Stop Buy Order. Ebenso ist man für Gold optimistisch. Auch hier wird ein Kauf mit einer Stop Buy Order angeraten.

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Vapiano, Maredo, Esprit, Kaufhof-Karstadt – die Lawine beginnt zu rollen

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Vapiano, Esprit, Maredo - bei vielen Unternehmen sieht es düster aus

Ob man es nun Insolvenz nennt, oder ob es das Schutzschirmverfahren ist, welches auch vor den Gläubigern schützt. Die Lawine der kaputten Unternehmen beginnt nun zu rollen. Sie bringt wohl Arbeitsplatzverluste und auch ausgefallene Kredite zwangsläufig mit sich – ob nun ganz oder teilweise, wird man sehen. Auffallend ist, dass man jetzt gerade von den Unternehmen hört, die schon vor der Krise auf wackligen Füßen standen. Man kann also sagen: Wem es eh schon schlecht ging, der hat in Sachen neue Bankkredite in der Coronakrise ganz schlechte Karten. Dazu zählen Namen wie Vapiano, Esprit etc.

Aber halt. Sogenannte Zombieunternehmen müssten doch gerade jetzt gute Chancen haben an Geld zu kommen, wo die Staatsbank KfW doch jetzt gigantische Milliardenbeträge verteilt? Tja, Voraussetzung für diese Kredite ist aber, dass man vor der Krise als Unternehmen gesund war. Und außerdem verbleiben 10 Prozent des Kreditausfallrisikos bei der Hausbank, wo man diese KfW-Kredite als Kunde beantragen muss. Und genau das wird der Grund sein, warum einige Unternehmen gerade jetzt pleite gehen. Sie waren vorher schon angeschlagen, und an diese tollen Coronakrisen-Rettungsgelder der KfW kommen sie nicht ran, weil die Banken mit haften müssten. Würde der Staat auf 100 Prozent Haftung raufgehen, könnten womöglich auch die Zombieunternehmen weiterhin Kredite erhalten?

Vapiano

Nun sehen wir binnen weniger Tage viele bekannte Marken den Bach runtergehen. Die Restaurantkette Vapiano hat gestern Insolvenz angemeldet (Details siehe hier). Man habe keine Lösung für den zuletzt aufgrund der COVID-19 Krise nochmals signifikant gestiegenen Liquiditätsbedarf von 36,7 Millionen Euro finden können. Auch konnte man keine Einigung mit Banken und wesentlichen Aktionären über die Beiträge zur angestrebten umfassenden Finanzierungslösung erzielt werden. Mangels Einigung über eine solche Finanzierungslösung können auch die in Aussicht stehenden Finanzmittel aus staatlichen COVID-19 Unterstützungsprogrammen nicht beantragt werden, so die Mitteilung.

Esprit

Das Modeunternehmen Esprit verkündete am letzten Wochenende für mehrere deutsche Tochtergesellschaften das sogenannte Schutzschirmverfahren. Gläubigerschutz ja, aber noch keine offizielle Insolvenz! Man wolle einer Zahlungsunfähigkeit aktiv zuvorzukommen, so Esprit. Wie auch Vapiano kränkelt Esprit schon einige Zeit vor sich hin. Auszugsweise hier Wortlaut von Esprit: Im Rahmen des Schutzschirmverfahrens, das mit dem Verfahren nach Chapter-11 in den USA vergleichbar ist, wird Esprit Verbindlichkeiten und langfristige Mietverträge neu strukturieren. Das Management Team der deutschen Esprit Gesellschaften, die aktuell zahlungsfähig sind und freiwillig die Schutzschirme beantragen, wir die Finanzierung der Gehälter für seine in Deutschland beschäftigten Mitarbeiter durch staatliche Beihilfe absichern.

Galeria Kaufhof Karstadt

Über Galeria Kaufhof Karstadt berichteten wir bereits gestern. Das Unternehmen geht wie Esprit in das Schutzschirmverfahren. Und auch hier das selbe. Der Kaufhausbranche geht es seit Jahren schlecht. Man versucht sich immer weiter gesund zu schrumpfen mit Standortschließungen, Mitarbeiter mussten jahrelang verzichten. Aber nie trat eine wirkliche Gesundung ein. Zwar habe man sich in den vergangenen Wochen bereits um staatliche Hilfen bemüht. Doch habe sich eine Einigung mit den Banken schwieriger als erhofft erwiesen, so das Unternehmen. Der Prozess, in dem die Banken eine entscheidende Rolle spielen (Ausfallgarantie nur zu 90% von KfW), sei bürokratisch und koste wertvolle Zeit.

Maredo

Die Steakhauskette Maredo hat am 23. März die Insolvenz verkündet. Es werde geprüft, ob die Geschäftsführung Staatshilfe erhalten könne. Aktuell hört man auszugsweise aus einer Pressemitteilung zur Bestellung des vorläufigen Sachwalters: Die eigenverwaltende Geschäftsführung sowie der vorläufige Sachwalter sind sich darüber einig, dass diese Vorgehensweise derzeit den bestmöglichen Rahmen für eine Sanierung von Maredo abbildet. „Maredo ist sichersanierungswürdig“, erklärt Klaus Farrenkopf, seit Juli 2017 Geschäftsführer der Maredo Holding GmbH. „Sobald die Situation es zulässt, werden wir die Restaurants wieder öffnen. Aufgrund der aktuellen Informationslage hoffen wir, dass dies ab Mai 2020 wieder der Fall sein kann. Für die Phase, in denen die Restaurants geschlossen sind, können die Leistungen des Kurzarbeitergeldes in Anspruch nehmen“.

Alitalia

Und noch ein Paradebeispiel eines Zombieunternehmens! Schauen wir nach Italien. Seit Jahren ist die italienische Fluggesellschaft Alitalia ein Zombie. Nur Verluste, Verluste, Verluste. Mit privaten Kaufinteressenten konnte man sich nie einigen, also musste die Alitalia seit Jahren mit immer neuen Notkonstruktionen und Notkrediten versorgt werden. Die Gewerkschaften blockierten Sanierungspläne. Die Regierung in Rom Mitte verkündete am 17. März Alitalia verstaatlichen zu wollen. Dazu wird es frische 500 Millionen Euro an Cash geben. Laut airliners.de hat der italienische Steuerzahler in den letzten zwölf Jahren bereits 12 Milliarden Euro in die Airline gepumpt. Und nun, wo sie in Staatsbesitz übergeht, dürfte diese Subvention ein Dauerzustand werden. Es wird also nun konstant neues Steuergeld fließen müssen um die Defizite auszugleichen. Denn von nun an wird bei Alitalia der Drang nach Kosteneffizienz, Innovation etc noch deutlich geringer sein als vorher, wo wenigstens noch ein Hauch von privatwirtschaftlichem Betrieb vorhanden war.

Es blieb in der aktuellen Krise wohl nichts mehr anderes übrig als Verstaatlichung. Die Alternative wäre wohl, den Laden pleite gehen zu lassen. Aber jedes Land hat ja hier und da Unternehmen, die zur Staatsraison gehören. Und die Alitalia, die gehört wohl zur italienischen Staatsraison. Sie muss weiter fliegen. Aber halt. Kommt es doch anders als gedacht? Wird gerade der Staat als Eigentümer der harte Sanierer, den die Gewerkschaften vorher nie haben wollten? Denn jüngere Berichte zeigen, dass die Regierung über radikale Einschnitte bei Alitalia nachdenkt, jetzt wo sie zu einer Staatsairline wird. Statt wie heute 11.500 soll es womöglich weniger als 4.000 Mitarbeiter und statt 113 Flugzeugen nur noch 25 bis 30 geben. Aber ganz klar ist das offenbar noch nicht. Werden die Gewerkschaften mal wieder dagegen halten?

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