Folgen Sie uns

Allgemein

Nobelpreisträger Stiglitz prangert das tatsächliche Desaster der US-Arbeitslosigkeit an!

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz prangert aktuell das tatsächliche Desaster der US-Arbeitslosigkeit an, z.B. 50% bei jungen Afroamerikanern, 10,3% statt 5,1% in den gesamten USA und vieles mehr. Besonders scharf kritisiert er die Politik der Notenbank, die nur einer Gruppe nütze…

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz
Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Berater von US-Präsident Bill Clinton. Foto: © Raimond Spekking / Wikipedia (CC-BY-SA 4.0)

Stiglitz kritisiert die Vortäuschung falscher Tatsachen

In einer gestern Abend veröffentlichten Kolumne beschreibt der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz das Desaster der tatsächlichen ökonomischen Daten in den USA. Am Schlimmsten findet er die Tatsache, dass die US-Statistikbehörde „BLS“ die Arbeitslosigkeit in den USA aktuell mit 5,1% ausweist. Sie liege derzeit eher bei gut 10,3%. Die offizielle Quote der Afroamerikaner liegt bei 9% statt offiziell 5,1% bei der Gesamtbevölkerung. Afroamerikaner in den USA im Alter von 17-20, die die Schule beendet haben und nicht studieren, sondern direkt ins Arbeitsleben gehen, seien derzeit zu mehr als 50% arbeitslos. Laut „Economic Policy Institute“ sind junge weiße Amerikaner nach dem Start ins Berufsleben immer noch mit 33,8% Arbeitslosigkeit dabei.

Jugendarbeitslosigkeit
Grafik: Economic Policy Institute

Zu dem Thema lesen Sie auch bitte diesen Artikel!

Arbeitsmarktdaten USA
Grafik: US Bureau of Labor Statistics (BLS)

Die US-Statistik, die US-Regierung und vor allem die Notenbank verweisen schon seit Monaten auf die derzeit in den USA quasi vorhandene Vollbeschäftigung, die man erreicht hätte, wenn die offiziellen 5,1% denn stimmen würden. Stiglitz verweist auch noch auf ein anderes interessantes Detail. Die Lohnsteigerungen in den USA sind derzeit recht ansehnlich mit jüngst 0,3% im letzten Monat. Rechnet man aber die Lohnsteigerungen der Führungskräfte heraus, verbleibt bei den normalen Arbeitern und Angestellten laut Stiglitz in diesem Jahr bisher ein Lohnrückgang von 0,5%.

Deshalb könne man laut Stiglitz die Aussagen der US-Notenbank „Federal Reserve“, dass die US-Volkswirtschaft wieder voll im Gange sei und zurück in die Normalität gekehrt ist, als Hohn betrachten.

Zinsen erhöhen wg. „Vollbeschäftigung“ ?

Die Federal Reserve wird wahrscheinlich am 17. September die Zinsen erhöhen und damit eine wohl mehrjährige Runde von weiteren Zinsanhebungen einläuten. Zunächst sachte in Mini-Schritten, aber ab 2016 werden wohl weitere Schritte folgen. Die Begründung hierfür: Die US-Wirtschaft schnurrt wie ein Kätzchen, die Löhne steigen, auf dem Arbeitsmarkt herrscht Vollbeschäftigung, und all das verursacht demnächst kräftige Inflationssteigerungen, denen man jetzt mit Zinsanhebungen entgegentreten müsse. Das ist die (durchaus nachvollziehbare) volkswirtschaftliche Logik von Notenbankern.

Joseph Stiglitz kritisiert, dass die Löhne der Arbeitnehmer seit der 2008er-Krise noch gar nicht die Chance hatten auf Normalniveau zurückzukehren, und dass seitdem auch die reale Arbeitslosigkeit nicht reduziert werden konnte. Laut Stiglitz agiere die Fed jetzt nur um im Vorhinein schon den bösen Inflationsdrachen, der noch nicht sichtbar ist, zu bekämpfen, da es zu spät sei für Zinsanhebungen, wenn er sich zeige. Neben der Inflationsbekämpfung hat die Fed aber noch ein zweites offizielles Mandat, nämlich die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Und da beruft man sich stur auf die offiziellen Daten, die Vollbeschäftigung ausweisen. Also guckt man auf die zweite Aufgabe, die Inflationsbekämpfung. Und dort sieht man steigende Löhne uvm. Also rauf mit den Zinsen!

Es ist in der Tat eine Tragödie, dass sehr viele Menschen in den USA noch gar nicht die Chance hatten nach 2008 wieder aufzuschließen mit den Gehältern oder überhaupt einem neuen Arbeitsplatz. Jetzt wird turnusmäßig der Leitzins erhöht, das Wirtschaftswachstum dadurch zurückgefahren, um den normalen markroökonomischen Theorieansätze zu folgen. Mit der Realwirtschaft oder den realen Menschen hat das wenig zu tun. Daran erinnerte laut Stiglitz eine Gruppe junger Menschen, darunter auch Afroamerikaner und Hispanos, die letztes Wochenende beim Notenbanker-Treffen in der US-Stadt Jackson Hole anwesend waren. Sie erinnerten die Notenbanker daran, dass ihre Entscheidungen nicht nur Auswirkungen auf die Finanzindustrie, sondern auch auf die normalen Menschen haben, für die es bisher noch keine wirtschaftliche Erholung gegeben habe.

Ein Zitat aus dem Stiglitz-Text:

„The argument for raising interest rates focuses not on the wellbeing of workers, but that of the financiers. The worry is that in a low-interest-rate environment, investors’ irrational “search for yield” fuels financial-sector distortions. In a well-functioning economy, one would have expected the low cost of capital to be the basis of healthy growth. In the US, workers are being asked to sacrifice their livelihoods and wellbeing to protect well-heeled financiers from the consequences of their own recklessness.“

Besonders interessant ist hier der letzte Satz. In den USA würden die Arbeitnehmer „gebeten“ ihre Existenzgrundlage zu opfern um die gut betuchte Finanzbranche zu schützen vor den Konsequenzen ihrer eigenen Rücksichtslosigkeit.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Michael

    8. September 2015 15:29 at 15:29

    Abseits von Herrn Stiglitz ist es eine Tragödie, dass die Regierungen der USA und der EU die Vökerwanderungen in die Sozialsysteme ihrer Länder nicht unterbinden. Die halten dem Massenansturm nicht stand. Das endet in einer Katastrophe, wie z. B. schon heute in Californien. Diese Art „Fachkräfte“, die nicht einmal die Landessprache beherrschen und die mit den Sozialausgaben des Staates prima zurechtkommen haben keine Motivation zu arbeiten. Auch in den USA nicht. Man könnte ja sagen, ok ihr könnt rein und raus wie ihr wollt, erhaltet aber keinerlei staatliche Unterstützung. Die wenigen wirklichen Asylanten müssen durch Fördern und Fordern unterstützt werden. Sie haben die Verfassungen und Gesetze der Staaten zu akzeptieren oder sie werden gegangen. Es ist doch verblüffend, dass Millionen Moslems in das christliche Europa und nicht in die reichen moslemischen Ölstaaten drängen. Dagegen werden in fast allen moslemischen Ländern Christen verfolgt. Das sind Geschäfte mit einseitigem Vorteil, sowas machen nur Dumme.

    Die Zinsen der Zentralbanken (auch vom FED) müssten schon heute rein rechnerisch über 3% liegen. Diejenigen, die die Anleihen privat halten, verlieren viel Geld. Die Finanzinstitute werden von Konsorten wie Draghi für die entgangenen Zinsen mittels QE quasi entschädigt.

    Dieses Treiben wird beendet werden, da kann der kleine Italiener erzählen, was er will. Mit dem kommenden US-Präsidentenwechsel ist dieser Spuk zu Ende. Das deuten die Finanzmärkte schon mal an.

  2. Avatar

    oscar

    8. September 2015 21:47 at 21:47

    kann dem vorsprecher-schreiber nur strong beipflichten ! es ist die größte staatsunterwanderung mit der übelsten medialen gehirnwäsche die die jahrhunderte gesehen hat. wiederlich. dieses exzessive gutmensch gedönse aus allen verfügbaren rohren, ist einfach nur noch übel. indoktrienär, dümmlich, polemisch und teils schon diskrimminierend aggresiv, enn eine weltenretterin als fr. schwätz slomka beim zdf einen byrischen politiker in verteidigungshaltung drängt. wo sind wir hingekommen???
    sarazin möge man halten von ihm was man will, hat als einer der echten pragmatiker, fernab von machtgeiler politikschergen , (sry, natürlich intelligenten verantwortern), sich nie von seiner meinung entfremden lassen. sein buch, deutschland schafft sich selber ab, ist leider ein übel realistisches szenario. was hier läuft ist ein mengenrabatt für das entfesselte kapital mit präkerer auswuchs. leider. hochgejubelte superfachkräfte…halloo die verlassen ehr das land. schüler die nicht einmal die pisastudie in den grundlegenden fächern bestehen können. wo da unser level ist wissen wir auch leider. wir deutschen haben keinen bezahlbaren wohnraum mehr, getürkte staatlich gelogene alo zahlen in mill höhe, kinderarmut, altersarmut, gesundheits und soz kassen explosionen und immer wieder der geniale griff in die rententöpfe, ala versicherungsfremde leistungen. das alles wird durch prekäre zuwanderung aus der islamistischen welt geschaffen? der superreiche emirateclub nimmt niemand auf? warum wohl? die scheichs sagen, wir tragen verantwortung für unsere völker. aha….wir lassen uns nicht durch eine erpresserische, massenzuwanderung extreme islamisten ins land schleusen. ausserdem sind wir nicht darauf vorbereitet. die bombe in old germany platzt eh später. es ist einfach nur beängstigend und krank was wir erleben dürfen. wer bezahlt diese org. dauerwillkommensschreier eigentlich? wer ne andere meinung hat wird in die braune ecke geschoben. das haben übrigens die echten nazis so gemcht. erinnern sie sich bitte. gut gelernt in allen teilen! hier wird sich nichts positiv einpegeln. es ist wie ein scienes fiktion horrorfilm…nein realität. trotz aller medienwirksammen inszenierten betroffenheitsorgien. deutschland wie verblödet bist du inzwischen. merkel tausend dank! nimm gauck und bitte geh endlich….

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Jerome Powell – seine Aussagen auf der PK + Live-Feed – Impressionen einer surrealen Veranstaltung..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Was wird Jerome Powell heute sagen? Im Statement der Fed kein Wort zu den jüngsten spekulativen Exzessen – werden die Journalisten diesmal nachhaken und die wirklich wichtigen Fragen stellen?

– Powell muss erstmal tiefer durchatmen..

– Wirtschaftsentewicklung hängt von Virus ab – Wirtschaft hat sich wieder abgeschwächt, Konsum hat sich abgeschwächt

– Immobilienmarkt hat sich erholt (FMW: eine Umschreibung für massiv steigende Preise..)

– Arbeitsmarkt bleibt schwach, Menschen mit geringem Einkommen am stärksten betroffen

– Inflation bleibt niedrig, aber könnte anziehen wegen Impfungen

– Wirtschaft aber robuster als zu befürchten war

Ups, das war kurz – Powell „hat schon fertig“, jetzt kommen Fragen..

—–

Und gleich die Frage nach Gamestop, wow.. Powell: ich äussere mich nicht zu bestimmten Firmen (FMW: sondern behaupte einfach, dass wir mit unserer Geldpolitik nicht Blasen begünstigen…)

– Powell: beobachten Finanzbedingungen sehr genau

– jetzt Steve Liesman von CNBC zu Bewertungen, am Beispiel von Bitcoin, Gamestop etc. (FMW: Liesman ist der einzige, der ernsthafte Fragen stellt!). Und sinngemäß sagt Powell: wir kümmern uns um die Wirtschaft, nicht um Blasen..

– Powell: es ist nicht die Geldpolitik der Fed, die Bewertungen der Märkte bedingt, sondern die Sache mit dem Impfstoff (FMW: viel dreister kann man eigentlich nicht die Unwahrheit sagen! Klar: der Impftstoff ist ein zentraler Treiber, aber wo stünden die Aktienmärkte ohne die Fed??)

– Powell zu Inflation: wird vielleicht vorübergehend steigen, aber nicht nachhaltig, weil deflationäre Trends seit langem bestehen. Es sei viel schwieriger, mit Deflation umzugehen als mit Inflation (FMW: puh..)

– jetzt die Frage, ob die Fed-Mitglieder bereits geimpft seien..Powell: ich wurde einmal geimpft und hoffe die zweite Dosis bald zu bekommen

– jetzt redet Powell über die Wirtschaft und Menschen – aber was hat die Fed mit Menschen und Wirtschaft zu tun??

– Frage von einem Bloomberg-Moderator: seid ihr als Fed überhaupt noch handlungsfähig, weil ihr die Zinsen weder senken noch anheben könnt? Powell: unsere Geldpolitik funktioniert, zum Beispiel am Immobilienmarkt

– Powell: es gibt keinen Grund. bei Erholung der Wirtschaft nicht die Zinsen anzuheben und unsere ultralaxe Geldpolitik einzustellen (FMW: is klar, Jerome..)

– Powell insistiert: nachhaltige Inflation unwahrscheinlich..

– Powell: werde gut mit Yellen zusammen arbeiten, habe aber mit ihr noch nicht gesprochen, auch nicht mit Biden

– Frage nach Furcht vor Immobilienblase oder Blase bei Unternehmensanleihen – Powell: extrem steigende Nachfrage nach Immobilien vorübergehend, bei Unternehmensanleihen sehe ich die Tatsache, dass es weniger Insolvenzen gibt (FMW: es wird immer surrealer, wie Powell versucht, die Blasen-Bildungen weg-zureden!)

FMW: bleiben sie dran bei FMW – wir bringen die Zahlen von Tesla, Facebook und Apple und die Marktreaktionen darauf!

Der Live-Feed:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Jerome Powell über das Evangelium der Fed

weiterlesen

Allgemein

Fed: Das sagt das Statement der US-Notenbank – weit und breit keine Blasen, nirgends..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von der US-Notenbank Fed ist eigentlich heute nicht viel neues zu erwarten. Eigentlich. Aber wird dennoch etwas gesagt im Statement der Notenbank zur derzeitigen Spekulations-Euphorie? Hier die wichtigsten Aussagen der Notenbank in Stichpunkten:

– Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt: „The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic“
Beim letzten Statement hatte es noch geheißen in Sachen Wirtschaft: „Economic activity and employment have continued to recover but remain well below their levels at the beginning of the year.“

– keine Erwähnung spekulativer Exzesse (Gamestop!)

– wenn Situation verschlechtert, wird Notenbank handeln: „would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals“

– Inflation bleibt moderat wegen Ölpreisen: „Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation“

FMW: Subtext der Fed – kauft alles, wir bailen euch aus. Gamestop ist cool!

Das Statement im Wortlaut:

The Federal Reserve is committed to using its full range of tools to support the U.S. economy in this challenging time, thereby promoting its maximum employment and price stability goals.

The COVID-19 pandemic is causing tremendous human and economic hardship across the United States and around the world. The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic. Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation. Overall financial conditions remain accommodative, in part reflecting policy measures to support the economy and the flow of credit to U.S. households and businesses.

The path of the economy will depend significantly on the course of the virus, including progress on vaccinations. The ongoing public health crisis continues to weigh on economic activity, employment, and inflation, and poses considerable risks to the economic outlook.

The Committee seeks to achieve maximum employment and inflation at the rate of 2 percent over the longer run. With inflation running persistently below this longer-run goal, the Committee will aim to achieve inflation moderately above 2 percent for some time so that inflation averages 2 percent over time and longer‑term inflation expectations remain well anchored at 2 percent. The Committee expects to maintain an accommodative stance of monetary policy until these outcomes are achieved. The Committee decided to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and expects it will be appropriate to maintain this target range until labor market conditions have reached levels consistent with the Committee’s assessments of maximum employment and inflation has risen to 2 percent and is on track to moderately exceed 2 percent for some time. In addition, the Federal Reserve will continue to increase its holdings of Treasury securities by at least $80 billion per month and of agency mortgage‑backed securities by at least $40 billion per month until substantial further progress has been made toward the Committee’s maximum employment and price stability goals. These asset purchases help foster smooth market functioning and accommodative financial conditions, thereby supporting the flow of credit to households and businesses.

In assessing the appropriate stance of monetary policy, the Committee will continue to monitor the implications of incoming information for the economic outlook. The Committee would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals. The Committee’s assessments will take into account a wide range of information, including readings on public health, labor market conditions, inflation pressures and inflation expectations, and financial and international developments.

Voting for the monetary policy action were Jerome H. Powell, Chair; John C. Williams, Vice Chair; Thomas I. Barkin; Raphael W. Bostic; Michelle W. Bowman; Lael Brainard; Richard H. Clarida; Mary C. Daly; Charles L. Evans; Randal K. Quarles; and Christopher J. Waller

Die Fed - was wird sie heute sagen?

weiterlesen

Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage