Gas

Nord Stream 1: Aktuelle Daten zeigen es – Durchleitung auf Null gesunken

Aktuelle Daten zeigen es. Die Durchleitung von Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 ist heute früh auf Null gesunken.

Gas-Flamme auf einem Herd

Geht man direkt an die Quelle, sieht man es: Seit heute früh 9 Uhr und 10 Uhr kommt bei den Gas-Pipelines NEL und OPAL in Mecklenburg-Vorpommern kein Gas mehr an. Dies zeigen die jeweiligen Netzdaten (siehe hier und hier), die stündlich aktualisiert werden. Diese Pipelines nehmen in Greifswald Gas aus der Pipeline Nord Stream 1 entgegen, die von Russland durch die Ostsee führt, und in Mecklenburg-Vorpommern Land erreicht.

Die Tatsache, dass diese Pipelines keinen Gasfluss mehr anzeigen, bestätigt die geplante Abschaltung von Nord Stream 1 am heutigen Montag, wie von der Betreibergesellschaft angekündigt. Jetzt findet die geplante Wartung der Pipeline statt, und wird laut Plan 10 Tage dauern. Nun beginnt das ganz große Zittern. Täglich hört man es dieser Tage von Politikern. Wird Wladimir Putin (Gazprom) nach dieser zehntägigen Wartung den Gasfluss über Nord Stream 1 wieder anschalten, oder aus fadenscheinigen Gründen den Gasfluss bei Null belassen? Dann wäre das wirtschaftliche Chaos in Deutschland schnell da.

Möglicherweise könnten die Gaspreise dann schnell weiter ansteigen, weil die Gasversorger noch mehr Gas als ohnehin schon auf dem Weltmarkt teuer zukaufen müssten – und das zu horrenden Preisen. Heute früh fällt der europäische Terminmarkt-Gaspreis Dutch TTF um 3 Prozent. Denn dieses aktuelle Ereignis des Abschaltens von Nord Stream 1 war bereits seit Wochen erwartet worden.

Expertenaussage zum Abschalten von Nord Stream 1

Commerzbank Senior Economist Bernd Weidensteiner sagt in einem aktuellen Kommentar zum Abschalten von Nord Stream 1, dass sich die russischen Erdgaszuflüsse nach Deutschland nun auf etwa ein Achtel des Vorjahresdurchschnitts reduzieren dürften, nachdem bereits seit drei Wochen deutlich weniger Gas über diese Pipeline nach Deutschland geflossen ist. Die nun gestarteten Wartungsarbeiten seien an sich eine routinemäßige Unterbrechung. Auch im letzten Jahr schlug sich das in einer Reduzierung der Gaslieferungen nieder. Dieses Mal stellt sich aber laut Bernd Weidensteiner die Frage, ob Nord Stream 1 in zehn Tagen tatsächlich wieder wie angekündigt in Betrieb geht. Es bestehe das Risiko einer längerfristigen Unterbrechung. Er erwähnt den Aufruf des französischen Finanzministers Le Maire an die Europäer, sich auf dieses Szenario vorzubereiten. Ähnliche Befürchtungen äußerten Vertreter der Bundesregierung.

Eine längerfristige Unterbrechung der Lieferungen via Nord Stream 1 würde es laut Bernd Weidensteiner sehr unwahrscheinlich machen, dass die Gasspeicher in Deutschland tatsächlich wie angestrebt bis November zu 90 Prozent gefüllt sein werden. In der Folge von Sparbemühungen (es wurden im ersten Halbjahr 14 Prozent weniger Erdgas verbraucht als letztes Jahr) und dem verstärkten Bezug aus alternativen Quellen liege dieser Wert derzeit bei knapp 63 Prozent. Dies entspreche dem langfristigen Durchschnitt zu dieser Zeit im Jahr. Anders als eigentlich üblich ist der Füllstand in den vergangenen Tagen jedoch nicht mehr gestiegen.

Sollte Nordstream 1 in zehn Tagen den Betrieb wieder aufnehmen, besteht laut Bernd Weidensteiner eine gute Chance, dass ein Gasnotstand verhindert werden kann. Bleibt der Gashahn allerdings geschlossen, müsste Deutschland wohl in absehbarer Zeit die dritte Stufe des Gansnotfallplans ausrufen. Schließlich würde es dann kaum mehr ohne staatlich verordnete Rationierungen ausgehen. Es würden damit erhebliche wirtschaftliche Schäden drohen.



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3 Kommentare

  1. Könnte mir vorstellen,dass Putin zwar liefert, aber “ aus technischen Gründen“ eine geringere Menge als erwartet. Gerade soviel das er Profit macht, die Industrie am laufen bleibt aber die Gasspeicher nicht gefüllt werden können.

  2. der „Gansnotfallplans“ im letzten Abschnitt ist mal ein schöner Verschreiber…wird gleich dem Eulenspiegel gemeldet…nicht das Weihnachten dieses Jahr gefährdet ist…(bei diesem Kommentar handelt es sich nicht um Häme, sondern um ein freundliches Schmunzeln – muss man ja manchmal mit dazuschreiben, nicht das es falsch ausgelegt wird)…

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