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Norwegen und sein Staatsfonds – von Ölpreis und Covid-19 gerupft?

Wie kann ein so kleines Land wie Norwegen – in China gibt es allein 10 Städte, die doppelt so viele Einwohner haben –  den größten Staatsfonds der Welt haben?

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Das Land Norwegen steht mit seinen 5,3 Millionen Einwohnern seit Jahren immer mit an der Spitze der Länder mit der höchsten Lebensqualität, wie man auch immer die Kriterien bewertet. Ein weiteres Superlativ ist der staatseigene Fonds, Government Pension Funds Global, der größte der Welt, der auf ein Volumen von einer Billion Dollar kommt, welches als Reserve für das eigene Volk nach dem Ölzeitalter dienen soll. Doch momentan gibt es zwei Entwicklungen, die der Performance des „Statens pensjonsfond“ abträglich sind. Die Entwicklung des Ölpreises und die Pandemie, die auch für Ersteres ein gerüttelt Maß an Schuld trägt.

Norwegen und sein Fonds der Superlative

Wie kann ein so kleines Land wie Norwegen – in China gibt es allein 10 Städte, die doppelt so viele Einwohner haben wie der nordische Staat –  den größten Staatsfonds der Welt haben? Mit einer Marktkapitalisierung, die vor der Coronakrise schon über die 1-Billionen-Dollargrenze hinausgeschossen war und damit deutlich vor dem chinesischen Staatsfonds China Investment Corporation und den Fonds Abu Dhabi Investment Authority, Exchange Fund of Hongkong, Kuwait Investment Authority und GIC Singapur liegt – alle zwischen 450 und 900 Milliarden Dollar schwer. Weil Norwegen unglaubliche Einnahmen aus dem Ölgeschäft besitzt und sehr konservative Regierungen, die sehr weitsichtig mit den irgendwann versiegenden Geldquellen umgegangen sind.

Dabei ist der Fonds noch nicht einmal besonders alt. Aufgelegt im Jahre 1996 investiert der Staatsfonds in verschiedene Asset-Klassen: Bis zu 70 Prozent in Aktien, bis zu 25 Prozent in Anleihen und maximal fünf Prozent in Immobilien.

Mittlwerweile befinden sich rund 9000 Firmen aus 77 Ländern im Portfolio. Dabei besitzt Norwegen über seinen Fonds circa 1,4 Prozent aller weltweit gehandelten Aktien – der Fonds stellt daher eine Börsenweltmacht dar.

Der Fonds, der sich aus den Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft speist, ist etwa dreimal so viel wert wie das jährliche Bruttoinlandsprodukt von Norwegen.

Die größten Einzelpositionen sind die Anteile an den Aktien von Apple und Nestle. Und was zudem unglaublich klingt: Der Dividendenertrag aus den vielen Aktien im Portfolio liegt mittlerweile bei fast 10.000 Euro im Jahr – und das pro Bürger Norwegens.

Übrigens hat man auch in Deutschland kurzfristig an so etwas wie einen Staatsform nach norwegischem Muster gedacht, es aber gleich wieder verworfen. Warum wohl?

Eine kleine Nebenbemerkung am Rande

Für mich stellen diese Zahlen der Staatsfonds wieder einen Beleg dafür da, wie schwer es sein dürfte, den bis zu 28 Billionen Dollar schweren Weltleitfonds, den S&P 500, zu manipulieren: Wenn allein schon fünf Staatsfonds aus Europa und Asien bereits 4 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung aufbringen, die alle ihre eigenen Ziele und Sachzwänge haben und aus verschiedenen Kulturkreisen stammen. Und diese repräsentieren nur einen Teil der weltweiten Anlegergemeinde. Da sitzen nicht nur die Geldverwalter von Goldman Sachs und Co vor den Bloomberg-Terminals. Und alle fallen auf die Karotte von Donald Trump herein (kleiner Scherz..).

Die langfristige Performance des Fonds

Die Wertentwicklung des Superfonds in den letzten Jahren kann sich ohne Zweifel sehen lassen. Aus der Statistik lässt sich ablesen, dass zwischen Januar 1998 und 2018 eine durchschnittliche Rendite von 6,1 Prozent pro Jahr erreicht werden konnte.

Die Spuren von Corona in der Fondsbilanz

Jetzt kam die Pandemie und die Folgen für die Öl- und Gaseinnahmen, mit den Wertverlusten durch die Aktienmärkte. Der norwegische Staatsfonds verlor wegen der Kursturbulenzen an den Aktienmärkten in diesem Jahr bisher 1,33 Billionen Norwegische Kronen (115 Milliarden Euro), wie man kürzlich mitteilte. Damit sank der Wert der Beteiligungen auf 930 Milliarden Dollar, nachdem es Ende 2019 noch mehr als eine Billion Dollar waren. Das Aktienportfolio verlor in diesem Jahr bislang 22,8 Prozent seines Wertes, das gesamte Investitionsportfolio, inklusive Immobilien und Anleihen, aber deutlich weniger. Zahlen, die von Tag zu Tag derzeit aber gewaltig schwanken.

Wohl dem, wer solche Reserven hat

Jetzt braucht der Staat Norwegen deutlich mehr Geld, damit wird man gezwungen Mittel aus dem Staatsfonds abzuziehen. Die Regierung Norwegens hat in ihren Bestimmungen festgelegt, nicht mehr als drei Prozent, was der langfristig angepeilten Fondsrendite entspricht, zum Schließen von Haushaltslöchern pro Jahr abzurufen. Ausnahmen sind möglich und in diesem Jahr haben wir so eine. Dieses Jahr werden es 4,2 Prozent des Fondsvermögens sein und man überschreitet diese 3-Prozent-Regel erstmals seit der Finanzkrise 2008 wieder. Aber was für ein Glück für das Land Norwegen – während andere Staaten die Schulden stark hochfahren müssen, um in der Rezession gegenzusteuern.

Insgesamt 419,6 Milliarden Kronen (umgerechnet 38 Milliarden Euro) sollen in diesem Jahr abfließen, wie das Finanzministerium letzte Woche in Oslo mitteilte. Nicht mehr, denn der Fonds realisiert in diesem Jahr Dividendeneinnahmen in Höhe von rund 258 Milliarden Kronen, die man im Haushalt einsetzen wird. Der Rest der erforderlichen Liquidität wird durch den Verkauf von Investments realisiert. Interessanterweise wird man vor allem Rentenpapiere veräußern – und weniger Aktien.

Fazit

Covid-19 bringt auch das reiche Norwegen in Schwierigkeiten, sofern man einen Rückgriff auf 38 Milliarden Dollar bei einem eine Billion Dollar schweren Rücklagefonds so bezeichnen kann. Erstaunlich ist, dass man dies durch Verkäufe von Anleihen tätigt. Schließlich ist die größte Anlage des Government Pension Funds Global die Anlage in Apple-Aktien in Höhe von 65 Millionen NOK – und die Aktie hatte während der Coronakrise mit am wenigsten gelitten. Ist es das Vertrauen in die weitere Entwicklung der Aktien – oder die Tatsache, dass das Aktienportfolios des Staatsfonds unter die Zielallokationsmarke von 70 Prozent gefallen ist und man daher die sogenannte Rebalancing-Regel befolgt in der Aufteilung des Portfolios? Eine Regel, die es auch bei anderen Vermögensverwaltern, wie Ray Dalio oder Dr. Kommer gibt. Hierzu noch ein Satz des scheidenden Vorstandsvorsitzenden Yngve Slyngstad auf einer Pressekonferenz in Oslo: „Diese Regel bedeutet, dass wir wahrscheinlich irgendwann in der Zukunft anfangen werden, weiter Aktien an den globalen Aktienmärkten zu kaufen.“

Norwegen muß seinen Saatsfons anzapfen

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    sabine

    16. Mai 2020 13:01 at 13:01

    Wegen dm bösen CO2 soll doch der Ölverbrauch nach unten gezwungen werden, dann siehts noch schlechter aus für Norwegen. Außer Öl haben die nicht viel. (Fischfang und Tourismus.)

    Hab grad mal zufällig eine Beurteilung der Klimamodelle gesehen. Wegen des CO2 gibts mehr Vegetation in Afrika. (Pflanzen brauchen es. Achso.)
    https://www.cicero.de/aussenpolitik/klimawandel-es-war-einmalein-weltklimareport/57325
    Vielleicht ist ja doch nicht alles so schlimm und wir dürfen weiter mit dem Diesel durch die Gegend heizen. Dann gehts mit Norwegens Fond auch wieder aufwärts.

    • Avatar

      leftutti

      20. Mai 2020 23:31 at 23:31

      Taatüüü, taataa 🚔 🚑 🚒 🚓

      112 wie kann ich helfen? CO2 als Dünger für Pflanzen?
      Haben Sie LSD konsumiert? Oder die 6. Klasse in der Schule verschlafen? Heizen Sie mit dem Diesel durch Norwegen?

      • Avatar

        Lausi

        21. Mai 2020 08:02 at 08:02

        Irgendwann werden Sie es schon schaffen auch @Sabinchen zu bekehren! Nur nicht locker lassen! :-)

  2. Avatar

    TenZehn

    16. Mai 2020 14:22 at 14:22

    Danke @Herr Müller, sehr gut zusammengefasst.

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Marcel Fratzscher im Interview: Marktversagen, Börse, Staatshilfen, Globalisierung uvm

Redaktion

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Marcel Fratzscher als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wurde von der FAZ schon mal als Claqueur der SPD bezeichnet. Wer den Begriff nicht kennt: Ein Claqueur ist jemand, der auf Kommando Beifall klatscht. Und so hat Herr Fratzscher den Ruf, vor allem bei wirtschaftspolitischen Meinungen und Inhalten der SPD jede Menge Lob zu verteilen und die Thesen auch mit seinen fachkundigen Aussagen zu untermauern. Man munkelt in Berlin und Frankfurt schon seit geraumer Zeit, dass der gute Herr Fratzscher eine Karriere als Notenbanker oder in einem Ministerium anstrebt. Aber sind das nur Gerüchte? In den politischen Zeitgeist würde er sicher gut passen.

Marcel Fratzscher wurde schon von vielen anderen Kommentatoren sehr kritisch beäugt, aber auch von unserer Redaktion. Zum Beispiel sagte er im September, dass er keine Zombieunternehmen in Deutschland entdecken könne. Nur um wenige Tage später vom Problem der Zombieunternehmen zu reden. Generell ist er dem Lager der „Experten“ zugehörig, die der Meinung sind, dass man mit genug neuen Schulden so ziemlich alles regeln kann. Gibt es nur genug Nachfrage, lösen sich alle Probleme von selbst? Und die zusätzlichen Staatsschulden, die sind ja sowieso kein Problem bei den Nullzinsen? So einfach kann die Welt sein.

Aktuell hat Marcel Fratzscher dem auf YouTube bestens bekannten Interview-Format „Jung und Naiv“ ein 145 Minuten langes Interview gegeben. Die Leitlinie kommt relativ weit am Anfang des Interviews. Der Markt hat versagt. Also, wohin soll es seiner Meinung nach gehen? Mehr Regulierung, mehr Planwirtschaft? Thilo Jung spricht mit Marcel Fratzscher über Themen wie die Aktienmärkte und ob sie sich von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, über die Coronakrise, Staatshilfen, die Klimakatastrophe, Autoindustrie, Konsumverzicht, Globalisierung, die Ungleichheit von Vermögen, Steuern uvm.

Wir können Ihnen an dieser Stelle nicht knallhart empfehlen 145 Minuten Marcel Fratzscher am Stück anzuschauen. Diese Entscheidung müssen Sie schon selbst treffen. Aber auch bei „Experten“, die wir kritischer sehen wie einen Herrn Fratzscher, gilt das selbe wie bei Hans-Werner Sinn, Markus Krall oder Clemens Fuest. Auch wenn man als Zuhörer die Meinung des Interviewten nicht teilt, so erweitert das Zuhören doch den Horizont.

Marcel Fratzscher
DIW-Chef Marcel Fratzscher. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation – ExpertInnen Austausch anlässlich der Kurt Rothschild Preisverleihung, 27.09.2017 CC BY-SA 2.0

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Unser Wohlstand kommt übers Meer – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Welt ist so vernetzt wie nie zuvor. Auch wenn es in vielen Ländern protektionistische Tendenzen gibt, hat die weltweite Vernetzung ein Ausmaß erreicht, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Die Welt ist zusammengerückt. Viele Produkte, die Sie täglich nutzen, werden komplett oder in Teilen rund um den Globus verschifft, bevor Sie sie in Händen halten.

Die globalen Wertschöpfungsketten wären undenkbar ohne den regen Seehandel, der die Welt verbindet. Tausende Containerschiffe fahren von Kontinent zu Kontinent und bringen uns Waren vom anderen Ende der Welt.

Ich schreibe hier vorrangig über Zukunftstechnologien, die unsere Welt tiefgreifend verändern werden. Doch nichts hat unseren Wohlstand so sehr befeuert, wie der weitgehend freie Welthandel.

Deutschland ist Exportweltmeister

Unser Land ist erfolgreich, weil wir so stark in den Welthandel eingebunden sind. Maschinen und Autos aus Deutschland genießen international einen guten Ruf. Von den Erträgen aus dem Exportgeschäft kaufen wir beispielsweise Elektronik, chemische Erzeugnisse und Bekleidung. Das meiste davon wird übers Meer transportiert.

Die Lebensadern unserer Wirtschaft liegen im Wasser

Wenn Sie schon einmal in Hamburg am Hafen standen, haben Sie einen Eindruck, welche Mengen an Gütern täglich über den Seeweg nach Europa kommen. Rund 90% aller weltweit gehandelten Waren werden übers Meer befördert.

Unternehmen wie Hapag-Lloyd, Costamare oder Euronav betreiben riesige Flotten, um Waren rund um die Welt zu verschiffen. Sind die Aktien deshalb einen Blick wert? Das Geschäft ist lukrativ, aber hart umkämpft. Triton ist da schon eher interessant, denn das Unternehmen vermietet die…..

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Hotels und Restaurants: Wachstum ja, aber noch keine V-Erholung

Claudio Kummerfeld

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Restaurant-Tische mit Gläsern

Der Umsatz bei Hotels und Restaurants ist im August gegenüber Juli um 5,5 Prozent gestiegen. Aber im Vergleich zu August 2019 liegt er immer noch mit 22,2 Prozent im Minus. Die Grafik, die bis zum Jahr 2013 zurückreicht, zeigt es: Eine V-förmige Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Der Indexwert der Umsätze von Hotels und Restaurants lag vor dem Start der Coronakrise im Februar bei 105,5 Indexpunkten, und im August waren es 80,9 Punkte. Da ist noch einiges an Lücke vorhanden. Innerhalb der Gastronomie lag der reale Umsatz der Caterer im August 2020 sogar um 32,9 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Gut, diese heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten sind aus August. Inzwischen haben wir Oktober, und die V-förmige Erholung könnte bis jetzt schon fast geschafft sein. Könnte, nicht muss. Aber selbst wenn…. ein halbes Jahr lang gigantische Verdienstausfälle machen einer Branche zu schaffen, die darauf angewiesen ist konstant Umsatz zu machen. Viele Betreiber und Hotels und Restaurants überleben vielleicht aktuell, aber nur dank staatlicher Kredite. Man hat also nach der Krise deutlich mehr Schulden als vorher, dazu kommen oft noch vermutlich Mietschulden, weil der Vermieter monatelang die Restaurantmiete stundete, die nun nachgezahlt werden muss. Hat man die Krise auf den ersten Blick überlebt, und hat wieder „normale“ Umsätze, so türmen sich die Schulden auf. Zeitlich verzögert könnten also viele Insolvenzen folgen, auch wenn sich die Umsätze der Branche wieder normalisieren.

Chart zeigt Umsätze bei Hotels und Restaurants

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