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Norwegian: Unternehmensbewertung von Pleite-Airline auf Allzeithoch!

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Ein Flugzeug der Norwegian

Wenn es noch einer Bestätigung bedurft hätte, dass die Aktienmärkte in der Coronakrise nicht mehr in der Lage sind, die Realität halbwegs adäquat abzubilden, dann habe ich heute diese Bestätigung für Sie: Norwegian Air Shuttle, eine Fluglinie, hat gerade ihre Schulden restrukturiert, war also mit anderen Worten insolvent, und die Unternehmensbewertung erreichte am Dienstag ein neues Allzeithoch.

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In Norwegen bezahlen Aktionäre und nicht der Staat

Über Norwegian Air Shuttle berichtete ich bereits Ende April. Ich hob das Unternehmen als positives Beispiel dafür hervor, wie eine in Schwierigkeiten geratene Airline gerettet werden kann, ohne dass der Steuerzahler wie bei der Lufthansa mit Milliardenbeträgen einsteigen muss. Während Deutschland Geld nachschießt, um Lufthansa-Aktionäre vor dem Totalverlust zu bewahren, lief es in Norwegen anders. Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen und wandelten es in Aktien um und Norwegian Air Shuttle gab neue Aktien mit gigantischem Rabatt aus, um weiteres Eigenkapital einzusammeln.

Wer wollte, konnte neue Aktien für eine norwegische Krone kaufen, während der Aktienkurs am Tag vor dem Kapitalerhöhungsbeschluss noch bei knapp 4,80 Kronen notierte. Die Rekapitalisierung ermöglicht es der Airline, Staatsgarantien für neue Schulden zu erhalten. Die Schuldenrestrukturierung bedeutet, dass das Unternehmen zahlungsunfähig war. Es war nicht mehr in der Lage, die hohe Schuldenlast zu bedienen. Zusätzlich war das Eigenkapital in Gefahr, aufgezehrt zu werden. Da das Unternehmen in der Situation alles andere als ein attraktiver Kauf war, musste ein großer Rabatt angeboten werden, um Käufer für die neuen Aktien zu finden.

Altaktionäre verloren 95% ihrer Anteile an Norwegian Air Shuttle

Die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital und die Ausgabe neuer Aktien mit Rabatt bedeutet, dass Altaktionäre einen Großteil ihres in Norwegian Air Shuttle steckenden Aktienvermögens verlieren. Ihr Anteil am Unternehmen nach diesen Maßnahmen schrumpfte auf von 100% auf rund 5% zusammen.

Am 20.5., also schon Tage, nachdem die Rekapitalisierung durchgeführt wurde, rutschte der Aktienkurs auf 1,50 Kronen. Am Dienstagabend notierte die Aktie schon wieder bei 4,50 Kronen. Wer also am 20. Einstieg, konnte sein Kapital in nur sechs Tagen verdreifachen. Da inzwischen viel mehr Aktien im Umlauf sind als noch zum Monatsanfang, bedeutet ein Kurs von 4,50 Kronen, dass die Unternehmensbewertung ein neues Allzeithoch erreichte. Denn die Unternehmensbewertung wird gebildet durch die Multiplikation des Aktienkurses mit der Aktienstückzahl. Gibt es mehr Aktien, ist das Unternehmen bei gleichem Kurs mehr wert.

Norwegian Air Shuttle verdient seit 2016 kein Geld mehr – trotzdem Allzeithoch!

Mit rational agierenden Anlegern an einer rationalen Börse, an der alle Informationen verfügbar sind und verarbeitet werden, dürfte das nicht vorkommen. Eine von Staatsgarantien abhängende Airline ohne echtes Geschäft, ohne nennenswerte Umsätze, ist wenige Tage nach einer Schuldenrestrukturierung keinesfalls so viel wert wie noch nie. Analysten weisen denn auch daraufhin, dass die Schuldenrestrukturierung und Rekapitalisierung nur die drängendsten Bilanzprobleme löste, nicht jedoch die Probleme mit dem Geschäftsmodell. Norwegian Air Shuttle verdiente schon in Boomphasen mit ihren Low Cost Angeboten kaum Geld. In der Coronakrise, in der die meisten Flüge gestrichen werden und die wenigen fliegenden Flugzeuge fast leer sind, ist es nahezu ausgeschlossen, dass der Gesellschaft ein Turnaround gelingt. Kapitalerhöhung und Schuldenrestrukturierung erkauften dem Unternehmen lediglich mehr Zeit.

Zum letzten Mal verdiente Norwegian Air Shuttle im Jahr 2016 Geld. Seitdem gab es drei Jahre mit Verlusten, die die vorherigen Gewinne mühelos in den Schatten stellen. Es gibt auch keinen erkennbaren positiven Trend. 2019 wuchsen die Verluste bei steigenden Umsätzen.

Vermutlich pushten uninformierte Anleger den niedrig wirkenden Kurs

Da es keinerlei fundamentale Daten gibt, die die Aktienkurs-Rallye rechtfertigen könnten, haben wir es vielleicht mit einer von uninformierten Anlegern gestarteten und von automatischen Tradingsystemen am Laufen gehaltenen Bewegung zu tun. Vor alllem Kleinanleger neigen dazu, Aktien auf Basis von Emotionen zu kaufen. Sackt der Kurs binnen weniger Tage auf ein Drittel ab, sieht die Aktie günstig aus. Und was einmal 4,50 kostete und jetzt für 1,50 zu haben ist, hat schließlich die Chance, irgendwann wieder einmal 4,50 Kronen zu kosten. Die Aktie bewies schließlich bereits, dass sie 4,50 erreichen kann. Also wird bei 1,50 Kronen gekauft, die Abwärtsbewegung gestoppt und in ihr Gegenteil verkehrt.

Nun springen Tradingsysteme auf den neuen Trend auf. Da bei der vorherigen Abwärtsbewegung die meisten, die verkaufen wollten, verkauften, fehlt es nun bei steigenden Kursen am Verkaufsvolumen. Das wachsende Käuferinteresse führt zu immer weiter ansteigenden Kursen, völlig losgelöst von der fundamentalen Lage des Unternehmens. Und da viele Anleger überhaupt nicht wissen, wie viele Aktien im Umlauf sind, sieht auch kaum jemand, dass das Unternehmen ohne Geschäftsmodell und einer Verlust-Historie von vier Jahren bei einem Kurs von 4,50 Kronen auf einmal auf einem Bewertungs-Allzeithoch notiert. Für den uninformierten Aktienbesitzer sind die 4,50 Kronen von gestern das gleiche wie 4,50 Kronen vor sechs Monaten.

Aktienzahl hat sich fast ver-19-facht – der Aktienkurs blieb gleich

Am Dienstag gab es weltweit 3.069.624.807 Aktien von Norwegian Air Shuttle. Am 31.12.2019 waren es erst 163.558.377 – auch vor der Restrukturierung vor einem Monat dürften es vergleichbar viele gewesen sein. In knapp vier Wochen hat sich die Zahl der Aktien also um fast den Faktor 19 erhöht. Seit dem 31.12.2015 sogar um den Faktor 86. Bei gleichem Aktienkurs wäre das Unternehmen jetzt also um den Faktor 18,77 mehr wert als vor der Restrukturierung. Und Norwegian Air Shuttle hat bereits angekündigt, dass es wahrscheinlich noch einmal zusätzliches Kapital benötigen werde. Solange genügend Aktionäre nur auf den Aktienkurs und nicht die Unternehmensbewertung schauen, dürfte deren Platzierung kein Problem sein. Mit rationalen Märkten hat das jedoch wenig zu tun.

Übrigens: Am Hoch kostete die Aktie von Norwegian Air Shuttle 384,13 Kronen. Damals gab es aber auch um fast den Faktor 85 weniger Aktien als heute. Darum ist das Unternehmen bei einem Kurs von 4,50 Kronen am Dienstag auch mehr wert gewesen als bei einem Kurs von 384,13 Kronen vor fünf Jahren.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Roland

    27. Mai 2020 14:10 at 14:10

    :-D lernt es doch endlich. In dieser Zeit spielen Bewertungen null Komma null eine Rolle, die Liquidität der Notenbanken sorgt für eine Vermögenspreisinflation. Die Lufthansa ist das nächste Beispiel, der Kurs sieht optisch günstig aus. Die Käufer schlagen zurecht zu. Die Aktie wird sich vom Tief verdoppeln, trotz der vermeintlichen Analyse-Risiken. Die interessieren keinen Menschen mehr. Beim baldigen DAX-Allzeithoch wird Lufthansa wieder bei 20 Euro notieren.

    • Avatar

      sabine

      28. Mai 2020 12:59 at 12:59

      Vielen Dank für den sehr informativen Artikel mit Zahlen, Daten, Fakten.

      @roland: Bis die Musik aufhört. Das hier wird als ein schönes Beispiel für Zockerparadies und Notenbankenwahnsinn in die Geschichtsbücher eingehen. Das Spiel Reise nach Jerusalem mit nur einem Stuhl.Und Verluste und Selbstmorde wird es wohl auch geben. Wer nicht rechnet, muß mit dem schlimmsten rechnen.
      Und sage keiner, es hätte nicht irgendjemand den Wahnsinn bereits vorrausgesagt. Allein die Nullzinsen provozieren schon den nahenden Weltcrash.
      https://www.youtube.com/watch?v=KzQKSbR9aN4
      Vielleicht zuerst das hier:
      https://www.youtube.com/watch?v=dku7LfketuQ

  2. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 28.05.2020 | das-bewegt-die-welt.de

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Aktien

Nasdaq, Tesla, Netflix – aktueller Blick auf den Hype

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Fernbedienung vor Fernseher mit Netflix-Programm

Gestern noch bei 11.070 Punkten im Hoch, so fällt der Nasdaq aktuell auf 10.434 Punkte. Ein schneller Absturz. Aber halt. Was war denn bitte vorher los? Was für ein Wahnsinns-Hype, was für ein Goldrausch!. Am 20. Februar lag der Nasdaq 100-Index noch bei 9.737 Punkten. Das war der Auftakt zum großen Börsencrash. So kräftig sind einige Tech-Konzerne dem Gesamtmarkt bis jetzt enteilt, dass sie den Nasdaq mit hochziehen konnten.

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Nasdaq und Tesla

Dieses Thema bespricht der Chef-Aktienhändler der Baader Bank im folgenden brandaktuellen Video. Kann es so einfach nicht mehr weitergehen im Nasdaq? Auch wichtig: Tesla sieht er eher als Datenkrake. Zwar technologisch weit vor der Konkurrenz (hier eine positive Sichtweise auf den Autobauer), dennoch sei der Aktienkurs von Tesla irrsinnig hoch. Auch wird dies klar anhand von im Video erwähnten Beispielen, wie stark sich einzelne Bankanalysten in ihrem Meinungen unterscheiden. Und ja, das ist wirklich ein Wahnsinn, so möchte ich es bestätigen!

Wette auf Netflix-Zahlen am Donnerstag

Wichtig wird jetzt in Sachen Tech die Aktie von Netflix. Die Firma ist wohl einer der größten Corona-Krisengewinner. Wo die Menschen in der Coronakrise nicht rausgehen konnten und jetzt vermutlich immer noch vermehrt zuhause rumsitzen, suchen sie natürlich nach einer Beschäftigung. Viele, sehr viele Menschen werden diese Beschäftigung wohl im Glotze-Gucken bei Netflix, Amazon, Sky und Co gefunden haben. Nur die Frage lautet: Wie viele neue Abos hat Netflix im letzten Quartal abgeschlossen? Im 1. Quartal waren es 15,77 Millionen neue Abonnenten.

Die Aktie stand im Februar direkt vor dem Crash-Start bei 392 Dollar. Gestern waren es im absoluten Nasdaq-Höhenrausch 574 Dollar. Aber bis jetzt kommt die Aktie zurück auf 508 Dollar. So schnell kann ein Long-Zocker dick im Minus sein. Donnerstag Abend (wir werden berichten) präsentiert Netflix dann seine Quartalszahlen. Das wird ein wichtiges Ereignis für die gesamte US-Börse werden. By the way… schauen Sie sich das folgende Video gerne in voller Länge an, die Aussagen sind interessant.

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Markus Koch LIVE zum Handelsstart in New York – Bankzahlen im Fokus

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE zum Handelsstart in New York. Er bespricht die vor wenigen Minuten veröffentlichten Quartalszahlen von JP Morgan, Wells Fargo und Citi. Die Finanzdaten bespricht er ausführlich.

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Wells Fargo und Citigroup: Quartalszahlen liegen vor

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Die Quartalszahlen von Wells Fargo und Citigroup wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Eckdaten, zunächst von Wells Fargo.

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Der Erlös (Umsatz) liegt bei 17,8 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 21,58/erwartet 18,6).

Das Ergebnis liegt bei -0,66 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,30/erwartet -0,16). Ein Verlust von 2,4 Milliarden Dollar im zweiten Quartal!

Kreditvorsorge 9,5 Milliarden Dollar nach 0,5 Milliarden Dollar vor einem Jahr.

Die Aktie von Wells Fargo notiert vorbörslich mit -3,8 Prozent.

Kommentar von Wells Fargo im Wortlaut:

“We are extremely disappointed in both our second quarter results and our intent to reduce our dividend. Our view of the length and severity of the economic downturn has deteriorated considerably from the assumptions used last quarter, which drove the $8.4 billion addition to our credit loss reserve in the second quarter. While the negative impact of the pandemic is unprecedented and many of our business drivers were negatively impacted, our franchise should perform better, and we will make changes to improve our performance regardless of the operating environment.

“Though our income performance was weak, our capital and liquidity continues to be extremely strong with both our CET1 ratio and LCR increasing from the end of the prior quarter. However, it is critical in these uncertain times that our common stock dividend reflects current earnings capacity assuming a continued difficult operating environment, evolving regulatory guidance, and protects our capital position if economic conditions were to further deteriorate. Given this, we believe it is prudent to be extremely cautious until we see a clear path to broad economic improvement. We are confident that this eventual economic improvement combined with our actions to increase our margins will support a higher dividend in the future,” Scharf added.

“I’m proud of the hard work and dedication of our employees through these challenging times to support our customers, communities, and each other. Our regulatory commitments remain our top priority and while we have more work ahead of us, we continue to devote all necessary resources to this effort,” Scharf concluded.

Wells Fargo Finanzdaten

Wells Fargo-Quartalszahlen - Wells Fargo Logo
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

Citigroup

Bei der Citigroup liegt der Erlös (Umsatz) bei 19,77 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,76/erwartet 19,1).

Das Ergebnis liegt bei +0,50 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,95/erwartet +0,28).

Kreditvorsorge 7,9 Milliarden Dollar nach 2,1 Milliarden Dollar vor einem Jahr.

Die Aktie der Citigroup notiert vorbörslich mit +1,1 Prozent.

Kommentar des Citigroup CEO im Wortlaut:

“While credit costs weighed down our net income, our overall business performance was strong during the quarter, and we have been able to navigate the COVID-19 pandemic reasonably well. The Institutional Clients Group had an exceptional quarter, marked by an increase in Fixed Income of 68%. Global Consumer Banking revenues were down as spending slowed significantly due to the pandemic.

“We entered this crisis from a position of strength. During the quarter, our regulatory capital increased and our CET1 ratio improved to 11.5%, comfortably above our new regulatory minimum of 10%. We continued to add to our substantial levels of liquidity and our balance sheet has plenty of capacity to serve our clients. With a sharp emphasis on risk management, we are prepared for a variety of scenarios and will continue to operate our institution prudently given this unprecedented situation,” Mr. Corbat concluded.

Citigroup Finanzdaten

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