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Nullzins und Spareinlagen: Der deutsche Michel will nicht so wie die EZB es sich vorstellt

Claudio Kummerfeld

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Sparschwein und Bargeld

Was sollen Nullzins und Negativzins (Leitzinsen und Einlagenzinsen) der EZB bewirken? Die Banken sollen überschüssige Liquidität nicht bei ihr parken, sondern als Kredite an Wirtschaft und Konsumenten herausreichen. So sollen Wirtschaftswachstum und Inflation entstehen. Der deutsche Michel (der Konsument) soll durch den abgeschafften Zins vom Sparen entwöhnt werden, und keine größeren Spareinlagen anhäufen. Er soll lieber Fernseher, Sofas, Autos und Waschmaschinen kaufen, damit die Konjunktur angekurbelt wird und die Preise Auftrieb bekommen.

Aber wie wir schon seit Jahren berichten. Der deutsche Spar-Michel will nun mal nicht so, wie die EZB will. Das Problem dabei scheint zu sein, dass die Top-Ökonomen bei der Zentralbank sich nicht in die Denkweise des kleinen Mannes und der kleinen Frau hineinversetzen können. Man will sparen fürs Alter und für schlechte Zeiten. Wenn der Nullzins die Ansparleistung schmälert, gleicht der Bürger den fehlenden Zins aus, in dem er einfach noch mehr Geld auf die hohe Kante legt – als Ausgleich für den fehlenden Zins sozusagen.

Derzeit kommt noch verstärkend hinzu, dass viele Menschen, die nicht von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen sind, wohl mehr denn je Geld auf die hohe Kante packen. Denn wer nicht verreist, nicht ins Restaurant oder ins Kino geht, der kauft vielleicht etwas mehr ein fürs schöne Zuhause. Aber bei diesem Personenkreis bleibt in der Regel wohl auch mehr Geld netto auf dem Konto übrig als vor der Coronakrise, und so wachsen die Sparguthaben. Dieses Szenario zeigt sich immer deutlicher in Statistiken.

Die Spareinlagen der Deutschen steigen immer weiter

Aktuelle Daten von tagesgeldvergleich.net zeigen, wie die Spareinlagen der Deutschen in 2020 immer weiter ansteigen. Der Chart zeigt ihren Verlauf seit dem Jahr 2004. Das Volumen der Spareinlagen der Verbraucher bei Banken in Deutschland lag Ende Oktober bei rekordhohen 2.491 Milliarden Euro. Das sind 21,45 Milliarden Euro oder 0,87 Prozent mehr als noch im Vormonat und 118,986 Milliarden Euro bzw. 5,02 Prozent mehr als zum Jahresbeginn.

Chart zeigt immer weiter steigende Spareinlagen trotz Nullzins

Immer weniger Zinsertrag

Die Zinsen sind seit Jahren immer weiter gesunken und hängen jetzt an der Null-Linie. Das ist keine große Neuigkeit. Schauen wir uns im folgenden Chart daher mal den nominalen Zinsertrag der Verbraucher in Euro an. Schwanken die Summen dieses Jahr zwischen 160 und 190 Millionen Euro pro Monat, so waren es 2012 noch 1,9 Milliarden Euro, und bis zur Finanzkrise 2008 waren es noch Beträge von über 3 Milliarden Euro! Beide Charts sollten, wenn man es als Ökonom und Notenbanker betrachtet, doch eigentlich parallel in den Keller gehen?

Je weniger Zinsen, desto weniger spart man. Aber die Realität zeigt, dass genau das Gegenteil geschieht. Und genau diese Entwicklung sorgt bei den Banken für immer mehr Einlagen-Überschüsse, weshalb die Banken Strafzinsen an die EZB zahlen müssen. Auch deswegen wird der Spardruck auf die Banken immer größer (siehe die Schließung von Filialen und Personalabbau).

Chart zeigt immer weiter sinkende Zinserträge bei deutschen Sparern

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    b.com@gmx.at

    8. Dezember 2020 20:23 at 20:23

    Was die Inflation nicht frisst werden demnächst Unternehmenspleiten, Bankenpleiten und Staatsbankrotte fressen. Und ja, Edelmetalle kann man nicht fressen. Verzeihung Essen. Nur zum Nachdenken!

  2. Avatar

    leftutti

    8. Dezember 2020 22:51 at 22:51

    Ach ja, der Michel und seine Ilsebill…
    Die machen ihr ganz eig’nes Ding, gar nie nicht, wie die EZB wohl will.
    Wollen aber auch nicht das, was der doofe Krall verfasst..

    Der Michel zweifelt völlig zurecht an den angeblichen Geldfluten aus der Druckerpresse, die nie bei ihm ankommen werden.
    Die Ilsebill wartet derweil auf das gottgleiche Finale, die Neuordnung des Universums, den heiligen Untergang und die Neuordnung aller Systeme.

    Bis es soweit ist, ein paar völksmusikalische Töne, um die Wartezeit zu verkürzen:
    https://www.youtube.com/watch?v=JPELPBDCqUM
    https://www.youtube.com/watch?v=R2e2yHjc_mc

  3. Avatar

    Multi Nick

    9. Dezember 2020 14:10 at 14:10

    Als Moralapostel darf man selber den DOOFEN KRALL schon aussprechen. Neusten will man auch noch FMW disziplinieren. Wartet jemand mitten in der Nacht auf Leftutti Kommentare? Er ist auf dieser Plattform eher ein Fremdkörper und Besserwisser. Herr Fugmann , bleiben sie bei ihrer Linie , der bissigste aller Hunde braucht keinen Welpenschutz.

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

Grafik zeigt Erwartungen an deutsche Exporte seit dem Jahr 2014

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Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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