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Nur ein Tweet: US-Börsenaufsicht verklagt Elon Musk wegen Betrug, und will ihm Vorstandstätigkeiten grundsätzlich verbieten lassen

Claudio Kummerfeld

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am

Es waren neun Worte in einem Tweet am 7. August. Sie können Tesla-Chef Elon Musk nun alles kosten. Seinen Job, vielleicht viel Geld, und auch eine Verurteilung wegen Wertpapierbetrug kann dieser Tweet ihm einbringen. Denn die US-Börsenaufsicht SEC hat ihn deswegen jetzt angeklagt (hier die Veröffentlichung der SEC). Nochmal zur Erinnerung hier der Original-Tweet.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Wir berichteten damals schon ausführlich darüber, und auch dass die Börsenaufsicht womöglich diesen Schritt gehen würde. Jetzt ist es soweit. Musk erklärte offenbar ohne Absprache mit dem Aufsichtsrat, dass er konkret plane alle Tesla-Aktien von der Börse zu nehmen, und das mit einem kräftigen Kursaufschlag gegenüber dem damals aktuellen Kurs. Die Finanzierung dafür sei gesichert.

Schon am Tag danach hatten wir als langjährige Beobachter von Musk´s Aussagen ernsthafte Zweifel am Wahrheitsgehalt dieses Vorhabens. Und wenige Tage später musste Musk dann auch zugeben, dass es eben keine gesicherte Finanzierung gibt – und so brach diese Luftnummer in sich zusammen. Das Problem: Direkt nach Musks Ankündigung war der Aktienkurs von Tesla verständlicherweise gestiegen.

Das nennt man wohl Kursmanipulation oder auch Wertpapierbetrug, und da verstehen die Amerikaner keinen Spaß! Nicht nur, dass die SEC Musk jetzt anklagt. Sie fordert das Gericht ebenfalls auf Musk als Chef von Tesla abzuberufen. Nicht nur das – das Gericht soll Elon Musk generell untersagen als Vorstand irgendeines börsennotierten Unternehmens arbeiten zu dürfen. Das ist mal ein Paukenschlag! Denn es klingt wie die Entmündigung eins nichts rechtsfähigen Menschen, dem man einen Betreuer an die Hand geben muss. Viele Beobachter in den USA haben ihn schon lange für ungeeignet gehalten ein börsennotiertes Unternehmen zu leiten – er scheint sich wie ein kleines Kind zu benehmen, und scheint auch gar nicht informiert zu sein, was er als CEO aus rechtlicher Sicht rausposaunen darf, und was nicht.

Die aktuellen Worte der SEC sind die Höchststrafe für Musk. Nicht zurechnungsfähig für so einen Posten, so kann man es wohl in klaren Worten ausdrücken! Es liege nun mal in der Verantwortung des Vorstands eines börsennotierten Unternehmens, gewissenhaft und vorsichtig mit der Wahrheit umzugehen, so die SEC. Musk hat die Klage der SEC übrigens inzwischen als unbegründet zurückgewiesen. Wir als Laien in Sachen US-Recht möchten meinen: Die Sachlage ist mehr als eindeutig! Nachbörslich hat die Tesla-Aktie heute Nacht 37 Dollar oder fast 12% verloren auf 270 Dollar. Irgendwo auf dem Niveau wird sie heute in New York vermutlich eröffnen.

Hier von der SEC auszugsweise im Wortlaut:

“Corporate officers hold positions of trust in our markets and have important responsibilities to shareholders,” said Steven Peikin, Co-Director of the SEC’s Enforcement Division. “An officer’s celebrity status or reputation as a technological innovator does not give license to take those responsibilities lightly.” Taking care to provide truthful and accurate information is among a CEO’s most critical obligations,” added Stephanie Avakian, Co-Director of the SEC’s Enforcement Division. “That standard applies with equal force when the communications are made via social media or another non-traditional form.”

Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk. Foto: Heisenberg Media / Wikipedia (CC BY 2.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    leokatz1

    28. September 2018 10:04 at 10:04

    Er hat aus seiner Abneigung gegenüber Shortsellern ja kein Hehl gemacht und vorher schon entsprechende Nachrichten gesendet. Und das was er mit seinem Tweet getan hat war, vorsätzlich die Shortseller aus dem Trade zu kegeln. Die werden ihn beziehungsweise Tesla (als CEO spricht er ja für Tesla)auf Schadensersatz verklagen-Sammelklagen liegen ja bereits an. Für mich unklar, ob das ihn oder auch Tesla vielleicht ruinieren könnte. Kann gut sein dass einige Grossinvestoren jetzt ihre Aktien abstossen eben aus diesen Gründen. Diesmal wirds ihm finanziell richtig weh tun. Berufsverbot für so einen Traumtänzer finde ich nicht die verkehrteste Entscheidung der Börsenaufsicht.

    • Avatar

      Sabine

      28. September 2018 13:26 at 13:26

      Er ist ja nicht nur Traumtänzer. Da er sehr gescheit ist, weiß er genau, was er tut. Somit schuldfähig. Er haut ja hier auf Kapital, also Lebensgrundlage vieler Menschen herum.

      Ich kannte auch mal einen, der hat immer gespottet über seine Anleger.
      a) Die wüßten ja sowieso nichts mit ihrem Geld anzufangen.
      b) Es sei ja für einen güten Zweck. (Biohandel)
      c) Er selbst für einen umweltschädlichen fetten Mercedes, flog in der Welt herum, trank Cola usw. Nix Bio!

      Bewußte Verantwortungslosigkeit muß bestraft werden.

  2. Avatar

    Wolfgang M.

    28. September 2018 10:35 at 10:35

    Dass es zu einer Reaktion der SEC gegenüber Elon Musk kommen wird, war klar, die Heftigkeit des Forderungskatalogs überrascht aber doch. Wie kam Musk eigentlich zu so einem derart gefährlichen Tweet?
    „Tesla ist die am meisten geshortete Aktie in der US-Börsengeschichte“, hatte Musk in einem Brief an seine Mitarbeiter geschrieben. Es hatte den Unternehmer aufs Höchste geärgert, dass Spekulanten die Leerverkaufsquote bei der Aktie bis auf 30% getrieben hatten und damit auf „den großen Einbruch“ bei diesem E-Autopionier wetteten. Musk war sich bestimmt über die Börsenreaktion einer so spektakulären Nachricht bewusst und über das Blutbad bei manchem Shortseller.
    Die Aussage Tesla mit 420 Dollar von der Börse zu nehmen (damit verbunden ein Unternehmenswert von 72 Mrd.$, im Vergleich Daimler wird heute mit 59,5Mrd. € bewertet) führte zur Zwangseindeckung mit Kursen von über 390 $.
    Nach Schätzungen des Analysehauses S3 Partners entstanden allein am nächsten Tag für die Shortseller ein Schaden von 1,3 Mrd.$. Auch wenn viele sich über die Verluste dieser Spezie Spekulanten insgeheim freuten, war klar, dass viele auf Schadenersatz spezialisierte Kanzleien schon die Messer wetzten. Ob sich in dieser Lage jemand schützend vor Elon Musk stellt?

  3. Avatar

    frank

    28. September 2018 11:36 at 11:36

    Der Tweet mit dem angeblichen Rückkauf war schon ein starkes Stück. Aber als Multimilliardär schwebt man wohl in anderen Spähren und es ist Musk wohl egal wenn sich der Börsenwert von Tesla kurzzeitig um einige hundert Millionen bewegt. Die Anklage und Vorwürfe gegen ihn sind zutreffend. Entweder handelt er absichtlich so oder aus Leichtsinn. Als CEO deshalb nicht mehr tragbar.; Andererseits wäre Tesla ohne Musk auch nicht sonderlich attraktiv, aber man wird sicher eine Art Beraterposten für ihn finden…

  4. Avatar

    Altbär

    30. September 2018 08:13 at 08:13

    Nach neuesten Nachrichten bezahlt Musk für seine Kursmanipulation eine Busse von 20 Mio.
    Dollar, ein Fliegenschiss für einen Milliardär.
    Alle Permabullen ,die mit dieser faktisch wertlosen Aktie wegen der Manipulation verdient haben,
    konnten sich lange als geniale Börsenspezialisten wähnen.Die Shorties ( ich bin nicht betroffen, es stört mich trotzdem ) u.sogenannten Crash – Propheten die die Aktie nach fundamentalen Werten gehandelt u. verloren haben, können weiterhin als naive Teilnehmer der neuen Börsenwelt verhöhnt werden.Ich habe schon früher erwähnt ,dass das heutige Börsengeschehen kurzfristig nur noch eine Wette gegen Manipulatoren ist u.Nichts mehr mit den Fundamentaldaten zu tun hat.
    Warum darf der Staat ( Notenbanken) das tun, ( Manipulieren) wofür er seine Bürger bestraft?

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Quartalszahlen und Inflation

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. IBM und Intel werden heute Abend ihre Quartalszahlen veröffentlichen – sie werden von ihm vorab besprochen. Auch das Thema Inflation ist auf der Tagesordnung.

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