Folgen Sie uns

Allgemein

Nur zwei Gläubiger halten die USA dauerhaft am Leben

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Die Party in den USA soll ewig weitergehen. Dafür braucht man Geld, viel Geld. Wie mit einem Staubsauger wird es aus dem Ausland angesaugt. Nur zwei Gläubiger halten die USA dauerhaft am Leben.

USA Federal Reserve
Federal Reserve-Zentrale (Notebank der USA).
Foto: AgnosticPreachersKid / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Japan und China

Die aktuellsten Daten der US-Notenbank „Federal Reserve“ zeigen, dass sich nach wie vor zwei Länder als Hauptgläubiger der USA betätigen, nämlich Japan und China mit insgesamt 2,5 Billionen US-Dollar (beide fast zu gleichen Teilen). Wie die Statistik zeigt, sind dies Summen all die letzten Monate konstant geblieben.

Diese Statistik bietet eine Übersicht über alle ausländischen Inhaber der Anleihen, nicht die inländischen. Die angezeigten insg. 6,1 Billionen US-Dollar beziehen sich auf US-Staatsanleihen – also sind hier die Schulden der Bundesstaaten und Kommunen nicht enthalten. Auch listet diese Statistik nur Anleihen auf, die von US-Verwahrstellen gehalten werden, denn ausländische Verwahrer kann die US-Notenbank nicht erfassen. Aber diese Statistik bildet die Realität schon weitestgehend gut ab.

USA Staatsanleihen Inhaber

Saudis und Russen investieren woanders

Die Öl-Exporteure (Saudis, Irak, Kuwait etc) sind hier in einem Posten zusammengefasst mit gerade mal 296 Milliarden Dollar. Recht wenig bei den Überschüssen, die man seit Jahrzehnten angehäuft. Aber die Saudis und ihre Nachbarn vertrauen dem US-Dollar schon lange nicht mehr bedingungslos. Es wird diversifiziert. Die Araber strömen mi ihrem Geld schon seit Jahren in die europäische Industrie und kaufen sich ein, gerne auch in Deutschland. Russland hat seinen Bestand an US-Staatsanleihen allein in den letzten 12 Monaten von 111 Milliarden auf aktuell 70 Milliarden Dollar reduziert (-37%). Man schichtet lieber in Gold um.

Das Defizit-Problem

So ein Berg von Staatschulden, die dazu noch zu guten Teilen von ausländischen Gläubigern gehalten werden, ist solange kein Problem, wie man bei seinen Neuemissionen ständig wieder Käufer findet. Die Japaner werden noch am ehesten treu zu den US-Staatsschulden stehen. Fraglich aber, wie lange die chinesische Staatsführung weiter mitspielt. Noch immer gibt es die große Symbiose zwischen Produktion in China, die von US-Konsumenten gekauft wird. Damit sie kaufen können, hält China die USA am Leben mit immer wieder frischen Geldern. Versiegt dieser Kreislauf, können die Amerikaner keine chinesischen Waren mehr kaufen, wodurch der chinesischen Wirtschaft die Aufträge wegbrechen.

Dieser Kreislauf gilt nach wie vor, ist aber nicht in Stein gemeißelt. China versucht schon seit geraumer Zeit die Binnennachfrage zu stärken, die dann
fehlenden Konsum aus den USA ersetzen könnte.

Derzeit wird das Staatsdefizit der USA für 2015 auf 583 Milliarden Dollar geschätzt. Das heißt die Bundesregierung in Washington gibt in diesem Jahr 583 Milliarden Dollar mehr aus, als sie einnimmt. Und vergleichbare Summen (2014 waren es 483 Milliarden) müssen jedes Jahr aus dem Ausland angesaugt werden, damit in den der Apparat weiter läuft.

Dauerhaftes QE als Ausweg für die USA?

Was wäre wenn? Was wäre, wenn die Chinesen aufhören würden US-Staatsanleihen zu kaufen? Die USA haben derzeit 18,1 Billionen Dollar Staatsschulden. Also haben Japan und China daran einen Anteil von 13,8%. Wenn die Chinesen mit ihren 1,2 Billionen auch nur anteilig wegblieben, könnten die USA ihr Defizit von 583 Milliarden nicht mehr stemmen. Aber das sind derzeit reine Planspiele.

Die Amerikaner sind Pragmatiker. Die US-Notenbank „Federal Reserve“ könnte erneute Anleihekaufprogramme (Quantitative Easing) auflegen und US-Staatsanleihen dauerhaft aufkaufen, bis sie auslaufen. Und dann erneut kaufen, immer weiter. So könnte eine öffentliche, wenn auch außerhalb der Regierung stehende Einrichtung, den Staat dauerhaft am Laufen halten, wenn ausländische Käufer wegbleiben. Damit würde man einen realen Dauerkreislauf von „Linke Tasche Rechte Tasche“ etablieren. Der Staat finanziert sich dann quasi selbst.

Zu gewissen Teilen läuft dieses Spiel bereits. Laut aktueller Statistik des US-Finanzministeriums befinden sich derzeit 5,1 Billionen der 18,1 Billionen US-Dollar Staatsschulden der USA im Eigentum von öffentlichen Einrichtungen der USA, wie Sozialversicherungen, öffentlichen Rentenfonds etc.

Man bedenke: die USA stehen derzeit erneut vor dem Erreichen ihrer Schuldenobergrenze, wie schon so oft. Man wird sie wohl wieder mal anheben, damit alles weiter geht wie bisher. Da hat Deutschland einen Vorteil, auch wenn hier ebenfalls jede Menge Staatsschulden vorhanden sind: die Neuverschuldung ist auf 0 reduziert. Wer keine neuen Schulden macht, muss sich keine Gedanken darüber machen, woher er sich das Geld besorgt.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    T2015

    20. Juli 2015 12:00 at 12:00

    Sorry aber das ist schlicht eine Falschmeldung. Der größte Gläubiger der USA ist, man staune – USA! Etwa 3-4 mal so viel in den Büchern wie China und Japan zusammen.

    Die letzte Zahl die ich weiß, war etwa um die 9 Bio., welche die USA den USA schulden.

  2. Avatar

    T2015

    20. Juli 2015 12:02 at 12:02

    Achja – China hat (Umweg über Belgien) in den letzten Monaten etwa 150 Mlrd. abgestoßen.

  3. Avatar

    Michael

    20. Juli 2015 14:29 at 14:29

    Watch the Money Morning Interview of Jim Rickards (asymmetric warfare advisor of the CIA and Pentagon). Start at 15:20 min.

    Content:
    The Intelligence Community Fears that Russia and China could ignite a Global Attack on US Treasury market.

    “An intelligence unit inside the Treasury´s operates against China and Russia dumping Treasuries” (17min.)

    Therefore: “It´s not the Belgians buying these Treasuries” (17:33)

    However: ”The Intelligence Community knows who the mystery buyer is” (17:46)

    Link:
    https://www.youtube.com/watch?v=mFmQ52XWIOI

  4. Avatar

    luckyhans

    20. Juli 2015 17:59 at 17:59

    Konnte es sein, daß im obigen Artikel ein kleiner Denkfehler drin steckt?
    Denn die FED ist keine „öffentliche Einrichtung“, sondern eine (um 5 Ecken) in privatem Eigentum befindliche BANK, und diese will von allem, was sie an „Geld“ oder „Wertpapieren“ ausgibt, ZINSEN sehen – wer die nicht zahlen kann, der muß sein EIGENTUM verpfänden – das ist überall so, und DIES tun die nordamerikanischen ReGIERungen offensichtlich seit langem: das ganze Land Stück für Stück an die Bankster „übertragen“…

    • Avatar

      T2015

      21. Juli 2015 11:22 at 11:22

      Das stimmt nicht, die FED gehört zu 100% dem Kongress. Und das war nie anders

      Empfehlung: statt Hörensagen aus dem Netz, einfach mal die relevanten Gesetze lesen (Federal Reserve Act). Steht alles schwarz auf weiß drin.

      Andererseits gehört die US-Regierung den Banken, effektiv macht das keinen Unterschied, außer dass es (auf Papier, welches geduldig ist) illegales Vorgehen darstellt.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

Avatar

Veröffentlicht

am

Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

weiterlesen

Allgemein

Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

weiterlesen

Allgemein

Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen