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Zu teuer oder fair bewertet? Nvidia-Aktie im Check: Anleger rätseln – kaufen oder verkaufen?

Nvidia-Aktie im Check: Anleger rätseln – kaufen oder verkaufen?
Jensen Huang, Geschäftsführer von Nvidia Corp. Foto: Bloomberg

Kaum ein Wert polarisiert Anleger derzeit so stark wie die Aktie von Nvidia. Während Kritiker vor einer Überhitzung warnen, sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Das Umsatzwachstum des Chip-Giganten bleibt ungebremst und hält die Bewertung auf einem Niveau, das für Investoren weiterhin attraktiv erscheint. Für viele Anleger ist Nvidia damit zugleich Chance und Prüfstein – zwischen Euphorie und Vorsicht.

Nvidia-Aktie: Zu teuer oder fair bewertet?

Trotz aller Bedenken, die fulminante Rally und die enorme Marktkapitalisierung von Nvidia könnten die Aktie in überhitzte Gefilde treiben, sorgt das starke Umsatzwachstum weiterhin für Kauflaune unter Investoren.

Die jüngsten Quartalszahlen des Chipentwicklers fielen zwar nicht ganz so stark aus, wie es sich die Wall Street erhofft hatte, dennoch bleibt das Umsatzwachstum beeindruckend – und liegt deutlich über dem Branchenschnitt. Laut Bloomberg Intelligence wird Nvidia in den kommenden vier Quartalen voraussichtlich ein Umsatzplus von mindestens 42 Prozent erzielen. Zum Vergleich: Der technologieorientierte Nasdaq-100-Index kommt im Durchschnitt lediglich auf rund 10 Prozent.

Während die Gewinne steigen, sinkt die Bewertung: Der Konzern wird aktuell mit dem 33-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, noch vor drei Wochen lag der Multiplikator bei 35. Zum Vergleich: Der Nasdaq 100 liegt bei 27 – und 30 Unternehmen im Index sind höher bewertet als Nvidia, darunter Starbucks und Netflix.

„Noch vor ein paar Jahren hätte niemand geglaubt, dass ein Konzern dieser Größe ein solches Wachstum vorlegt“, sagt Bill Stone, Chief Investment Officer bei Glenview Trust. „Die Bewertung ist keineswegs überzogen, gerade im Vergleich zu anderen Wachstumswerten.“

Palantir als Gegenbeispiel

Ein Blick auf Palantir Technologies zeigt die Kehrseite: Die Aktie des Datenanalyse-Spezialisten hat in den vergangenen zwölf Monaten um 421 Prozent zugelegt und ist damit Spitzenreiter im Nasdaq 100 sowie im S&P 500. Auch Palantir wird für das kommende Jahr ein Umsatzwachstum in ähnlicher Größenordnung wie Nvidia zugetraut – doch die Aktie wird zum 200-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, die höchste Bewertung im gesamten S&P 500.

Zum Vergleich: Würde Nvidia – mit einem Börsenwert von 4,4 Billionen US-Dollar – das gleiche Bewertungsniveau wie Palantir erreichen, läge die Marktkapitalisierung bei rund 26 Billionen Dollar. Der Aktienkurs wäre damit etwa 500 Prozent höher.

Nvidia-Aktie: Die Bewertung ist hoch - was Anlege jetzt beachten müssen
Eine Frage der Perspektive

Boom und Bust im Chipsektor

Selbst unter den wenigen Tech-Giganten sticht Nvidia mit seiner Bewertung nicht übermäßig hervor, obwohl das Unternehmen deutlich höhere Wachstumsraten verzeichnet. Andere Mitglieder der sogenannten „Magnificent Seven” wie Microsoft werden mit dem 32-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet, Apple mit dem 30-Fachen. Ihre Umsätze sollen im laufenden Geschäftsjahr nur um 14 bzw. 6 Prozent wachsen – weit weniger als bei Nvidia.

Die Historie der Halbleiterbranche, geprägt von massiven Auf- und Abschwüngen, bremst allerdings übermäßige Euphorie. In den vergangenen zwei Jahrzehnten verzeichnete der Philadelphia-Semiconductor-Index zwei Einbrüche von mehr als 45 Prozent aufgrund schwacher Nachfrage. Anleger fürchten daher, dass der aktuelle Investitionsboom in KI-Rechenzentren irgendwann abkühlt.

„Die einzige Frage ist: Wenn irgendwann alle Rechenzentren gebaut sind, kippt das Wachstum dann von explosiv auf null?“, fragt Paul Meeks, Managing Director bei Freedom Capital Markets. „Das ist die Sorge.“

Nvidias jüngste Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass dies kurzfristig unwahrscheinlich ist. CEO Jensen Huang sprach am Mittwoch von einer „immensen“ KI-Chance. Bis zum Ende des Jahrzehnts werde die Investition in KI-Infrastruktur seiner Schätzung nach auf drei bis vier Billionen Dollar steigen.

„Betrachtet man das Wachstumstempo oder das PEG-Ratio, wirkt Nvidia derzeit sogar eher günstig bewertet“, so Mark Luschini, Chefstratege bei Janney Montgomery Scott. „Das Multiple könnte sich deutlich erhöhen – vielleicht sogar bis auf 60.“

Relativ günstig bewertet

Das PEG-Verhältnis (Price/Earnings-to-Growth) wird berechnet, indem man das Kurs-Gewinn-Verhältnis durch die Gewinnwachstumsrate teilt. Ein niedriger Wert signalisiert attraktivere Bewertung. Bei Nvidia liegt der Wert aktuell bei 0,8 – der niedrigste unter den „Magnificent Seven“ und deutlich unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt von 1,5. Das war nicht immer so: 2023 stieg das KGV zeitweise über 60, kurz bevor eine Serie von Rekordergebnissen den Chip-Boom einläutete. Rückblickend war der Preis ein Schnäppchen: Seit dem damaligen Bewertungshöchststand am 18. Mai 2023 legte die Aktie mehr als 400 Prozent zu.

Ein Grund dafür ist, dass Nvidias Wachstum in den vergangenen zwei Jahren regelmäßig die Prognosen der Wall Street übertroffen hat, erklärt Richard Clode, Fondsmanager bei Janus Henderson. „Wenn man von den eigenen höheren Gewinnschätzungen überzeugt war, war Nvidias Bewertung nie wirklich herausfordernd“, so Clode. „Das gilt auch heute so.“ Angesichts der Milliardeninvestitionen von Microsoft, Meta und Alphabet in KI-Infrastruktur sieht Glenview-Manager Stone keinen Grund, warum dieser Trend in absehbarer Zeit nachlassen sollte.

„Nvidia ist der klare Marktführer – und das verdient einen Bewertungsaufschlag, zumal die Margen außergewöhnlich hoch sind“, sagt Stone. „Am Ende gibt es immer noch mehr Nachfrage als Angebot – und das ist eine komfortable Position.“

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Wenn eine einzige Aktie bald den ganzen Markt beherrscht so ist der Markt todkrank, also ALLE VERKAUFEN und den Markt 50% tiefer ausheilen lassen

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