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Überzeugende Zahlen, aber ... Nvidia-Aktie rutscht ab: Prognose trübt den KI-Boom

Nvidia-Aktie rutscht ab: Prognose trübt den KI-Boom
Grafik: ChatGPT

Die Nvidia-Aktie gerät ins Wanken: Obwohl der KI-Chipgigant einen Umsatzanstieg von mehr als 50 Prozent verzeichnete, enttäuschte er die Anleger mit einer überraschend verhaltenen Prognose für das laufende Quartal. Die technologielastigen Indizes S&P 500 und Nasdaq 100 reagierten zunächst mit Kursverlusten, konnten diese jedoch größtenteils wieder aufholen. Die Zahlen verdeutlichen: Nach Jahren rasanten Wachstums im Zuge des weltweiten KI-Booms könnte das Momentum nun ins Stocken geraten – auch, weil China ein Risikofaktor bleibt.

Nvidia: Aktie fällt – Wachstum verliert an Fahrt

Nvidia hat für das laufende Quartal nur eine verhaltene Umsatzprognose abgegeben – ein Signal, dass das atemberaubende Wachstum nach zwei Jahren des Booms bei Investitionen in künstliche Intelligenz ins Stocken geraten könnte, so ein Bericht von Bloomberg.

Das wertvollste Unternehmen der Welt rechnet im dritten Geschäftsquartal mit Erlösen von rund 54 Milliarden Dollar. Das entspricht zwar den durchschnittlichen Erwartungen der Wall Street. Manche Analysten hatten für den Zeitraum bis Oktober jedoch über 60 Milliarden Dollar vorausgesagt.

Die Prognose verstärkt die Sorge, dass das Tempo der Investitionen in KI-Systeme auf Dauer nicht durchzuhalten ist. Hinzu kommen Schwierigkeiten in China, die das Geschäft von Nvidia belasten. Zwar hat die Trump-Regierung kürzlich Exportbeschränkungen für bestimmte KI-Chips gelockert, doch eine spürbare Erholung der Umsätze in der Volksrepublik ist noch nicht abzusehen. Eine wichtige Aussage im Quartalsbericht lautet: „Das Unternehmen hat in seiner Prognose keine H20-Lieferungen nach China berücksichtigt.“

Die Nvidia-Aktie fiel am Mittwoch nach der Bekanntgabe im nachbörslichen New Yorker Handel um rund 3,3 %. Seit Jahresbeginn hatten die Titel 35% zugelegt. Der Börsenwert des Konzerns hat damit die Marke von 4 Billionen Dollar deutlich überschritten.

In einer Telefonkonferenz mit Analysten wies die Unternehmensführung den Eindruck zurück, dass das Interesse am Aufbau von KI-Infrastruktur nachlasse. Konzernchef Jensen Huang erklärte: “Die Chancen, die vor uns liegen, sind immens. Bis zum Ende des Jahrzehnts sehen wir 3 Billionen bis 4 Billionen Dollar Investitionen in KI-Infrastruktur.”

Überzeugende Zahlen, aber…

Vorweg eine erfreuliche Nachricht: Nvidia genehmigte ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 60 Milliarden Dollar. Bereits aus dem alten Programm waren Ende des zweiten Quartals noch 14,7 Milliarden Dollar übrig.

Im abgelaufenen Quartal bis zum 27. Juli stieg der Umsatz um 56% auf 46,7 Milliarden Dollar. Der Zuwachs war damit der prozentual geringste seit über zwei Jahren. Analysten hatten im Schnitt 46,2 Milliarden Dollar erwartet. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,05 Dollar, bereinigt um Sonderposten. Die Wall Street hatte 1,01 Dollar prognostiziert.

Nvidia-Aktie fällt nach gedämpfter Prognose - Umsatz stark, aber China bremst
Das Umsatzwachstum von Nvidia verlangsamt sich nach atemberaubenden Zuwächsen

Die Datacenter-Sparte, die inzwischen größer ist als jeder andere Chipkonzern, erzielte einen Umsatz von 41,1 Milliarden Dollar und lag damit leicht unter den Erwartungen von 41,3 Milliarden Dollar. Der Bereich Gaming kam auf 4,29 Milliarden Dollar und übertraf damit die Schätzungen von 3,8 Milliarden Dollar deutlich. Das Autogeschäft erreichte 586 Millionen Dollar und lag damit knapp unter den Erwartungen.

Die Ergebnisse deuten zugleich darauf hin, dass die Ausgaben großer Cloud-Betreiber “am Rand unter Druck geraten könnten, wenn kurzfristige Erträge aus KI-Anwendungen schwerer zu beziffern bleiben”, schrieb Emarketer-Analyst Jacob Bourne.

China als Risikofaktor

Nvidia leidet weiterhin unter den Spannungen im Technologiekrieg zwischen den USA und China. Im April hatte die Trump-Administration die Ausfuhr leistungsfähiger Datacenter-Prozessoren nach China stark eingeschränkt – mit der Folge, dass Nvidia praktisch vom Markt ausgeschlossen war. Washington machte den Schritt teilweise rückgängig und erlaubte Lieferungen, sofern 15% der Erlöse an die US-Regierung fließen.

Indessen drängt Peking lokale Unternehmen, bei KI-Systemen auf amerikanische Technologie zu verzichten. Die widersprüchlichen Vorgaben machen es für die Wall Street schwer abzuschätzen, welchen Umsatz Nvidia in China künftig erzielen kann. Manche Analysten rechnen mit Milliardenbeträgen, andere wollen keine Prognosen machen, bis Klarheit herrscht.

Vor Veröffentlichung der Zahlen waren die Schätzungen für den Nvidia-Umsatz im dritten Quartal um 15 Milliarden Dollar auseinandergegangen – eine der größten Spannen in der Firmengeschichte.

Im zweiten Quartal erzielte Nvidia mit seinem H20-KI-Chip bei chinesischen Kunden keine Erlöse. Im Vorquartal waren es noch rund 4 Milliarden Dollar. Auch die Prognose für das dritte Quartal enthält keine H20-Verkäufe.

Nvidia betonte, dass die US-Regierung ihre 15%-Regel für China-Umsätze noch nicht endgültig festgeschrieben habe, und wies auf rechtliche Risiken hin. In einer Pflichtmitteilung hieß es: “Jede Forderung der US-Regierung nach einem prozentualen Anteil am Umsatz könnte uns Klagen aussetzen, unsere Kosten erhöhen, unsere Wettbewerbsposition schwächen und Wettbewerbern nutzen, die nicht denselben Auflagen unterliegen.”

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    „Irgendwann ist immer Schluss“…Franz Beckenbauer auf die Frage eines Journalisten… warum er nach dem WM Gewinn 1990 .. so plötzlich aufhört…

    Nividia war in der Spitze gute 4,4 Billionen US Dollar wert….wollte der Wert sich nur verdoppeln.. so müssten weitere 4,4 Billionen Dollar in die Aktie fließen…dann 8,8 Billionen usw…der Aktienmarkt ist endlich..
    Selbst wenn man unterstellt ..das viel über Optionen hoch gedrückt wird..im Realhandel müssen die Kurse über kurz oder lang bestätigt werden…
    Das Gleiche gilt für die anderen Werte wie zum Beispiel den S&P500…hier müssten knapp 55 Billionen US-Dollar in den Indizes neu fließen wenn eine weitere Verdoppelung angestrebt wird!
    Er hat sich ja schon fast verzehnfacht von der Finanzkrise bis heute…!
    Wo soll das Geld denn herkommen…? 55 Billionen US-Dollar..?
    Der Zyklus läuft seit dem März des Jahres 2009 ! Es ist der zweitlängste der Geschichte der Börse. Nur der vom Oktober 82 bis März 00 ging etwas länger.
    Jedoch wurde damals von einem viel tieferen Niveau aus gestartet…850 Punkte zum Beispiel im Dow..500 Punkte im DAX..( zurück berechnet)…
    Trump versucht nun noch das Unmögliche aufzuhalten…die Blase nicht platzen zu lassen..den Zyklus zu verlängern…
    Indem er aktiv in die Märkte eingreift via Geldpolitik!
    Um nichts anderes geht’s hier als um die Verlängerung des Zyklus!

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