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Die Stunde der Wahrheit Nvidia Aktie vor Zahlen: KI sorgt für Zittern am Aktienmarkt

Nvidia Aktie vor Zahlen: KI sorgt für Zittern am Aktienmarkt
Die Hauptplatine des Supercomputers Nvidia DGX Spark. Foto: David Paul Morris/Bloomberg

Die Aktienmärkte blicken mit größter Erwartung auf den kommenden Quartalsbericht von Nvidia, der nach Börsenschluss am Mittwoch veröffentlicht wird. Inmitten eines spürbar nervöser werdenden Marktumfelds könnte die Zahlen und der Ausblick darüber entscheiden, wie die Milliardeninvestitionen in künstliche Intelligenz (KI) künftig bewertet werden – und wie die Aktie des Branchenprimus darauf reagiert.

„Dies ist ein Bericht nach dem Motto: Wie es Nvidia geht, so geht es dem Markt auch.“, betonte Scott Martin, Chief Investment Officer bei Kingsview Wealth Management, dessen Fonds sowohl Nvidia-Aktien als auch weitere Big-Tech-Werte hält. Die Aussage bringt auf den Punkt, wie stark der gesamte Aktienmarkt mittlerweile von der Entwicklung eines einzigen Unternehmens abhängt.

Wie Bloomberg berichtet, rechnen Analysten damit, dass der Chipkonzern im dritten Fiskalquartal sowohl den Nettogewinn als auch den Umsatz um jeweils mehr als 50 Prozent steigern konnte. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem die nahezu ungebremste Investitionsbereitschaft der Tech-Giganten Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta. Diese vier Unternehmen – zusammen für über 40 Prozent des Nvidia-Umsatzes verantwortlich – sollen ihre kombinierten KI-Ausgaben in den kommenden zwölf Monaten laut Bloomberg-Daten um 34 Prozent auf rund 440 Milliarden US-Dollar erhöhen.

Doch diese Zahlen stehen auch unter Vorbehalt. Besonders der zunehmend unter Druck stehende KI-Konzern OpenAI könnte gezwungen sein, seine Investitionen zurückzufahren – mit entsprechenden Folgen für Nvidia.

„Diese Player haben die Erwartungslatte immer weiter angehoben. Jetzt müssen sie nicht nur die Zahlen liefern, sondern die steigenden Erwartungen weiter bedienen“, warnte Michael O’Rourke, Chefstratege bei Jonestrading. „Es ist ein gefährliches Spiel für börsennotierte Unternehmen.“

Nvidia: Marktunsicherheit trotz guter Fundamentaldaten

Sollten die großen Tech-Konzerne an ihren KI-Plänen festhalten, dürfte Nvidia der klare Profiteur bleiben. Das wiederum hätte direkte Auswirkungen auf den Gesamtmarkt, da die Aktie das größte Gewicht im S&P-500-Index trägt und als Zentrum des AI-Hypes gilt, der die Aktienmärkte in den vergangenen Monaten zu Rekordständen getrieben hat.

Doch seit die Nervosität rund um KI-Ausgaben steigt, ist auch die Nvidia-Aktie unter Druck geraten: Seit ihrem Hoch vor vier Wochen hat sie mehr als zwölf Prozent verloren. „Es gibt definitiv Anleger, die glauben, dass starke Zahlen und ein robuster Ausblick von Nvidia bedeuten würden, dass alles in Ordnung ist“, erklärte Martin.

Nvidia-Aktien sind nach dem Rekordhoch eingebrochen

Ein solcher positiver Quartalsbericht könnte die zuletzt angeschlagenen Anlegerstimmungen stabilisieren. Doch viele Investoren sorgen sich zunehmend über die hohen Bewertungen von KI-Aktien, über die zirkuläre Natur der KI-Finanzierung und über die gewaltigen Summen, die in KI-Infrastruktur fließen, ohne dass bisher klare monetäre Ergebnisse sichtbar sind. Diese Sorgen belasteten zuletzt sowohl Tech-Aktien als auch den Gesamtmarkt – der S&P 500 verzeichnete seine schwächste Vier-Tage-Serie seit April.

Trotz der jüngsten Schwächephase liegt die Nvidia-Aktie seit Jahresbeginn noch immer rund 35 Prozent im Plus – mehr als doppelt so viel wie der Nasdaq-100-Index. Gleichzeitig erscheint die Bewertung des Unternehmens inzwischen moderater: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 29 liegt unter dem historischen Zehnjahresdurchschnitt von 35 und nur leicht über dem Multiple des Nasdaq-100 von etwa 26. „Nvidia bei 30 wirkt keineswegs unvernünftig, wenn man das Wachstum bedenkt“, sagte Martin.

Erwartungen an Blackwell und die Bedeutung des Ausblicks

Im Fokus des Quartalsberichts stehen vor allem die Blackwell-Chips, die die nächste Wachstumsphase von Nvidia einläuten sollen. Entscheidend werden zudem die Margen sein – insbesondere im Datacenter-Geschäft, das im zweiten Quartal für nahezu 90 Prozent der Umsätze verantwortlich war. Wie bei vielen KI-Aktien dürfte aber der Ausblick letztlich den Ausschlag geben.

„Wir erwarten, dass sie ein ziemlich solides Zahlenwerk vorlegen“, sagte Jake Seltz, Portfoliomanager bei Allspring Global Investments, einem Großinvestor der Nvidia-Aktie. Das Augenmerk liege besonders auf der Umsatzprognose für das kommende Quartal, die wahrscheinlich über den Markterwartungen liegen werde. „Es ist jedoch schwer zu sagen, ob sie einen konservativen Ausblick herausgeben werden“, sagte er.

Mittelfristig prognostizieren Analysten jedoch eine nachlassende Dynamik: Für das Geschäftsjahr 2026 wird ein Umsatzwachstum von knapp 60 Prozent erwartet, für 2027 rund 41 Prozent und für 2028 noch 22 Prozent.

Nvidia-Aktie im Fokus der Aktienmärkte - Hält der KI-Boom an?
Das explosive Umsatzwachstum von Nvidia dürfte sich verlangsamen

Hedgefonds reduzieren Positionen

Doch auch starke Zahlen könnten kurzfristig nicht automatisch zu einem Kursanstieg der Aktie führen, da viele Investoren aktuell vor allem mit der Frage ringen, wie groß der adressierbare Markt für KI-Infrastruktur überhaupt ist. „Die Marktteilnehmer versuchen derzeit herauszufinden, wie groß dieser Gesamtmarkt eigentlich sein kann“, so Melissa Otto von Visible Alpha.

Zudem zeigt sich ein gemischtes Bild bei institutionellen Investoren. Peter Thiels Hedgefonds verkaufte im dritten Quartal seine gesamte Nvidia-Aktie, während auch SoftBank seine Position auflöste, um andere KI-Projekte zu finanzieren. Michael Burrys Scion Asset Management sicherte sich hingegen über Put-Optionen gegen mögliche Kursverluste ab – in der Warnung vor einer potenziellen KI-Blase.

Eine Auswertung von 13F-Filings von 909 Hedgefonds zeigt zudem eine nahezu ausgeglichene Verteilung zwischen Käufern und Verkäufern der Nvidia-Aktie. Ob die Verkäufe eher gewinnmitnehmend oder aus Skepsis gegenüber KI motiviert waren, bleibt offen.

„Nvidia war eine herausragende Aktie“, resümierte Otto. „Vielleicht ergibt es Sinn, etwas vom Tisch zu nehmen – und sich zu fragen, woher die nächste Wachstumsphase kommen soll.“

FMW/Bloomberg



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