Allgemein

China plant Export-Sperren für eigene KI-Modelle Nvidia-Chips für China: Peking lockert Verbot

Es geht um die Trainingsdaten

Nvidia auf der "We are Developers"-Messe. Foto: Finanzmarktwelt

Um im KI-Wettlauf nicht den Anschluss zu verlieren, genehmigt China den Kauf limitierter Nvidia H200-Prozessoren für Alibaba, ByteDance und DeepSeek. Doch der Deal hat ein Limit.


Werbung
70 %+ Trefferquote bei Silberinvestitionen, jetzt 11 % Gewinn in 2 Tagen.

Nvidia-Chips für China: Peking lockert Verbot

Seinen führenden KI-Unternehmen will China den Kauf einer begrenzten Anzahl von Nvidia-Hochleistungschips wieder gestatten. Die chinesischen Behörden haben den Konzernen Alibaba, ByteDance und DeepSeek bereits in den vergangenen Wochen mitgeteilt, dass sie bald die Erlaubnis zum Kauf einiger H200-Chips von Nvidia erhalten könnten.

Damit vollzieht Peking eine Kehrtwende von seiner bisherigen Linie, keine hochwertigen ausländischen Chips ins Land zu lassen. US-Präsident Donald Trump hatte Ende Dezember den Verkauf unter strengen Auflagen bereits genehmigt.

Peking rationiert Nvidia H200


Werbung



Chinesische KI-Firmen haben mehr als zwei Millionen H200-Chips geordert, davon will Peking nach aktuellem Stand weniger als 200.000 Stück genehmigen. Auch Washington hätte mehr zugelassen, denn die US-Lizenzen erlauben bis zu 75.000 Chips je genehmigtem Unternehmen, zusammen rund 750.000 Einheiten. Dazu kommt die von der Trump-Regierung verhängte Abgabe von 25 Prozent, die den Endpreis in China auf mehr als 35.000 US-Dollar je Chip verteuert. Bis in den Mai hinein war zudem trotz beiderseitiger Genehmigungen kein einziger H200 auf legalem Weg nach China gelangt.
Die H200-Prozessoren dürfen ausschließlich für das Training von KI-Modellen mit öffentlich zugänglichen Daten eingesetzt werden. Der Produktivbetrieb der fertigen Modelle, die sogenannte Inferenz, muss auf Huaweis Ascend-Chips laufen. Dort fallen die sensiblen Kundendaten an, und dort entsteht der laufende Umsatz. Antragsteller müssen außerdem dokumentieren, dass heimische Alternativen nicht ausreichen.

Schwarzmarkt, Auslandstraining, Importe: Huawei braucht Zeit

Weil die eigenen Chips das Training der leistungsstärksten Modelle bislang nicht stemmen, bleibt Peking vorerst nur die dosierte Zulassung amerikanischer Hardware. Die Freigabe soll ein Zeitfenster schaffen, in dem die chinesischen Chip-Hersteller aufholen, so der Analyst Zhou Chao vom Pekinger Beratungshaus Anbound. Sobald der Ascend oder ein Nachfolger das Trainingsniveau erreicht, entfällt der Grund für die Einfuhr.

Um die Leistungslücke je Chip zu schließen, verfolgt Huawei den Ansatz, seine Ascend 910C-Chips hintereinanderzuschalten, um so die Arbeit eines einzelnen Nvidia-Blackwell zu übernehmen. Allerdings stößt das an physikalische Grenzen. Denn die Huawei-Chips, die im 7-Nanometer-Verfahren gefertigt werden, verbrauchen bei gleicher Rechenleistung mehr Strom und erzeugen mehr Wärme. Damit ist die im Rechenzentrum unterzubringende Chipzahl begrenzt. Zudem wächst der Aufwand für ihre Koordination. Ebenso muss die Software in den Rechenzentren teuer umgerüstet werden, denn die Huawei-Chips laufen nicht unter dem Industrie-Standard CUDA. All diese Teilaspekte verteuern den Umstieg auf den heimischen Standard.

Was aber noch wichtiger ist, sie schließen die Lücke zu den westlichen Konkurrenten nicht. Gemessen an der Rechenleistung liefern die einheimischen Chips nur rund ein Drittel des aktuellen Blackwell, der seinerseits bereits eine volle Architekturgeneration über den jetzt importierten H200 steht. Mit der angekündigten Rubin-Architektur wächst dieser Abstand auf zwei volle Generationen.

Insgesamt liegen die chinesischen Modelle etwa 7 Monate hinter den führenden westlichen Konkurrenten. Neben den legalen Wegen, die Ascend-Chips hintereinanderzuschalten, haben sich noch zwei andere Alternativen etabliert, den Rückstand aufzuholen. Zum einen hat sich ein lukrativer Schwarzmarkt für die jetzigen Nvidia-Chips etabliert, die vor allem über Singapur und Hongkong nach Festland-China eingeführt werden oder die chinesischen Firmen trainieren ihre Modelle in Malaysia und Singapur.

China plant Export-Sperren für eigene KI-Modelle

Nachdem Washington den Zugang zu den neuesten Frontier-Modellen wie ChatGPT-5.6 oder Anthropic Mythos kontrolliert, beginnt die chinesische Seite eine ähnliche Gegenbewegung. Das Handelsministerium berät mit Alibaba, ByteDance, DeepSeek und dem Startup Z.ai über Beschränkungen für den Zugang zu chinesischen KI-Modellen für Ausländer, auch für frei herunterladbare Systeme wie das nach eigenen Angaben meistgenutzte offene Modellreihe der Welt, Alibabas Qwen. Im Gespräch ist ein dreistufiges Regime, das von einer Registrierungspflicht bis zur vollständigen Abschottung der sensibelsten Systeme reicht.

Die Erlaubnis der Behörden, den H200-Chip zu importieren, unterstreicht, dass die chinesische Seite die Lücke zu westlichen Modellen nicht aus eigener Kraft schließt. Sie bleibt abhängig von leistungsfähigen Chips und die Unternehmen suchen den Zugang dazu auf die ein oder andere Weise, legal, illegal, scheißegal. Peking kann dies nur tolerieren und moderieren, indem es zulässt, dass Chips illegal ins Land kommen, die KI-Modelle im Ausland trainiert werden oder, wie jetzt, zumindest einige Halbleiter legal ins Land kommen. Das täuscht auch nicht darüber hinweg, dass einige chinesische Modelle in den Benchmarks führen. Ein exzellenter Physikstudent, der ausschließlich mit zehn Jahre alten Lehrbüchern lernt, bleibt auf dem Wissensstand von vor zehn Jahren. DeepSeek und Qwen haben bewiesen, dass China aus vorhandener Rechenleistung mehr herausholt als jeder Konkurrent. Trainiert der Westen seine nächste Modellgeneration aber auf Blackwell und Rubin, während China auf ein gedeckeltes H200-Kontingent beschränkt bleibt, bleibt die bisherige Lücke bestehen. Die chinesischen Modelle mögen günstiger und die Algorithmen besser sein, die Qualität bestimmen aber die Trainingsdaten. Und hier hängt China zurück.



Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage

Die mobile Version verlassen
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

89% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.

Place this code at the end of your tag:
Place this code at the end of your tag: