Allgemein

Technologie-Konkurrenz Nvidia-Exportverbot direkte Bedrohung für China und seine KI-Ambitionen

Nvidia China Problem GPU KI

Das Exportverbot für Nvidia-Grafikkarten ist ein echtes Problem für China und seine leistungsstarken KI-Systeme – die Branche hortet!

Chinas große Technologiekonzerne haben in den letzten Jahren die eine oder andere außergewöhnliche Leistung erbracht. Wie die Sinian Computing-Plattform von Alibaba Cloud, die einen von Google gehaltenen Rekord übertroffen hat, indem sie 1,078 Millionen Bilder pro Sekunde in Offline-Szenarien erkannt hat. Oder der Enterprise-Cloud-Service von ByteDance, der die Trainingszeiten für ein Bilderkennungsmodell von fünf auf drei Tage verkürzt hat.

Aber keine dieser Errungenschaften von Chinas mächtigsten Technologieunternehmen war ohne die leistungsstarken Grafikkarten von Nvidia Corp möglich, dem in Santa Clara ansässigen GPU-Giganten. GPUs sind Grafik Processing Units, also Grafikprozessoren oder auch schlicht und einfach – Grafikkarten. GPUs von Nvidia haben eine entscheidende Rolle bei Chinas Fortschritt in den Bereichen KI, Datenanalyse und Rechenleistung gespielt.

Seitdem die US-Regierung nun vor einem Monat entschieden hat, Nvidia durch ein Verbot daran zu hindern, seine fortschrittlichsten Chips, den A100 und den kommenden H100, an chinesische Kunden zu verkaufen, wird die Nervosität in der KI-Cloud-Computing und Smart-Verhicel-Branche greifbar. Es gibt nämlich keinen unmittelbaren Ersatz für Nvidia-GPUs, die KI-Modelle für autonomes Fahren trainieren. Somit stellt das Exportverbot für Nvidia-Grafikkarten ein tiefgreifendes Problem für Chinas Technologiekonzerne dar, wie die South China Morning Post jüngst berichtete. Aber auch der Konzern Nvidia, der einen großen Teil seiner Umsätze mit chinesischen Kunden erzielt, steht unter Druck. Der Aktienkurs hat alleine seit Mitte August 30 Prozent verloren.

Nvidia schätzt durch Exportverbot Umsatzverlust von 400 Millionen US-Dollar für das 3.Quartal

China ist für Nvidia „ein sehr großer Markt“, wie der Gründer und CEO Jensen Huang treffend bemerkte. Die starke Positionierung im chinesischen Markt ist einer der Hauptgründe, warum Nvidia im Vergleich zu Intel etwa nach Marktkapitalisierung dreimal so hoch bewertet wird.

Das Rechenzentrumsgeschäft von Nvidia, das den Verkauf der beiden fortschrittlichen Chips umfasst, ist mit einem Umsatz von 3,8 Milliarden US-Dollar im letzten Geschäftsquartal eines der am schnellsten wachsenden Segmente mit einem starken Wachstum von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr. China als Ganzes macht bei Nvidia etwa ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Der maximale Umsatzverlust im dritten Quartal, ausgelöst durch das jüngste Verbot der US-Regierung, werde auf etwa 400 Millionen US-Dollar geschätzt, teilte das Unternehmen mit.

Nvidia will versuchen, die Auswirkungen dieses Verbots für sich und seine chinesischen Kunden zu mildern, wie zum Beispiel durch das Ersetzen der fortschrittlichen GPUs durch Produkte, die nicht den US-Lizenzanforderungen unterliegen. Denn auch für Nvidia steht viel auf dem Spiel.

Nvidia GPUs sind nicht einfach zu ersetzen, die Branche hortet

Der A100 und der kommende H100 sind ideal geeignet, um riesige, parallele Berechnungsthreads zu bearbeiten, das macht sie so perfekt für maschinelles Lernen und Deep-Learning-KI-Modelle. Im Vergleich zu den Mehrkern-CPUs von Intel und AMD verwenden die GPUs von Nvidia nämlich Tausende von Kernen (eine Erklärung zu Mehrkernprozessoren finden sie hier).

Die SCMP zitiert hierzu einen hohen chinesischen Manager aus anonymer Quelle: „Die meisten Cloud-Service-Provider in China verwenden Nvidia-Chips in ihren GPU-basierten Produkten. Wenn diese Hardware nicht nach China geliefert werden darf, werden GPU-basierte Cloud-Ressourcen knapp und die Auswirkungen werden enorm sein.“

Sowohl Alibaba Cloud als auch Baidu Cloud haben beispielsweise A100-Chips in große Teile ihrer Cloud-Infrastruktur integriert, um GPU-basierte Cloud-Angebote zu unterstützen. Alibaba besitzt übrigens die South China Morning Post. Laut einem kürzlich veröffentlichten Reuters-Bericht, der auf Ausschreibungsunterlagen der Regierung basiert, wurde Nvidias A100-Chip auch von einigen der strategisch wichtigsten Forschungsinstitute Chinas wie der Tsinghua-Universität und dem Institut für Computertechnologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) gekauft.

He Xiaopeng, Gründer von Xpeng, einem der größten Hersteller von Elektrofahrzeugen in China, kommentierte auf seinem Social-Media-Account, dass das Nvidia-Chip-Verbot eine schlechte Nachricht für das Cloud-basierte autonome Fahrtraining wäre, aber Xpeng nicht zu sehr beeinträchtigen würde, da es bereits die fortschrittlichen Chips gekauft hat, die es in ausreichender Menge für die kommenden Jahre benötigt.

Ein in Shanghai ansässiger Vertriebsleiter bei VSTECS Holdings, Chinas zweitgrößtem Telekommunikationsausrüster und Cloud-Service-Distributor, sagte, dass alle chinesischen Kunden mit der Bevorratung betroffener Chips beginnen würden, bevor das Verbot offiziell in Kraft tritt. Nvidia betont, dass es bis September 2023 weiterhin KI-Chips von seinem Werk in Hongkong aus versenden kann.

Die Folgen des Verbotes könnten für China gravierend sein – Beispiel Huawei Technologies

Die US-Handelsbeschränkungen für den chinesischen Telekommunikationsriesen Huawei Technologies, der nun keinen Zugang mehr zu den fortschrittlichen Chips hat, haben sein vormals lukratives Smartphone-Geschäft stark beeinträchtigt. Die neuesten Mate 50-Smartphone-Modelle unterstützen nicht einmal 5G-Funktionen, obwohl Huawei seit Jahren der Marktführer für 5G-Netzwerkgeräte ist. Wie tiefgreifend die Auswirkungen des neuen Verbots auch auf nachgelagerte Produktionen in China seien werden, lässt sich schwer abschätzen.

Eines jedoch ist zumindest sicher: Das Exportverbot wird Chinas Bestreben, in der Halbleiterindustrie unabhängig zu werden, noch weiter anfeuern. Aber: Obwohl SMIC, Chinas größter Chiphersteller, trotz Sanktionen und veralteter Produktionsmaschinen einen technologischen Durchbruch bei der Herstellung von 7-Nanometer Transistoren erzielen konnte, gibt es aktuell keinen chinesischen GPU-Hersteller, der nur annähernd an die Leistungen von Nvidia herankommt.

Lu Jianping, Chief Technology Officer bei Iluvator mit Sitz in Shanghai, einem der führenden GPU-Hersteller des Landes, wurde letzte Woche vom Economic Observer mit den Worten zitiert, dass die GPU des Unternehmens immer noch weit hinter der Leistung von Nvidia zurückblieb. Lu, der zuvor für Nvidia und Samsung Electronics gearbeitet hat, sagte, der Plan seines Unternehmens sei es, fünf Prozent des Marktes abzudecken, während Nvidia 95 Prozent bedient.

Einige inländische Investoren hoffen jedoch, dass das Verbot die Entwicklung der in China produzierten GPUs beschleunigen könnte.
Ein weiteres chinesisches GPU-Unternehmen, Biren Technology, wurde 2019 vom Wall-Street-Veteranen Zhang Wen gegründet und ist derzeit bei Investoren sehr begehrt. Es hat laut PitchBook in den ersten 18 Monaten rund 633 Millionen US-Dollar eingesammelt. Letzten Monat brachte es eine BR100-GPU auf den Markt, von der Insider behaupten, dass sie Weltrekorde für Rechenleistung brechen kann. Das Produkt muss aber noch vom Markt getestet werden. Die online-Fachzeitschrift pcgameshardware.de schreibt über die neue Grafikkarte: „Biren Technology hat eine Allzweck-GPU vorgestellt, die in ihrer rohen Rechenleistung Nvidias A100 schlagen soll und im 7-nm-Prozess gefertigt wird. Die Grafikkarte ist mit 64 GiB HBM2e-Speicher ausgestattet und nur im OAM-Formfaktor erhältlich. Erst Nvidias H100 soll die chinesische Grafikkarte deutlich schlagen.“

Nvidia-GPUs nicht einfach zu kopieren

„Es wird ein langer Weg sein, selbst für Biren Technology, Nvidia-GPUs zu ersetzen“, wie Sravan Kundojjala, Senior Analyst bei Strategy Analytics anmerkt. „Chinesische GPU-Start-ups passen nicht zu Nvidia und AMD. Selbst ein erfahrener GPU-Player wie AMD hat Schwierigkeiten, mit Nvidia in Rechenzentren zu konkurrieren.“

Einer der Hauptvorteile von Nvidia ist die einheitliche Gerätearchitektur und ein paralleles Programmiermodell, mit dessen Entwicklung das Unternehmen bereits 2006 begann. Es wurde von Entwicklern als einfache Möglichkeit zur Beschleunigung rechenintensiver Anwendungen weitgehend übernommen, sagte Kundojjala. „Daher müssen diejenigen, die gegen Nvidia antreten wollen, ein ganzes Software-Ökosystem schaffen, was äußerst schwierig ist.“

Dennoch gibt es einige Investoren, die bereit sind, auf Chinas langfristige Fähigkeit zu setzen, um die Abhängigkeit von Konzernen wie Nvidia abzuschütteln.

Zwei Tage nachdem Nvidia das geplante Exportverbot der US-Regierung bestätigt hatte, erhielt eine Führungskraft eines in Shanghai ansässigen GPU-Start-ups einen Anruf von einem bestehenden Investor, der mehr Geld in das Unternehmen stecken wollte. Wie lange werden chinesische Technologiekonzerne brauchen, bis sie auch wie bei der Microchipproduktion einen technologischen Durchbruch erzielen werden?

Wie verhält sich die Nvidia-Aktie im aktuell schwachen Börsenumfeld?

Die Nvidia-Aktie bereitet ihren Aktionären aktuell überhaupt keine Freude. Die Aktie liegt auf Jahressicht 55 Prozent im Minus, der Kursverlust hat sogar in den letzten Wochen an Dynamik gewonnen. Zum Vergleich: Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) verliert zwar immerhin 20 Prozent weniger, aber mit 36 Prozent Minus auch ordentlich. Der NASDAQ 100 Index verliert im gleichen Zeitraum „nur“ 27 Prozent.

Nvidia China GPU

Kursdaten aus https://de.tradingview.com

Offenlegung gemäß § 80 WpHG zwecks möglicher Interessenkonflikte:

Der Autor dieser Veröffentlichung erklärt, dass er jederzeit in einem der genannten und analysierten bzw. kommentierten Finanzinstrumente investiert sein kann. Dadurch besteht möglicherweise ein Interessenkonflikt. Der Autor versichert jedoch, jede Analyse und jeden Marktkommentar unter Beachtung journalistischer Sorgfaltspflichten, insbesondere der Pflicht zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung sowie der erforderlichen Sachkenntnis, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit erstellt zu haben.
Diese Veröffentlichung stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. Gar nicht mehr vorstellbar.
    Meine Frau durfte um 1985 über ihre Firma keine 25 MB Festplatten in Ostblockländer verkaufen, weil diese Festplatten, soviel Erdbeschleunigung aushielten, dass damit Raketen gestartet und gelenkt werden konnten. Die Festplatten standen auf der Cocom-Liste.
    Hat aber auch nichts daran gehindert, dass die Russen sich die Festplatten selbst gebaut haben.
    China muss nun sowieso unabhängiger werden vom Westen, denn wenn Taiwan „heim ins Reich geholt wird“ werden doch sicherlich auch massive Sanktionen gegen China verhängt. Und alle deutschen Firmen brechen dann ihre Zelte in China ab?
    Oder?

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Nvidia drohen auch von anderer Seite Probleme. Nämlich von ihrem anderen Standbein, der Gamingsparte. Hier soll aufgrund des Miningbooms, der nun heuer eingebrochen ist, ein riesiger Überbestand an Ampere-Grafikchips (aktuelle Generation) bestehen, wobei jedoch nächste Woche vermutlich die neue Ada Lovelace-Generation angekündigt und ab Oktober auch verkauft wird. Dieser Überbestand soll manchen Quellen zufolge einer ganzen Jahresproduktion entsprechen, weshalb auch die Boardpartner von Nvidia (die Firmen, die Grafikkarten unter eigenen Namen mit den Nvidia-Chips verkaufen) bereits rebelliert haben sollen, denn diese wollen verständlicherweise keine neuen Grafikkarten verkaufen, wenn sie noch massig alten Bestand haben. Dazu hat nun auch einer der größten Boardpartner, nämlich EVGA angekündigt, mit Nvidia keine Geschäfte mehr machen zu wollen; wobei das kann auch andere Ursachen haben.
    Jedenfalls sucht Nvidia nun eine Strategie die neuen Grafikchips neben den Bestand der alten an den Gamer/Miner (so es solche noch gibt) zu bringen.
    Die neue Generation basiert zudem auf den 4nm-Technologie von TSMC, die sehr teuer ist. Da hat man auch schon gehört, dass Nvidia zu große Produktions- Kontingente bei TSMC gekauft hat, was das Überproduktionsproblem auch nicht lösen dürfte.
    Schlussendlich bringt auch der direkte Konkurrent AMD demnächst eine neue, möglicherweise sehr konkurrenzfähige Generation an Grafikchips heraus, die zudem aufgrund deren Basis auf der 5 bzw 6nm-Technologie von TSMC deutlich günstiger und deren Chips in Vergleich zu Nvidia auch deutlich kleiner sein dürften (ergo mehr Chips per Wafer). Allgemein wird erwartet, dass Nvidia ihre neuen Produkte ziemlich teuer positionieren muss, während AMD einen deutlichen Kostenvorteil haben dürfte.
    AMD hat ganz nebenbei auch konkurrenzfähige Data-Center-Produkte, doch dürften diese Produkte aufgrund der immensen Marktdominanz von Nvidia einen schweren Stand haben.
    Abschließend kann festgestellt werden, dass vermutlich die goldenen vom Miningboom getragenen letzten beiden Jahren von Nvidia nun von schwereren, bzw „normalen“ Zeit abgelöst werden könnten. Zumal an allen Ecken von Rezession geredet wird.

  3. Das wird die Entwicklung u.a. von neuromorphen Chips (z.B. BrainChip, GrAI Matter Labs) auf ein höheres Level katapultieren, in einigen Anwendungsgebieten gibt es da Vorteile ggü. den klassischen GPU-beschleunigten KIs.
    Hoffentlich gelingt es hier China nicht mit ähnlichen Entwicklungen die Technologieführerschaft zu erlangen, wäre dann letztendlich ein Eigentor für uns.

    Für Nvidia brechen schlechte Zeiten an, ein großer Markt bricht weg, kein Kryptomining mehr, und noch schlimmer, die ganzen Hochleistungsgrafikkarten der ehemaligen Miner überschwemmen den Second-Hand-Markt, d.h. noch weniger Umsatz für neue Ware.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage