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Mega-Event für Techaktien Nvidia nach Quartalszahlen: Analystin und Portfoliomanager mit Einordnung

Nvidia hat tolle Zahlen gemeldet. Die Mega-Euphorie bleibt aus. Wir zeigen aktuelle Aussagen einer Analystin und eines Portfoliomanagers.

Nvidia CEO Jensen Huang
Nvidia CEO Jensen Huang. Foto: Bridget Bennett/Bloomberg

Nvidia hat heute Nacht Quartalszahlen gemeldet, die über den Erwartungen lagen, wie auch der Ausblick. Aber das war nicht gut genug, Flüsterschätzungen für den Jahresausblick wurden nicht ganz erreicht. Auch Sorgen von Anlegern in Sachen Speicherchips und China belasten. Nach +4 % in der Aktie direkt nach der Meldung sehen wir heute Vormittag noch ein Plus von 1,3 %. Was wird heute im offiziellen US-Handel überwiegen? Freude über eine rundum gute Meldung, oder doch wieder die Sorgen der KI-Kritiker, die seit Wochen im Markt kursieren? Hier zeigen wir zwei aktuelle Aussagen, einmal eine Analystin, einmal ein Portfoliomanager.

Nvidia: Analystin über Licht und Schatten

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst beim Broker Swissquote, schrieb heute früh: Es war keine Überraschung, dass Nvidia erneut spektakuläre Ergebnisse vorlegte, als man gestern nach Börsenschluss in den USA seine Zahlen für das vierte Quartal veröffentlichte. Das Unternehmen erzielte einen Umsatz von 68,1 Milliarden US-Dollar, 73 % mehr als im Vorjahreszeitraum, wobei 90 % davon aus dem Bereich Rechenzentren stammten. Der Nettogewinn hat sich fast verdoppelt und die Bruttomarge verbesserte sich auf 75 % – alles deutlich besser als von Analysten erwartet.

Auf die Befürchtung angesprochen, dass Googles TPUs – die für KI-Inferenz entwickelt wurden und weitaus energieeffizienter und kostengünstiger sind als die von Nvidia – seinem Unternehmen Geschäfte wegnehmen könnten, erklärte Jensen Huang, dass sein Unternehmen „derzeit der König der Inferenz“ sei und dass die Plattformen Blackwell und Vera Rubin der nächsten Generation „diese Führungsposition weiter ausbauen werden“. Er fügte hinzu, dass die Einführung von KI-Agenten rasant zunehme. Auch wenn seine Worte übertrieben klingen mögen, hat Huang seine Versprechen in den letzten drei Jahren konsequent eingehalten.

Mit Blick auf die Zukunft prognostizierte Nvidia für das erste Quartal einen Umsatz von 78 Milliarden US-Dollar, was deutlich über der Prognose der Aktienanalysten von 73 Milliarden US-Dollar liegt. Kurz gesagt: Die Ergebnisse waren großartig, die Prognose war großartig, die Leitlinien waren großartig. Unter der Oberfläche verringerte sich auch die Kluft zwischen Umsatz und Cashflow deutlich.

Nvidia stieg im nachbörslichen Handel um 3 % und dürfte bei Börsenöffnung die Marke von 200 USD in Angriff nehmen. Wenn diese Reaktion angesichts der starken Ergebnisse bescheiden erscheint, dann liegt das daran, dass wichtige Bedenken bestehen bleiben: Das Coastal Journal, das zuvor die Lücke zwischen den Einnahmen und dem Cashflow von Nvidia hervorgehoben und dessen Bilanzierungspraktiken mit denen von Enron verglichen hatte, wies erneut darauf hin, dass 36 % der Einnahmen von Nvidia mittlerweile von zwei Großkunden stammen. Diese Kunden, die nicht namentlich genannt werden, gehören wahrscheinlich zu denen, die ihre Bilanzen mit Krediten hebeln, um diese Käufe zu tätigen, was Investoren zunehmend missfällt.

Obwohl Nvidia also erneut ein Rekordquartal vorgelegt hat, belebt dies die globale Risikobereitschaft nicht vollständig. SoftBank erholte sich heute Morgen in Japan um fast 4 %, aber die Nasdaq-Futures tendieren nach unten und liegen hinter den wichtigsten US- und europäischen Konkurrenten zurück. Nvidia kann sich zwar über Wasser halten, aber es kann möglicherweise nicht mehr allein die globale Risikobereitschaft ankurbeln.

Portfoliomanager mit aktuellem Kommentar über Nvidia

Tony Wang, Portfolio Manager bei T. Rowe Price, kommentiert aktuell zu Nvidia wie folgt: Der Markt sieht den Einsatz von KI, angetrieben durch Claude und die KI- und Agenten-Systeme von OpenAI, wahrscheinlich als nächsten Schritt für Nvidia. Die Idee, dass natürliche Sprache zur nächsten Programmiersprache wird, ist bereits Realität. Anstelle der traditionellen Programmierung können Menschen einfach beschreiben, was sie wollen, und KI-Systeme können dies ausführen. Das öffnet die Tür für mehr autonome Agenten, die für einen höheren ROI eingesetzt werden können.

Ein zentrales Thema ist das ROI-positive Token-Flywheel. Ingenieure sagen, dass Tools wie Claude mit nur 1 bis 2 Dollar an Tokens Stunden an Arbeit einsparen können. Wenn der Produktivitätsvorteil so deutlich ist, kann die Nutzung schnell skaliert werden.

Eine stärkere Nachfrage nach Inferenz, d. h. die Rechenleistung, die bei der aktiven Nutzung von KI erforderlich ist, könnte das Wachstum der KI verlängern und eine anhaltende Outperformance unterstützen. Hier verschärft sich der Wettbewerb, da TPUs und andere kundenspezifische Siliziumchips auf den Markt kommen, sodass die Gesamtwachstumsraten und die Gesamtnachfrage nach Systemen eine wichtige Rolle spielen werden.

Gleichzeitig werden KI-Systeme immer größer und komplexer, insbesondere im Bereich Speicher und optische Komponenten. Wie Nvidia diese steigenden Systemkosten bewältigt und gleichzeitig die Bruttomargen schützt, wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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