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Aktienmärkte vor kritischer Phase Nvidia strauchelt: Steht nun die Rally der KI-Aktien vor dem Aus?

Nvidia GTC (GPU Technology Conference). Foto: Bloomberg

Trotz der außerordentlich starken Quartalszahlen von Nvidia hat sich an der Nervosität der Anleger rund um die Bewertung von KI-Aktien wenig geändert. Die Aktienmärkte hatten gehofft, dass beeindruckende Ergebnisse des Chipriesen Spekulationen über eine mögliche Blase im Bereich künstlicher Intelligenz entschärfen würden. Doch genau das trat nicht ein – und so stellt sich zunehmend die Frage, wo der große KI-Trade aktuell steht. Die Antwort hängt maßgeblich davon ab, wen man fragt.

Was wird nun aus KI-Aktien?

Wie Bloomberg berichtet, warnen die bärischen Investoren vor überzogenen Bewertungen, die aus einer Jagd nach Wachstum innerhalb einer kleinen Gruppe von Unternehmen entstehen, die stark von der KI-Euphorie profitieren. Die immensen Investitionen in Milliardenhöhe, die nötig sind, um im Rennen nach KI-Marktanteilen zu bleiben, erscheinen ihnen langfristig kaum tragfähig. Besonders kritisch sehen sie, dass viele Konzerne mittlerweile Schulden aufnehmen müssen, um die hohen Ausgaben zu finanzieren. Die zirkuläre Natur solcher Finanzierungsmodelle sei zudem ein systemisches Risiko – ein schwächerer Player könne unter Umständen die gesamte KI-Wette ins Wanken bringen.

Die bullische Seite dagegen sieht in der jüngsten Kurskorrektur von KI-Aktien lediglich einen gesunden Rücksetzer innerhalb eines intakten langfristigen Aufwärtstrends. Für sie stehen die großen Tech-Konzerne wie Microsoft, Amazon, Meta oder Alphabet erst am Anfang ihrer KI-Investitionszyklen. Angesichts weiterhin hoher Nachfrage und eines regulativen Umfelds, das Wachstumsimpulse nicht ausbremst, erwarten sie eine Fortsetzung des KI-Booms. „Es gibt sicherlich eine Spaltung“, sagte Dec Mullarkey, Managing Director bei SLC Management. „Wir hatten einen so langen Bullenmarkt, die Bewertungen sind überdehnt, also ist die Angst vor einem KI-Crash hoch. Aber dann gibt es die andere Gruppe, die auf Stimulus setzt – Fed-Zinssenkungen, weniger Regulierung, mehr M&A und steigende IPO-Aktivität.“

Aktienmärkte unter Druck - KI-Aktien fallen von ihren Höchstständen
KI-Aktien fallen von ihren Höchstständen

Volatilität an den Aktienmärkten

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Diese Unsicherheit zeigte sich deutlich in der extremen Volatilität an den Aktienmärkten nach dem jüngsten Quartalsbericht von Nvidia. Die Aktie sprang zunächst um mehr als fünf Prozent, ehe sie in den roten Bereich drehte und den Tag mit einem Minus von 3,2 Prozent beendete. S&P 500 und Nasdaq 100 folgten demselben Muster: starke Eröffnung, dann ein abruptes Abrutschen in die Verlustzone – das stärkste Intraday-Reversal seit dem April-Einbruch. „Wir sahen am Freitag eine erste Erleichterungsrally, doch nun fragen die Anleger: Wie steht es um den Energiebedarf, wie um die Margen, wie um den ROI?“, erklärte Natalie Hwang von Apeira Capital Advisors. „Erleichterungsrallys halten nicht, solange die offenen Fragen unbeantwortet bleiben.“

Während sich die Aktienmärkte am Freitag leicht fingen, bleibt die Skepsis tief verwurzelt. Immer mehr Anleger fürchten, dass KI-Aktien vor einer Blase stehen – sichtbare Warnsignale seien unter anderem extrem hohe Bewertungen, verschachtelte Finanzierungskonstrukte, steigende Schuldenlasten und überzogene Wachstumsfantasien, insbesondere bei privaten Unternehmen wie OpenAI.

Hohe Ausgaben, unklarer Nutzen

Die starken Zahlen von Nvidia waren wenig überraschend, da die Investitionspläne der wichtigsten Kunden – Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet – seit Monaten bekannt sind. Zusammen machen diese Konzerne mehr als 40 Prozent von Nvidias Umsatz aus und werden ihre gemeinsamen Investitionsausgaben laut Bloomberg-Daten in den nächsten zwölf Monaten um 34 Prozent auf 440 Milliarden US-Dollar erhöhen. „Das Quartal war außergewöhnlich, sagte Daniel Pilling von Sands Capital. „Der Ausblick lag um 5 Prozent über den Erwartungen.““

Für andere Halbleiterfirmen sind diese Zahlen jedoch kaum ein Trost. Ein Index von Chip-Werten liegt im November elf Prozent im Minus und steuert auf den schlechtesten Monat seit 2022 zu. AMD und Arm etwa verloren über 20 Prozent. Auch spezialisierte Firmen wie Sandisk, deren Aktie im Jahresverlauf zeitweise um fast 700 Prozent gestiegen war, erleben scharfe Rücksetzer.

Zunehmend rückt die entscheidende Frage in den Fokus: Wann werden all diese gigantischen Investitionen zu realem Wachstum und steigender Profitabilität führen? Mark Luschini von Janney Montgomery Scott betont: „Es kann ein oder zwei Quartale dauern, bis wir Belege sehen. Solange diese Frage im Hintergrund schwelt, bedroht sie den optimistischen KI-Trade.“

Wachsende Risse im KI-Narrativ

Auch wenn der Bericht von Nvidia kurzfristig beruhigend wirkte, beseitigte er die Zweifel am Ausgabeverhalten vieler Tech-Konzerne nicht. Kevin Cook von Zacks Research sieht vor allem bei Meta und Microsoft wachsende Probleme. Seit ihren jüngsten Zahlen Ende Oktober hat Meta 21 Prozent verloren, Microsoft 13 Prozent – vor allem wegen steigender Investitionsbudgets. Besonders hart trifft es Unternehmen mit schwacher Bilanz: CoreWeave stürzte im November um 46 Prozent ab, Oracle um 24 Prozent – der größte Monatsverlust seit 2001. „Vielleicht hatten die Warner recht – Unternehmen wie Oracle und CoreWeave sind ihren Möglichkeiten vorausgeeilt, denn beide müssen enorme Summen leihen, nur um mitzumachen.“

Oracle verzeichnet größten monatlichen Rückgang seit 2001

Damit stehen Anleger vor einem geteilten Bild: die einen sehen das Glas bei KI-Aktien halb leer, die anderen halb voll. Einig sind sich beide Lager jedoch, dass die kommenden Monate mit hoher Volatilität verbunden sein werden. Wie Art Hogan von B. Riley Wealth formuliert: „Fragen zum Makrobild, Uneinigkeit über den Stand der KI-Revolution und abstürzende Kryptowährungen – all das gehört zur aktuellen Volatilität dazu.“

FWM/Bloomberg



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