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Licht und sehr viel Schatten Nvidia und die KI-Party: „Der Schornstein muss weiter rauchen“

Die Nvidia-Zahlen glänzen von A-Z. Aber nur auf den ersten Blick. Wir zeigen detaillierte Aussagen von Kritikern.

KI-Blase
Grafik: ChatGPT

„Der Schornstein muss weiter rauchen“ – die Formulierung sagt Ihnen etwas? Es muss, es soll irgendwie weitergehen. Alle wollen weiter Geld verdienen, die Party muss weiter gehen, komme was da wolle? So auch bei Nvidia. Die KI-Party war die letzten beiden Wochen eingeschlafen, immer mehr Kritiker äußerten sich über zu hohe Bewertungen der Aktien aus dem KI-Universum, und die Kreislaufwirtschaft rund um OpenAI wurde immer kritischer beäugt. Aber die Quartalszahlen von Nvidia haben gestern Abend nicht nur Anleger und Analysten überzeugt. CEO Jensen Huang setzte den Zahlen die Krone auf mit euphorischen Aussagen von ausverkauften Produkten.

Nvidia glänzt auf den ersten Blick von A-Z

Heute sehen wir, dass die Aktie 5 % ansteigt. Der ganze Aktienmarkt wird dadurch hochgezogen. Aber ist wirklich alles Eitel Sonnenschein? Zuerst die Headline-Daten: Umsatz und Gewinn lagen über den Erwartungen. Auch die Umsatzaussicht für das aktuell laufende Quartal wurde spürbar angehoben – das ist äußerst wichtig, weil Börsianer die Zukunft handeln. HIER finden Sie die Details. On Top kamen die Aussagen von Nvidia CEO Jensen Huang: „Die Blackwell-Verkäufe sind außerordentlich hoch, und Cloud-GPUs sind ausverkauft. Die Nachfrage nach Rechenleistung steigt weiter an und verstärkt sich sowohl im Bereich Training als auch im Bereich Inferenz – beide wachsen exponentiell. Wir sind in einen positiven Kreislauf der KI eingetreten. Das KI-Ökosystem wächst rasant – mit mehr neuen Herstellern von Basismodellen, mehr KI-Startups, in mehr Branchen und in mehr Ländern. KI ist überall, macht alles und das alles gleichzeitig.“ Mehr kann sich ein Anleger, der in KI-Aktien investiert ist, wohl nicht wünschen als Push für die Aktienkurse!

Kritiker treten auf den Plan

Erst einmal scheint die KI-Rally also neu entfacht zu sein. Aber seit gestern Abend, als diese wirklich tollen Daten und Aussagen veröffentlicht wurden, haben sich zahlreiche Kritiker gemeldet, die die Daten im Detail analysiert haben.

Michael Burry, der aus „The Big Short“ bekannte Star-Investor, scheint vielleicht auch sauer zu sein, dass seine Put-Wetten gegen die Nvidia-Aktie in diesem Augenblick ein Reinfall sind? Burry liefert aber auch konkrete Kritikpunkte gegen das Unternehmen. So schrieb er heute Nacht zum Thema Kreislaufwirtschaft bei Nvidia: „Jedes der unten aufgeführten Unternehmen weist verdächtige Umsatzrealisierungen auf. Die tatsächliche Grafik mit ALLEN Give-and-Take-Geschäften wäre unlesbar. Die Zukunft wird dies als Betrug betrachten, nicht als Schwungrad. Die tatsächliche Endnachfrage ist lächerlich gering. Fast alle Kunden werden von ihren Händlern finanziert. Wenn Sie innerhalb einer Stunde den Wirtschaftsprüfer von OpenAI nennen können, können Sie stolz sein“

Weiter schreibt Michael Burry: Seit Anfang 2018 erzielte Nvidia einen Nettogewinn von etwa 205 Mrd. USD und einen freien Cashflow von 188 Mrd. USD, wobei davon ausgegangen wurde, dass alle Investitionen Wachstumsinvestitionen waren. Die Aktien-basierten Vergütungen (SBC) beliefen sich auf 20,5 Mrd. USD. Das Unternehmen kaufte jedoch Aktien im Wert von 112,5 Mrd. USD zurück, und es sind 47 Millionen MEHR Aktien im Umlauf. Die tatsächlichen Kosten dieser SBC-Verwässerung beliefen sich auf 112,5 Mrd. USD, wodurch sich der Gewinn der Eigentümer um 50 % verringerte.

Der Kritiker Shanaka Anslem Perera schreibt aktuell auf X über den Großkunden OpenAI, sozusagen das Zentrum des KI-Universums: Die 500-Milliarden-Dollar-Bewertung von OpenAI hat ein Problem mit 12 Wirtschaftsprüfern. Das Unternehmen, das künstliche allgemeine Intelligenz entwickelt, wird von Fontanello, Duffield & Otake geprüft … einer Boutique-Firma mit 12 Mitarbeitern, die für gemeinnützige Organisationen konzipiert ist.

Dies ist von Bedeutung, da Michael Burry gerade die Struktur aufgedeckt hat: OpenAI meldet für 2024 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar, während Microsoft 13 Milliarden Dollar investiert. Anschließend kauft OpenAI Azure-Rechenleistung von Microsoft, das Nvidia-Chips erwirbt, wodurch beide Unternehmen ihre Umsätze in die Höhe treiben. IRS-Unterlagen bestätigen, dass es sich bis 2022 um denselben kleinen Wirtschaftsprüfer handelt, ohne dass seitdem eine öffentliche Aufwertung stattgefunden hat.

Die Zahlen sprechen für sich. Die Gewinne von Nvidia für 2025 zeigen, dass 45 % des Umsatzes an drei Hyperscaler gehen, die gleichzeitig Investoren und Kunden von OpenAI sind. Wenn man die tatsächlichen Geldflüsse abbildet, lassen sich über 85 % über diese geschlossenen Kreisläufe zurückverfolgen. Nimmt man die zirkulären Transaktionen heraus, scheint die organische Nachfrage der Endnutzer weniger als 1 % des gemeldeten Ökosystems auszumachen.

98 % der S&P-500-Unternehmen nutzen die Big Four-Wirtschaftsprüfer, gerade weil Boutique-Firmen nicht über die Kapazitäten verfügen, Betrug in großem Umfang aufzudecken. OpenAI wurde im Oktober 2025 in eine gewinnorientierte Organisation umgewandelt und umging damit vollständig die Sarbanes-Oxley-Anforderungen. Keine Aufsicht durch die SEC. Keine obligatorische unabhängige Überprüfung der Einnahmequellen.

Der X-Nutzer Amit Noam Tal schreibt heute: Nvidia hat seine Geschäftszahlen veröffentlicht, und es überrascht nicht, dass das Unternehmen erneut „die Erwartungen übertroffen” hat. Warum ist das nicht überraschend? Weil jeder, der glaubt, die wahren Risiken in den Finanzberichten von NVIDIA zu finden, einfach nicht versteht, wie die Wall Street heute funktioniert. Unternehmensgewinne sind weitgehend bedeutungslos geworden – das wahre Risiko liegt hinter den Kulissen, nämlich darin, wie „Geld geschaffen wird“ und wie der Repo-Markt tatsächlich funktioniert.

Ein einfaches Beispiel ist die xAI-SPV-Struktur von NVIDIA, die wie folgt funktioniert: Nvidia bringt einen kleinen Betrag an Startkapital ein – immer unterhalb der 20-Prozent-Schwelle, um Konsolidierungsanforderungen zu vermeiden. Die SPV nutzt dieses Eigenkapital dann über Private-Equity-Firmen und das Bankensystem. Als Sicherheit für die Hebelwirkung dienen die langfristigen Leasingverträge, die zwischen xAI und der SPV abgeschlossen wurden. Mit diesem fremdfinanzierten Kapital kauft die SPV NVDA-GPUs und generiert so eine massive außerbilanzielle Nachfrage. Nvidia verbucht diese GPU-Verkäufe sofort als Umsatz – und es überrascht nicht, dass das Unternehmen einen „Umsatzanstieg” vermeldet. Deshalb lautet die wichtige Frage nicht „Wie waren die Gewinne von NVIDIA?”. Was wirklich zählt, ist die Finanzierungskapazität und die Hebelwirkung dieser SPVs, denn genau dort entsteht das eigentliche Risiko. Mal sehen, wie lange es heute dauert, bis sich der Markt wieder auf das Wesentliche konzentriert.

Der X-Nutzer Hedgie schreibt aktuell: Nvidia hat Zahlen vorgelegt, die die Ausgaben für KI vorerst aufrechterhalten. Die über den Erwartungen liegenden Prognosen und Huangs Aussage, dass es keine Blase gibt, geben allen die Erlaubnis, weiterhin Kapital in die Infrastruktur zu investieren. Aber hier ist, was ich beobachte: Rothschild hat gerade gesagt, dass die KI-Infrastruktur 20 Cent pro ausgegebenem Dollar generiert, während die traditionelle Cloud 1,40 Dollar generiert. Amazon hat Kapazitäten für 38 Milliarden Dollar Umsatz aufgebaut, aber nur 4,6 Milliarden Dollar sind tatsächlich eingegangen. Dass Nvidia Chips im Wert von 65 Milliarden Dollar verkauft, sagt nichts darüber aus, ob die Kunden, die diese Chips kaufen, damit tatsächlich Geld verdienen. CoreWeave gibt 310 Millionen Dollar für Zinsen aus, bei einem Betriebsergebnis von 51 Millionen Dollar, und nutzt Nvidia-Chips als Sicherheit, um weitere Nvidia-Chips zu kaufen. Die Aktie von Oracle verlor 315 Milliarden Dollar durch die Wette auf OpenAI. Die Frage ist nicht, ob Nvidia Chips verkaufen kann, sondern ob das Geschäftsmodell für die Unternehmen, die sie kaufen, funktioniert. Die starken Gewinne von Nvidia halten die Party am Laufen, aber sie geben keine Antwort darauf, ob außer Nvidia noch jemand tatsächlich mit KI Geld verdient.

Der X-Nutzer The Coastal Journal schreibt: Nvidia sagt, die Nachfrage sei „außerordentlich hoch“, aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache:
Umsatz: 46,7 Mrd. USD → 57,0 Mrd. USD (+22 %). Operativer Cash Flow: 27,4 Mrd. USD → 23,8 Mrd. USD (–13 %). Wenn die Nachfrage wirklich so wahnsinnig hoch wäre, würde sich das auch in der Cashflow-Entwicklung widerspiegeln. Stattdessen steigen die Einnahmen, während der OCF sinkt – klassische Anzeichen dafür, dass die Bilanz die Geschichte aufbessert, nicht die Cashflow-Entwicklung.

Fazit

Viel Licht, aber noch sehr viel mehr Schatten beim zweiten Blick auf die Quartalszahlen! Nvidia macht vordergründig gigantische Umsätze, und das Wachstum läuft weiter. Somit kann auch die KI-Rally an der Börse womöglich erst einmal weiterlaufen. Wann und ob es zu einem KI-Crash kommt? Das kann niemand abschätzen oder vorhersehen. Aber man sollte es immer im Hinterkopf behalten: Es ist eine gigantische Kreislauf-Industrie rund um OpenAI installiert worden, und das Risiko, dass die Story in sich zusammenbricht, ist vorhanden. KI verändert die Welt – gar keine Frage. Aber die Frage ist, ob diese Chip-Aufträge, die Aufrüstung mit Rechenzentren, die Umsatzerwartungen der KI-Anbieter, nicht viel zu übertrieben sind in ihrem Tempo. Eine Korrektur, ein Crash in der Branche könnte ein reinigendes Gewitter darstellen, bevor danach ein gesunderes Wachstum realisiert wird.



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2 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Global gesehen müssen wir uns folgende Frage stellen : Wieviel Geld ist noch an der Seitenlinie vorhanden….?

    Natürlich ist jedes Wachstum endlich. Zuletzt hatte sich gezeigt, das sich oberhalb der 26253 Punkte im Nasdaq 100 ( außerbörslich erzielt ) keine weiteren Käufer fanden …die bereit waren auf dem Niveau weiter zu kaufen…

    Unabhängig davon ob ein Michael Burry short ist oder nicht…

    Natürlich passiert heute viel über Optionen und Derivate…50..60…70er Hebel heute ganz normal…

    Jedoch müssen diese Kursgewinne im Realhandel noch bestätigt werden…

    Wir hatten ab Ende Oktober bei den 6920 im S&P 500 erste Gewinnmitnahmen..ausgelöst durch Auflösungen im Derivatebereich…sogenannte Glattstellungen..
    Ob sich daraus mehr entwickelt…muss man sehen …

  2. fantastilliarden-jensen in „hochform“.

    es müssen immer weitere kunstgriffe her, um die nummer nicht sofort implodieren zu lassen. aber wie man sieht haben die pump-effekte der heizdecken-verkaufsveranstaltung (aka earning call nvidia) inzwischen eine heiße luft ventilationszeit von nicht mal mehr 24 std.

    bin gespannt wann auch retail schnallt, dass bai se dip inzwischen eine strategie mit erhöhter verbrennungsgefahr geworden ist.

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