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Nvidia hat wachsende Konkurrenz – Anleger kaufen deren Aktien

Nvidia ist nach wie vor der große Marktbeherrscher bei KI-Beschleunigern. Aber die Konkurrenz nimmt zu. Anleger sehen dort das Potenzial.

Nvidia
Foto: David Paul Morris/Bloomberg

Die Konkurrenz für Nvidia nimmt zu, und Anleger sehen die Wachstumspotenziale eben bei diesen Firmen. Die Quartalssaison ist jetzt quasi schon vorbei, aber der Mega-Konzern im KI-Universum Nvidia meldet seine Quartalszahlen erst am 20. Mai – wie üblich deutlich später als alle anderen. Kann diese Meldung einen Impuls auslösen, der die Aktie wieder zum Leben erweckt? Denn zuletzt haben Anleger KI-Aktien massiv gekauft, aber Nvidia links liegen gelassen.

Nvidia performt deutlich schwächer als andere Chipaktien

Seit Anfang April ist Nvidia immerhin noch um 14,97 % gestiegen, während der Branchenindex Philadelphia Semiconductor Index um 41 % zulegte. Broadcom legte 40,7 % zu. Die großen Gewinner unter den amerikanischen Chipaktien waren Micron mit +98 %, AMD mit +101 % und Intel mit 154 %. Und das in gerade mal fünf Wochen! Hier finden Sie unsere heutige Analyse zu einigen Chip-Highflyern.

Kursanstieg von Nvidia im Vergleich zu anderen Chipaktien seit Jahresanfang

Im ganz kurzfristigen Vergleich ist die Abweichung noch klarer zu erkennen. Seit dem 28. April ist die Nvidia-Aktie um mehr als 9 % gefallen, während der Philadelphia Semiconductor Index um mehr als 5 % gestiegen ist.

Nvidia-Aktie im Vergleich zum Branchenindex

Nvidia sieht sich zunehmender Konkurrenz gegenüber

Einerseits hat die Konkurrenz wie gesagt bereits gute Quartalszahlen gemeldet, und konnte wirklich überzeugen. Man denke an AMD und Intel. Finanzkennzahlen und die Aussichten sorgen für großen Optimismus, dass die Mega-Kunden Amazon, Meta, Alphabet und Microsoft ihre Versprechen einhalten, und noch mehr Geld in KI-Infrastruktur pumpen.

Und die Anlegergemeinde ist offensichtlich davon überzeugt, dass AMD, Intel und Broadcom verstärkt in Konkurrenz zu Nvidia treten, und Marktanteile erobern können. Das Motto von Anlegern scheint zu lauten: Wenn Nvidia den Markt zu großen Teilen dominiert, können die Konkurrenten ja quasi nur gewinnen beim Ausbau ihrer Geschäftsanteile. Nvidia´s Dominanz wird auch die die eigenen Großkunden „bedroht“. Letzte Woche gab Alphabet bekannt, dass man damit beginnen werde, seine Tensor Processing Unit (TPU)-Chips ausgewählten Kunden für den Einsatz in deren eigenen Rechenzentren anzubieten, so berichtet es Bloomberg. Amazon teilte mit, dass seine Trainium-Reihe maßgeschneiderter KI-Chips mehr als 225 Milliarden US-Dollar an Umsatzzusagen verzeichnet, und kündigte kürzlich eine Zusage in Höhe von mehreren Milliarden Dollar von Meta an, das sich selbst auf den Einsatz selbst entwickelter KI-Chips vorbereitet. Unterdessen profitiert Intel Corp. vom KI-Wachstum, und auch Qualcomm Inc. macht Fortschritte auf dem Rechenzentrumsmarkt.

Bislang gibt es kaum Anzeichen dafür, dass Nvidia gegenüber seinen Konkurrenten deutlich an Boden verliert. Der Anteil des Unternehmens am Markt für KI-Beschleuniger lag 2025 bei 86 % und blieb damit gegenüber 2024 unverändert, wie aus Daten von Bloomberg Intelligence hervorgeht. Doch die Bedrohung lässt Zweifel an den Aussichten für das langfristige Wachstum aufkommen und lässt andere Aktien relativ attraktiver erscheinen.

Analysten mit kritischen Aussagen

„Das Problem bei einem Marktanteil von praktisch 100 % ist, dass es nur eine Richtung gibt, in die es gehen kann, und es sieht ganz danach aus, als könnten diese Unternehmen ernstzunehmende Konkurrenten sein“, sagte Bill Stone, Chief Investment Officer bei Glenview Trust Company. „Wenn wir den Eindruck gewinnen, dass Nvidia Randgeschäfte verliert, dass Konkurrenten seinen Marktanteil oder seine Preisgestaltungsmacht untergraben, könnte dies die Gewinndynamik schwächen und die Aktie könnte infolgedessen nachgeben“, sagte Stone, der bei der Verwaltung von Vermögenswerten in Höhe von 18 Milliarden Dollar mitwirkt.

Natürlich boomt das Umsatzwachstum von Nvidia nach wie vor. Das für das laufende Geschäftsjahr, das im Januar endet, prognostizierte Wachstum von 70 % stellt das von anderen Megacaps erwartete Wachstum in den Schatten und würde eine Steigerung gegenüber den 65 % des Vorjahres bedeuten. Es wird jedoch erwartet, dass es sich im Geschäftsjahr 2028 auf 32 % verlangsamt, bevor es in den folgenden zwei Jahren weiter zurückgeht.

Für die Nvidia-Optimisten bleibt die Nachfrage nach KI-Prozessoren so stark, dass reichlich Umsatzwachstum zu verzeichnen ist. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft planen, in diesem Jahr bis zu 725 Milliarden US-Dollar für Investitionen auszugeben und 2027 noch deutlich mehr. Die vier Unternehmen machen laut von Bloomberg zusammengestellten Lieferkettendaten etwa 45 % von Nvidias Umsatz aus.

„Ich würde nicht sagen, dass die Wettbewerbsposition von Nvidia durch diese neuen Chips wesentlich bedroht ist, aber die Marktentwicklung bei Nvidia spiegelt wider, wie die Leute beginnen, seinen Marktanteil, seinen Wettbewerbsvorteil und seine Margen in Frage zu stellen“, sagte Clayton Allison, Portfoliomanager bei Prime Capital Financial, das über ein Vermögen von rund 40 Milliarden US-Dollar verfügt.

„Nvidia war früher die sichere Bank im Bereich KI, ist dort aber in Ungnade gefallen, während Alphabet nun der unumgängliche KI-Liebling ist“, sagte Stone von Glenview. „Ich glaube nicht, dass die neuen Chips einen fatalen Schlag bedeuten, aber sie werden es Nvidia erschweren, wieder an Schwung zu gewinnen. Ich verkaufe nicht, aber ich kaufe auch nicht bei Kursrückgängen.“

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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