Nächste Woche Mittwoch meldet Nvidia seine Quartalszahlen. So kurz vorher erlebt die Euphorie für die Chipbranche einen Rückschlag: Nvidia hat Zulieferer wie Samsung Electronics und Amkor Technology angewiesen, die Produktion rund um den speziell für China konzipierten H20-Chip einzustellen. Das schreibt das amerikanische Technologie-Portal „The Information“ unter Berufung auf nicht genannte Quellen, so Bloomberg.
Nvidia soll diese Entscheidung getroffen haben, nachdem Peking chinesische Unternehmen dazu gedrängt hatte, auf den H20 zu verzichten. Laut dem Bericht stapeln sich beim Spezialisten Amkor, der Halbleiter für Kunden wie Nvidia einbaufähig macht, derzeit halbfertige Chips. Ob es sich dabei um neu produzierte H20-Exemplare oder um Lagerbestände halbfertiger Beschleuniger handelt, ist unklar.
Amkor reagierte außerhalb der regulären Geschäftszeiten nicht auf Bloomberg-Anfragen um Stellungnahme. Ein Sprecher von Samsung wollte sich zum Thema nicht äußern. Im außerbörslichen Handel über das alternative Handelssystem Blue Ocean fiel die Nvidia-Aktie am Freitag 1,9%, wie Kok Hoong Wong von Maybank Securities berichtete. Im amerikanischen außerbörslichen Handel sehen wir aktuell ein Minus von 1,16 %.
Ein Produktionsstopp würde grundsätzliche Zweifel an der Nachfrage nach dem H20 aufwerfen. Dieser Chip ist eine abgespeckte Version von Nvidias leistungsfähigeren KI-Beschleunigern und steht in Konkurrenz zu Produkten chinesischer Hersteller wie Huawei Technologies und Cambricon Technologies. Letztere verzeichnen heute Kursanstiege von bis zu 10%, während auch andere chinesische Chip-Aktien zulegten.
Nvidia und AMD haben kürzlich die Genehmigung aus Washington erhalten, wieder einfachere KI-Chips nach China zu verkaufen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie 15% der entsprechenden Umsätze an die US-Regierung abführen – eine umstrittene und rechtlich zweifelhafte Regelung. Gleichzeitig stehen chinesische Kunden unter Druck, auf heimische Chips umzusteigen. Ziel Pekings ist es, eine unabhängige Halbleiterindustrie aufzubauen und sich von US-Technologie zu lösen.
In den vergangenen Wochen haben chinesische Behörden laut Bloomberg News verschiedene Unternehmen schriftlich gedrängt, die Nutzung der weniger fortschrittlichen Chips zu vermeiden. Vorausgegangen waren Warnungen vor angeblichen Sicherheitsrisiken beim H20, nachdem US-Behörden erwogen hatten, Chips mit besseren Ortungsfunktionen auszustatten.
Nvidia-Chef Jensen Huang sagte heute, er sei über Pekings Bedenken erstaunt gewesen, und bekräftigte, dass der H20 weder über solche Funktionen noch über Hintertüren verfüge. Nvidia stehe in Gesprächen mit Washington über eine mögliche Nachfolgeversion des H20 für den chinesischen Markt. Dies hänge jedoch von der Trump-Administration ab. Huang erörterte in Taiwan mit TSMC die kommende Chiparchitektur Rubin.
FMW/Bloomberg
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