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Schlechte Aussichten für einen steigenden Ölpreis im 2. Halbjahr dank des Irak

FMW-Redaktion

Der Ölpreis profitierte heute früh genau so wie der Goldpreis von der US-Bombardierung in Syrien. Flucht in Sicherheit und das Risiko der Verknappung des Öl-Flusses im Nahen Osten sind die Gründe für den Anstieg. Auch die Tatsache, dass vorgestern die US-Lagerbestände beim Öl nun die 13. Woche am Stück steigen, konnte den Ölpreis nicht wirklich beeindrucken. Etwas völlig anderes haben eigentlich alle Beobachter dieser Woche ignoriert. Letztes Wochenende bei einer großen Öl-Konferenz in Bagdad sagte der irakische Öl-Minister Jabar Al-Luaibi sein Land wolle einerseits natürlich die Fördermengen-Kürzung bis Ende Mai einhalten.

Andererseits wolle der Irak aber bis Ende des Jahres seine Fördermenge von aktuell 4,4 Millionen Barrels pro Tag auf 5 Millionen anheben. Der Grund dafür ist klar. Der Kampf gegen den IS verschlingt viel Geld, aber auch ohne den IS hat der Irak das Problem, dass man ohne Öl eigentlich gar keine Staatseinnahmen hat. Man munkelt von über 90% der irakischen Staatseinnahmen, die aus Ölverkäufen stammen. Anfang des Jahres sagte Al-Luaibi, dass der Irak plane fünf neue Raffinerien zu bauen. Ob das so schnell geht, sei mal dahingestellt.

Es bleibt unklar, wie genau der Irak diesen Anstieg schaffen will, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. 600.000 Barrels mehr pro Tag als aktuell, das wäre ein Desaster für die Bemühungen der Golfstaaten die Födermengen runterzubringen, zumal Libyen hochfährt, und auch die Fracker in den USA ihre Förderung ausbauen. Die OPEC-Staaten wollen Ende Mai in Wien anscheinend die Kürzung, die dann automatisch ausläuft, um vermutlich weitere sechs Monate verlängern. Damit möchte man möglichst steigenden Ölpreisen Nachdruck verleihen.

Baut der Irak als zweitgrößter Förderer innerhalb der OPEC aber ab Ende Mai seine Fördermenge so stark aus, ist die Kürzung an sich sinnlos, deren Erfolg man aufgrund von Erhöhungen durch die Fracker eh bereits in Frage gestellt werden kann. Also: Hält sich der Irak an seine jüngste Aussage, dann hält man bis Ende Mai still, weil man an seine Zusage zur Kürzung gebunden ist.

Danach wird man in den folgenden sieben Monaten die Fördermenge drastisch hochfahren. Das bedeutet, dass man bei der Verlängerung der Fördermengen-Kürzung darum bitten wird, von den Kürzungen ausgenommen zu werden, so wie es aktuell andere kleinere Teilnehmer schon tun. Damit wird der Sinn der Kürzungsanstrengungen in Frage gestellt, und zumindest tendenziell sinkt die Wahrscheinlichkeit weiter steigender Ölpreise im 2. Halbjahr.



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