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China wichtiger Faktor Öl-Angebotsüberhang oder nicht? Aussagen von Saudis und IEA

Wird das Wiederhochfahren der Wirtschaftsaktivität in China die Relation zwischen Angebot und Nachfrage bei Öl entscheidend beeinflussen? Hier zeigen wir aktuelle Aussagen von IEA und Saudi Aramco.

Grafik mit Öl-Barrels

Wird das Wiederhochfahren der chinesischen Volkswirtschaft nach monatelang harten Corona-Restriktionen die Ölnachfrage dermaßen anfachen, dass mehr Nachfrage nach Öl als Angebot auf dem Weltmarkt vorhanden ist? Oder bleibt dennoch ein Überhang auf der Angebotsseite? Wird dies den Ölpreis am Terminmarkt hoch pushen? Heute hat die Internationale Energie-Agentur (IEA) ihren Monatsbericht veröffentlicht. Bloomberg fasst daraus zusammen: Die weltweiten Ölmärkte sehen sich in diesem erste Quartal einem größeren Überschuss gegenüber als zuvor erwartet, da die Nachfrage trotz Chinas Versuch, seine Wirtschaft nach der Corona-Schließung wieder zu öffnen, weiterhin eingeschränkt ist.

Aktuelle Aussagen der IEA zum Thema Öl

Das weltweite Angebot an Öl wird den Verbrauch in den ersten drei Monaten des Jahres um etwa 1 Million Barrel pro Tag übersteigen, so die Internationale Energieagentur in ihrem Monatsbericht. Obwohl die Organisation ihre Prognosen für China nach der Lockerung der Beschränkungen leicht angehoben hat, rechnet sie dort erst im zweiten Quartal mit einem jährlichen Nachfragewachstum. „Da China ein schwieriger Winter bevorsteht, wird der Ausstieg zweifellos holprig und langwierig sein“, so die IEA. „Härten und Unterbrechungen dürften daher in nächster Zeit in dem Land vorherrschen“.

Die Ölpreise hatten einen holprigen Start ins Jahr, da Pekings Aufhebung der Beschränkungen eine neue Welle von Virusinfektionen auslöste, die die Bemühungen um eine Wiederankurbelung der Wirtschaft zum Scheitern zu bringen droht. Die Brent-Futures werden heute in der Nähe von 87 Dollar pro Barrel gehandelt.

Das Angebot nimmt auch deshalb zu, weil es Russland gelingt, den Vorhersagen zu trotzen, dass die internationalen Sanktionen seine Exporte erdrücken würden. Die Produktion des Landes lag im Dezember trotz des von der Europäischen Union verhängten Verbots konstant bei 11 Millionen Barrel pro Tag, obwohl die IEA weiterhin mit einem Einbruch in diesem Quartal rechnet.

„Eine langsame Nachfrageerholung, die für die erste Hälfte des Jahres 2023 erwartet wird, deutet auf einen fortgesetzten Aufbau der Lagerbestände hin, wie er sich im letzten Jahr abzeichnete“, so die IEA.

Bloomberg schreibt weiter: Auch OPEC-Generalsekretär Haitham Al-Ghais gab am Dienstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos einen vorsichtigen Ausblick und sagte, er sei „vorsichtig optimistisch“, was die Weltwirtschaft angehe. Angeführt von Saudi-Arabien haben die Erzeugergemeinschaft und ihre Verbündeten das Angebot eingeschränkt, um die Weltmärkte im Gleichgewicht zu halten.

Die IEA sagt voraus, dass sich die globalen Ölmärkte in der zweiten Jahreshälfte anspannen werden, da der chinesische Verbrauch anzieht und die gegen Moskau gerichteten Sanktionen größere Auswirkungen haben. Die russische Fördermenge könnte bis Ende März um weitere 1,5 Millionen Barrel pro Tag sinken, so die IEA. „Die gut versorgte Öl-Bilanz zu Beginn des Jahres 2023 könnte sich schnell verschärfen“, so die IEA.

Der Wiederanstieg des chinesischen Verbrauchs von Öl nach dem letztjährigen Einbruch – dem ersten jährlichen Rückgang in mehr als drei Jahrzehnten – könnte die weltweiten Reservekapazitäten der Ölproduktion belasten und die Preise in die Höhe treiben, so IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol.

„Es ist möglich, dass Chinas Wirtschaft stark wächst, und wenn die chinesische Nachfrage nach Öl stark ist, würde das die Preise nach oben drücken“, sagte Birol auf dem Weltwirtschaftsforum bei Bloomberg Television. Wenn Chinas Wachstum die Erwartungen übertrifft, wird das Ölpolster sehr schnell verschwinden“, warnte er.

Goldman Sachs sieht ein „bullisches Gebräu“ für Rohstoffe – und der Hedgefondsmanager Pierre Andurand sagt Preise von bis zu 140 Dollar pro Barrel voraus. Nach Angaben der IEA wird der Weltverbrauch von Öl in diesem Jahr um 1,9 Millionen Barrel pro Tag steigen und damit einen Rekorddurchschnitt von 101,7 Millionen Barrel pro Tag erreichen. Etwa die Hälfte des Wachstums wird aus China kommen.

Saudi Aramco sieht steigende Ölnachfrage durch China und Erholung der Luftfahrt

Der weltgrößte Ölkonzern Saudi Aramco ist zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Öl in diesem Jahr stark anziehen wird, da China seine Wirtschaft wieder öffnet und der Luftfahrtmarkt sich erholt. Bloomberg dazu aktuell über die Aramco-Aussagen: „Wir sind sehr optimistisch, was die Rückkehr der Nachfrage auf den Markt angeht“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Saudi Aramco, Amin Nasser, in einem Interview. „Wir sehen erste gute Anzeichen aus China. Wir hoffen, dass sich die Wirtschaft dort in den nächsten Monaten erholen wird“.

Laut Nasser liegt die Nachfrage nach Flugzeugtreibstoff derzeit etwa 1 Million Barrel pro Tag unter dem Niveau vor der Pandemie, was etwa der Hälfte der Zahl von vor einem Jahr entspricht. „Sie zieht wieder an“, sagte er auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Ölpreise schwankten im Jahr 2022 stark. Die Rohölsorte Brent stieg nach dem russischen Angriff auf die Ukraine auf fast 130 Dollar pro Barrel, sank aber in den letzten Monaten, als sich die Konjunktur in China, den USA und Europa abschwächte.

Viele Wall-Street-Banken, darunter Goldman Sachs, erwarten, dass der Preis in der zweiten Jahreshälfte auf über 100 Dollar pro Barrel steigen wird. Sie berufen sich dabei auf eine Erholung der Weltwirtschaft bis zu diesem Zeitpunkt, niedrige Treibstoffvorräte in Ländern wie den USA, und die Möglichkeit eines Rückgangs der russischen Exporte, wenn der Westen seine Sanktionen verschärft.

Schwindende Puffer

Nasser wies erneut darauf hin, dass die Unternehmen mehr in die Ölförderung investieren müssen. Die ungenutzten Kapazitäten liegen mit 2 Millionen Barrel pro Tag nur knapp über der Gesamtnachfrage von 100 Millionen Barrel, und werden wahrscheinlich sinken, wenn China seine Coronavirus-Sperrungen beendet, sagte er. Die Welt braucht 4 bis 6 Millionen Barrel Öl pro Tag an neuer Produktion, nur um den natürlichen Rückgang der bestehenden Felder auszugleichen, so der CEO.

„Wir bewegen uns auf eine Situation zu, in der wir die Kapazitätsreserven aufbrauchen, und jede Versorgungsunterbrechung wird enorme Auswirkungen haben“, sagte er. „Wir werden uns in einer ähnlichen Situation wie bei Erdgas befinden“, sagte er, und bezog sich dabei auf den sprunghaften Anstieg der Preise für diesen Brennstoff auf umgerechnet 250 Dollar pro Barrel nach der Invasion Russlands in die Ukraine.

Das staatlich kontrollierte saudi-arabische Unternehmen geht davon aus, dass die Ölnachfrage für den Rest des Jahrzehnts weiter steigen wird, auch wenn Elektrofahrzeuge immer beliebter werden und Investoren ihr Geld in erneuerbare Energien stecken. „Das kompensiert einen Teil der Ölnachfrage“, sagte der CEO. Dennoch wird der Rohölverbrauch im Jahr 2030 „definitiv“ höher sein.

Petrochemie im Aufwind

Der zunehmende Einsatz von Petrochemikalien – Ausgangsstoffe für alles, von Kunststoffen bis hin zu Düngemitteln und Kleidung – sei positiv für Saudi Aramco, sagte er. Das Unternehmen will bis zum Ende des Jahrzehnts täglich 4 Millionen Barrel Rohöl in petrochemische Produkte umwandeln. Als Teil dieses Vorstoßes erwägt Saudi Aramco weitere Investitionen in chinesische Raffinerien und Anlagen zur Umwandlung von Flüssigkeiten in chemische Produkte, so Nasser.

„Wir sind in ernsthaften Gesprächen mit vielen Unternehmen in China“, sagte er. Letztes Jahr erklärten Aramco und seine Chemietochter Sabic, dass sie den Bau einer Raffinerie mit einer Kapazität von 320.000 Barrel pro Tag in der chinesischen Küstenstadt Gulei planen.

Verhandlungen über Wasserstoff

Saudi Aramco investiert auch Milliarden von Dollar in Wasserstoff, einen Brennstoff, der als entscheidend für den Übergang zu saubereren Energieformen gilt. Das saudische Unternehmen will blauen Wasserstoff, der durch die Umwandlung von Erdgas und die Abscheidung des dabei entstehenden Kohlendioxids hergestellt wird, ab etwa 2030 in großem Maßstab exportieren.

Die Gespräche mit potenziellen Importeuren in Japan und Südkorea schreiten voran, obwohl sie wahrscheinlich die Zusicherung finanzieller Unterstützung durch ihre Regierungen benötigen, bevor sie Lieferverträge unterzeichnen, so Nasser. „Sie glauben, dass sie es bis 2023 schaffen können“, sagte er. „We’ll see.“

Blauer Wasserstoff könnte am Ende das Äquivalent von etwa 250 Dollar pro Barrel Öl kosten, sagte Nasser, obwohl Saudi Aramco das erst nach weiteren Untersuchungen wissen wird. „Es werden nicht 80 oder 100 Dollar pro Barrel sein“, sagte er. „Das ist sauberer – es kostet mehr.

Die Verhandlungen mit den europäischen Unternehmen gestalten sich schwieriger, vor allem weil diese auf technologische Fortschritte warten wollen, um den Preis für blauen Wasserstoff zu senken. „Es ist sehr schwierig, einen Abnahmevertrag zu bekommen, besonders in Europa“, sagte Nasser.

FMW/Bloomberg



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3 Kommentare

  1. Neben Saudi Aramco-Chef Amin Nasser verweist auch der 46. US-Präsident Joseph Robinette Biden auf die Notwendigkeit von ExxonMobil hin, entsprechend in innovative Technologien für die Ölförderung zu investieren. Dies zeigt, wie wichtig ein Zusammenspiel zwischen der US-Texas-Ölindustrie und der Öl-Allianz OPEC+ für ein Gleichgewicht im Ölgeschäft ist. Der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco bekräftigt/unterstreicht die energiepolitische Agenda der Öl-Allianz OPEC+/Energiemix bestehend aus fossilem Erdöl, fossilem Erdgas, Wasserstoff, Wasserkraft, Sonnenenergie und Windenergie.

    1. Der bekräftigt alles was Geld bringt. Das sind Geschäftsleute.
      Jo Kaeser von Siemens war es auch egal ob er nur GuD Kraftwerke baut oder Windkraft. Es muss Gewinn dabei rauskommen.

      1. Antwort von ottonorma am 18.01.23 um 17.10 Uhr und mögliche weitere ähnliche hierzu als demokratisch zur Kenntnis genommen.

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