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Öl-Debakel: Inhaber von Schrottanleihen verlassen die Titanic

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Von einigen aufmerksamen Beobachtern lange vorhergesagt, beginnt genau beim Aufprall auf der 42 Dollar-Marke im Ölpreis (WTI) die Flucht von der Titanic. Wer lange Zeit seinen Spaß mit Schrottanleihen hatte, versucht sich jetzt zu retten.

Schrottanleihen Rendite USA
Grafik: BoA Merrill Lynch / Federal Reserve Bank of St. Louis

Die oben gezeigte Grafik zeigt den Renditeindex der BoA Merrill Lynch für Hochzinsanleihen. Alleine letzte Woche explodierte die Rendite um ganze 3 % auf über 16%.

Rendite explodiert

Was bedeutet das, 3% Renditeanstieg? Höhere Rendite bedeutet automatisch einen niedrigeren Anleihekurs und umgekehrt. Warum? Wenn eine Anleihe ursprünglich zu 100% verkauft wurde, und am Markt jetzt unter 100% gehandelt wird, erhöht sich die Rendite für den aktuellen Käufer, da der fest vereinbarte Zinssatz sich auf einen kleineren Kaufbetrag bezieht. Je geringer der Kurs, desto höher die Rendite für den aktuellen Käufer. Die höhere Rendite spiegelt die Risikoprämie wieder, die er erhält für das gestiegene Risiko, dass seine Anleihe nicht zurückgezahlt wird.

Der Ölpreis fällt und fällt und fällt. Die letzten Wochen wiesen wir immer wieder auf das entscheidende März-Tief bei 42 Dollar hin. Wird dies erreicht, kann Öl auf das 32 Dollar-Tief aus den Lehman-Zeiten abrutschen. Die Ölindustrie, allem voran die Fracking-Industrie in Nordamerika, pfiff schon bei 60, 50 und 45 Dollar auf dem letzten Loch. Jetzt ist man bei der magischen 42 Dollar-Marke angekommen. Was heißt das für die Inhaber der Schrottanleihen?

Ölpreis 17.08.2015

Raus aus Öl

Rette sich wer kann – wie auf der Titanic. Es gibt eben nicht genug Rettungsringe für alle. Wer zuerst verkauft, hat am wenigsten Verluste. Viele haben wohl gewartet und gehofft, dass der Ölpreis (US-Öl „West Texas Intermediate“ / WTI) nicht auf die 42 fallen würde, aber nun ist es so weit. Die mittelgroßen und kleinen Fracking-Firmen konnten sich nur auf dem Markt für Hochzinsanleihen (Schrottanleihen / Junk Bonds) Geld leihen um ihre Bohraktivitäten vor 5, 6, 7 Jahren in Gang zu bringen. Jetzt, wo sie nicht mehr defizitär, sondern so richtig defizitär arbeiten, verkaufen viele Inhaber genau die Anleihen dieser Firmen in der Angst die Firmen könnte pleite gehen – damit wären natürlich auch die Anleihen wertlos.

In den letzten Wochen jagte eine Schreckensnachricht die Nächste. Nachdem in den letzten Monaten vor allem die kleinen und mittleren Fracking-Firmen und Öl-Explorationsfirmen ihre Prognosen anpassten und Entlassungen verkündeten, sind inzwischen auch die großen Ölkonzerne gefolgt – die haben den längstem Atem, müssen aber auch vorsorgen und ihre Kosten reduzieren. Am Dramatischsten zeigt sich das Öl-Debakel bei einem der Giganten, Chevron. Der aktuelle Quartalsgewinn sank um 90%. Gut möglich, dass sogar dieser Gigant im aktuell laufenden Quartal schon defizitär arbeitet. Der Kurs von Chevron spiegelt diese Angst wieder!

Chevron

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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