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Öl: Die Märchenerzählung entlarvt sich selbst – und was das mit China zu tun hat.

Am Ölmarkt gab es eine Märchenerzählung, und die ging so: es waren einmal brave Ölproduzenten, und die hatten es schwer, weil die Menschen einfach nicht mehr so viel bezahlen wollten für das Öl..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Am Ölmarkt gab es eine Märchenerzählung, und die ging so: es waren einmal brave Ölproduzenten, und die hatten es schwer, weil die Menschen einfach nicht mehr so viel bezahlen wollten für das Öl. Aber dann gab es eine gute Fee, mit dem Namen Internationale Energie Agentur. Und diese gute Fee sagte allen: wartet nur ab, die Menschen sind bald bereit wieder höhere Preise zu bezahlen für das Öl, weil sie bald viel mehr davon brauchen. Ganz bestimmt.

Als die gute Fee das gesagt hatte, stiegen die Preise für Öl – weil die Menschen der guten Fee Glauben schenkten. Und das obwohl manche Menschen ahnten, dass die gute Fee nur eine Hoffnung aussprach – und dafür keine wirklich guten Gründe anführen konnte.

Und nun muß die gute Fee heute eingestehen: ich habe micht geirrt, meine Hoffnung war nicht berechtigt. So heißt es nämlich in dem monatlichen Bericht der Internationalen Energie Agentur kleinlaut:

„Global oil demand growth is slowing at a faster pace than initially predicted (..). Momentum eases further (..) in 2017 as underlying macroeconomic conditions remain uncertain“.

Und weiter:

“Supply will continue to outpace demand at least through the first half of next year. As for the market’s return to balance – it looks like we may have to wait a while longer.”

Nun müssen wir also doch noch weiter warten auf die Ausbalancierung – bis tief ins Jahr 2017, wenn überhaupt. Da werden die Ölproduzenten aber traurig sein! Die IEA jedenfalls senkte ihre Prognose für die globale Ölnachfrage in 2017 um 200.000 Barrel auf nun 97,3 Millionen Barrel pro Tag.

Damit bleibt das vierte Jahr in Folge der Ölmarkt überversorgt, es gibt also mehr Angebot als Nachfrage. Aber selbst wenn das Angebot und die Nachfrage ausbalanciert wären: die Lager sind weltweit nach wie vor extrem voll (mit Ausnahme der US-Lager in der letzten Woche aufgrund des Tropensturms Hermine), sodass es lange Zeit bräuchte, dieses gelagerte Angebot an den Konsumenten zu bringen.

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Bohrinsel vor Norwegen. Foto: Jarvin Jarle Vines / Wikipedia / Gemeinfrei

Aber wie sieht es mit der Nachfrage aus? Die ist laut IEA so gering wie seit zwei Jahren nicht mehr. Und das liegt vor allem an China, dem der Bericht eine „complete absence“ gestiegener Ölnachfrage konstatiert. Sprich: auch in China sind die Lager voll – man hat sich vor Monaten stark eingedeckt mit Ölimporten und braucht nun nicht mehr viel (in China selbst fällt derzeit übrigens die Öl-Produktion, vermutlich hat die Führung in Peking die einheimischen Produzenten mangels Bedarf angewiesen, weniger zu produzieren). Der IEA-Bericht spricht sogar von einer “dramatic deceleration in China and India”, dazu käme noch “vanishing growth” in den Emerging Markets.

Zu wenig Nachfrage, und auch viel zu viel Angebot. So stellt der IAE-Bericht fest, dass Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait auf oder in der Nähe von Allzeithochs Öl produzieren (weshalb natürlich die Saudis partout nicht über Produktionseinfrierungen sprechen wollen), der Irak hole stark auf. Inklusive Flüssiggas hat Saudi-Arabien nun die USA als größter Produzent wieder überholt. Die Saudis produzieren derzeit 10,6 Millionen Barrel pro Tag.

Und so schlußfolgert der IEA-Bericht:

“Demand growth is slowing and supply is rising. Consequently, stocks of oil in OECD countries are swelling to levels never seen before.”

Ach, so schade. Es war doch ein so schönes Märchen!

Aber vielleicht erzählt uns bald eine andere Fee, dass die Einfrierung der Ölproduktion doch kommen wird, ganz sicher, liebe Menschenkinder!

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