Rohstoffe

Öl: die Produzenten rechnen mit Preisverfall

Öl-Produzenten gehen von fallenden Preisen aus - das zeigen Daten der CFTC

FMW-Redaktion

Die Euphorie am Ölmarkt ist offenkundig vorbei – und das Vertrauen darauf, dass die Preise wieder steigen, offenkundig auch. Das zeigen die neuesten Daten der CFTC: demnach sank die Zahl offener Long-Kontrake um weitere 10970 Kontrakte, während 8566 neue Short-Kontrakte aufgebaut worden sind im Vergleich zur Vorwoche. Zwar sind damit immer noch mehr Lomng- als Short-Kontrakte am Markt, aber die Netto-Long-Quote ist derzeit so gering wie schon lange nicht mehr. Auch bei Benzin wurden Long-Kontrakte abgebaut, Short-Kontrake neu aufgemacht.

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Ein Fracking-Förderturm in den USA. Foto: Wikipedia / public domain

Dabei muß man wissen: es tummeln sich am Future-Markt neben Hedgefonds vor allem die Öl-Produzenten selbst. Und laut Insidern nutzen diese Produzenten jede Gelegenheit, um bei einmal wieder steigenden Preisen zu verkaufen – man kennt sich eben aus, was die derzeitige Konstellation am Ölmarkt betrifft! Und hat daher die Wetten auf fallende Preise stark ausgebaut, schon zur Absicherung. Aber schlicht auch, weil nach der langen Zeit niedriger Preise die produzierenden Öl-Firmen jede Menge Cash brauchen können: also verkaufen sie wie nie zuvor eigene Aktien oder versuchen über die Emission von Anleihen zu Geld zu kommen, um die Kredite bedienen zu können. In 2016 sind bislang 85 amerikanische Ölfirmen in die Pleite gerutscht.

Im Juni hatte die spekulativ getriebene Öl-Party ihren Hochpunkt erreicht, der Juli brachte die Wende. Trotz neuer Allzeithochs an den Aktienmärkten, die normalerwesie auch den Ölpreis unterstützen müßten, blieb der Preis für WTI und Brent weit von der 50er-Marke entfernt. Und wenn Öl nicht steigt, wenn die Aktienmärkte haussieren, der Optimismus groß und die Risikobereitschaft ausgeprägt ist, wann dann? Blickt man auf die „innere Taktung“ des Marktes, deutet sich an: sollten die US-Aktienmärkte wieder einmal Gegenwind bekommen, dürfte es für Öl besonders heftig nach unten gehen.

Also ist Absicherung, Hedging, das oberste Gebot. Da ist einerseits der Lageraufbau vieler Händler: sie hatten Öl gehortet, im Glauben, dass die Preise wieder deutlich anziehen würden. Passiert das nicht, wird die Versuchung groß sein, das Öl schnell auf den Markt zu werfen, schon um die laufenden Kosten für die Einlagerung zu deckeln. Und da sind vor allem die extrem hohen Lagerbestände für Benzin in den USA, die zu dieser Jahreszeit noch nie so hoch waren. Und die Zeit, da die Amerikaner viel Benzin verbrauchen, also die driving season, hat ihren Hochpunkt bereits überschritten, ohne dass die Lager leerer geworden wären.

Übergeordnet bleibt es also dabei: viel mehr Angebot als Nachfrage. Die erhoffte Ausbalancierung des Marktes ist bislang ausgeblieben. Und so sind es vor allem die Öl-Produzenten selbst, die sich für fallende Preise positionieren..



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