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Öl für 1,5 Dollar pro Barrel kaufen – die Realität hinter dieser echten Nachricht

FMW-Redaktion

Aktuell kursiert die Knaller-Nachricht durch so manche Medien, dass im US-Bundesstaat North Dakota, wo das größte Fracking-Fördergebiet „Bakken“ liegt, Öl für aktuell 1,5 Dollar pro Barrel verkauft wird bzw. der Produzent sogar noch 0,5 Dollar drauflegen muss um es loszuwerden. Eine tolle Nachricht, die bestimmt Aufmerksamkeit bringt. So titeln jüngst viele englischsprachige Medien (Economic Times / Oilprice.com etc) über diese merkwürdige Konstellation. Warum sollte ein Hersteller sein Öl quasi verschenken oder sogar noch Geld drauflegen?

Es handelt sich hierbei um eine sehr geringvolumige Ölsorte namens „North Dakota Sour“. Sie hat eine sehr mindere Qualität und ist daher von Raffinerien nur mit höherem Aufwand zu verarbeiten. Durch das globale Überangebot an Öl wird wohl für Abnehmer die Frage aufgekommen sein, warum man diese Sorte überhaupt noch kaufen soll. Durch diesen Effekt stürzt der Preis für diese unbedeutende Nebensorte von mehr als 40 Dollar noch im Sommer auf aktuell 1,5 Dollar, wie der Raffineriebetreiber Flint Hills Resources in einer Preisliste veröffentlichte. Kurzzeitig stand dort sogar ein Preis von -0,5 Dollar – der war laut Flint Hill aber ein Fehler, was kurz danach auf +1,5 Dollar korrigiert wurde.Sour macht im Bakken-Feld gerade mal einen Anteil von 15.000 Barrel pro Tag aus bei einer Gesamtförderung von um die 1 Mio Barrel – also eine mehr als zu vernachlässigende Nebensorte, die wohl keiner mehr haben will. Das bedeutet: Preis in den Keller!

Viel entscheidender als dieser knallige Aufmacher mit der unbedeutenden Resteverwertung des „Sour“-Öls ist diese Tatsache: Für das „normale“ North Dakota Light Sweet Crude Oil, dass de facto gleichzusetzen ist mit dem WTI, das als Haupt-Future in den USA gehandelt wird (aktuell um die 30 Dollar), werden derzeit Preise von unter 20 Dollar pro Barrel aufgerufen. Daran sieht man: Das Öl aus North Dakota bringt höhere Kosten für die Abnehmer mit sich, muss daher billiger angeboten werden. Saudi-Arabien muss einfach nur pumpen und auf Tanker umfüllen, Fracking in der Steppe von North Dakota kann da nicht mithalten. Auch die Sorte „Permian Sweet“ eines anderen großen Fracking-Gebiets in den USA notiert unter 20 Dollar. Öl aus Ölsand in Kanada notiert nur um die 10 Dollar herum, weil man hier noch weiter weg im Nirgendwo fördert mit extrem aufwendigen Verfahren um es aus dem Sand zu extrahieren.



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