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Öl und US-Dollar – ein gigantisches Problem für die Schwellenländer

Claudio Kummerfeld

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Aktuell gibt es ein Szenario an den Finanzmärkten, welches ein gigantisches Problem für die Schwellenländer darstellt. Da wäre zunächst mal die Zinswende in den USA, die schon voll in Gange ist. Die Zinsen werden von der Federal Reserve schrittweise immer weiter erhöht. Die Renditen für US-Staatsanleihen steigen somit immer weiter. Aktuell steigen sie besonders stark an auf 3,20% für die wichtigste Laufzeit von zehn Jahren (gestern noch 3,05%). Das sind gigantische Sprünge, auch wenn es von weitem betrachtet nicht so dramatisch aussieht. Aber es sind kräftige Anstiege!

Damit werden Geldanlagen in US-Staatsschulden für große institutionelle Investoren überall auf der Welt immer attraktiver, und bringen inzwischen oft mehr als Aktienanlagen. Daher wird der Geld-Sog Richtung USA immer stärker. Der US-Dollar steigt, und da sich wie üblich vor allem Schwellenländer in den letzten Jahren massiv in US-Dollar verschuldet haben, wird die laufende Rückzahlung nun immer teurer, weil man beispielsweise in Peso oder Lira immer mehr Geld auftreiben muss, um die selbe Menge US-Dollar kaufen zu können für die Bedienung der monatlichen Kreditrate.

Nicht nur der US-Dollar steigt – der Ölpreis klettert auch immer weiter

Alleine dies ist seit Monaten schon schlimm genug für die Schwellenländer. Ihr Problem wird seit Wochen noch extrem verschärft, weil parallel zum US-Dollar auch der Ölpreis immer weiter anzieht. Normalerweise tendiert Öl dazu die gegenläufige Preisentwicklung zum US-Dollar einzunehmen, weil Öl auf globaler Ebene in US-Dollar gehandelt wird. Aber nun steigen US-Dollar (orange) und Öl (schwarz) gleichzeitig an. Der folgende Chart zeigt, wie beide Kurse ab Dezember 2017 begannen fast parallel zu steigen.

Schuld sind hauptsächlich die USA mit ihrer Sanktionspolitik gegen den Iran. Und das, obwohl sich Donald Trump für seine heimischen Wähler doch so sehr billiges Benzin herbei sehnt! Nun müssen Länder wie Argentinien, Türkei etc nicht nur immer mehr Geld für Dollar-Schulden aufbringen. Sie müssen auch immer mehr für ihre Öl-Importe zahlen. Das macht viele dieser Länder doppelt fertig. Das sieht man ganz aktuell daran, dass die Inflationsrate in der Türkei bei sagenhaften 24% angekommen ist.

Für Benzin müssen die Autofahrer immer mehr bezahlen, genauso wie für alle anderen Güter, die aus dem Ausland importiert und in Dollar bezahlt werden. Und ja, die Kredite in US-Dollar – wir hatten sie schon erwähnt. Im Moment ist diese Situation ein tödlicher Cocktail für unzählige Schwellenländer. Dass die Börsen in den USA und Europa noch so gut laufen, kann man nur als Ignoranz des bevorstehenden Sturms bezeichnen. Oder liegt es an unserer falschen kleingeistigen Perspektive, aus der heraus wir völlig ignorieren, wie toll die Binnenwirtschaft in den USA doch läuft, mit all den sprudelnden Gewinnen der Konzerne?

Öl vs US-Dollar

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Altbär

    4. Oktober 2018 12:45 at 12:45

    @ C. Kummerfeld, Wenn schon die sicheren Staatsanleihen-Renditen stark steigen ist das der Todesstoss für die grösste Risikoklasse , ( meine alte Platte ) die UNTERNEHMENSANLEIHEN .
    Das wird die Firmengewinne arg strapazieren u. viele Firmen ruinieren.Gemäss kürzlichem FMW – Beitrag sind die Zinskosten nach den Lohn- u.Materialkosten der drittgrösste Kostenfaktor der Firmen.

  2. Avatar

    Reinhard

    4. Oktober 2018 12:54 at 12:54

    Guten Tag und Mahlzeit!

    Ich verfolge ihre Internetseite nun schon seit Jahren.
    Zuerst möchte ich mich bedanken für die vielen Informationen und Berichte die hier präsentiert werden. Danke dafür!

    Um ihre Schlussfrage zu beantworten, es liegt weder an der Ignorranz noch an der Kleingeistigkeit.
    Ich würde es als Ausweglosigkeit bezeichnen.
    Gaaaaanz grob gesagt. Alle sind pleite, alle haben Party gemacht, und keiner will die Zeche zahlen!
    Jeder, auch jedes Land, wälzt seine Schuldenlast auf andere. Dabei ist es vollkommen irrelevant ob jemand rechts oder links ist. Jeder meint er könne seine Luftschlösser einfach so finanzieren, zahlen wird schon wer anders.
    Und da die USA heute ungefähr da stehen wo die UDSSR Mitte/Ende der 80er stand ist, alles was passiert, eine Folge davon.
    Wie sie schrieben, die USA saugen, dem US-Dollar sei Dank, Geld aus dem Rest der Welt ab damit sie selbst nicht untergehen! Und nachdem die Schwellenländer tot sind, kommen die Industriestaaten dran. Wer sollte sie auch hindern?
    Die USA sind das Letzte! Weswegen sie auch so viele Kriege führen müssen, damit sie „frei“ wirtschaften können. Was dazu führt das sie immer verhasster werden, was immer mehr kostet, was immr mehr Kriege nötig macht, …
    Ein perfekter Teufelskreis! Oder kennen sie einen amerikanischen Politiker der diesen Imperialismus beenden will? Und wenn ja, denken sie das der ernsthaft gewählt wird? Bei den massiven Folgen die das für die USA hätte? DAS ist übrigens der Grund warum Demokratie nicht funktioniert.
    Kurzum. Zunächst kommen die Schwellenländer an die Reihe, dann wir und als letztes der Ami. Und erst dann fängt die grusselige Zeit an!
    Und wozu das alles?
    Es stimmt halt doch. Hochmut kommt vor dem Fall.

    MfG
    Reinhard

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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