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Öl: Warum die Krise den Boden für die nächste Ölpreis-Rallye bereitet

Eine Öl Quelle in der Wüste

Jahrzehnte der Warnungen vor Peak Oil und Umweltschäden durch die Ölnutzung haben nichts an der Tatsache geändert, dass die Weltwirtschaft abhängig ist vom Öl. Daran ändert auch die aktuelle Krise nichts. Was die Krise jedoch ändert, ist die Verfügbarkeit neuer Ölreserven, die beim nächsten Wirtschaftsboom benötigt werden, um den Preisanstieg zu dämpfen. Denn an Investitionen in Erkundung und Erschließung neuer Lagerstätten denkt derzeit niemand.

Zwar verbraucht die Weltwirtschaft pro erzeugter Gütereinheit heute weniger Öl als im vergangenen Jahrzehnt und im vergangenen Jahrzehnt weniger als im vorvergangenen, doch der Zusammenhang zwischen wachsender Wirtschaft und wachsendem Ölbedarf gibt es noch immer. Noch nie verbrauchte die Welt soviel Öl wie 2019 (hier die jüngste Lage zum Ölpreis). Das Jahr 2020 wird nur eine Ausnahme von der Regel darstellen. Sobald die Wirtschaft wieder läuft und der nächste Konjunkturschub startet, wird auch die Ölnachfrage wieder wachsen. Vermutlich weniger stark als in den Vorjahren, da die Elektromobilität inzwischen stärker gefördert wird und Klimaschutz in aller Munde ist. Doch das wird höchstwahrscheinlich nur den Nachfrageanstieg drosseln, ihn aber nicht stoppen.

In Fracking-Öl-Quellen wird kaum noch investiert

Das dürfte relativ schnell zu einem Versorgungsproblem beim Rohöl führen. Denn das in den USA populäre Fracking-Öl, das überhaupt erst zum beträchtlich angestiegenen Fördervolumen in den vergangenen zehn Jahren führte, hat eine sehr unangenehme Eigenschaft: Im Gegensatz zu klassischen Ölquellen versiegen die Fracking-Quellen bereits nach sehr kurzer Zeit. In Monaten, höchstens wenigen Jahren, tröpfelt aus den Fracking-Bohrlöchern nur noch ein Mini-Volumen von einigen Dutzend Barrel Öl pro Tag. Das war mit ein Grund für die geringe Rentabilität der Fracking-Unternehmen. Sie waren wie ein Drogen-Junkie ständig auf der Suche nach der nächsten Quelle, in dem Fall für Öl.

Diese Suche ist jetzt nahezu vollständig eingestellt worden. Manche Unternehmen sind schlicht insolvent und die noch arbeitenden Unternehmen sparen Geld, wo es nur geht, um den eigenen Unternehmenstod möglichst lange hinauszuzögern. Und selbst wenn die Ölnachfrage und damit die Preise wieder steigen, dürfte sich der Kapitalmarkt bei der Finanzierung der Unternehmen stark zurückhalten. Dieses Phänomen war bereits nach dem Ölpreis-Crash 2014/2015 zu beobachten. Selbst nachdem sich der Preis fast wieder verdreifacht hatte, stiegen die Investitionen in die Erkundung und Erschließung neuer Ölquellen kaum noch und lagen auf dem Niveau von vor der Finanzkrise. Am Hoch 2014 lag das Investitionsvolumen rund doppelt so hoch bei rund 800 Milliarden US-Dollar weltweit. In diesem Jahr geht die Internationale Energieagentur davon aus, dass die Unternehmen ihre Investitionen um 20% bis 55% kürzen werden.

In einem gewissen Rahmen sind die gekürzten Investitionen in den vergangenen Jahren durchaus vernünftig gewesen. Allzu lange haben die Ölunternehmen vor allem darauf geachtet, ihr Reserven auszuweiten oder wenigstens das geförderte Öl durch neue Reserven auszugleichen. Wachstum war das Ziel, weniger die Profitabilität. Die Börse hat diese Wachstumsstory auch über Jahre finanziert, ohne danach zu fragen, wie denn vor allem die Fracking-Unternehmen jemals auf einen grünen Zweig kommen wollen, wenn sie ungeachtet der Profitabilität immer neue Löcher in den Boden bohren.

Der Kapitalmarkt wird Ölunternehmen nur noch vorsichtig mit Kredit versorgen

Der aktuelle Börsenboom darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kapitalmarkt zumindest in Teilen noch rational blieb. Zwar sind die Aktienkurse in vielen Fällen völlig entkoppelt von der harten Unternehmensrealität. Am Anleihenmarkt, wo sich die Unternehmen in der Regel mit Krediten versorgen, wird die Lage jedoch rationaler betrachtet. Wer als Unternehmen keine solide Bilanz vorlegen kann, zahlte auch schon vor der Krise überdurchschnittlich hohe Zinsen.

Diese Rationalität wird derzeit ein wenig dadurch verzerrt, dass die Notenbanken auch Unternehmensanleihen aufkaufen und so für eine unnatürliche Nachfrage sorgen. Unter der Voraussetzung, dass die Notenbanken nicht ewig am Markt intervenieren wollen, wird diese Phase früher oder später enden. Vor dem Hintergrund der schnellen ersten Unternehmensinsolvenzen am Ölmarkt in der laufenden Krise dürften die Financiers beim nächsten Boom noch vorsichtiger sein bei der Kreditversorgung der Ölunternehmen.

Das Fundament für die nächste Angebotslücke beim Öl wird jetzt gelegt

Fazit: Die Unternehmen investieren kaum noch in die Erkundung neuer Ölquellen, Unternehmen gingen und gehen in die Insolvenz und damit wird jetzt das Fundament für die nächste Angebotslücke in der kommenden Konjunkturphase gelegt. Was jetzt nicht erkundet und erschlossen wird, kann nicht als Angebot auf den Markt kommen, wenn die Öl-Nachfrage wieder anzieht.



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