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Öl: wiederholt sich der Kursverlauf vom Mai 2015?

FMW-Redaktion

Als im letzten Jahr der Ölpreis nach einem vorherigen Abverkauf stark gestiegen war, hatten viele den Boden ausgerufen für das schwarze Gold. Ab jetzt, so lautete der Konsens, geht es wieder bergauf. Aber dann passierte im Mai 2015 das:

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Wiederholt sich nun (Kurs-)Geschichte? Während die Öl-Industrie von einer nachhaltigen Stabilisierung ausgeht, sehen einige Analystenhäuser, darunter die Commerzbank, die Gefahr einer solchen Wiederholung – und gehen davon aus, dass der Ölpreis (WTI) noch einmal bis 30 Dollar fallen könne.

Es sind wohl drei Faktoren, die den Anstieg der Ölpreise begünstigten: die Eindeckungen von Short-Positionen vor allem bei Hedgefonds gab der Rally die Intensität (+70% vom Tief!). Die über den Erwartungen liegende Nachfrage nach Benzin in den USA und China sorgte für eine Begründung. Und drittens waren viele Investoren im Energiesektor unterinvestiert und sprangen auf den fahrenden Zug mit dem steigenden Ölpreis.

Aber jetzt ist das Lager der Optimisten sehr prall gefüllt, am Future-Markt ist die Long-Positionierung so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr. Der Markt ist inzwischen überhitzt, eine Korrektur wäre eigentlich aus marktechnischen Gründe langsam fällig. Schon am Freitag, als die Zahl der aktiven Bohrlöcher um weitere elf gefallen war, reagierte der Ölpreis nicht mehr positiv – ein kleines Warnzeichen für die Öl-Bullen. Nun könnte mit der Erholung der Ölpreise auch die Zahl der Bohrlöcher in den USA wieder zunehmen – viele Fracker können bei den aktuellen Preisen wieder rentabel fördern. So wurden viele Bohrstellen zuletzt erschlossen, ohne dass die Produktion begonnen hätte bei diesen „wells“ – und damit könnten in recht kurzer Zeit wieder 500.000 Barrel pro Tag mehr auf den Markt kommen. Derzeit werden in den USA 8,9 Millionen Barrel gefördert.

Nun können Märkte länger irrational bleiben, als man sich vorstellen kann – das hat die Vergangenheit hinreichend gezeigt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass der Großteil der Rally nun bereits hinter uns liegt und die Luft nach oben immer dünner wird. Faktisch hat der Öl-Anstieg den US-Fracking-Unternehmen eine Art Lebensverlängerung gegeben – und daran dürfte vor allem Saudi-Arabien kein Interesse haben.

Belasten könnte heute die gescheiterte Fusion zwischen den US-Ölfeldausrüstern Halliburton und Baker Hughes. Der Deal hätte ein Volumen von 35 Milliarden US-Dollar gehabt, die US-Behörden hatten die Genehmigung jedoch verweigert, weil sie eine zu starke Dominanz der dann fusionierten Firma fürchteten (Schlumberger ist die Nr.2, Baker Hughes die Nr. 3 am US-Markt). Halliburton muß nun 3,5 Milliarden Dollar breakup fee bezahlen für das Scheitern..



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