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Märkte

Ölpreis aktuell: Druck aus Libyen, China-Daten belasten, Blick auf Trump

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis erholt sich im Zuge der globalen Konjunkturerholung, und vor allem aufgrund der erneuten Stimulus-Hoffnungen in den USA? Nein, sicher ist das keinesfalls! Heute oder morgen könnte es eine Vereinbarung zu einem neuen Billionenpaket für die US-Konjunktur geben. Dies könnte die Aktienmärkte wie auch den Ölpreis pushen. Wichtig ist, ob Donald Trump sich nun doch noch mit dem Demokraten einigt.

China-Daten belasten den Ölpreis

Der Ölpreis steht heute jedenfalls unter Druck. Heute Nacht noch bei 41 Dollar, fällt WTI-Öl aktuell auf 40,61 Dollar. Das Minus hätte größer ausfallen können. Aber ein heute fallender US-Dollar hilft dem Ölpreis, und bewahrt ihn aktuell wohl vor tieferen Kursen. China hat heute früh um 4 Uhr seine jüngsten Daten zur Wirtschaftsleistung vorgestellt. Im Quartalsvergleich war es ein Plus von +2,7 Prozent, und im Jahresvergleich ein Plus von 4,9 Prozent. Beide Daten mögen auf den ersten Blick zwar erfreulich sein, aber die Erwartungen lagen etwas höher. Dies gibt den Öl-Bullen einen kleinen Dämpfer.

Öl-Schwemme aus Libyen

Eugen Weinberg von der Commerzbank ist wohl einer der geachtetsten, wenn nicht sogar der geachtetste Rohstoff-Analyst in Deutschland. Er hat heute in einem Kommentar darauf hingewiesen, dass aktuell eine Öl-Schwemme aus Libyen auf den Weltmarkt zukommt. Wichtig, so unsere Anmerkung hierzu: Wegen dem Bürgerkrieg war Libyen nicht Teil des großen Abkommens zur Fördermengenkürzung der OPEC. Von daher kann das Land munter drauf los pumpen, wenn es denn will und kann. Laut Eugen Weinberg hat Libyen zwischen Januar und September im Durchschnitt weniger als 100.000 Barrel Öl pro Tag produziert.

Nun habe Libyen binnen weniger Wochen seine Produktion auf 500.000 Barrels pro Tag hochgefahren, und die Exporte auf fast 400.000 Barrels pro Tag. Insbesondere die Wiederinbetriebnahme des größten Ölfeldes Sharara – dort werden aktuell 110.000 Barrel bei einer gesamten Kapazität von 300.000 Barrel täglich produziert – und die nun darauf folgende Aktivierung des El Feel-Ölfeldes mit einer Produktionskapazität von 70.000 Barrel täglich, das den Strom von Sharara benötigt, dürften die Produktion laut Eugen Weinberg weiter dynamisch steigen lassen. Dieser Faktor drückt derzeit auch auf den Ölpreis – eine unerwartete Steigerung des Öl-Angebots für den Weltmarkt!

Und sonst?

Der derzeit mit tausenden kleinen Maßnahmen de facto stattfindende zweite Lockdown in Europa belastet alle Assets, die mit dem Konjunkturverlauf zu tun haben – so auch den Ölpreis. Eventuell könnte es heute einen Impuls geben von der ab 15:30 Uhr stattfindenden Sitzung des JMMC, eines Aufsichtsgremiums der OPEC zur Kontrolle der Einhaltung der Fördermengenkürzungen. Aber vermutlich wird es ein Non-Event für den Markt werden. Die mögliche Einigung zwischen Donald Trump und den Demokraten kann dem Aktienmarkt und dem Ölpreis einen positiven Impuls geben. Heute, oder vielleicht morgen? Derzeit jedenfalls belasten China und Libyen den Ölmarkt.

Ab Januar steht planmäßig die Ausweitung der Fördermenge durch die OPEC und ihre Partner an, und zwar um 1,9 Millionen Barrels pro Tag. Eugen Weinberg erwähnt aktuell Zitat: „Die Tatsache, dass der russische Präsident Putin und der saudische Prinz Bin Salman letzte Woche gleich zweimal miteinander telefoniert haben, deutet darauf hin, dass die Pläne der OPEC und ihrer Alliierten bald auf den Prüfstand kommen dürften. Es bleibt abzuwarten, ob die anderen Mitglieder des Kartells z.B. dem Vorschlag einer unveränderten Beibehaltung der Produktionskürzungen über das Jahresende hinaus zustimmen würden“. Wir meinen: Es ist eine komplizierte Lage! Die zweite Corona-Welle und die zusätzliche Fördermenge aus Libyen sollten doch eher vermuten lassen, dass die OPEC die Fördermenge erstmal nicht wieder ausweitet – um dem Ölpreis mehr Unterstützung auf dem Weg Richtung 50 oder 60 Dollar zu geben? Bis dahin ist es noch eine weite Strecke, aber die allermeisten OPEC-Staaten brauchen dringend einen höheren Ölpreis, da die Öl-Einnahmen ihre Haupteinnnahmequelle darstellen.

Lesen Sie beim Klick an dieser Stelle den hochinteressanten Artikel von Wolfgang Müller vom letzten Donnerstag mit dem Titel „Ölpreis: Über die Schwierigkeiten am Preisanstieg zu partizipieren“.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten 30 Tagen

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Anleihen

Aktienmärkte: Ist das das nächste große Ding? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

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am

Die Aktienmärkte der Wall Street heute allesamt mit neuen Allzeithochs, während der Dax weiter stagniert und sogar einen leichten Wochenverlust ausweist – und das trotz neuem Optimismus in Sachen Brexit. Aber der Fokus richtet sich nun immer mehr auf die US-Anleihemärkte mit steigenden Renditen, die Zinskurve versteilt sich weiter (gut für Finanz-Aktien, nicht so gut für Tech, daher der Nasdaq heute nur mit kleinen Gewinnen). Sollten die Renditen weiter steigen, werden US-Anleihen wieder zunehmend zur Konkurrenz für die Aktienmärkte. Dort aber herrscht nach wie vor eine „Rundum-sorglos-Stimmung“, vor allem die „Corona-Verlierer“ werden wieder gekauft (der Sektor Energie daher wider mit den größten Gewinnen)..

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Allgemein

Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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Devisen

Rüdiger Born: Aktuelle Lage im Dow, mögliche Idee für den Yen

Rüdiger Born

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