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Ölpreis-Anstieg: Nach Shortsqueeze-Ende jetzt auch „lästige Diskussion“ über mehr Ölangebot

Dass die Saudis entgegen ihre Oil Freeze-Ankündigungen selbst auf immer neuen Rekordniveaus fördern - geschenkt! Jetzt rücken auch normalerweise weniger beachtete Öl-Produzenten in den Fokus...

FMW-Redaktion

Wir hatten gestern schon darüber berichtet. In der vorigen Woche wurden so viele Short-Kontrakte im Öl-Future WTI glattgestellt wie nie zuvor – gleichzeitig gab es eine massive Aufstockung von Long-Positionen. Der Markt war überverkauft, eine klassische Shortsqueeze, die letzten Freitag nach zwei Wochen kräftiger Anstiege ihren Höhepunkt erreicht hatte. Ganz frisch kommt wieder die Diskussion über eine steigende globalen Angebotsmenge für Öl hinzu.

Dass die Saudis entgegen ihre Oil Freeze-Ankündigungen selbst auf immer neuen Rekordniveaus fördern – geschenkt! Jetzt rücken auch normalerweise weniger beachtete Öl-Produzenten in den Fokus, die wie es scheint, den Blick dafür schärfen, dass die Angleichung von Angebot und Nachfrage noch in 2016 doch nicht so einfach laufen sollte. Goldman Sachs bringt aktuell Nigeria, Libyen und den Irak in die Diskussion. Alle drei Förderländer hatten bisher mit ihren Förderproblemen den steigenden Kursen tendenziell geholfen.

Jetzt aber sagt Goldman, dass sie seit letzter Woche Anzeichen zeigen, dass ihre Fördermengen wieder anziehen. Alleine die Ölproduktion in Kirkuk solle diese Woche um 150.000 Barrels pro Tag zunehmen! Diese Anstiege hätten das Potenzial die angedachte Ausbalancierung wieder in ein Überangebot an Öl zu verwandeln, nachdem Goldman bisher von einem kleinen Angebotsdefizit von 230.000 Barrels pro Tag für das zweite Halbjahr gesprochen hatte. Man betont, dass der Ölpreis und die fundamentale Erholung nach wie vor unsicher bleibe.

Abseits der Shortsqueeze erwähnt Goldman den angedachten neuen Oil Freeze und den schwächeren Dollar, welche für den drastischen Anstieg beim Ölpreis im August verantwortlich waren. Keiner dieser Gründe sei auf dem jetzigen Preisniveau noch ausreichend um weitere Preisanstiege zu unterstützen. Goldman glaubt mit Aussicht von einem Jahr an Ölpreise von 45-50 Dollar – also genau auf dem aktuellen Niveau – wenig phantasievoll, so meinen wir.

Gut, das ist Goldman´s Sicht der Dinge – und die Damen und Herren liegen auch gerne mal kräftig daneben mit ihren Prognosen. Inhaltich können wir dem aber folgen. Aber wie man nach dem letzten gescheiterten Oil Freeze in Doha sehen konnte: Der Terminmarkt für Öl reagiert nach solchen Ereignissen gerne völlig anders als erwartet. Wo der Ölpreis eigentlich hätte brutal absacken müssen nach dem Doha-Desaster am 18. April, fiel er am Folgetag nur ganz kurz um 3 Dollar, um dann von 37,60 in den Folgetagen auf 46 und noch höher zu steigen. Gemäß der Faktenlage hätte er da eigentlich weiter fallen müssen.

Nochmal kurz zum Oil Freeze. Sollte es denn diesmal funktionieren (wir glauben auch diesmal nicht an ein Wunder), würde die dann eingefrorene Fördermenge von OPEC + Russland bei 44,6 Millionen Barrels pro Tag liegen, und damit 0,4 Millionen höher als bisher von Goldman prognostiziert. Goldman sagt auch, wie wir meinen richtigerweise: Ein Oil Freeze wäre eine Art selbst-zerstörerischer Akt, eine Art Kapitulation wie wir es ausdrücken würden. Denn während OPEC + Russland die Förderung einfrieren würden, erhöhen die US-Fracker ihre Förderung immer weiter. Seit 8 Wochen werden stetig bisher stillgelegte Förderanlagen wieder hochgefahren – ein Plus von 28% seit Mai!

Mit einem Oil Freeze würden vor allem die Golfstaaten das Feld für die Fracker räumen – und damit wären ihre ganzen Bemühungen seit Ende 2014 umsonst gewesen. Deswegen wird der Oil Freeze wie auch im April wohl eher ein Marketing-Gag bleiben mit dem Ziel, dass der Ölpreis wohl nicht zu weit fallen soll. Wo hätten die Saudis ihn denn gerne? 40 oder 45 Dollar?



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