Folgen Sie uns

Märkte

Ölpreis bei 40 Dollar – wir müssen auch nicht alles verstehen…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Es gibt Neuigkeiten nach dem gescheiterten Öl-Treffen in Doha. Erstmal eine gute Nachricht: Endlich hat die weltweite Wirtschaftfachspresse einen triftigen und konkreten Grund gefunden, warum der Markt gestern und heute bei 40 Dollar (WTI) klebt und nicht brutal nach unten durchsackt: Der Ölarbeiter-Streik in Kuwait, ja der ist schuld. Seit drei Tagen sinkt das globale Ölangebot um 1,3 Millionen Barrels, weil der Streik die Ölförderung lahmlegt.

Im Mini-Staat Kuwait sinkt damit die Tagesförderung von 2,8 auf 1,5 Millionen Barrels pro Tag. Kurzfristige Streiks haben die Kurse noch nie ernsthaft beeinflusst, weil jeder weiß, dass dadurch strukturell gesehen das Angebot nicht sinkt. Sobald der Streik zu Ende ist, kommen die fehlenden 1,3 Mio wieder zum globalen Angebot hinzu. Fördert Kuwait wieder normal, ist man wieder irgendwo bei 1,5-2 Mio mehr Angebot als Nachfrage weltweit. So ein paar Tage beinahe Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bringt für dem realen Ölmarkt keine Entlastung.

Kuwait ist ein ziemlich schwaches Argument, so meinen wir. Auch kann man argumentieren der Ölpreis sei nach einem Rückgang Montag früh von gut 2 Dollar wieder angestiegen, weil Shorties sich mangels ausbleibendem Crash wieder eindeckten. Aber auch dieses Phänomen kann nicht erklären, warum der Ölpreis sich bei aktuell 40 Dollar im WTI und 43,60 im Brent halten kann.

Jetzt wollen alle plötzlich pumpen?

Hinzu kommen nach dem gescheiterten Doha-Treffen immer mehr Anzeichen und konkrete Ankündigungen, dass sich jetzt die einzelnen Akteure fleißig daran machen ihre Förderung weiter auszubauen. Wer will sich schon gerne Marktanteile streitig machen lassen? Der Iran pumpt zuerst, die Saudis wollen jetzt in kraftvollen Schritten mit einem Ausbau der Förderung folgen (wir berichteten). Auch die VAE wollen ihre Kapazitäten ausbauen, aber noch nicht die Förderung.

Und welch Wunder, aus Moskau hört man aktuell, nachdem man zuletzt neue Post Sowjet-Rekorde bei der Fördermenge aufstellte (Allzeithoch seit 1987), man wolle seine Produktion noch weiter erhöhen. Sogar Venezuela, das Land welches am meisten um eine Reduzierung der Fördermenge bettelte um einen höheren Preis zu bekommen, schwenkt jüngst in den Wettbewerb um mehr Absatzmenge ein und verkündete man wolle seine Exportmenge im laufenden Jahr steigern. Also wohl nach dem Motto „wenn wir den Preis nicht durch eine kleinere globale Angebotsmenge explodierend hochtreiben können, dann schrauben wir eben die eigene Fördermenge rauf“. Und der Irak? Auch der hatte zuletzt seine Fördermenge gesteigert. Es kam sogar, wie Satellitenaufnahmen jüngst belegten, zu Tanker-Staus vor der irakishen Küste, weil anscheinend nicht genug Terminals vorhanden sind.

Bisher galt: Kündigte ein Produzent eine Ausweitung seiner Fördermenge an, oder sogar mehrere Produzenten nacheinander, ging es steil bergab mit dem Ölpreis. Jetzt haben wir eine gescheiterte Einfrierung der Fördermenge + einen Wettlauf um den Ausbau der Fördermengen. Doch der Ölpreis bleibt bei 40 Dollar.

Was ist der Grund? Wissen SIE die Antwort? Ist der „Drang“ des Marktes nach höheren Kursen derart stark, dass Doha und das Überangebot, selbst dass das bevorstehende Anwachsen des Überangebots im Ölpreis ignoriert werden kann? So richtig trauen scheinen viele Profis diesem aktuellen Kursniveau nicht. Da man wohl nicht im Future shorten will, weicht man auf Optionen aus. Wie aktuelle Daten zeigen, liegt das Niveau von Juni Puts (Basis 35) mit 35.433 offenen Kontrakten auf einem Rekordwert. Bei Juni-Puts mit Basis 30 sind es immerhin auch noch 33.566 offene Kontrakte. Was sagt uns das? Die Angst vor einem Abrutschen ist da. Die Headline am Ölmarkt scheint derzeit zu lauten, wie ein Leser uns vor ein paar Tagen schrieb: „Öl will nach oben“. Wir trauen dem Frieden (aus fundamentalen Gründen) nach wie vor nicht, aber Fakt ist, dass Öl nach wie vor bei 40 Dollar steht.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    FR

    19. April 2016 16:46 at 16:46

    Ein Drama um die blutigen Petrodollars
    Schöner Artikel. Der Satz „Die Angst vor einem Abrutschen ist da“ hat es in sich.
    Bekanntlich ist Angst der kürzeste Weg etwas zu bekommen was man nicht will.
    Das Börse eh zur „sich selbst erfüllenden Profezeihung neigt ist ein Absturz im Öl gut möglich.

    Beste Grüe & gute Trades

  2. Avatar

    Carsten

    19. April 2016 17:07 at 17:07

    okay…40 Dollar sind ja jetzt auch schon wieder veraltet.
    Haben die sich in Doha verabredet einfach den Ölpreis zu „kaufen“ ?!
    Mit wirtschaftlichen Zusammenhängen hat das ja wohl nur noch wenig zu tun

  3. Avatar

    Marko

    19. April 2016 17:56 at 17:56

    Die Finanzmarktwelt verstehen… ?

    Da fliegen die Shorties reihenweise über den Jordan. Da fließt Geld rein ins Euroland .

  4. Avatar

    Markus

    19. April 2016 18:31 at 18:31

    Wer weiss, vielleicht gibt es ja auch die Geheimabsprachen von Doha.

  5. Avatar

    Steven

    19. April 2016 23:31 at 23:31

    Wer will einen höheren Ölpreis am dringendsten ? USA

    Wer steckt am tiefsten in der Finanzwelt ? USA

    Wer hat entsprechende Geldmengen um den preis zu pushen ? USA

    Wer bedient alle Fronten u d steht am Ende meistens als lachender Dritter da ?

    Ist doch offensichtlich was läuft !?
    Einfach aus dem Öl raus bleiben und zurück lehnen .

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Gold/Silber

Rüdiger Born: Fallende Indizes – was geht da noch? Silber als Idee

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Die Indizes tendieren gen Süden. Was ist da für Trader machbar so kurz vor dem Wochenende? Das schaue ich mir im folgenden Video auch, wie auch Tradingchancen im Silber. Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

weiterlesen

Gold/Silber

Goldpreis erholt? Nein, aktuell besteht Gefahr für erneuten Abrutsch!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Ein Barren Gold

Der Goldpreis ist seit Anfang der Woche deutlich gefallen, von 1.950 Dollar auf 1.848 Dollar im Tief gestern früh. Seitdem trat eine gewisse Erholung ein, und Gold stieg auf Niveaus um die 1.870 Dollar. Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.866 Dollar. Ist das eine Bodenbildung? Nein, es besteht Gefahr für Gold-Bullen, die wieder Hoffnung schöpfen.

US-Dollar steigt

Denn vor allem der US-Dollar als Gegenpart zu Gold ist seit gut 3 Stunden wieder am Ansteigen. Aber der Goldpreis fällt aber bisher nicht. Deswegen könnte ein Abrutsch im Edelmetall bevorstehen, um sich dem gestiegenen US-Dollar anzupassen. Schauen wir auf die Charts. Zunächst sehen wir den Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) seit Mittwoch Abend. Gut sichtbar ist, dass er in den letzten Stunden versucht wieder das gestrige Hoch anzulaufen.

Chart zeigt Verlauf im US-Dollar Index seit Mittwoch

Goldpreis hat noch nicht den steigenden US-Dollar berücksichtigt

Im folgenden Chart sehen wir den Goldpreis seit Mittwoch Abend. Es wirkt so, als hätte Gold jetzt noch Nachholpotenzial nach unten, so wie der US-Dollar gerade ansteigt. Also Vorsicht. Ein weiterer Abrutsch im Gold könnte anstehen!

Chart zeigt Verlauf im Goldpreis seit Mittwoch

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige Analyse des Experten Andre Stagge zu den wichtigsten Gründen, warum der Goldpreis in den letzten Tagen so spürbar gefallen war.

weiterlesen

Aktien

Aktien: Vermögensreport offenbart, Deutsche investieren mehr

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik wirkt, die Bürger wenden sich stärker Aktien zu

Avatar

Veröffentlicht

am

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Der aktuelle Allianz Global Wealth Report hat es dargelegt: Die Notenbankpolitik der Länder wird dazu führen, dass das Vermögen der Wohlhabenden global trotz Corona ansteigen wird – auf 198 Billionen Euro zu Jahresende – FMW berichtete darüber. Der Report zeigt aber auch, dass sich die deutschen Sparer mehr den Aktien als Anlagevehikel zuwenden.

Aktien: Corona und die Vermögensbildung

Die Volkswirte der Allianz werteten Daten aus 57 Nationen aus, zum Vermögen aus Bargeld und Bankeinlagen, angelegtem Geld in Versicherungen und Pensionskassen sowie Anlagen in Wertpapieren und Fonds. Trotz der Pandemie erhöhte sich dies im ersten Halbjahr des Jahres um 1,5 Prozent, der Frühjahrseinbruch von geschätzten 4,3 Prozent ist damit mehr als ausgeglichen. Über die Gründe braucht nicht großartig spekuliert zu werden: Staatliche Rettungsprogramme, die Geldpolitik der Notenbanken, eine erhöhte Sparneigung der Konsumenten und natürlich der Anstieg der Aktien. Noch ein kurzer Blick auf die Vermögensübersicht der Länder pro Bürger:

USA: 209.524 Euro
Schweiz: 195.388 Euro
Singapur: 116.657 Euro

18. Deutschland: 57.097 Euro

An dieser Übersicht wird wieder einmal das Problem einer statistischen Erfassung von Durchschnittswerten ersichtlich. Die vier reichsten Amerikaner besitzen ein Vermögen von über 500 Milliarden Dollar, verteilt auf die 331 Millionen Amerikaner würde dies bereits 1500 Dollar pro Bürger ergeben. Dabei gab es 2019 allein schon 607 Milliardäre in den Vereinigten Staaten. Man bräuchte aus so einer Statistik nur den reichsten Mexikaner, Carlos Slim, aus der Liste entfernen und schon hätte man veränderte Zahlen für das Land. Aber erstaunlich ist diese Vermögensverteilung auf der Welt dennoch. Im Jahr 2019 lagen von den 192 Billionen Euro Weltvermögen nicht weniger als 83,7 Billionen in den USA.

Die Entwicklung in Deutschland

Was bedeutet das für das Land der (Geld-)Sparer, mit deren 2,4 Billionen Euro auf nicht verzinslichen Konten? Die Allianz stellt fest, dass sich die Bankeinlagen um 3,5 Prozent und damit weniger als in anderen Ländern erhöht haben (Frankreich plus 6 Prozent, China plus 9 und die USA plus 10 Prozent).

Dennoch stieg das Vermögen der Haushalte um 1,3 Prozent im ersten Halbjahr und sollte nach der Schätzung der Allianz zum Jahresende 6,8 Billionen Euro erreichen. Da dies nicht am Geldmarkt zu verdienen war, deutet dies auf eine Verhaltensänderung im Sparverhalten hin.

Die langsame Hinwendung zu Aktien

Lange hatte man es eigentlich schon erwartet, dass die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt und sich die Bürger stärker den Aktien zuwenden. Die Allianz stellt fest, dass die deutschen Sparer in den vergangenen drei Jahren 20 Prozent ihrer verfügbaren Ersparnisse direkt in Aktien angelegt haben. Auf Sechsjahressicht waren dies 5,8 Prozent und das Interessante daran ist, dass US-Bürger in dieser Zeit nur 0,7 Prozent in Aktien investiert haben. Das bevorzugte Investment waren börsengehandelte Indexfonds. Allerdings beziehen sich diese Werte auf die Zeit vor Corona und seither gibt es den großen Hype um die gebührenfreien Brokerdepots – Stichwort RobinHood. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland mit der riesigen Zahl neu eröffneter Depots bei günstigen Direktanlagebanken.

Es verändert sich auch der so genannte Home Bias, also die Bevorzugung heimischer Titel. Deutsche Anleger investieren verstärkt in ausländische Aktien, die Quote stieg in den vergangenen sechs Jahren von 25 auf 38 Prozent. Aber noch ist Deutschland weit von der angelsächsischen Aktienpräferenz entfernt.

In den USA liegen 53 Prozent der Ersparnisse auf Wertpapierkonten, in Deutschland 25 Prozent.

Fazit

Auch wenn das Pflänzchen Anlage in Aktien in Deutschland langsam wächst, sind es laut Allianz vorwiegend die Haushalte mit einem höheren Einkommen, die sich an diese Assetklasse heranwagen. 30 Prozent unserer Haushalte besitzen kaum Geldvermögen. So zählt auch Deutschland zu den Ländern, in dem „die Vermögensverteilung relativ ungleich verteilt ist“, so Arne Holzhausen, Leiter Insurance und Wealth Markets bei der Allianz.

Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu Aktien

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen