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Ölpreis crasht weiter – der Super-Contango verwirrt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Öl-Bohrstelle Beispielfoto

Der Ölpreis crasht weiter. Die Lage wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Denn je nachdem wo sie aktuell hinschauen, fällt WTI-Öl gegenüber Freitag gerade um 3,47 Dollar auf 14,80 Dollar, oder nur um 1,43 Dollar auf 23,60 Dollar. Beide ist desaströs, aber erklärungsbedürftig. Schon am Freitag hatten wir uns mit dieser Situation beschäftigt, die man auch als Super-Contango bezeichnet.

Ölpreis fällt – Entwirrung der Verwirrung

Contango ist ein Börsianer-Wort für die Preisdifferenz zwischen verschiedenen Kontraktlaufzeiten bei Futures. Und der Ölpreis ist nun mal der gehandelte Futures-Preis. Der aktuellste Front-Monat Mai läuft morgen aus, wird aber jetzt laut CME mit 37.742 Kontrakten deutlich weniger gehandelt als der folgende Juni-Kontrakt mit 199.414 Kontrakten. Viele Anleger müssen vor Ende des Mai-Kontrakts rollen, also Mai-Kontrakte glattstellen und im Juni-Kontrakt die Position neu eröffnen. Nicht nur wegen der Corona-Krise, sondern auch wegen diesem Roll-Termin haben wir derzeit einen so tiefen Absturz im noch als Front-Monat betrachteten Mai-Kontrakt. Die einen sehen den Mai noch als Front an (siehe hier), die anderen präsentieren schon den Juni-Kontrakt mit seinem Kurs über 23 Dollar (siehe hier). Die Expertin Amena Bakr schaut heute früh noch auf den Mai-Kontrakt, so auch CNBC. Auch bei den Brokern kann man durcheinander kommen. Schaut man auf CFD-Kurse für den Ölpreis, dann nutzen einige Broker noch den Mai-Kontrakt mit dem Kurs unter 15 Dollar, die anderen zeigen ihren CFD-Kunden schon den Juni-Preis von über 23 Dollar. Aber das Problem ist ja in Kürze gelöst.

Der Contango ist heftig, also die Differenz von um derzeit um die 5 Dollar. Letzte Woche waren es sogar noch 7 Dollar Unterschied. Im aktuellen Marktumfeld müssen bei längeren Kontraktlaufzeiten auch die längeren Lagerkosten für Öl mit im Termin-Ölpreis einkalkuliert werden. Und da derzeit weltweit die Lager überlaufen vor Öl, notiert der Juni-Preis nun mal so deutlich höher als Mai. Am Terminmarkt spricht man derzeit vom Super-Contango, wie es ihn am Markt seit der Lehman-Krise nicht gegeben habe. Auch kann man bei späteren Lieferterminen für WTI-Öl (August-Future steht bei 30 Dollar) davon ausgehen, dass der Markt von einer Erholung der Öl-Nachfrage ausgeht, weshalb für spätere Termine ein höherer realer Ölpreis erzielt werden könnte? Aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Es kann genau so gut passieren, dass nach endgültigem Ende des Mai-Kontrakts im restlichen Verlauf dieser Woche der Juni-Kontrakt als neuer Front-Monat auch noch die Strecke bis unter 20 Dollar schaffen kann. Ausschließen sollte man in diesem Markt gar nichts.

Analystenkommentar

An dieser Stelle wollen wir zum Thema Öl den ganz frischen Kommentar von Naeem Aslam von Avatrade zitieren. Er geht nicht auf den kurz bevorstehenden Kontraktwechsel ein, und hat noch voll den aktuellen Mai-Preis im Blick. Der aktuelle Absturz im Ölpreis habe viele Händler überrascht. Der steile Preisrückgang sei auf den Mangel an ausreichender Nachfrage und den Mangel an Lagerplätzen für Öl zurückzuführen, da die Produktionsdrosselung die Angebotsschwemme nicht beseitigt habe. Es bestehe die große Wahrscheinlichkeit, dass der WTI-Ölpreis auf 10 Dollar fallen werden. Ja, ich meine 10 Dollar, so der Analyst! Warum? Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie sei die Nachfrage nach Öl gelähmt. Von der Angebotsseite her werde wenig getan, und die CAPEX-Kürzungen der Energiekonzerne würden nicht ausreichen. Man brauche eine Senkung der Öl-Produktion in den USA. Während der Öl-Versorgungsschwemme 2015 habe man sich massiv auf die Zahl der US-Bohrstellen konzentriert. Ihre Zahl sank Ende Juni 2016 auf ihren niedrigsten Stand. Es dauerte ziemlich lange, bis die Zahl der Bohrinseln dieses Niveau erreichte – knapp ein Jahr.

Nun habe die Anzahl der Bohrstellen begonnen von ihrem Höchststand abzufallen, aber wir seien immer noch nicht nahe genug dran, um das gleiche Niveau zu finden – das Niveau, das den Ölpreis 2016 in die Höhe getrieben habe. Die Gesamtzahl der Bohrstellen in den USA sei (seit ihrem Höchststand im Dezember 2018) um 51% gesunken, aber immer noch um mehr als 25 Prozent von ihrem jüngsten Tiefstand gestiegen. Das Interessante an der Zahl der Bohrstellen sei, dass sie nicht wie ein Lichtschalter funktioniere, d.h. sie gehen nicht sofort nach unten oder oben. Aufgrund der komplexen Natur des Geschäfts, wie zum Beispiel der Vertragsbedingungen und der Betriebsebene der Anlagen, dauere es eine gewisse Zeit, bis die Anlagen offline gehen, so Naeem Aslam.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass es noch ein oder zwei Monate dauern werde, bis die Anzahl der Bohranlagen das frühere Niveau erreicht habe. In Bezug auf den Ölpreis bedeute dies leider ein niedrigeres Preisniveau. Was die technischen Preisniveaus betrifft, sagt er folgendes: Wenn der Ölpreis auf einen Bereich von 13 bis 16 Dollar fällt (den er bereits habe), könnte der Aufwärtsbereich bei 20 bis 23 Dollar liegen. Fällt der Kurs auf 10 bis 13 Dollar, ein wahrscheinliches Szenario, dann könne die unmittelbare Obergrenze bei 15 bis 18 Dollar liegen. Untern Strich bestehe kein Zweifel daran, dass der Ölpreis auf dem derzeitigen Niveau weit überverkauft sei. Aber unter den gegebenen Umständen sei es wahrscheinlich, dass der Ölpreis weiter fallen werde, da die Zahl der Bohrstellen ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht habe. Aber für einen Investor, der eine langfristige Perspektive hat, einen Zeitrahmen von 12 bis 24 Monaten, stelle der derzeitige Verfall des Ölpreises eine Chance dar, so Naseem Aslam.

Ölpreis Mai-Kontrakt in den letzten zehn Tagen
Hier der WTI-Ölpreis im Mai-Kontrakt in den letzten zehn Tagen.

33 Kommentare

33 Comments

  1. Avatar

    Helmut Haerle

    20. April 2020 13:12 at 13:12

    Lieber Herr Kummerfeld, Herr Fugmann,
    hat das Rollen eines Monatskontraktes bei Brent und WTI eigentlich Auswirkungen (ggf. hier starke Auswirungen) auf ein laufendes Faktorzertifikat, einen laufenden PUT?
    Wann exakt werden die Kontrakte umgestellt? Ist das um Mitternacht?

    Kann es deshalb sein, dass en PUT heute noch weit im plus liegt und morgen früh plötzlich deutlich im Minus oder wird dies im OS/Zertifikat angeglichen.
    Ich bin heute vorsorglich ausgestiegen, um keine böse Überraschung zu erleben.
    IN jedem Falle herzlichen Dank, dass Sie darauf aufmerksam gemacht haben.

    LG Helmut

  2. Avatar

    Hesterbär

    20. April 2020 13:16 at 13:16

    Ich habe gerade WTI-Öl auf Kassakursbasis nachgekauft. Ein historisches Schnäppchen! Allerdings muss man jeden weiteren Preisverfall auch aushalten können. Das WTI-Öl kann durchaus noch auf 10 USD fallen. Es könnte ganz kurzzeitig sogar auf 8 oder gar 5 USD fallen, wenn viele Spekulanten auf steigende Kurse wieder aus dem Markt geworfen werden, weil sie die Margin nicht nachschießen können oder wie Segler kalte Füße bekommen. Bei einem solchen Szenario würden sich Kauf-Gelegenheiten anbieten, die es in diesem Rohstoff noch nie gab.

    • Avatar

      Markus

      20. April 2020 13:36 at 13:36

      Wie kauft man WTI auf Spotkursbasis, wenn man keine Fässer lagern will? Basiert doch alles auf rollierenden Zertis, oder nicht?

  3. Avatar

    Helmut

    20. April 2020 13:32 at 13:32

    Hallo Hesterbär,
    wie kaufst Du denn das WTI-ÖL?
    Als CALL oder Faktor Long Zertifikat oder wie sonst?

  4. Avatar

    Hesterbär

    20. April 2020 14:23 at 14:23

    @Markus und @Helmut
    Ich kaufe Öl fast immer mit CFDs und immer (!) auf Kassapreisbasis, nie die Monatskontrakte. Und ich kaufe Öl auch fast immer mit zuvor eingestellten Limit-Kaufaufträgen, denn wenn der Ölpreis aufgrund der vorgenannten Gründe wirklich noch auf 10, 8 oder gar 5 USD fällt, dann tut er das vielleicht nur für wenige Sekunden und dann kann man solche Gelegenheiten selbst dann oft nicht rechtzeitig abgreifen, wenn man gerade am Rechner sitzt.

    • Avatar

      Segler

      20. April 2020 15:28 at 15:28

      @Hesterbär
      Die „kalten Füsse“ halten sich in Grenzen. Sie wissen ja, dass ich ein scaling-out gemacht hatte und mit der derzeitigen Unterwasser-Position immer noch gut schlafen kann :-)
      Ab heute werde ich meine Position im Öl schrittweise wieder aufstocken.
      Gleichzeitig reduziere ich meine Aktienpositionen, weil ich dort einen kommenden Downmove erwarte.
      Gestatten Sie mir eine Frage zu Ihren CFD’s
      Diese haben keinen „Verfallszeitpunkt“ und beziehen sich auf Endloskontrakte.
      Wie gestaltet sich die Anpassung Ihrer CFD’s im Fall des WTI ?
      Wann genau und wie funktioniert das adjustieren ?
      Ich habe das halbe Wochenende drüber sinniert und finde keine Lösung.
      welchen CFD handeln Sie denn genau ?
      Hat jemand einen Tipp, welchen CFD man bei Interactive Brokers für WTI nimmt ?
      Irgendwie finde ich es nicht, und bei der Hotline in Zug ist man in Dauerwarteschleife :-(
      Ich würde mir gern die Spezifikationen und den Chart ansehen, um zu beurteilen ob es es für meinen Handel eventuell auch in Frage kommt (anstelle des USO oder des DBO)
      Herzliche Grüsse

      • Avatar

        Petkov

        20. April 2020 16:26 at 16:26

        Ich schaue mir gerade dieses Produkt an: WKN: PS7WT1 / ISIN: DE000PS7WT17
        Was haltet ihr davon?

        • Avatar

          berti001

          20. April 2020 16:49 at 16:49

          Ich verstehe nicht wie der Emittent daran Geld verdient, es ist ein zertifikat, Laufzeit endlos.

          wenn der Preis weiter fällt auf 5 Dollar und da ja sagen wir mal 2 Jahre steht( nur fiktiv gedacht) und dann wieder steigt von mir aus auf 15 Dollar.
          Wenn ich einfach die Position solange halte, kann ich kein geld verlieren?
          Mein einzigstes risiko wäre, das Emittent pleite geht oder Ölpreis nie wieder über 10 Dollar steigt???

          Ja, ich weiss das ich nix weiss :-)

          Eine einfache Antwort, dafür wäre ich sehr dankbar

          • Avatar

            Petkov

            20. April 2020 20:53 at 20:53

            Hallo Berti, mit einem Zertifikat können Sie in der Tat Ihr Geld komplett verlieren, wenn der Emittent (hier BNP) pleite geht. Aber obiges Produkt ist kein Zertifikat, sondern ein ETF oder besser ein ETC, das zum Sondervermögen zählt und grundsätzlich kein Teil der Insolvenzmasse ist. In der Praxis muss der Emittent üblicherweise Wertpapiere in einem bestimmten Gegenwert hinterlegen, womit die Kapitalanlagen abgesichert werden. Aber selbstverständlich ist nur der Tod sicher.

            Nichtsdestotrotz ist das Produkt durchaus für eine längere Haltedauer geeignet. Aber es gibt mehrere Alternativen, ich habe es rein beispielhaft gepostet.
            Wobei Sie berücksichtigen müssen, dass sie damit nur radeln würden, wogegen die vom Segler beschriebenen Anlagestrategien Richtung Luftfahrt/Fliegen gehen. Oder zumindest Sportwagen fahren. Es lohnt sich auf jeden Fall, sie zumindest nachzuvollziehen, wenn nicht selber handeln.

        • Avatar

          Moritz

          20. April 2020 18:02 at 18:02

          Ich habe ähnliche Produkte unter Beobachtung und vefolge diese erstmal aus diesem Grund:
          Das jeweilige Produkt bezieht sich immer auf einen bestimmten Kontrakt, in diesem Fall Juni, der irgendwann gegen den nächsten (Juli) ausgetauscht wird /gerollt wird. Dabei entstehen sog. Rollverluste, die in der Regel nicht signifikant sind (erst über sehr lange Laufzeiten macht sich das bemerkbar), bei den derzeitingen Abweichungen unter den Kontrakten allerdings massiv ausfallen kann. Also ist Vorsicht geboten bevor man „blind“ etwas kauft, daher schaue ich mir das Verhalten der Produkte zu den Basiswerten an damit es keine bösen Überraschungen gibt.

        • Avatar

          Markus

          20. April 2020 21:32 at 21:32

          Der Emittent verdient schon sein Geld, keine Sorge.
          Das Zertifikat ist relativ uninteressant, falls man es langfristig halten will. Die Rollverluste werden selbst bei steigenden Ölpreisen die Gewinne zum Teil auffressen.
          Für kurzfristige Spekulanten ist das aber ganz ok.
          Hier findet man auch rolloptimierte und währungsgesicherte Zertis:
          https://www.etp.bnpparibas.com/produkte?utm_source=google&utm_medium=cpc&utm_campaign=rohoel&utm_content=wti

          Aber selbst die werden es nicht schaffen, den Rollverlust zu eliminieren.

          • Avatar

            berti

            21. April 2020 04:45 at 04:45

            Danke für die Antworten/Informationen.

        • Avatar

          Segler

          22. April 2020 08:50 at 08:50

          Information zum ETC WTI Öl
          Die bnp Paribas gibt als Emittendin klare Hinweise zu Gewinn- und Verlustmöglichkeiten mit diesem Produkt.
          Schon prinzipiell ist dieser ETC so konstruiert, dass man damit mittel- wie langfristig ausschliesslich Verluste produziert.
          bnp Paribas unterscheidet vier Szenarien, von Stress-Szenario bis optimistisch. Je nach Szenario sind die Verluste klein bis sehr gross.
          Achtung: In keinem einzigen Szenario macht der Inhaber damit Gewinn !
          (mit einer kurzfristigen Ausnahme im sehr optimistischen Szenario)
          Sie legen auch klar die Gründe dafür offen:
          Rollverluste !!
          und natürlich Verwaltungsgebühren etc.
          Diese eingebauten Rollverluste kennzeichnen im Prinzip JEDES Kontraktübergreifende Handelsprodukt, sei es ein ETC, sei es ein „Zertifikat“, sei es der bekannte US Oil Fund USO.
          Die genauen Vorgaben und die Zeitpunkte der Rollvorgänge unterscheiden sich, aber das Prinzip der Rollverluste bleibt immer bestehen.
          In „normalen“ Zeiten eines flachen Contango sind diese Verluste klein, zu Zeiten steilen Contangos wie es aktuell der Fall ist, werden die Verluste sehr gross.
          Fazit:
          Dieser ETC lehrt einen das Gruseln
          Der Handel mit solchen Produkten birgt hohe Verlustrisiken.
          Wer diese Hintergründe nicht versteht, oder nicht weiss, wie Rohstoffmärkte funktionieren, der sollte die Finger davon lassen. Man verbrennt sie sich allzuleicht ;-)
          Zum Thema USO:
          Ich habe diesen ETF ausnahmsweise und nur zu einem Zeitpunkt gehandelt, als der Rollvorgang gerade vorüber war und auch nur in einem erwarteten rebound des Ölmarktes.
          Meine Erwartungen wurden nicht erfüllt, es ergab sich ein Verlust.

          Generell würde ich niemandem empfehlen, solche Produkte long zu handeln.
          Im Gegenteil bieten sie sich für direkten Shorthandel an im Umfeld des steilen Contango.
          In diesem Fall profitiert man von Rollgewinnen.

          Folgende Links geben mehr Information
          Basisblatt
          https://kid.bnpparibas.com/DE000PR5RWU6_DE.pdf

          https://seekingalpha.com/article/4336154-uso-3-reasons-to-sell-rallies-in-crude-oil-etf?ad_inventory=native&ad_position=tile10

      • Avatar

        Hesterbär

        20. April 2020 16:35 at 16:35

        @Segler
        Sie drücken sich oft nicht allgemeinverständlich aus. Ich weiß nicht, was Sie mit Ihren Fragen „Wie gestaltet sich die Anpassung Ihrer CFD’s im Fall des WTI ?“ und
        „Wann genau und wie funktioniert das adjustieren ?“ meinen. Was sollte denn Ihrer Meinung nach bei einem Kassakurs angepasst oder adjustiert werden?

        Bei vielen CFD-Anbietern kann man bei Öl nur den laufenden Monatskontrakt handeln. Das ist bei den gegenwärtigen Preisschwankungen aus meiner Sicht nicht wirklich interessant. Viel besser aufgestellt ist man hier bei Anbietern, die nicht nur den Kassakurs abbilden, sondern auch die nächsten Monatskontrakte.

  5. Avatar

    Übelkeit

    20. April 2020 15:15 at 15:15

    Nein, du gehst eine Papierwette mit der Bank ein. Öl wird hier nirgends gekauft.

    • Avatar

      Segler

      20. April 2020 17:45 at 17:45

      @Hesterbär – genau das meinte ich.
      „Viel besser aufgestellt ist man hier bei Anbietern, die nicht nur den Kassakurs abbilden, sondern auch die nächsten Monatskontrakte…“
      Welche und wie viele Futures fliessen in den CFD ein ?
      Ich würde ja gern die Spezifikationen lesen.
      Es interessiert mich wirklich als Alternative zu den USO etc.
      Vielen Dank

      • Avatar

        Hesterbär

        21. April 2020 12:38 at 12:38

        @Segler
        Der Cash-Kurs wird von den Futures abgeleitet, aber welche Futures in den CFD einfließen und in welcher Gewichtung weiß ich auch nicht. Es genau zu wissen, bringt uns als Anleger aber wohl auch nicht weiter, weil die Alternative fehlt. Im USO würde ich hier eher keine Alternative sehen, denn für den kurzfristigen Handel scheint er mir zu schwankungsarm und als langfristiges Anlageinstrument halte ich ihn für ohnehin nicht interessant.

        Was derzeit am Ölmarkt passiert, sprengt die Vorstellungskraft. Minuspreise für Öl sind wirklich der Hammer, mit dem wohl niemand gerechnet hatte. Ich habe deshalb auch nicht mehr nachgekauft, obwohl die Cash-Preise (aktuell 9,50 USD) historisch betrachtet geradezu nach einem Einstieg schreien.

        • Avatar

          Segler

          21. April 2020 15:01 at 15:01

          Hallo Hesterbär, Vermutlich wird die Gestaltung Ihres Instrumentes ähnlich sein, wie beim USO. Die zeitliche Gewichtung und ggf. das Einbeziehen mehrerer nachfolgender Kontrakte wrd sich unterscheiden.
          Ich habe übrigens meine Restposition am morgen um 10 Uhr bei Handelsöffnung des USO zu 3,55 komplett aufgelöst. Im Gegenzug stiegen die Preise meiner Puts stark an. Diese halte ich noch, da ein weiterer Downmove im Ölpreis kommen wird.
          Ein erneuter Einstieg ind USO verbietet sich im aktuellen Umfeld.
          Derzeit ist Casino, da haben Sie völlig recht.
          Öl-Vola bei 266 (gestriger close). Unfassbar.
          Zu gern würde ich Vola verkaufen (Bull Put Spreads), man bekommt Prämien .. davon träumt man. Das gestrige Erlebnis im Maikontrakt lässt mich jedoch zurückhaltend sein.
          Vor dem Hintergrund der Ölpreisschwankungen muten Bewegungen im Zucker oder Kaffee mit dreieineinhalb Prozent geradezu lächerlich an.
          Herzliche Grüsse

          • Avatar

            Hesterbär

            21. April 2020 16:48 at 16:48

            @Segler
            Ich halte Ihre Entscheidung, den USO komplett zu verkaufen, für vernünftig. So bitter der Verlust auch sein mag. Das Risiko ist groß, dass die Nachfrage-Angebots-Situation sich in den nächsten Monaten bei Öl nicht bessert oder weiter verschlimmert. Das könnte leicht dazu führen, dass die bisherigen Verluste in der Nachbetrachtung in einigen Monaten noch als klein erkannt werden müssen.

            Ich halte meine CFD-Positionen im Öl dennoch aufrecht, werde sie aber wohl nicht mehr aufstocken. Zum einen rechne ich mit einer Intervention der US-Regierung, die den durch den Ölpreisverfall ausgelösten Verwerfungen nicht tatenlos zusehen kann und zum anderen rechne ich mit einem weiteren Crash an den Aktienmärkten umso eher, je länger der Ölpreis auf dem gegenwärtigen Niveau verweilt oder weiter fällt. Die Verluste im Öl könnte ich dann leicht ausgleichen.

          • Avatar

            Lausi

            21. April 2020 20:15 at 20:15

            @Hesterbär: Statt dem USO würde ich jetzt lieber Ouzo kaufen! ;-)

  6. Avatar

    none

    20. April 2020 20:15 at 20:15

    0,00900$ -99,95%
    auf dem boden aufgeschlagen!

    • Avatar

      Petkov

      20. April 2020 21:14 at 21:14

      Eigentlich -40$ zeitweise. Minus 40!!! Wer keine Lagermöglichkeit hat, muss eben Geld zahlen, um die Futures loszuwerden.

    • Avatar

      Markus

      20. April 2020 21:29 at 21:29

      Im Chart der NYMEX kann man sehen, dass der Mai-Kontrakt für WTI derzeit bei -(minus!)40 Dollar notiert.
      https://www.cmegroup.com/trading/energy/crude-oil/light-sweet-crude.html

      • Avatar

        Lausi

        20. April 2020 22:35 at 22:35

        Minus 40 $? Heißt das, dass ich jetzt Geld bekomme, wenn ich Öl kaufe? Mein Gott sind das herrliche Zeiten! LOL

  7. Avatar

    Helmut

    20. April 2020 22:33 at 22:33

    Hallo zusammen,
    gilt denn der Juni Kontrakt ab morgen, Di, den 21.4.20?
    und ist damit zu rechnen, dass dieser Preis im Laufe der Zeit genauso wie der Mai-Kontrakt wegen des riesigen Angebotes gegen Null USD geht?
    werden morgen die Call`s auf WTI plötzlich hoch stehen und weiter steigen?
    Danke für die Einschätzung eines Fachmanns/ Kenners
    Helmut

    • Avatar

      Segler

      21. April 2020 23:28 at 23:28

      Grüezi Helmut, Rohstoffmärkte unterscheiden sich gravierend von Aktienmärkten. Sie sind im Grunde das ursprünglichste aller Termingeschäfte.
      Ich empfehle Ihnen, die Grundlagen zu erarbeiten, bevor Sie ein Derivat auf einen Rohstoff handeln.
      Am Beispiel des Öls zeigen sich die Besonderheiten solcher Märkte in krasser Form. Öl ist aktuell das Musterbeispiel für einen Markt, in welchem ein kurzfristiges Überangebot einem langfristigen Unter- bzw. Normalangebot gegenüber steht. Solche extremen Unterschiede zwischen den einzelnen Handelskontrakten gibt es vielleicht alle zehn bis zwölf Jahre einmal.
      Das Gegenteil wäre eine Verknappung eines Rohstoffes.
      In mehrerer Hinsicht bietet der Handel mit Rohstoffen Vorteile gegenüber Index-Handel.
      Zu Ihrer speziellen Frage:
      Solange das Überangebot im Öl steigt, die Lagerkapazitäten begrenzt bleiben und die Nachfrage nicht entsprechend steigt, muss man damit rechnen, dass auch der Juni Kontrakt dem Weg seines Vorgängers folgt und möglicherweise ebenfalls in den negativen Bereich fällt.
      Zur anderen Frage:
      Die verschiedenen Kontrakte werden immer parallel gleichzeitig gehandelt.
      Nur mit unterschiedlichem Volumen.
      In der Regel (nicht immer) ist der Frontmonat (im Öl jetzt Juni) auch der am meisten gehandelte.
      Ihre Frage:
      Werden Calls „plötzlich“ hoch stehen ?
      Jede Option bezieht sich immer auf den zugrunde liegenden Future und dessen Verfall.
      Mein dringender Tipp: Vergessen sie den unseligen „Endloskontrakt !
      Überhaupt.. welcher wird Ihnen denn serviert ? – der nach Liquidität (067-er) oder jener nach Verfallszeitpunkt ? (057-er)
      Dann können Sie – je nach Chartprogramm noch ansehen, ob ‚backadjusted’oder nicht.
      Oder Sie lassen sich einen Endloskontakt anhand des Verfallszeitunktes anzeigen .. und so weiter….
      Das Prinzipielle Problem:
      In Deutschland reden fast alle nur von von OptionsScheinen
      Noch dazu auf dubiosen Produkten dubioser Emittenden.
      Überall auf der Welt sind sie verboten – ausser in Deutschland (und Schweiz)
      Ebenso wie die berüchtigten CFD’s . Fast überall sind sie verboten. Mit denen handelst Du gegen Deinen Broker ! -Interessenskonflikt !!
      „Papierwette“ nannte es jemand hier. Danke für diesen treffenden Ausdruck :-)

      Vergessen Sie nie: Das Prinzip der Finanzindustrie beruht auf dem „Dummhalten“ ihrer Kunden !
      Also – reinlesen – selber Denken lernen – Es ist gar nicht so kompliziert – und es lohnt sich !
      Für einen Blogeintrag war das viel Stoff.
      Ich hoffe, Sie konten etwas damit anfangen.
      Ansonsten einfach fragen
      Herzliche Grüsse von einem wohlmeinenden „Silberrücken“

  8. Avatar

    Hesterbär

    21. April 2020 13:26 at 13:26

    @Helmut
    Der Mai-Kontrakt ist Geschichte.
    Und ja, wenn sich die Angebotssituation nicht entspannt oder gar verschlimmert, wird auch der Juni-Kontrakt einstürzen.
    Nach kurzfristig steigenden Ölpreisen sieht es derzeit zwar nicht aus, allerdings könnten sie auch unvermittelt sprunghaft ansteigen, wenn die Fördermenge plötzlich stark reduziert wird oder nur die Aussicht darauf besteht. Gründe dafür gibt es einige. Wer derzeit in Öl investiert, begibt sich ins Spielcasino.

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    Helmut

    22. April 2020 00:36 at 00:36

    @Hesterbär und an Alle,
    danke für Deine Antwort.
    Ich hatte bis vor kurzem das FaktorShort Zertifikat VP1768 auf WTI.
    Heute gegen 21 Uhr erfolgte plötzlich ein Absturz von ca 1,5 auf 0,042. Das sieh tfür mich so aus, als ob genau um diese Zeit die UMstellung vom Mai- auf den Juni-Kontarkt erfolgte.

    Mich interessiert, ob, wenn man dann noch investiert ist, der Wert des Investments auch gegen NUll geht oder der Wert des OS um 21 Uhr „ausbezahlt“ wird. Heist das man darf das Zertifikat am besten nicht während der Umstellung besitzen, um fast Totalverlust zu vermeiden.

    Noch eine Frage zu Brent: hat Brent dieselbe Laufzeit bei den Kontrakten? erstaunlich, dass dort heute erst der Absturz kam.

    Spielt jemnd von Euch das Spiel solche Scheine auch über einen Kontraktwechsel zu besitzen?

    Mir war noch aufgefallen, dass das Short Zertifikat seit heute morgen von ca 0,5 auf 3,5 gestiegen war, obwohl doch das WTI auch angestiegen war von ca. -5 auf ca 10 USD. Das mach tfür mich keinen Sinn. Kann mir das bitte jemand erklären. Lieben DAnk.
    Helmut

  10. Avatar

    Geschockt_116

    13. Mai 2020 22:39 at 22:39

    Liebe Forenmitglieder,

    ich habe einen Bock geschossen und hier investiert:
    WTI ÖL (TR) ETC WKN:PS7WT1 https://www.etp.bnpparibas.com/produkte/details/wti-oel-tr-etc/de000ps7wt17 Minus 50%

    Große Verluste, daher bitte keine Häme. Die Frage die habe ist die folgende: lohnt es sich das Produkt zu halten, wenn man davon ausgeht, dass der Ölpreis wieder steigt und ist bei diesem spezifischen Produkt es quasi nur schwierig möglich am steigenden Ölpreis zu partizipieren? Dann würde ich die Verluste so schnell wie möglich realisieren.

    • Avatar

      Lausi

      14. Mai 2020 08:54 at 08:54

      Laut FMW kann man diese Rohstoff-Fonds sowieso in die Tonne treten aufgrund der Rollverluste. Dann lieber Rohstoffe mit CFD’s handeln – oder Futures oder Optionen. Und wie sich der Ölpreis mittelfristig entwickeln wird ist nochmal eine ganz andere Frage. Viel Glück mit dieser Investition!

    • Avatar

      berti001

      14. Mai 2020 10:35 at 10:35

      Respekt für das “ Dazu stehen“

      Aus Fehlern lernt man, also ich nicht immer, aber immer öfter!

  11. Avatar

    Derivateur

    14. Mai 2020 10:14 at 10:14

    Generell gesagt ist das ein Problem der Derivate. Wenn auf dem Papier Produkte in tausendfacher Menge gehandelt werden wie sie physisch vorhanden sind. In normalen Zeiten funktioniert es u.in kritischen Phasen eben nicht.War auch bei der Aufgabe der Untergrenze des CH- Franken das Problem, obwohl der Devisenmarkt der grösste u.liquideste Markt ist.
    Könnte einmal bei Aktien ETFˋs . so kommen. Wenn einmal die ganze Welt FAANG – Aktien verkaufen will , was passiert dann ?

  12. Avatar

    Hesterbär

    14. Mai 2020 10:29 at 10:29

    @Geschockt_116
    Selbst viele Profis haben mit Öl viel Geld verloren, weil es hier zu Entwicklungen kam, die es so noch nie gab.
    Mit meinen CFD’s (Cash-Kurs) hielten sich die Verluste zwar noch in Grenzen, waren aber trotzdem heftig. Und nachdem mein Broker die Preisberechnung vom Dezember-Kontrakt ableitete und die Haltekosten fast verzehnfacht hatte (unglaublich aber wahr), bin ich ausgestiegen und habe meine Verluste realisiert. Nur wenn der Ölpreis in den nächsten Monaten kräftig steigen würde, hätte ich hier wieder gewinnen können.
    Das dürfte bei Ihrem ETC wohl nicht anders sein. Kleinere Kursanstiege werden von den Rollverlusten aufgefressen. Als Langfristinvestment eignet sich Öl nicht und ich sehe kurzfristig beim WTI keine Entspannung. Aber wenn z. B. alle Fracker in den nächsten Wochen Pleite gehen oder die Ölförderung komplett einstellen, könnte der Ölpreis für WTI durchaus kräftig steigen. Aber wenn nicht, verbrennt man ständig nur Geld.

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US-Wahl: Noch drei Monate Unsicherheit – Wall Street hat Trump abgehakt

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Nur etwas mehr als eine Woche dauert es bis zur US-Wahl, aber fast 90 Tage sind es noch, bis in den USA die Amtseinführung des neuen bzw. alten Präsidenten stattfindet. Bis dahin sind große Würfe im US-Kongress in Sachen Wirtschaftshilfen unwahrscheinlich. Können die Aktienmärkte ihren Optimismus auch gegen die ungewöhnliche Vielfalt an Unsicherheiten aufrechterhalten und ihre Kursniveaus verteidigen – oder droht ein neuer Crash?

US-Wahl der Extreme

Die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 finden in einer Zeit statt, in der die Finanzmärkte mit außergewöhnlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Diese begannen schon vor gut einem Jahr mit der Beinahe-Implosion des US-Repo-Marktes. Damals konnte nur durch Notfallmaßnahmen der US-Geldpolitik in Form von Interventionen am Geldmarkt und durch die zur Verfügung Stellung von internationalen US-Dollar-SWAP-Linien ein Kollaps des Bankensystems verhindert werden.

Ohne die anhaltende und im Zuge der Pandemie sogar noch drastisch ausgeweitete Notfallpolitik der US-Notenbank Fed wäre der Stress am Markt für US-Repo-Geschäfte wohl auch ein Thema bei der US-Wahl gewesen. Schließlich war es auch die hohe Neuverschuldung durch das US-Finanzministerium die zu der Liquiditätsaustrocknung am Markt für kurzlaufende US-Staatsanleihen führte. Dabei lautete eines der spektakulärsten Wahlversprechen von Donald J. Trump gegenüber The Washington Post im April 2016 die damals 19,3 Billionen US-Dollar hohen Bundesschulden im Falle seiner Wahl innerhalb von nur acht Jahren komplett zu tilgen. Auch ohne die Kosten der Corona-Pandemie war das utopisch und nichts weiter als billige Wahlkampfpropaganda. Die Schuldenuhr zeigt gemäß US-Finanzministerium zum 22. Oktober 2020 übrigens einen Stand von 27,1 Billionen US-Dollar an (Public Total Debt). Ein Anstieg um 7,3 Billionen US-Dollar bzw. 36 Prozent seit dem Amtsantritt von Präsident Trump im Januar 2017.

Weitere Unsicherheitsfaktoren für die zukünftige Wirtschafts- und Gewinnentwicklung in den USA sind neben der wieder stark an Dynamik gewinnenden Corona-Pandemie die Zerschlagungsbestrebungen von „Big Tech“, die nach wie vor prekäre Lage am US-Arbeitsmarkt mit über 30 Millionen Transferleistungsempfängern sowie saisonbereinigt rund 12,6 Millionen Arbeitslosen im September 2020.

Fast unbemerkt von den Devisenmärkten hat sich kurz vor der US-Wahl das Handelsbilanzdefizit der USA mit 67,1 Mrd. US-Dollar im August 2020 auf das höchste Niveau seit der Lehman-Krise im Jahr 2008 aufgebläht. Der Handelskrieg, nicht nur mit China, konnte diese Entwicklung nicht verhindern. Nach wie vor sind die USA in der Gesamtbetrachtung nicht in der Lage, in vielen Sektoren international wettbewerbsfähig zu sein (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Die Herausforderungen, mit denen die USA in Friedenszeiten während dieser US-Wahl konfrontiert werden, sind einmalig. Dies gilt auch für den Amtsinhaber Donald J. Trump, der in vielen seiner Handlungen und Worte sehr unkonventionell und extrem anmutet. Man kann nur spekulieren, wie ein Präsident oder eine Präsidentin anderen Charakters eine solche Gemengelage meistern würde.

Der heimliche Präsident tritt bei der US-Wahl gar nicht an

In Kombination mit dem US-Staatsdefizit in Höhe von ca. 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ergibt sich mit dem Defizit im Außenhandel ein fatales Bild für die größte Volkswirtschaft der Welt. Das Mantra des stärksten und mächtigsten Landes der Welt ist nur noch eine hohle Phrase, basierend auf der Androhung von Waffengewalt und extraterritorialen Repressalien. Ob die Welt ohne diesen Status besser dastünde, ist seriös nicht prognostizierbar und auch nicht, wie lange diese Epoche der US-Dominanz noch währt.

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet aber weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed, die beliebig viele Dollars zum Ausgleich des Zwillingsdefizits und zur Aufrechterhaltung der US-Wirtschaft erzeugen kann. Natürlich auch, um die Party im Börsensaal auf der Titanic in Schwung zu halten. Dem heimlichen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Jerome Hayden „Jay“ Powell und seinem Offenmarkt-Komitee sei Dank.

Die Bilanzsumme der US-Notenbank (Fed) hat nun kurz vor der US-Wahl mit einem Gesamtvolumen von 7,18 Billionen US-Dollar das absolut und in Relation zum jährlichen BIP höchste Niveau aller Zeiten erreicht. Dabei kann man den geldpolitischen Akteuren keine Parteinahme für den ein oder anderen Kandidaten im US-Wahlkampf unterstellen. Die Intention der anhaltenden Geldflutung des Finanzsystems ist schlicht und einfach, dessen Existenz weiterhin sicherzustellen. Gegen diese Zwangslage wird auch in Zukunft keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten Politik betreiben können. Damit manifestiert sich die Rolle der zum Teil in privater Hand befindlichen Fed als Staat im Staate weiter und die Demokratie US-amerikanischer Prägung wird trotz Wahl endgültig zur Illusion.

Die Wallstreet hat Trump schon abgehakt

Die Finanzmärkte haben diesen Zusammenhang längst hergestellt, was auch erklärt, warum sich die Vermögenspreise trotz der Vielfalt extremer Unsicherheiten, inkl. dem Ausgang der US-Wahl, in luftigen Höhen bewegen. Besonders deutlich wird dies an der positiven Korrelation zwischen steigenden Umfragewerten für den Herausforderer Joseph Biden und der Zuversicht auf ein noch größeres, von der Fed finanziertes Stimulusprogramm. Für diese Aussicht ignoriert man sogar mögliche Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre und Unternehmen im Falle eines Sieges der Demokraten bei der US-Wahl.

Aus Sicht vieler tief religiöser Trump-Wähler stellt sich ohnehin die Frage, warum man den exzentrischen Präsidenten nochmals wählen sollte? Schließlich hat er mit der Neubesetzung des obersten Gerichts und der größten Steuerreform der letzten 35 Jahre schon sehr viel erreicht. Wie viel mehr könnte er in einer zweiten Amtsperiode noch erreichen, was sein exzentrisches und volatiles Verhalten aus Sicht evangelikaler und katholischerer Wähler entschuldigt?

Die Zeitlücke nach der US-Wahl

Lediglich die zeitliche Verzögerung zwischen dem Wahltermin am 3. November und der Amtseinführung am 20. Januar könnte bei dieser US-Wahl ein besonderes Risiko darstellen. Die Zahlungen aus den Corona-Hilfspaketen gehen bereits seit August deutlich zurück, die zweite Welle der Pandemie schließt in den USA mit neuen Rekordansteckungen nahtlos an die erste Welle an. Wie lange wird es dauern, bis sich dies in der Konsumentenstimmung sowie den Konjunktur- und Unternehmenszahlen niederschlagen wird?

Ein nochmaliger Corona-Crash als erneute Einstiegsopportunität?

Im wahrscheinlichsten Fall wäre ein nochmaliger Rückschlag bei den Vermögenspreisen eine ebenso lohnenswerte Einstiegsmöglichkeit wie bereits während des Lockdown-Crashs im März dieses Jahres.

Man sollte also trotz aller Risiken nicht zu viele Chips vom Tisch nehmen, auch wenn die Gemengelage zur Vorsicht mahnt. Doch Fakt bleibt: Auf die Fed ist Verlass und deren Pulverkammern, bestehend aus ungedecktem digitalem FIAT-Geld, sind unlimitiert und können unabhängig von finanzpolitischen Entscheidungen des Kongresses die Unternehmen, die Verbraucher und die Finanzmärkte stützen.

Fazit und Ausblick

Mag man zu den US-Präsidentschaftskandidaten stehen, wie man will, für die Finanzmärkte spielt die Musik schon lange nicht mehr in der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington (Weißes Haus), sondern Ecke Constitution Ave NW und 20th St. NW (Board of Governors of the Fed).
Besonders bei dieser US-Wahl spielen für Anleger starke Nerven und das Aushalten hoher Volatilität eine große Rolle. Ebenso wie ein gesunder Opportunismus. Dabei ist es für den Anlageerfolg unerheblich, welchen Kandidaten man persönlich präferiert oder ob man an dieses oder jenes glaubt oder nicht glaubt. Entscheidend ist das Verständnis für den Zusammenhang zwischen digitaler Notenpresse und Vermögenspreisen. Diese Konstante wird uns mit weiter zunehmender Bedeutung noch eine Weile erhalten bleiben.

Die US-Wahl bringt zunächst Unsicherheit, aber entscheidend für die Aktienmärkte ist die Fed

 

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Finanznews

US-Wahl: Wer liegt falsch? Marktgeflüster (Video)

Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Wer hat Recht – und wer liegt daneben? Eine Analyse der Lage

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Das sind die Anleihemärkte, die mit steigenden Renditen von einem klaren Sieg von Joe Biden und den US-Demokraten ausgehen und daher mit einem großen Stimulus rechnen. Die Aktienmärkte dagegen scheinen noch unentschlossen und fokussieren sich auf das kurzfristige Geschehen, ergo die Hoffnung auf einen Stimulus noch vor der US-Wahl. Anders aber sieht es der Devisenmarkt: der US-Dollar bleibt robust, große Player haben ihre Wetten auf einen fallenden Dollar aufgelöst. Wenn aber der Dollar nicht schwächer wird heißt das, dass es den von den Anleihemärkten prognostizierten klaren Sieg der US-demokraten bei der US-Wahl nicht geben wird. Haben also die Devisenmärkte recht – oder doch die Anleihemärkte?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

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Indizes

Rüdiger Born: Gute Laune bei Dax und S&P 500 – Rücksetzer möglich?

Rüdiger Born

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am

Dax und S&P 500 sind derzeit gut gelaunt. Ist an den steigenden Kursen derzeit aus charttechnischer Sicht nichts auszusetzen? Oder sind Rücksetzer doch möglich? Mehr dazu im folgenden Video.

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