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Ölpreis tagelang kräftig am Fallen – Blick auf das Gesamtbild

Der Ölpreis erlebt seit Tagen einen dramatischen Absturz. Man kann fast sagen: Der Ölmarkt will derzeit fallen. Oder hat er gute Gründe? Werfen wir an dieser Stelle mal einen Blick auf das Gesamtbild. Da war am 14. September das vielleicht interessanteste Ereignis der letzten Monate am Ölmarkt – der Angriff auf die saudischen Öl-Anlagen, wodurch 5,7 Millionen Barrels Öl pro Tag an Förderkapazität ausfielen – mehr als die Hälfte der saudischen Förderung.

Beispielbild Ölpumpe - Ölpreis stark fallend
Foto: pixabay / jp26jp

Saudis überraschen den Markt

Im Chart sieht man es gut. Der Ölpreis stieg danach kräftig an von 55 auf 63 Dollar im WTI-Öl. Wohl der gesamte Markt als auch wir als Beobachter wurden überrascht durch die Geschwindigkeit, mit welcher die Saudis die Zerstörungen an ihren Anlagen wieder hergestellt haben (hier die Raketentreffer im Video). Dadurch wurde viel Druck vom Markt genommen. Der Chart zeigt gut, dass die Angst vor einer Angebotsknappheit schnell wieder verflog, und der Ölpreis Tag für Tag zurück kam.

Ölpreis deutlich gefallen dank diverser Gründe

Die Lücke zum vorigen WTI-Ölpreis bei 55 Dollar wurde dann diese Woche Montag geschlossen. Dann ging es bis heute weiter gen Süden von 55 auf 52,60 Dollar heute. Was ist passiert? Das wichtigste Ereignis dieser Woche war der grottige ISM-Index (Gewerbe) am Dienstag in den USA, der deutlich schwächer vermeldet wurde als erwartet, und somit eine deutlich schlechtere Konjunkturlage für die USA anzeigt. Heute um 16 Uhr kommt übrigens der ISM-Index für Dienstleistungen – der ganze Markt schaut auf dieses Ereignis! Auch der Ölpreis dürfte davon beeinflusst werden, wenn die Zahl anders reinkommt als erwartet (wir werden dann umgehend kurz nach 16 Uhr berichten).

Dann gab es gestern für Deutschland deutlich gesenkte BIP-Prognosen, was auch ausländische Märkte runterzog. Und gestern wurden die Öl-Lagerbestände in den USA mit +3 Millionen Barrels gemeldet, nach vorher -6 Mio veröffentlicht durch API. Hier war der Ölmarkt überrascht, dass API so stark daneben lag, und schickte den Ölpreis weiter nach unten. Also, vor allem diese Woche haben wir eine Aneinanderkettung negativer Nachrichten, die den Ölpreis immer weiter schwächten. Dazu noch im größeren Bild die Fähigkeit der Saudis ihre Förderung zügig wiederherzustellen. All das macht die Shorties seit Tagen glücklich.

Lickblicke für Öl-Bullen?

Tja, gibt es auch Lichtblicke für die Öl-Bullen? Einerseits könnte es heute bei den ISM-Daten eine Überraschung geben. Alles ist möglich, nach oben wie nach unten. Und ständig könnten „mal wieder“ positive statt negative News zum Handelskrieg dem Ölpreis hoch helfen. Und nach den Angriffen auf die saudischen Öl-Anlagen können jederzeit neue Angriffe erfolgen. Aber momentan scheint sich die Lage zwischen Saudis und Houthis ein wenig entspannt zu haben. Im großen Bild schwebt die maue Konjunktur aber dämpfend über dem Ölmarkt.

Ölpreis WTI seit dem 6. September



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