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Ölpreis-Desaster: Wie sich die US-Produzenten ihr eigenes Grab schaufeln

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Schon seit Monaten findet ein großes Ölpreis-Desaster statt. Der Preis verharrt auf einem tiefen Niveau, trotzdem steigt in den USA die Fördermenge immer weiter. Wie sich die US-Produzenten ihr eigenes Grab schaufeln…

Fracking in North Dakota Rekordfördermenge drückt den Ölpreis
Fracking im „Bakken“-Feld im US-Bundesstaat North Dakota.
Foto: Joshua Doubek / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

„rig counts“ fallen seit Monaten

Die „rig counts“ sind die Anzahl der in den USA aktiv betriebenen Öl-Bohrlöcher. Diese Zahl ist in den letzten Monaten aufgrund eines viel zu geringen Ölpreis-Niveaus immer weiter zurückgegangen. Ölproduzenten würden mit jedem neuen produzierten barrel Verlust einfahren und schließen ihre Bohrlöcher. Wurden in den USA Mitte 2014 noch 1600 Bohrlöcher aktiv bewirtschaftet, sind es aktuell nur noch 631. Die Zahl fällt seit Monaten von Woche zu Woche – die Verringerung verlangsamt sich aber.

Fördermenge

Da die „rig counts“ seit Monaten immer weiter fallen, müsste die Öl-Fördermenge in den USA ebenfalls kontinuierlich fallen. Aber seitdem sich der Ölpreis nach und nach halbierte, hat die Fracking-Industrie in den USA bei den noch aktiven Bohrlöchern dazugelernt, und hat angefangen ihre Produktivität drastisch zu steigern und Ölfelder besser auszubeuten. Auch entwickelt sich die Fracking-Technologie rasant weiter, so dass man die Hoffnung hat auch zu tieferen Niveaus als einem Ölpreis von 60 US-Dollar kostendeckend arbeiten zu können. Und so kommt es, dass die Fördermenge in den USA paradoxerweise gegenläufig zur Anzahl der aktiven Bohrlöcher weiter ansteigt. Seit 2010 hat sich das täglich geförderte Volumen an Öl fast verdoppelt, auf aktuell 9,6 Mio barrel pro Tag. Das ist der höchste Stand seit 43 Jahren.

Verdoppelung der Ölproduktion
Grafik: US Energy Information Administration

Größtes US-Ölfeld in North Dakota

Im US-Bundesstaat North Dakota liegt das landesweit größte Ölfeld „Bakken“. Die Energiebehörde von North Dakota veröffentlicht daher umfangreiche Statistiken zum Thema Öl. In dieser Grafik sieht man von 1970 bis 2015 in grün die explodierende Fördermenge. Ab dem Jahr 2005 wurde Fracking als Technologie kommerziell erst richtig verwendbar – seitdem explodierte die Fördermenge in North Dakota um mehr als 1000%. Als schwarz gestrichelte Linie sieht man dazu den Ölpreis der Sorte „North Dakota Sweet“. Eigentlich kann kaum ein Chart besser zeigen, was auf einem freien Markt passiert, wenn die Angebotsmenge explodiert: der Preis fällt!

North Dakota Öl
Grafik: North Dakota State Government

North Dakota monatliche Ölproduktion
Ölproduktionsmenge in North Dakota seit den 1950ern. Für einen steigenden Ölpreis müsste die Fördermenge eigentlich massiv eingeschränkt werden.
Grafik: North Dakota State Government

Lagerbestände

Die stark ansteigende Fördermenge in den USA muss irgendwo abbleiben, denn einerseits steigt die Nachfrage nach Öl in den USA nicht mal ansatzweise so schnell wie die Fördermenge, andererseits dürfen US-Produzenten nur einen sehr kleinen Teil ihrer Ölproduktion exportieren. Die Folge: Das In den USA produzierte Öl wird eingelagert in großen Tanks, und sogar auf Schiffen. Im Juni 2014 waren in den USA 388 Mio barrel Öl eingelagert. Letzte Woche waren es 463 Mio barrel, ein Plus von 19,3% in nur einem Jahr. Der Lagerbestand verharrt auf einem 80jährigen Rekordniveau, Zitat der Energiebehörde EIA:

„U.S. commercial crude oil inventories (excluding those in the Strategic Petroleum Reserve) decreased by 4.9 million barrels from the previous week. At 463.0 million barrels, U.S. crude oil inventories remain near levels not seen for this time of year in at least the last 80 years.“

Lagerbestände US-Rohöl
Grafik: US Energy Information Administration

Ölpreis

Der Ölpreis hat sich in 2014 halbiert, und schafft es in der ersten Jahreshälfte 2015 nicht wirklich sich signifikant zu erholen. Hauptgrund hierfür ist die OPEC, die nicht daran denkt ihre Fördermenge zu senken; ganz im Gegenteil möchte man wohl eher noch mehr Öl auf den Weltmarkt werfen. Das übt natürlich auch Druck auf den Ölpreis der US-Sorte „West Texas Intermediate“ (WTI) aus, wie im Chart dargestellt. Die OPEC fördert derzeit 30 Mio barrel pro Tag, die USA knapp unter 10 Mio. Wenn die USA auf 9, 8 oder 7 Mio zurückgehen würden, wäre das zumindest ein drastisches Zeichen für die Verknappung des Angebots. Aber in solchen Dimensionen wird die amerikanische Ölindustrie wohl kaum ihre Förderung zurückfahren. Kein gutes Zeichen für einen nachhaltig höheren Ölpreis.

Ölpreis
Der Ölpreis seit 2007.

Paradoxon

Die US-Ölindustrie braucht dringend einen höheren Ölpreis. Die Saudis sind schon auf dem besten Weg den Weltmarkt mit noch mehr Öl zu fluten – da wäre es eigentlich logisch, wenn sich die Amerikaner absprechen und ähnlich wie die OPEC ihre landesweite Fördermenge kontrolliert herunterfahren, bis sich der Ölpreis erholt hat (Angebot und Nachfrage). Aber etwas Vergleichbares wie die OPEC gibt es für die Fracking-Industrie in den USA nicht. Unzählige mittelgroße und kleine Unternehmen wurschteln alle nebeneinander her, jeder für sich, ohne sich abzustimmen.

Was passiert folglich? Der einzelne Ölförderer will natürlich sein Unternehmen nicht freiwillig vom Markt nehmen und fördert weiter Öl. Man hofft für die eigene Firma, irgendwie die Gewinnschwelle durch Effizienzsteigerungen zu erreichen. Der einzelne Produzent sieht aber nicht, dass er mit seiner ständigen Produktionsausweitung seinen eigenen Ölpreis kaputt macht. Mehr Angebot = geringerer Preis.

Die Schwelle, ab der die Amerikaner Fracking derzeit gewinnbringend betreiben können, liegt grob geschätzt (!) bei den derzeit im WTI erzielbaren 60 US-Dollar. Wo genau die Gewinnschwelle liegt, hängt vom einzelnen Produzenten ab, ob groß oder klein, kapitalstark oder zu hohen Zinsen verschuldet etc.

Das Hauptproblem: Die US-Ölindustrie hat keinen einheitlichen Verband wie die OPEC. Die Fördermenge wird nicht gemeinschaftlich gesteuert – daher kann man auch keinen wirklichen Einfluss auf den Ölpreis nehmen. So produzieren auch weiterhin viele einzelne Ölproduzenten in den USA viel zu viel Öl, und halten damit den Ölpreis tendenziell weiter unten – womit sie sich folglich ihr eigenes Grab schaufeln.

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Zinskosten: So gigantisch sind die Ersparnisse für Kreditnehmer im Langzeitvergleich

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Dass Kreditnehmer in einem jahrelangen Umfeld immer weiter fallenden Zinsen die großen Gewinner sind, das ist kein Geheimnis. Aber es ist mal interessant zu sehen, wie viel Zinsen ein Häuslebauer vor 20 Jahren gezahlt hat, im Vergleich zu einem heutigen Abschluss, bei selber Kreditsumme und Tilgungshöhe. Die Interhyp AG hat aktuell einen Vergleich veröffentlicht, der die tatsächliche Dimension aufzeigt, wie viel Geld man heutzutage spart.

Hat man im Jahr 2000 abgeschlossen, entstanden bei einer Darlehenssumme für einen Immobilienkredit über 300.000 Euro und 2 Prozent Tilgung in 10 Jahren insgesamt 172.000 Euro an Zinskosten. Damals lagen die Zinsen bei 6,5 Prozent. Mit heute nur noch 0,8 Prozent hat man gerade mal noch 22.000 Euro Zinskosten! Das lohnt sich natürlich besonders für Häuslebauer, weil die Darlehenssummen hier so hoch sind, so möchten wir anmerken – aber die Sache hat einen Haken. Wo man als Kreditnehmer für Häuschen oder Eigentumswohnung extrem stark bei den Zinskosten spart, da zahlt man auf der anderen Seite drauf bei den in den letzten Jahren explodierten Immobilienpreisen.

Sicherlich sind die aktuellen Informationen der Interhyp AG auch eine schlecht versteckte Eigenwerbung, aber sei es drum. Die Experten sagen, auszugsweise im Wortlaut:

Auch wenn vielerorts die gestiegenen Immobilienpreise höhere Darlehenssummen erfordern, bleiben die Raten für viele Menschen leistbar. Der Zinsvorteil ermöglicht in vielen Fällen eine höhere Tilgung als früher. Die Expertin rät Eigenheimbesitzern, die Sparchancen für ihre Anschlussfinanzierung zu nutzen und sich schneller zu entschulden. Bauherren und Käufer sollten die Finanzierung wohlüberlegt angehen. Wichtig sei, bei der Finanzierung einen möglichen Zinsanstieg in Zukunft einzukalkulieren und mit langen Zinsbindungen und hohen Tilgungen vorzusorgen.

Hier auszugsweise weitere Aussagen von Interhyp. Zitat:

Im März 2020 sind die Zinsen auf ein neues Allzeittief von rund 0,7 Prozent im Mittel gefallen und auch jetzt liegen sie nur knapp darüber, berichtet Interhyp. Zum Teil sind sogar Bestzinsen von unter 0,5 Prozent möglich. Die Monatsrate für einen Musterkredit über 300.000 Euro (0,8 Prozent) beträgt im Herbst 2020 bei einer zweiprozentigen Anfangstilgung nur noch 700 Euro. Die Zinskosten über 10 Jahre liegen dafür heute nur bei 22.000 Euro – einem Bruchteil der Kosten bei Abschluss im Jahr 2000.

Rat der Experten: Sparchancen für schnelle Entschuldung nutzen

Um die Zinsersparnis zu verdeutlichen, hat Interhyp in der Beispielrechnung immer mit der gleichen Anfangstilgung gerechnet. Der Rat der Finanzierungsexperten ist jedoch, heute eine höhere Tilgung zu wählen. Das sei möglich mit Raten, die nicht wesentlich über denen früherer Jahre liegen. Mirjam Mohr: „Unsere Daten zeigen, dass Kreditnehmer ihre Entschuldung im Blick behalten. Die anfängliche Tilgung bei Bauherren und Käufern ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von unter zwei im Mittel auf über drei Prozent gestiegen. Bei der Anschlussfinanzierung ist sie sogar von unter drei Prozent auf rund sechs Prozent gestiegen.“ Viel sparen im Vergleich zu früher könnten vor allem Eigenheimbesitzer mit Bedarf für eine Anschlussfinanzierung. Bauherren und Käufer sollten mit Blick auf hohe Kaufpreise und Darlehenssummen auf Sicherheit achten, zum Beispiel, indem sie günstige Zinsen mit langen Zinsbindungen festschreiben oder viel tilgen. „Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich das Zinsniveau über die Jahre deutlich ändern kann“, sagt Mirjam Mohr.

Grafik zeigt im Langfristvergleich sehr stark gesunkene Zinskosten

Chart zeigt langfristig extrem stark sinkende Zinsen

Grafiken und Daten: Quelle Interhyp

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Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

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Von

Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

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Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

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Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

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