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Ölmarkt preist drohende Nachfrageschwäche ein Ölpreis fällt 9 Dollar in 26 Stunden – nun ist die Angst im Markt

Der Ölpreis rutscht in 26 Stunden 9 Dollar ab. Derzeit ist die Angst vor einer Rezession im Markt.

Öl-Bohrplattformen

In den letzten Monaten haben wir es diverse Male beschrieben: Der Ölmarkt schwankt zwischen Verknappungsangst und Rezessionsangst. Dementsprechend gab es oft ein Auf und Ab im Ölpreis. Jetzt sieht man wieder eine große Bewegung. Allein in den letzten 26 Stunden fällt der Brent-Ölpreis von 105 Dollar auf aktuell 95,84 Dollar (TradingView Chart mit Brent als CFD-Kurs reicht 30 Tage zurück). Das amerikanische WTI-Öl fällt entsprechend auch deutlich.

Rezessionsangst ist wieder da – Ölpreis wird runtergezogen

Gestern konnte der Ölpreis bereits ein paar Dollar fallen und damit diesen Move auslösen, weil es entspannende Signale aus dem Irak gab. Dortige bürgerkriegsähnliche Zustände führen offenbar doch nicht zu einer Beeinträchtigung der Ölproduktion, und Verknappungsängste erwiesen sich als Luftnummer – dementsprechend konnte der Ölpreis fallen. Jetzt aber rückt das Thema Rezession in den Vordergrund. Die weiter steigende Inflation in Europa (heute neuer Rekord bei 9,1 Prozent) dürfte weiter auf die Konsumlaune der Verbraucher drücken, und auch die Nutzung des eigenen Autos maximal einschränken, wenn die Inflation das verfügbare Einkommen noch stärker auffrisst. Nun anstehende Zinssenkungen belasten die Konjunktur, und damit auch die Öl-Nachfrage?

Ölpreis Brent im Verlauf der letzten 30 Tage

Laut Bloomberg besteht die Sorge, dass eine straffere Geldpolitik der Notenbanken das Wachstum beeinträchtigen wird, und dass China seine Covid Zero-Strategie fortsetzt. Europa befindet sich in einer Energiekrise, die eine Rezession einläuten könnte, während sich in Asien das Wachstum in China, dem größten Ölimporteur der Welt, verlangsamt hat.

„Der Verbrauch von Rohöl und Ölprodukten hat in den meisten wichtigen Ländern der Welt nicht den Erwartungen entsprochen“, sagte Georgi Slavov, globaler Leiter der Fundamentalanalyse beim Londoner Maklerunternehmen Marex. „In der Zwischenzeit hat sich das Angebot entlang der gesamten Versorgungskette immer weiter aufgestockt, und das Ergebnis ist diese Preisschwäche, die wir erleben.“

Die Zentralbanken, insbesondere die US-Notenbank, haben in dieser Woche ihre Überzeugung bekräftigt, dass eine Anhebung der Zinssätze erforderlich ist, um die rasche Inflation abzukühlen, was dem Wirtschaftswachstum und der Ölnachfrage zusätzlichen Gegenwind verschafft.

Die Händler beobachten laut Bloomberg jedoch eine Reihe von angebotsbezogenen Problemen, die die Preise in die Höhe treiben könnten. Während es in den letzten Tagen sowohl in Libyen als auch im Irak zu erheblichen Unruhen gekommen ist, scheint die Ölproduktion in beiden OPEC-Mitgliedsländern bisher nicht beeinträchtigt worden zu sein. Unabhängig davon zogen sich die Gespräche zur Wiederbelebung eines iranischen Atomabkommens, das höhere Rohölexporte ermöglichen könnte, in die Länge, und die russische Produktion wurde auf einem Niveau gehalten, das über den früheren Erwartungen lag.

„Russland war in der Lage, Abnehmer in Asien, insbesondere in China und Indien, zu finden, und im Gegenzug blieb mehr Öl aus Saudi-Arabien und anderen Produzenten für die westlichen Länder übrig – das hat auch die Angebotsseite gestärkt“, sagte Carsten Fritsch, Analyst bei der Commerzbank, laut Bloomberg per Telefon.

Der Rückgang im Ölpreis im August ist das jüngste Kapitel in einem turbulenten Jahr, in dem die Preise in der ersten Jahreshälfte durch den Einmarsch Russlands in der Ukraine in die Höhe getrieben wurden, dann aber unter Druck gerieten, als die Zentralbanken ihren Kurs änderten und Moskau es schaffte, die meisten Exporte am Laufen zu halten. Der jüngste Einbruch im Ölpreis veranlasste das OPEC+-Schwergewicht Saudi-Arabien dazu, die Idee ins Spiel zu bringen, dass die Allianz ihre Produktion drosseln könnte, obwohl russische Medien berichteten, dass die Allianz derzeit nicht über einen solchen Schritt diskutiere.

Das Hauptthema „sind pessimistische makroökonomische Erwartungen, gepaart mit einem knappen Angebot aufgrund niedriger Lagerbestände“, sagte Zhou Mi, Analyst am Chaos Research Institute in Shanghai, das mit Chaos Ternary Futures Co. verbunden ist.

Die Daten vom Mittwoch verdeutlichten die Herausforderungen, vor denen China steht. Die Fabrikaktivität schrumpfte im August zum zweiten Mal, und die Wirtschaft wurde durch den Ausbruch von Covid-19, eine Krise auf dem Immobilienmarkt und Stromengpässe beeinträchtigt.

Auch Rohstoffe wie Rohöl haben in diesem Monat durch den Anstieg des Dollars Gegenwind bekommen, der die Rohstoffe für Besitzer außerhalb der USA teurer macht. Der Bloomberg Dollar Spot Index ist im August um mehr als 2 % gestiegen, da sich die Federal Reserve zu höheren Zinssätzen verpflichtet hat, und nähert sich damit einem Rekordhoch, das im Juli erreicht wurde.

Die wichtigsten Zeitspannen deuten darauf hin, dass die Anspannung auf dem Markt nachgelassen hat. Der Prompt-Spread von WTI – die Differenz zwischen den beiden nächstgelegenen Kontrakten – lag in der Backwardation bei 41 Cent pro Barrel, verglichen mit $ 1,87 vor einem Monat.

Einen Einblick in die Marktbedingungen in den USA wird es gleich um 16:30 Uhr geben, wenn die Energy Information Administration ihre wöchentlichen Öl-Lagerbestände veröffentlicht.

FMW/Bloomberg



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5 Kommentare

  1. Pingback: Ölpreis fällt 9 Dollar in 26 Stunden – nun ist die Angst im Markt - finanzmarktwelt.de - Asienzeitung

  2. Bloß die fallenden Preise werden nicht an den Verbraucher weitergegeben . Betrug am Kunden .

  3. Ist doch klar, die Politik steckt mit der Wirtschaft unter einer Decke und verdient sich dumm und dämlich. Womöglich ist der Grossteil unserer Politiker als Aufsichtsrat oder Funktionär dort noch mit im Boot!

  4. Jeder versucht sich doch hier die Taschen so schnell wie möglich voll zu Stopfen auf Kosten der Bürger und Begründet das mit Wir alle haben unseren Beitrag zu Leisten.
    Jahre lang Verdienen die sich hier im Land eine Goldene Nase und wenn der Bürger Sie brauch,zieht man ihnen noch mehr aus den Taschen.

    Entlastungspakete sind der reinste Witz.
    Preisdeckel in allen Bereichen wären Einfacher und von der Regierung viel besser zu Steuern,die Transparenz gegenüber der Bevölkerung wäre auch gegeben.

    Wir sind am Punkt wo alle an ihr gespartes müssen (sind wir vor einem Stattbankrott?)

    Meine Lieben von uns Gewählten Politiker von guten Ratschlägen haben Wir alle genug im Schrank.
    Wie heißt es Kneift mal eure A….backen zusammen und macht mal vernünftige Arbeit in eurem Amt.
    Schaden habt ihr von uns Abzuwenden und nicht rum zu Eiern bis nichts mehr geht.

    So ich geh mich mal mit dem Waschlappen waschen,Fleisch gibt es sowieso schon nur noch einmal die Woche .😁

    Keine Angst das wird noch alles schlimmer.
    Dauert nicht mehr lange und das Volk geht auf die Straße und Demonstriert gegen diese Politik.
    Das soll kein Aufruf sein aber es ist eine Logische Konsequenz.

    Setzt endlich überall einen Preisdeckel….Mieten,Energie,Lebensmittel,Kraftstoff ect.scheisse wenn man alleine nichts zu sagen hat.

  5. Der Ölpreis als Frühindikator in Sachen Entwicklung der Weltwirtschaft. Handlungsbedarf zugunsten einer Stimulierung der Weltwirtschaft besteht darin, eine entsprechende Versorgungssicherheit mit Gazprom-Erdgas sicherzustellen. Um in Sachen letzteres möglichen weiteren technischen Problemen bei Nord Stream 1 entgegenzuwirken, gilt es, Nord Stream 2 als Option anzusehen, so wie es der Vorsitzende des Aktionärsausschusses der Nord Stream AG Bundeskanzler a.D. Dr. Gerhard Schröder, RA im Rahmen eines kürzlich zurückliegenden Stern-Interviews empfiehlt.

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