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Ölpreis fällt aktuell um 5 % – beschränkter Israel-Angriff auf den Iran

Der Ölpreis fällt gegenüber Freitag Abend deutlich. Denn der "milde" israelische Angriff gegen den Iran preist Risiken aus dem Markt aus.

Öltanker
Öltanker. Foto: A_Mededkov-Freepik.com

Es ist ein nur auf den ersten Blick merkwürdiger Move der Börsen: Wenn ein Angriff im Nahen Osten stattfindet, fällt der Ölpreis. Dabei müsste es doch eigentlich umgekehrt sein? Eben nicht! Der Ölpreis fällt heute früh deutlich. Denn die Händler sagen sich sinngemäß: Der israelische Angriff auf den Iran, der am Samstag stattfand, war offenbar derart moderat und harmlos, dass eine weitere Eskalation und Spirale der Gewalt zwischen Iran und Israel unwahrscheinlich erscheint.

Ölpreis fällt – Blick auf Israel-Angriff gegen den Iran

Der Ölpreis ist zu Wochenbeginn um mehr als 5 % gefallen, nachdem israelische Angriffe auf Ziele im Iran die Rohöl-Förderanlagen verschont hatten und die Aussicht auf eine Entspannung der Feindseligkeiten in der Region gestiegen war, so die Einordnung von Bloomberg. Weiter wird berichtet: Der Brent-Ölpreis fällt gegenüber Freitag Abend von 76 auf unter 73 Dollar pro Barrel, und West Texas Intermediate lag bei fast 68 Dollar, nachdem es einige Verluste wettgemacht hatte. Israelische Kampfflugzeuge griffen am Samstag militärische Ziele im Iran an und lösten damit ihr Versprechen ein, sich für einen Raketenbeschuss zu Beginn des Monats zu rächen, obwohl der Angriff zurückhaltender ausfiel als erwartet. Der Angriff vermied Öl-, Nuklear- und zivile Infrastruktur, wie von der Regierung von US-Präsident Joe Biden gefordert. Die Citigroup senkte ihre Brent-Preisprognosen und verwies auf geringere Risiken durch den Konflikt im Nahen Osten.

Chart zeigt Entwicklung im Ölpreis

Teheran schwor nicht sofort, auf den Angriff zu reagieren, und die staatlichen Medien des Iran berichteten, dass die Ölindustrie des Landes normal arbeitet.
Der iranische Raketenangriff am 1. Oktober führte zu einer Kriegsprämie für Öl (erhöhter Ölpreis), aber die begrenzte Reaktion Israels wird die Aufmerksamkeit des Marktes wahrscheinlich wieder auf das reichliche Angebot und die Bedenken hinsichtlich der chinesischen Nachfrage lenken. Die Gewinne der industriellen Unternehmen des asiatischen Landes am Wochenende verdeutlichten die schwachen Aussichten für den weltweit größten Rohölimporteur, trotz der jüngsten Anreize der Regierung.

„Israels Vergeltungsschlag am Samstag wurde größtenteils als wenig überzeugend und verhältnismäßig angesehen“, sagte Harry Tchilinguirian, Forschungsgruppenleiter bei der Onyx Capital Group. “Schlechte makroökonomische Realitäten rund um China werden wieder die Oberhand gewinnen und den Ölpreis nach unten drücken.“

Karte zeigt Angriffe zwischen Iran und Israel

Die OPEC+ plant, im Dezember mit der schrittweisen Wiederbelebung der Ölproduktion zu beginnen, und der Markt wartet auf jede Änderung dieses Zeitplans. Die Produzentengruppe wird sich voraussichtlich am 1. Dezember treffen, um die Förderpolitik für 2025 zu erörtern. Die Marktkennzahlen zeigen jedoch immer noch, dass die Händler wegen der Feindseligkeiten im Nahen Osten nervös bleiben. Die implizite Volatilität für den Brent-Ölpreis liegt nahe dem höchsten Stand seit einem Jahr, und die Optionen behalten einen bullischen Farbton bei. Calls – von denen Käufer profitieren, wenn die Preise steigen – bleiben gegenüber den entgegengesetzten Puts im Vorteil. Während des Handels in Asien wechselten mehr Brent-Kontrakte als üblich den Besitzer.

Kommentar

FMW: Nach diesem sehr milden israelischen Angriff gegen den Iran vom Samstag darf man vermuten, dass der Iran gar nicht oder nur sehr mild gegen Israel zurückschlagen wird. Die Gefahr, dass die Öl-Infrastruktur in der Region beeinträchtigt wird und damit Öl-Lieferungen für den Weltmarkt, ist übers Wochenende spürbar gesunken, was im fallenden Ölpreis dargestellt wird. Und nun blickt der Markt wieder auf das global steigende Angebot an Öl und die Konjunkturschwäche in Europa, und vor allem in China. Weniger Ölnachfrage und gleichzeitig steigendes Angebot durch die OPEC und auch die US-Produzenten könnte nun vermehrt Abwärtsdruck für den Ölpreis bedeuten. Für den Aktienmarkt kann dies ein stützender Faktor werden. Denn deutlich billigeres Öl verbilligt in den großen westlichen Industrienationen die Energiekosten auf breiter Front, was gut ist für Unternehmen, Verbraucher und die Gesamtkonjunktur.

FMW/Bloomberg



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4 Kommentare

  1. Die notorischen Schwarzseher, die schon eine Schließung der Straße von Hormus sahen, werden einmal mehr eines Besseren belehrt.

  2. Nun, zur Zeit kommen aus Teheran vergleichsweise milde Reaktionen auf den jüngsten israelischen Angriff. Religionsführer Ajatollah Khamenei spricht davon, daß man nunmehr weder übertreiben, noch die Angelegenheit herunterspielen sollte. Staatspräsident Dr. Massud Peseschkian erklärt, daß der Iran keinen Krieg wolle, und auf den jüngsten israelischen Angriff angemessen reagieren werde. In diesem Zusammenhang ist auf jeden Fall der Ausgang der US-Wahl am 05. November wichtig. Sollte der 45. US-Präsident Donald John Trump die Wahl gewinnen, ist mit einem harten Kurs durch ihn und Premierminister Benjamin Netanyahu gegen den Iran zu rechnen, was in Teheran dann sicherlich argwöhnisch betrachtet würde. Somit ist die aktuelle Ölpreissenkung als gefährliche Entspannung anzusehen.

    1. „… gefährliche Entspannung…“

      Was für ein absurder, widersprüchlicher Ausspruch🤭!
      Kann nur von geborenen Pessimisten stammen.
      In Wirklichkeit hat der Iran auf gut deutsch „Schiß“ (Angst) vor Israel, weil er sich seiner Unterlegenheit bewußt ist.

    2. Nach dem jüngsten israelischen Angriff auf den Iran kündigt der Kommandeur der Iranische Revolutionsgarde Hossein Salami Israel mit harten Konsequenzen, indem er erklärt „Die harten Konsequenzen werden unvorstellbar sein“/Quelle: n-tv-Fernsehtext. Hierbei gilt festzustellen, daß den beiden iranischen Angriffen auf Israel, welche in diesem Jahr erfolgten, jeweils ein israelischer Angriff auf iranisches Hoheitsgebiet vorausging. Die weitere Entwicklung des Ölpreises in diesem Zusammenhang bleibt abzuwarten.

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