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Märkte

Ölpreis fällt brutal auf Goldman-Kursziel – die aktuelle Lage

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Beispielbild einer Öl-Pumpe

Der Ölpreis ist gestern derart schnell immer weiter gefallen, dass wir kaum hinterher gekommen sind mit der Berichterstattung, einmal gestern früh, und dann am Nachmittag. Gestern trat endgültig eine historische Dimension ein, weil der Ölpreis seinen Tiefststand des vorigen Öl-Schocks aus der Phase 2014-2016 unterschritten hatte. Auch die Tiefs aus der Finanzkrise 2008 sind schon unterschritten worden. Die Dimension des gestrigen Horror-Tages für Öl beschrieb CNBC ziemlich gut. Es war der dritt schlimmste Tag aller Zeiten mit einem 18 Jahres-Tief!

Ölpreis erreicht jüngstes Goldman-Kursziel

Gestern berichteten wir bereits vom Goldman-Kursziel von 20 Dollar für WTI-Öl, welcher vorher bei 29 Dollar gelegen hatte. Goldman glaubt an einen Nachfragerückgang von 8 Millionen Barrels pro Tag. Dieses Kursziel von 20 Dollar im Ölpreis sollte ein Durchschnitts-Zielwert für das 2. Quartal sein, also April-Juni. Und gestern ist der Markt nun derart schnell gefallen, dass selbst dieses Ziel erreicht wurde mit einem Tief von 20,07 Dollar gestern Abend. Über Nacht konnte sich der WTI-Ölpreis etwas erholen auf jetzt 23,01 Dollar. Das kann man wohl getrost als technische Reaktion betrachten. Denn hey, noch letzten Freitag Abend lag der Markt bei 33 Dollar! Die Gründe für den Absturz im Ölpreis sind bekannt und ausführlich thematisiert, daher hier nochmal in Kurzform. Die Saudis führen einen Öl-Krieg durch massive Ausweitung der Fördermenge und Senkung der Endkundenpreise. Gleichzeitig lässt das Coronavirus die weltweite Nachfrage nach Öl wohl stark einbrechen. Ein doppelter Negativ-Effekt, welcher den Ölpreis brutal abstürzen lässt!

Gibt es Hoffnung?

Die wichtigste Frage ist: Wo endet dieser Absturz im Ölpreis, und gibt es Hoffnung auf eine Stabilisierung des Preisniveaus? Aktuell gibt es Berichte darüber, dass sich Saudi-Arabien sich zum Beispiel Lagerkapazitäten für Öl in Ägypten sichert. Die Öl-Flut schwappt also über den Planeten, und mangels Nachfrage wird sie offenbar in die Lager gepumpt. Das macht wenig Hoffnung! Und auch gibt es die Meldung, dass Saudi Aramco angewiesen wurde auch die nächsten Monate auf einem Niveau von 12,3 Millionen Barrels pro Tag Öl zu fördern (vor Kurzem lag die Menge noch knapp unter 10 Millionen Barrels pro Tag). Auch das macht wenig Hoffnung für die Öl-Bullen!

Und dann gibt es noch die hoch interessante Initiative im US-Kongress Richtung Donald Trump, dass die USA doch bitte Öl-Importe aus Russland, Saudi-Arabien und den anderen OPEC-Staaten blockieren sollen. Damit soll natürlich die heimische Fracking-Industrie geschützt werden. Käme diese Idee durch, würde man damit den WTI-Ölpreis (also US-Öl) nach oben bringen? Der Öl-Krieg scheint also eher noch zu eskalieren. Die Lage wird zunehmend spannend. Wird diese Idee konkreter, könnte es zu einem zweigeteilten Markt kommen? Womöglich ein steigender WTI-Ölpreis, und gleichzeitig ein schwächeres Brent, wo die Öl-Flut weiter wirkt?

Aktueller Analystenkommentar

Einen interessanten Kurzkommentar hat vorhin Jasper Lawler von der London Capital Group veröffentlicht. Der Ölpreis sei gestenr um 24 Prozent gefallen. Der Öl-Krieg zusätzlich zur Zerstörung der Nachfrage durch das Coronavirus, verursache einige wahnsinnige Bewegungen im Ölpreis. Es gebe jetzt einige ernsthafte Prognosen für den Ölpreis, dass er auf Null sinken werde. Nachdem die Entscheidung über die Fördermengenausweitung gefallen ist, würden vermutlich weder Russland noch Saudi-Arabien im Preiskrieg nachgeben. Die einzige marktwirtschaftliche Lösung für diese sinkenden Ölpreise liege in einem geringeren Angebot durch den Bankrott der amerikanischen Fracking-Unternehmen, für die es sich nicht mehr lohnt, das Öl aus dem Boden zu holen.

WTI Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage
Der Ölpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der aktuelle Anstieg ist im diesem größeren Bild kaum der Rede wert.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    frank

    19. März 2020 09:47 at 09:47

    Jetzt in Öl zu investieren, ist fast eine sichere Sache, denn der Ölpreis wird nicht sehr lange so tief bleiben. Die USA sind nach wie vor Schutzmacht von Saudi Arabien und auch diese haben kein Interesse an einem langanhaltenden niedrigen Preis. Nur Russland könnte eine längere Durststrecke gut durchhalten. Russland möchte Druck ausüben, da die USA ihre Gasexporte in die EU blockiert. Reine Machtpolitik. Aber auch das wird nicht ewig zu gehen. Jetzt direkt ein Ölzertifikat zu kaufen oder eine Shell, BP oder Exxon ist in meinen Augen wenig riskant und bietet eine fast einmalige Chance.

    • Avatar

      Hintefrager

      19. März 2020 10:23 at 10:23

      Bitte aber nicht vergessen, dass mit einer mittel- bis langfristig angestrebten und auch zwingend notwendigen weltweiten Dekarbonisierung, die mit entsprechenden globalen Deinvestments einherhergehen wird (siehe u.a. klare Ansagen von BlackRock-CEO Larry Fink), auch Öl und Gas dauerhaft bzw. endgültig zu Dreck im Boden werden dürften…

      https://www.blackrock.com/corporate/investor-relations/larry-fink-ceo-letter

    • Avatar

      Scheer

      19. März 2020 11:59 at 11:59

      Genau meine Gedanken und meine Worte.
      Ich bin genauso davon überzeugt das der Kurs sich bald wieder bei 30/40$ normalisiert.
      Der niedrige Preis sorgt dafür das die Werkbank der Welt günstiger produzieren kann.
      Auch wenn kurzfristig die Lieferketten unterbrochen wurden, letztlich zählen die niedrigen Lohnstückkosten im asiatischen Bereich und die entscheidenen Manager schauen ausschließlich auf ihren eigenen Geldbeutel.
      Die Corona Hysterie ist bald vorbei und in 3 Monaten interessiert sich niemand für die Grippe.

      • Avatar

        Scheer

        19. März 2020 12:16 at 12:16

        Im übrigen, wenn man den Ölpreis Verlauf in der Finanzkrise betrachtet sieht man das Öl neben den Finanzwerten zu erst angesprungen ist. (wenn auch die Corona Krise nicht mit der Finanzkrise vergleichbar ist)
        Das ist auch logisch, das Öl ist das Schmiermittel womit die Wirtschaft betrieben wird. Und das wichtigste ist:
        KEINER HAT EIN INTERESSE DAS DIE WIRTSCHAFT ZUSAMMENBRICHT, DESHALB WERDEN ALLE AM SELBEN STRANG ZIEHEN UM DEN MOTOR WIEDER ANZUWERFEN. Das ist reine Existenzsicherung

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Aktien

Aktuell: Lufthansa veröffentlicht Maßnahmen für weiteren Kahlschlag

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Der Lufthansa A380 wird wohl nicht mehr fliegen

Die Lufthansa hatte bereits Maßnahmen zum Kahlschlag angekündigt. Aber es ist wie es ist. Die Fluggastzahlen erholen sich nicht V-förmig wie (auf den ersten Blick) die Gesamtkonjunktur. Weltweit gibt es ständig neue Corona-Restriktionen und viele Unklarheiten. Und offenkundig haben zu viele potenzielle Flugreisende wohl einfach keine Lust auf diese ganze Unsicherheit und dazu noch auf stundenlanges Maskentragen an Flughäfen und im Flugzeug. Jetzt hat die Lufthansa vor wenigen Minuten die nächsten Maßnahmen zum Kahlschlag verkündet. Weiter Runter-Schrumpfen, um nicht in den Kosten zu versinken, so könnte man es ausdrücken. Hier drucken wir die wichtigsten Infos von der Lufthansa im Wortlaut ab. Die Headline-Aussagen:

– Erholung des Luftverkehrs deutlich langsamer als noch im Sommer erwartet
– Tiefere Einschnitte bei Flottengröße und für Personal
– Langfristig geparkte sowie zur Ausflottung vorgesehene Flugzeuge werden im dritten Quartal mit bis zu 1,1 Mrd. EUR wertberichtigt
– Operative Mittelabflüsse sollen um 100 Mio. EUR pro Monat reduziert werden

Details:

Der Kapazitätsausblick für die Passagierairlines wird deutlich nach unten korrigiert; die bisherige Annahme, im vierten Quartal des Jahres ein durchschnittliches Produktionsniveau von 50 Prozent des Vorjahreswertes zu erreichen, erscheint nicht mehr realistisch. Bei Fortsetzung des aktuellen Trends werden die angebotenen Sitzkilometer im Vorjahres-vergleich voraussichtlich nur noch in einer Spanne zwischen 20 und 30 Prozent liegen.

Die mittelfristige Flottenplanung wird angepasst und sieht aktuell ab Mitte des Jahrzehnts eine dauerhafte, konzernweite Kapazitätsreduktion von 150 Flugzeugen vor .

In Ergänzung der bereits kommunizierten Flottenentscheidungen wurde folgendes beschlossen: Nachdem bereits im Frühjahr sechs Airbus A380 endgültig außer Dienst gestellt worden sind, werden die verbleibenden acht Flugzeuge vom Typ A380 sowie zehn Flugzeuge vom Typ A340-600, die bislang noch für den Flugdienst vorgesehen waren, in einen sogenannten Langzeitparkmodus (long-term storage) überführt und aus der Planung genommen.

Aus den vorgenannten Flottenentscheidungen werden sich weitere Wertberichtigungen in einer Größenordnung von bis zu 1,1 Mrd. EUR ergeben. Der Betrag soll noch im dritten Quartal des laufenden Jahres verbucht werden.

Der bisher avisierte rechnerische Personalüberhang von 22.000 Vollzeitstellen erhöht sich in Folge der Entscheidungen für das dritte Paket des Restrukturierungsprogramms. Die Anpassung der dauerhaften Personalstärke in den Flugbetrieben wird an die weitere Marktentwicklung angepasst.

Die überarbeitete Finanzplanung sieht trotz des eingetrübten Ausblicks vor, die Mittelabflüsse durch striktes Kostenmanagement weiter zu senken. Der Liquiditätsabfluss soll von aktuell rund 500 Mio. EUR pro Monat auf durchschnittlich 400 Mio. EUR pro Monat im Winter 2020/21 gesenkt werden. Das kommunizierte Konzernziel, im Jahresverlauf 2021 wieder operativ positive Mittelzuflüsse zu erwirtschaften, wird bekräftigt.

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